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Offener Wettbewerb | 10/2019

Neubau des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums in F├╝rth

1. Preis

Preisgeld: 50.000 EUR

ama_architekturb├╝ro michael auerbacher

Architektur

lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh

Landschaftsarchitektur

Erl├Ąuterungstext

St├Ądtebau

Der Neubau wird als kompakter 5-gescho├čiger Solit├Ąr in polygonaler Grundform konzipiert. Er stellt sich als Schulgeb├Ąude in den Kontext der im Umfeld vorhandenen Bauten mit ├Âffentlicher Nutzung. Die Raumkanten des Vielecks nehmen Bezug zur unmittelbaren Umgebung ÔÇô zur Stadtseite orthogonal als erg├Ąnzender Stadtbaustein und markanter Eckpunkt am Eingang zur Altstadt ÔÇô zur Landschaftsseite polygonal und in freier Form dem Flussraum folgend.
Mit der Kompaktheit des Bauk├Ârpers geht ein geringer Fl├Ąchenverbrauch einher, sodass die erforderlichen Frei- und Pausenfl├Ąchen ohne Beanspruchung des Landschaftsschutzgebietes ausgewiesen werden k├Ânnen.
Zur Henri-Dunant-Strasse schafft ein Versatz des Bauk├Ârpers eine gro├čz├╝gige Vorplatz- und Eingangssituation. Die H├Âhenentwicklung orientiert sich an der angrenzenden Nachbarschaft.


Funktionen und r├Ąumliche Organisation

Aus dem Eingangsbereich erfolgt die Verteilung innerhalb des Geb├Ąudes. Zentral gelegene Freitreppen f├╝hren in die untere und die oberen Ebenen.
Alle Funktionen werden um die beiden Atrien gruppiert, wobei die verschiedenen Nutzungen gescho├čweise als eigenst├Ąndige Bereiche zoniert sind. In der Eingangsebene sind dies die Verwaltung, der Lehrerbereich und Fachr├Ąume der Kunst, im OG 1 die Naturwissenschaften und im OG 2 und 3 die Klassen. In der Ebene zum Fluss erhalten Mensa, Mehrzweck- und Musikr├Ąume einen Bezug zu den Freifl├Ąchen. Die Pausenhalle ist als Aula zusammen mit mobil abtrennbaren R├Ąumen multifunktional nutzbar.
Die clusterweise zugeordneten Marktpl├Ątze erhalten als Galerien am Luftraum der Atrien nat├╝rliches Licht ├╝ber die Glasd├Ącher in der Dachebene. Es entsteht eine offene, freundliche Atmosph├Ąre, sowie Raumsituationen mit guter Orientierbarkeit und hoher Aufenthaltsqualit├Ąt. Die Zonierung mit zwei Mitten schafft eine angenehme Kleinteiligkeit und ein lerngerechtes Umfeld.
Technikr├Ąume sowie die Parkierung und die Fahrradabstellm├Âglichkeit f├╝r die P├Ądagogen liegen im UG.


Erschlie├čung und Verkehr

Die Erschlie├čung erfolgt ├╝ber die Henri-Dunant-Stra├če. Die Zufahrt wird mit einfachen konstruktiven Mitteln weitestgehend ├╝berbaut, sodass sich die Strasse stadtgestalterisch angenehm zur├╝cknimmt. Die Ver- und Entsorgung (K├╝che, M├╝ll, Papier etc.) erfolgt am Fu├če der Abfahrt mit eigener Lieferzone. Die Parkierung wird als TG ausgewiesen. Somit k├Ânnen die wertvollen Freifl├Ąchen von ruhendem Verkehr freigehalten werden. Die Rampenzufahrt erfolgt ├╝berdacht im Bereich der Anlieferung, wodurch die verkehrliche Beanspruchung der M├╝hlstra├če durch Hotel und Feuerwehr entlastet wird.

Aus der unteren Ebene f├╝hren Pausenzug├Ąnge in die Freibereichen am Fluss
Fahrradstellpl├Ątze liegen am Vorplatz in r├Ąumlicher N├Ąhe zum Geb├Ąudeeingang und sind ├╝ber den Fuss- und Radweg entlang der M├╝hlstra├če gut erreichbar.

