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Nichtoffener Wettbewerb | 12/2014

Neubau einer studentischen Wohnanlage an der Chiemgaustraße

Lageplan

Lageplan

2. Preis

Preisgeld: 15.000 EUR

m8architekten

Architektur

Weidinger Landschaftsarchitekten GmbH

Landschaftsarchitektur

Akustik SĂŒd GbR

Akustikplanung

PETER GÖTZ | sehen + verstehen

Modellbau

ErlÀuterungstext

Die Studentensiedlung Chiemgaustraße liegt am Mittleren Ring. Dem Ort, der Geschwindigkeit und dem LĂ€rm angepasst, erhĂ€lt die Siedlung dort zur Adressbildung einen großzĂŒgigen Vorbereich mit einem Sportplatz.
Im Norden gewinnt das Baugebiet mit der Nutzung Kinderkrippe einen Abschluss zum Weißenseepark und der Kirche Sintpert- Ecke Weißenseestraße.

Das Gebiet wird durch die „Stange“ rĂ€umlich zum Mittleren Ring gefasst. Das dahinterliegende Feld bis zum Weißenseepark wird durch eine gleichmĂ€ĂŸige Bebauung mit StudentenhĂ€usern an Gassen und kleinen, den HĂ€usern zugeordneten GĂ€rten gestaltet. Die Bebauung durch die StudentenhĂ€user erlaubt eine gute, fußlĂ€ufige Durchwegung in alle Richtungen.

Die Siedlung ist in Ost-West-verlaufende BĂ€nder aus HĂ€usern, privaten GrĂŒnflĂ€chen, internen PlĂ€tzen und Gassen aufgebaut. ZusĂ€tzlich erfolgt eine Nord-SĂŒd-Vernetzung entlang der höheren HĂ€user (mit den GemeinschaftsrĂ€umen im Erdgeschoss) und den internen PlĂ€tzen.

Haustypen

Mit ihren farblich gestalteten Eingangsbereichen und aufgrund der Anzahl der WohnplĂ€tze (nur ca. 40 Einheiten pro Haus) stellen die StudentenhĂ€user entlang der Gassen eine optimale Orientierungs- und Identifizierungsmöglichkeit dar. Die kleinen und individuellen GĂ€rten zwischen den StudentenhĂ€usern bieten Gestaltungsraum fĂŒr die Bewohner. Alle Studentenwohnungen sind zu den GĂ€rten orientiert. Die GemeinschaftsrĂ€ume werden einzelnen HĂ€usern zugeordnet und sind auch ĂŒber die internen Nord- SĂŒd Verbindungswege miteinander vernetzt.

Appartementstange

Die Appartements sind nach SĂŒden ausgerichtet und ĂŒber zwei TreppenhĂ€user und den nördlich liegenden LaubengĂ€ngen erschlossen. Diese einfache Struktur unterstĂŒtzt die offene Wegebeziehung im Studentendorf. Die nördlichen LaubengĂ€nge geben eine einfache, wirkungsvolle Antwort auf den LĂ€rmschutz, indem sie eine BelĂŒftung der Appartements ĂŒber die Nordfassade erlauben. Zur Adressbildung des Dorfes sind die GemeinschaftrĂ€ume, Hausmeister- und VerwaltungsbĂŒros im Erdgeschoss zur Chiemgaustraße und zum Studentendorf ausgerichtet.

Kinderkrippe

Die Kita ist an der Nordseite des Dorfes situiert, darĂŒber liegt die Hausmeisterwohnung mit dem Hausmeistergarten. Auch hier schafft die Lage gegenĂŒber dem Park und die NĂ€he zur Kirche fĂŒr diese Nutzung eine gute Adresse und Vernetzung - nicht nur ins Studentendorf, sondern auch zur nĂ€heren Umgebung ins umliegende StadtgefĂŒge.

StellplĂ€tze fĂŒr FahrrĂ€der und Autos

Die notwendigen, erdgeschossigen, ĂŒberdachten FahrradabstellplĂ€tze werden zur rĂ€umlichen Trennung der Gassen und der individuellen GĂ€rten verwendet.
Sowohl fĂŒr die noch notwendigen Autos, als auch fĂŒr die FahrrĂ€der werden StellplĂ€tze im Untergeschoss angeboten. Diese werden ĂŒber getrennte Fahrrad / Autorampen erschlossen. Die notwendigen Fluchtwege werden ĂŒber die internen TreppenhĂ€user gewĂ€hrleistet. An den NiveausprĂŒngen zwischen den GĂ€rten und Gassen können die Garagen natĂŒrlich belĂŒftet und belichtet werden.

