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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2020

Neubau eines BĂŒrgerhauses (Rathaus mit Museum) in Olpe

Lageplan

Lageplan

2. Preis / Ideenwettbewerb

Preisgeld: 2.750 EUR

Bez+Kock Architekten Generalplaner GmbH

Architektur

club L94

Landschaftsarchitektur

Architekturmodelle Boris Degen Modellbau

Modellbau

ErlÀuterungstext

Das neue BĂŒrgerhaus von Olpe entsteht in der Innenstadt auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Bahnhofs. Zusammen mit dem historischen BahnhofsgebĂ€ude und UmspannhĂ€uschen bildet der moderne Neubau ein stimmiges Ensemble. Dieser wichtige Ort fĂŒr die Bewohner*innen und Besucher*innen der Stadt Olpe ist durch die neuen Wegeverbindungen gut erschlossen und steht in Beziehung zum (Bus-)Bahnhof, sowie der Stadt. Die neue AtmosphĂ€re wird besonders durch die Freilegung und Renaturierung der Bigge geprĂ€gt. Hier bildet sich eine neue Stadtkante aus. Die Promenade ist nach SĂŒden ausgerichtet und wird von Trauerweiden ĂŒberstanden. Der Zufluss der Olpe in die Bigge wird durch Sitzstufen zum Wasser erlebbar. Über die Stege gelangt man an das gegenĂŒberliegende Flussufer. Auf dieser Seite fĂŒhren ebenfalls Stufen ans Wasser, die in ein großes Holzdeck ĂŒbergehen.

Der Platz vor dem BĂŒrgerhaus dient als Entree in das neue Areal von Norden kommend. FĂŒr Veranstaltungen, die im Saal stattfinden, kann der kleine Garten im SĂŒden mitgenutzt werden. Der Rahmen aus BĂ€umen spendet Schatten und wirkt sich positiv auf das Mikroklima des Platzes aus. Durch die Wahl der Materialien zeichnet sich der industrielle Charakter weiter. Es sollen vorhandene Natursteine mit offenen Fugen zur Versickerung der NiederschlĂ€ge wiederverwendet werden, sowie Stahl und grobes Holz. Gestalterisch ist der Freiraum durch die LinearitĂ€t der ehemaligen Bahngleise geprĂ€gt. Die ĂŒberdachten PKW-StellplĂ€tze befinden sich im Osten in der Böschung zur höherliegenden Straße, da dort der Höhenunterschied ausgenutzt wird.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Setzung des dreigeschossigen Baukörpers mit den Rathausfunktionen bildet im Kontext mit dem Museum im Bahnhof und der Orientierung zur Bigge einen zur Stadt hin ausgerichteten attraktiven Rathausplatz mit einer eindeutig definierten Eingangssituation aus. Zwei neue Stege ĂŒber die Bigge und zwei sĂŒdliche ZugĂ€nge fĂŒhren zusĂ€tzlich auf den Platz.

Der Altbau erhĂ€lt einen verglasten Anbau in der Kubatur der ehemaligen BahnsteigĂŒberdachung und erweitert somit die AusstellungsflĂ€chen. Zwischen Alt- und Neubau bildet sich eine attraktive Gasse. Beide GebĂ€ude werden nicht miteinander verbunden. Der Eingang zum Museum im Altbau dagegen ist nicht eindeutig erkennbar.

Insgesamt bildet sich ein bauliches Ensemble, dass der Aufgabenstellung gerecht wird und in einem spannungsvollen Dialog von Alt und Neu steht.

Die Erschließung fĂŒr den Fahrverkehr erfolgt ĂŒber den Kreisel, die StellplĂ€tze sind geschickt, teilweise ĂŒberdacht mit einem GrĂŒndach an der Stellwerkstraße platziert.

Die innere Organisation ist ĂŒber ein zentrales Foyer gut organisiert. Nicht ĂŒberzeugend ist die Erschließung von Ratssaal und Trauzimmer da sie nicht direkt vom Foyer aus erschlossen werden. Bei der Raumtiefe von Foyer und BĂŒrgerbĂŒro ist nicht zu erwarten, dass eine durchgĂ€ngige natĂŒrliche Belichtung möglich ist. Die in den Obergeschossen durchgesteckten Lichthöfe wer-den nicht zur Belichtung des Foyer - BĂŒrgerzentrum angeboten. Die von WĂ€nden eingefasste Treppenanbindung in das 1. OG ist einem offenen BĂŒrgerhaus nicht angemessen, auch die weitere TreppenfĂŒhrung ĂŒberzeugt nicht. Der Fahrstuhl ist nicht direkt vom Foyer aus erschlossen, nur ein Fahrstuhl wird als nicht ausreichend erachtet.
Die Office-Bereiche im EG sind gut organisiert, die BĂŒrobereiche in den Obergeschossen lassen eine flexible Nutzbarkeit fĂŒr unterschiedlichste BĂŒroformen erwarten, die Innenhöfe tragen zur AttraktivitĂ€t bei.