Barrierefreiheit

Alle Ebenen des Neubaus sowie die Freifl├Ąchen sind f├╝r den Lehrbetrieb schwellenlos nutzbar. Ein Aufzug am Atrium verbindet das Eingangsgeschoss und die Obergeschosse sowie das Souterrain barrierefrei. Behinderten-WC┬┤s sind in allen Ebenen ausgewiesen.

Freifl├Ąchen

Ein steinerner Vorplatz verbindet das Neubauareal mit der Innenstadt. Flussseitig werden die naturget├Ânte Auen gro├čz├╝gig bis an das Baufeld herangef├╝hrt. Der Baumbestand wird weitgehend ber├╝cksichtig und durch standortgerechte Vegetationskulissen erg├Ąnzt. Der verbindende Uferweg quert mit ausreichenden Gew├Ąsserrandsteifen die Pegnitzauen und verkn├╝pft die Innenstadt ├╝ber den neuen Steg barrierefrei mit den Stadtwiesen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der kompakte Solit├Ąr nimmt die Stra├čenraumkante des bestehenden Sozialrathauses auf und schafft es, das geforderte Raumprogramm in einem zur Henry-Dunant-Stra├če nur 4-geschossigen Bauk├Ârper unterzubringen. Die wichtige Verbindung Stadtraum-Landschaftraum wird dominant durch eine breite ÔÇ×spanische TreppeÔÇť zwischen Sozialrathaus und Schule betont. Durch die Kompaktheit und das Heranr├╝cken der l├Ąnglichen Geb├Ąudeseite an die Henry-Dunant-Stra├če verbleibt ein relativ gro├čer Freiraum zum Landschaftsschutzgebiet und den Pegnitzauen, wodurch zwei der als besonders sch├╝tzenswert eingestuften B├Ąume erhalten werden k├Ânnen. An der Auenseite schiebt sich ein gro├čes Plateau ├╝ber die gesamte Geb├Ąudel├Ąnge aus dem Geb├Ąude und stellt so einen starken, aber nicht ├╝bertriebenen Bezug zum Landschaftsschutzgebiet her.

Die schwierige Anbindung der M├╝hlstra├če an die Henry-Dunant-Stra├če wird geschickt ├╝ber eine Unterfahrung des Geb├Ąudes l├Ąngs der Geb├Ąudekante zur Henry-Dunant-Stra├če realisiert.

Der Haupteingang liegt prominent und gut wahrnehmbar an der stadtzugewandten Seite der Stra├čenfassade. Die den Pegnitzauen zugewandte und um ein Stockwerk tiefer liegende Ebene wird seitlich ├╝ber kleine Nebeneing├Ąnge und einen von der ÔÇ×spanischen TreppeÔÇť relativ weit entfernten Eingang erschlossen. Eine gro├čz├╝gigere Erschlie├čung ist hier w├╝nschenswert. Die Grundrisse in dieser Ebene bieten hierf├╝r ausreichend Spielraum.

Die interne Erschlie├čung ├╝ber gro├če zusammenh├Ąngende Bereiche um zwei teilweise offene Atrien wirft brandschutztechnische Fragen auf, die in der Nacharbeitung so ├╝berzeugend zu l├Âsen sind, dass die gelobte Gro├čz├╝gigkeit und die Klarheit des Entwurfs erhalten bleiben.

Das geforderte p├Ądagogische Konzept mit Marktpl├Ątzen funktioniert sehr selbstverst├Ąndlich durch Integration in die interne Wegef├╝hrung. Die Belichtung und der quadratische Grundriss der Klassenr├Ąume in den Obergeschossen werden positiv gesehen. Die R├Ąume sind insgesamt sehr variabel nutzbar. Die gereihte Freistellung der p├Ądagogischen Kernr├Ąume Musikraum, Theater und Mehrzweckraum werden durch eine gereihte Freistellung betont. Die Zuschaltbarkeit dieser R├Ąume untereinander und die Orientierung zur Aula auf dieser Ebene gew├Ąhrleistet die gew├╝nschte funktionale Flexibilit├Ąt im Schulbetrieb. Die Musikprober├Ąume sollten hinsichtlich von Belichtungsm├Âglichkeiten nachgebessert werden.