Fassade / Sonnenschutz /Konstruktion

Die Appartements werden in Massivbauweise errichtet. Die opaken AußenwĂ€nde werden mit einem Reliefputz auf WDVS erstellt. Die StudentenhĂ€user erhalten farbige, nach StudentenhĂ€usern differenzierte Holz-Fensterelemente einschließlich Sturz und Leibungen aus Holzwerkstoff. Die Absturzsicherung ist als einfaches StahlstabgelĂ€nder konzipiert und antrazit gestrichen. Senkrechtmarkisen vor den Appartements der Studenten dienen als Sonnenschutz. Die Fassaden erhalten - soweit nötig - im sĂŒdlichen Bereich Schallschutzelemente. An der Chiemgaustraße schlagen wir vor, die Holz-oberflĂ€che aufgrund der grĂ¶ĂŸeren Beanspruchung durch eine Aluschale zu ersetzen.

LĂ€rmschutz

Als LĂ€rmschutzriegel dient die Appartementstange an der Chiemgaustraße. Die dahinterliegenden StudentenhĂ€user, einschließlich ihrer differenzierten Freibereiche werden so vom StraßenlĂ€rm des mittleren Rings geschĂŒtzt.

LĂ€rmschutz in der Appartementstange
Die Fenster der Appartements sind nach SĂŒden ausgerichtet. Zur Chiemgaustraße sind die Appartements um 20m zurĂŒckgesetzt. Über LĂŒftungsflĂŒgel nach Norden (Oberlichter zum Laubengang) können die RĂ€ume ohne weitere Schallschutzmaßnahmen belĂŒftet werden. Auf der SĂŒdseite erhalten die Wohnungen zusĂ€tzlich ein schallgedĂ€mmtes FassadenlĂŒftungselement. Somit ist in diesen Appartements eine QuerlĂŒftung möglich. Die QuerlĂŒftung wird durch eine Grundbe- und -entlĂŒftung ergĂ€nzt.

LÀrmschutz in den StudentenhÀusern
Die zurĂŒckversetzten HĂ€user benötigen keinen weiteren Schallschutz. Allenfalls die ersten flankierenden HĂ€user werden zusĂ€tzlich mit schallgedĂ€mmten FassadenlĂŒftungselementen ausgestattet.

Brandschutz

Appartementstange
Die Studenten der Appartementstange können ĂŒber zwei bauliche Rettungswege im Brandfall fliehen.

StudentenhÀuser
Alle Appartements der StudentenhĂ€user können im Brandfall durch die Feuerwehr angeleitert werden. Als AufstellflĂ€chen dienen die Ost- West- verlaufenden Erschließungsgassen.


Energiekonzept

Heizung und Warmwasser
Die GebĂ€ude werden an das FernwĂ€rmenetz angeschlossen. Zur WĂ€rmeĂŒbergabe soll eine Fußbodenheizung als flĂ€chiges Heizsystem zum Einsatz kommen.
Die BrauchwassererwĂ€rmung soll durch Sonnenkollektoren unterstĂŒtzt werden.

Energiestandard
Es wird ein KfW-70- Standard angestrebt. Die GebĂ€udehĂŒlle wird dicht und hinsichtlich WĂ€rmebrĂŒcken optimiert ausgefĂŒhrt. Es werden wartungsarme Holz-Fenster-Elemente mit Dreifach-WĂ€rmeschutzverglasung eingesetzt.

LĂŒftung
Es wird eine dezentrale LĂŒftungsanlage je Appartement zum Einsatz kommen. Die LĂŒftung wird in die vorgehĂ€ngte Fassade integriert. Durch die LĂŒftungsanlage kann nicht nur der benötigte Luftwechsel gewĂ€hrleistet werden – optimale LuftqualitĂ€t, kein Schimmel – sondern auch der Energiebedarf durch WĂ€rmerĂŒckgewinnung deutlich reduziert werden.

Wohnungsverteilung
Auf dem Baugebiet werden 701 WohnplÀtze geschaffen. Die GemeinschaftsrÀume werden an 4 Schwerpunkten an den internen PlÀtzen organisiert.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf sieht einen gut proportionierten Wohnriegel entlang der Chiemgaustraße als LĂ€rmschutzelement vor. Der Riegel erfĂŒllt die Anforderung in diesem Sinne gut. Die Distanz zur Straße ist ausreichend bemessen und die Orientierung der Wohnungen zur Straße ist so gewĂ€hlt, dass zum einen eine Belichtung von SĂŒden und zum anderen eine BelĂŒftung der WohnrĂ€ume ĂŒber einen offenen Laubengang von Norden möglich werden.

