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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Neubau des Stadtteilzentrums in Rodgau Nieder-Roden

Visualisierung

Visualisierung

3. Preis

Preisgeld: 10.000 EUR

STURM UND WARTZECK GMBH

Architektur

bauart – Beratende Ingenieure

Energieplanung

weihrauch+fischer gmbh

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Ein Haus für „mit und ohne Anlass“. Ein Haus für das Festliche und das Alltägliche. Ein besonderes Haus, dass einlädt und ge-/benutzt werden möchte. Ein Haus mit öffentlichem Charakter und gleichzeitig vertrauter Atmosphäre. Ein Stadtbaustein als gemeinschaftliches Wohnzimmer. Ein Haus der Vielfältigkeit - zwischen Bildungseinrichtung, Arbeitsstätte und Zeitvertreib. Ein Haus der Begegnung und ein Ort als Treffpunkt. Ein Ankerpunkt für einen lebendigen, demokratischen Ort der Gemeinschaft und des Austauschs.

Das großzügige Erdgeschoss als Basis des Stadtteilzentrums adressiert und bündelt die programmatische Vielfalt des Hauses und verortet diese auf dem Rodgauer Stadtboden. Die Erdgeschossnutzungen verzahnen sich intensiv mit dem öffentlichen Stadtraum und werden gezielt durch freiraumplanerische Elemente qualifiziert. Die Verjüngung der Geschosstiefen nach oben folgt klaren städtebaulichen Prinzipien, programmatischen Clusterbildungen und baurechtlichen Ableitungen. Das Foyer mit dem 'Zuschaltbaren Bereich +' schafft Raum für diverse programmatische Synergien und Anlässe. Das Erdgeschoss adressiert die Nutzeinheiten des gesamten Hauses und umfasst die großzügigen, teils zusammenschaltbaren Raumzusammenhängen mit öffentlicherem Charakter. Die unterschiedlichen Nutzbereiche sind von dort ausgehend sinnfällig und kompakt über die Geschosse organisiert und unabhängig voneinander zu erschließen. Die weiteren Multifunktionsräume sind zusammen mit der Verwaltung in der 'Belle Etage' (1.OG) mit Blick über die Platanen verortet. Die strukturelle Offenheit des Geschosses setzt adaptive Möglichkeitsräume für sich ändernde Raumansprüche. Die Bibliotheksbereiche in den 3 Obergeschossen bieten kommunikative Anlaufpunkte (2.OG), konzentrierte Arbeitsatmosphäre (3.OG) und Rückzugsräume aus dem Alltag (4.OG).

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf nutzt die sich eröffnenden Möglichkeiten, die angrenzenden Stadträume neu zu denken und zu ordnen. Der klar charakteristische Baukörper strukturiert Stadtplätze und Durchgänge, wirkt selbst als Körper im Stadtraum und gleichzeitig als Verbindung. Das Erdgeschoss bietet vielfältige Flächen, die sich mit den angrenzenden Stadträumen verzahnen und diese funktional bereichern. Der Platanenhain auf dem Puiseauxplatz wird in seiner ursprünglichen Form erhalten und bildet das Vordach zum Stadtteilzentrum. Das Gebäude zeigt sich mit seiner Geometrie als übergroßes Dach; die niedrige Traufe sorgt für eine vertikale Zweiteilung und trotz der Höhe für einen menschlichen Maßstab. Der Bodenbelag zieht sich vom Platz in das Erdgeschoss hinein und schafft eine einladende Kontinuität. Das Erdgeschoss überzeugt durch eine klare Struktur, wenngleich die Treppenhäuser an den Fassaden die gewünschte Klarheit stellenweise beeinträchtigen könnten. Besonders hervorzuheben ist der zuschalt- bare Bereich, der gemeinsam mit dem Foyer den zentralen Dreh- und Angelpunkt zwischen Stadtgesellschaft und Stadtteilzentrum bildet. Die Funktionen im Erdgeschoss sind präzise gegliedert: die Stadtteilarbeit orientiert sich dabei nach Norden und ist separat erschließbar, während die nach Süden ausgerichteten Multifunktionsbereiche öffentlich einsehbar und einladend sind. Der Hauptzugang erfolgt über die giebelseitige Platzfassade, von wo aus Treppenhaus und Aufzug die im „Dach“ gelegenen Funktionsbereiche erschließen. Der Multifunktionsbereich im 1. Obergeschoss ist klar gegliedert, während die Bibliothek sich in den oberen, zunehmend schmaler werdenden Geschossen erstreckt. Die interne Erschließung ermöglicht kurze, nachvollziehbare Wege, und die sukzessive Abnahme der Geschosse verbessert Belichtung sowie Bezüge nach außen. Die Bibliothek greift das Dachkonzept auf. Die langen Seiten sind durchgehend mit Arbeitsplätzen aus- gestattet, alle mit Blick nach außen, was in Kombination mit den Dachfenstern denkerstubenartige Assoziationen hervorruft . In den obersten Geschossen werden die Räume proportional schlanker; hier befindet sich der Kinderbereich, der sich über zwei Geschosse mit einer Treppe verbindet und teilweise von oben belichtet wird. Besonders hervorzuheben ist der Vorlesebereich mit einem großen Fenster Richtung Puiseauxplatz, der eine markante räumliche Qualität schafft . Die konstruktive Umsetzung mit Holzstützen, Brettsperrholzdecken und aussteifenden Kernen (Treppenhäuser und Aufzug) ist grundsätzlich gut realisierbar. Die Fassade aus vorgefertigten Holzrahmenelementen, ergänzt durch perforiertes Aluminiumblech zur Ermöglichung von Ausblicken nach außen, wird als interessanter Ansatz bewertet. Dessen praktische Umsetzbarkeit ist jedoch kritisch zu prüfen, und es erscheint fraglich, ob dieser Ansatz für den Ort die passende Lösung darstellt. Das Konzept bietet jedoch die Grundlage, um weitere, ortsangemessene Fassadenlösungen zu entwickeln. Der Entwurf nutzt die durch den Abriss des Bestandsgebäudes eröffneten, stadträumlichen Möglichkeiten überzeugend und eröffnet mit seiner beidseitigen Ausrichtung interessante Perspektiven, die neue Mitte der Stadt auch zukünftig weiterzuentwickeln. Der Beitrag schafft eine starke neue Mitte mit hohem Identifikationspotential.
Grundriss EG

Grundriss EG

Schnitt

Schnitt

Nutzungsdarstellung

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