In den horizontal geb├Ąnderten Fassaden imponieren Glasfl├Ąchen und in geschlossenen Bereichen eine Klinkerfassade, die grunds├Ątzlich die Materialit├Ąt der Umgebung, z.B. des dominanten Geb├Ąudes der Wolfsgruberm├╝hle in der unmittelbaren Umgebung aufnimmt, diese Einf├╝gung ├╝ber die Helligkeit des dargestellten Materials aber wieder abschw├Ącht. Die unteren Gescho├če sind dezent z.B. ├╝ber Fensterformate von den Obergeschossen abgesetzt, was positiv gesehen wird.

Die gew├Ąhlte Konstruktion als Stahlbetonmassivbau mit vorgeh├Ąngter Klinkerfassade und Pfosten-Riegel- Konstruktion in den ge├Âffneten Bereichen der Fassade ist konventionell. Aufgrund dieser gew├Ąhlten Konstruktion, der Klarheit und Kompaktheit erscheint der Entwurf wirtschaftlich und gut realisierbar. Dies best├Ątigt sich auch in den geforderten Kennwertverh├Ąltnissen. Der Entwurf schafft es die vielen, teilweise hochkomplexen Anforderungen der Wettbewerbsaufgabe zu einem ├╝berzeugenden und fast schon selbstverst├Ąndlichen Ergebnis zusammenzuf├╝hren.

Freiraum: Durch die direkte Setzung der Schule an die Henri -Dunant -Str. wird ein angemessener st├Ądtischer Eingangsbereich formuliert und eine offene Schulfreifl├Ąche im Landschaftsraum der Pegnitzaue geschaffen. Eine gro├čz├╝gige Treppe verbindet den oberen st├Ądtischen Bereich an der Strasse mit den Schulfreifl├Ąchen. Der Entwurf verzichtet dabei auf eine barrierefreie Ausbildung dieser Verbindung. Diese Haltung sollte ├╝berdacht werden. Auch die nord├Âstlich gelegene Treppenanlage, die innerhalb des Landschaftsschutzgebietes liegt und den Fu├čweg der Henri ÔÇôDunant -Str. mit den ├Âffentlichen Fu├čwegen der Pegnitzaue verbindet, stellt keine barrierefreie Fu├čwegeverbindung von Stra├čenraum und Aue her.

Die Freifl├Ąchenplanung integriert die zu erhaltenden B├Ąume Eiche und Spitzahorn, die Walnuss dagegen liegt im Baufeld der Schule. Eine nachhaltige Sicherung dieser B├Ąume ist durch besondere Schutzma├čnahmen, sowie die, auf den Baumerhalt abgestimmte Gestaltung der Oberfl├Ąchen im Bereich der Kronentraufbereichen zu gew├Ąhrleisten. Insbesondere die Ausformulierung der M├╝ndung der ÔÇ×spanischen TreppeÔÇť im Kronentraufbereich der sehr m├Ąchtigen Eiche ist in Hinblick auf den Erhalt des Baumes zu ├╝berdenken.

Die Darstellung der Schulfreifl├Ąchen bleibt schematisch und bietet wenig beurteilbare Aussagen. Die Darstellung reduziert sich auf ein, an das Geb├Ąude angelehntes orthogonales Wegenetz, das im direkten Geb├Ąudeumfeld st├Ąrker befestigte Freifl├Ąchen erwarten l├Ąsst, Materialit├Ąt und Versiegelungsgrad bleiben unklar. Die Verzahnung der Innenr├Ąume mit den Freifl├Ąchen im EG und auf der Terrasse des 1. OGs gew├Ąhrleistet im Schulalltag und bei Veranstaltungen eine gute Nutzbarkeit.

In Richtung Pegnitzaus werden frei ausformulierte Freifl├Ąchen angedeutet. Der m├Âgliche Erhalt weiterer Bestandsb├Ąume wird begr├╝├čt.
Lageplan

Lageplan