Sowohl die torartig ausgebildete Verwaltungszone im Erdgeschoss als auch der sĂŒdlich vom Wohnriegel angeordnete Sportplatz werden in ihrer Signalwirkung zur Chiemgaustraße hin grundsĂ€tzlich positiv gesehen. Allerdings wird der Sportplatz aufgrund seiner Lage auf der schall- und imissionszugewandten Seite der Bebauung kontrovers diskutiert. Der Verlust an weiteren BestandsbĂ€umen wird ebenfalls negativ gesehen.

Durch die im Norden anschließenden 16 punktförmigen StudentenhĂ€user wird das Geviert bis zur Weißenseestraße gegliedert. Es werden sechs, von Ost nach West verlaufende BĂ€nder vorgeschlagen, die jedem Wohnhaus einen Garten und Platzraum zuordnen. Die hierdurch angeregte aktive Teilhabe der Bewohner an ihrem direkten stadtrĂ€umlichen Umfeld wird positiv bewertet. Das um 70 cm angehobene Erdgeschoss schafft einen angemessenen Abstand, zu den unmittelbar angrenzenden öffentlichen Bereichen. Jedoch ist in diesem Zusammenhang negativ bewertet worden, dass die Barrierefreiheit der HĂ€user nur ĂŒber AufzĂŒge möglich ist.

Die Krippe am nördlichen Rand des Planungsgebiets wirkt in ihrer Erscheinung zufĂ€llig und ist nicht in das ansonsten strenge formale Konzept eingebunden. Die Orientierung und Zuordnung der AußenrĂ€ume ist unzureichend gelöst.
Die Tiefgaragen könnten kompakter geplant und mit ihrer Zufahrt prĂ€ziser in das Umfeld eingefĂŒgt werden.

Die einzelnen HĂ€user sind gut proportioniert und wirken in ihrer Einfachheit angemessen fĂŒr das Studentische Wohnen. Die raumhohen Fenster lassen eine gute WohnqualitĂ€t erwarten. Des Weiteren wird hierdurch der Bezug zum direkten Umfeld unterstrichen und die Kommunikation innerhalb der studentischen Gemeinschaft gefördert. Die WohnrĂ€ume funktionieren gut, auch wenn es wĂŒnschenswert wĂ€re, die einzelnen Raumzonen detaillierter zu entwickeln (z.B. wie wird der Eingangsbereich gestaltet, wie das Ankommen in der Wohnung oder wie könnten gezielt entwickelte Möbel die Vielfalt der Raumnutzung besser unterstĂŒtzen). Hier wirkt die Arbeit etwas einfallslos.

Der Erschließungsgang ist zu schmal und der notwendige Fluchttreppenraum ist in diesem rĂ€umlichen Umfeld nicht zu realisieren. Das bei den massiven AußenwĂ€nden verwendete WDVS wird kritisch gesehen. Es entspricht in seiner Haltbarkeit und Nachhaltigkeit nicht den erwarteten qualitativen Anforderungen.

Die konzeptionelle Idee der Außenraumgliederung durch punktförmige HĂ€user, GĂ€rten und PlĂ€tze, die zu BĂ€ndern zusammengefasst sind, wird positiv bewertet. Allerdings bedarf es in Teilbereichen einer Bepflanzung durch den Bauherrn, da die zu erwartenden AktivitĂ€ten der Studenten im Außenraum, je nach Belegung der HĂ€user, sicher sehr unterschiedlich ausfallen. Im Besonderen mĂŒssen hier die Bepflanzungen zum Straßenraum hin betrachtet werden, da aufgrund der formalen Struktur der Anlage diese RĂ€nder zunĂ€chst einmal undefiniert erscheinen. Kritisch wird gesehen, dass so gut wie kein Baumbestand erhalten werden kann, zumal die ZwischenrĂ€ume der HĂ€user von grĂ¶ĂŸeren BĂ€umen frei bleiben mĂŒssen, um die Anleiterung durch die Feuerwehr zu ermöglichen.

Die einfach strukturierten Baukörper lassen eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten. Die vorgeschlagenen Bauabschnitte sind gut umsetzbar.
Piktogramme

Piktogramme

Ausschnitt Grundriss EG

Ausschnitt Grundriss EG

Schnitte und OstWest Ansichten

Schnitte und OstWest Ansichten

Ansichten SĂŒd + Querschnitt Chiemgaustraße

Ansichten SĂŒd + Querschnitt Chiemgaustraße

Ansichten Nord und SĂŒd

Ansichten Nord und SĂŒd

Piktogramme

Piktogramme

Fassadenschnitt

Fassadenschnitt

Strukturkonzept

Strukturkonzept

Modellfoto

Modellfoto