Die Fassaden des Neubaus entwickeln sich aus der Logik der Funktionen. Im ĂŒberhöhten EG und in Teilen des 1.OG (Ratssaal, BĂŒcherei) wird eine arkadenĂ€hnliche Gliederung der Fassade vorgeschlagen, die ĂŒbrigen Fassaden zeigen dagegen eine durchgehende Bandrasterfassade ohne Gestaltungsanreize. Das Fassadenraster sollte fĂŒr eine flexible Aufteilung der BĂŒrorĂ€ume optimiert werden, ein Sonnenschutz ist nicht nachgewiesen. Die hell verschlĂ€mmte Klinker-Verblendung mit Holz – Alufenstern ist eine angemessene gestalterische Lösung.

Der Entwurf ist bezĂŒglich der Wirtschaftlichkeit befriedigend, aber dennoch optimierungsfĂ€hig. Der vorgesehene Einsatz passiver Elemente wird begrĂŒĂŸt. Die Ausformulierung des EG bedingt eine mechanische Be- und EntlĂŒftung.
Ein Synergieeffekt in der Wirtschaftlichkeit des Betriebes zwischen Neu- und Altbau ist nicht gegeben.

Insgesamt ĂŒberzeugt der Entwurf mit seiner klaren stĂ€dtebaulichen Haltung, den funktional und gestalterisch gut ausgeprĂ€gten Freianlagen und seiner ĂŒberzeugenden FunktionalitĂ€t. Die Kritik-punkte an der inneren Erschließung und der Fassade sind aufgrund des robusten Konzepts korrigierbar. Vermisst wird eine attraktive rĂ€umliche Verbindung der einzelnen Ebenen mit entsprechendem Tageslichteintrag.

Innenarchitektur
Im Erdgeschoss erschließen sich bĂŒrgernahe Bereiche auf den ersten Blick und geben intuitive Orientierung.

Das Erdgeschoss hat mit einer Raumhöhe von 4,50m eine hohe InnenraumqualitÀt.
WĂŒnschenswert wĂ€re eine Tageslichtbelichtung von oben anstelle der Lichthöfe.

Der klare GebĂ€udekörper macht eine hochflexible BĂŒroraumnutzung möglich.

Das Trauzimmer lĂ€sst sich von außen betreten und die davor liegende AußenflĂ€che ist im Be-darfsfall nutzbar.

Freianlagen Realisierungswettbewerb / Ideenwettbewerb
Das Grundkonzept fĂŒr den Freiraum entwickelt einen zentralen Platz vor dem Haupteingang des BĂŒrgerhauses und zwei Gartenbereiche – den „Ratsgarten“ vor dem Ratssaal und den Ufergarten vor dem alten Bahnhof. Vom BĂŒrgerhausplatz fĂŒhrt eine (nicht barrierefreie) Treppe zu einem Holzdeck an der Bigge.

Eine WasserfontÀne akzentuiert die Platzmitte, unter der Baumallee wechseln sich Hochbeete und BÀnke ab, die vorgeschlagene Gastronomie ist hier nicht praktikabel.

Nord- und Westseite dienen – von Norden erschlossen – dem ruhenden Verkehr, der teilweise unter einem begrĂŒnten Dach angeordnet wird. Behinderte parken nah am Eingang, FahrradstellplĂ€tze gibt es vermutlich nur fĂŒr die BeschĂ€ftigten.

Eine dichte Überstellung mit BĂ€umen reagiert auf die zu erwartenden sommerlichen Hitzeperioden. Die FlĂ€chenbelĂ€ge stammen aus der Vornutzung, der Naturstein mit breiten Fugen ist allerdings schlecht begehbar.

Im Ideenteil ist das ansprechende VerhĂ€ltnis von ZugĂ€nglichkeit zum Wasser und Promenade zu loben, die große Zahl neuer BĂ€ume fĂ€ngt die recht großen befestigen FlĂ€chen auf. Der Wechsel von Holz und Stein in der Materialverwendung ĂŒberzeugt.
Die MĂŒndung der Olpe in die Bigge wird erlebbar gemacht. Die BrĂŒcken bieten den Anschluss zur Innenstadt.
Die vorgeschlagenen Trauerweiden erscheinen in der Verwendung mit ihren tief hĂ€ngenden Ästen als nicht passend.
Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss