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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2019

Neubau eines Lehr- und Lernzentrums der Hochschule RheinMain am Campus Kurt-Schumacher-Ring in Wiesbaden

3. Preis

Preisgeld: 36.333 EUR

ATELIER 30 Architekten GmbH

Architektur

GrĂŒnPlan Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

3DWAY architectural graphics

Visualisierung

ErlÀuterungstext

StÀdtebau und Campusidee
Um dem Wunsch eines zukĂŒnftigen Leitbildes zur stĂ€dtebaulichen Entwicklung des Campus am Kurt-Schumacher-Ring Rechnung zu tragen, beschĂ€ftigt sich der Entwurf mit einer stabilen Arrondierung des Areals im sĂŒdlich gelegenen Campusbereich.
Bewusst setzt der Entwurf auf einen in sich ruhenden und unprĂ€tentiösen Baustein, der die kĂŒnftige, sĂŒdliche Eingangssituation zum Campus hin definiert.
Über eine Allee erreicht man an dieser Stelle eine vorplatzartige Aufweitung, welche auch gleichzeitig die Adresse und den Auftakt des Lehr- und Lernzentrums bildet. Der Neubau stellt sich als eine kompakte und wirtschaftliche Kubatur dar. Dadurch entsteht im Osten des WettbewerbgrundstĂŒcks eine ErweiterungsflĂ€che fĂŒr eine kĂŒnftige Bebauung mit ca. 2500 qm BGF. Mit der leichten Auskragung der beiden oberen Geschosse erhĂ€lt der Haupteingang zum Lehr- und Lernzentrum eine gut auffindbare Adresse und zudem wettergeschĂŒtzte Eingangssituation, welche in das lichte und kommunikative Foyer des GebĂ€udes fĂŒhrt.
Von hier aus entwickelt sich ĂŒber einen galerieartigen Innenraum das kommunikative Herz des GebĂ€udes und verknĂŒpft die einzelnen Funktionen.
Durch die Hangsituation staffelt sich der Baukörper hin nach Osten durch ein Geschoss ab. Diese Staffelung findet sich auch im Schnitt wieder. Der Studierende erreicht ĂŒber die kommunikative und zentrale Treppenanlage die SeminarrĂ€ume, welche im Sockelgeschoss angeordnet sind. Hier vernetzt ein weiterer Zugang das neue Haus mit dem Bestand.

Freiraumkonzept
Das Freiraumkonzept fĂŒhrt das Leitbild zur stĂ€dtebaulichen Entwicklung im Außenraum fort. Die Eingangsbereiche zum HochschulgelĂ€nde werden durch ein einheitliches, helles Pflasterband mit einer begleitenden Baumreihe betont.

Im SĂŒden fĂŒhrt der leicht abfallende Campus-Boulevard von der Hollerbornstraße aus zum neuen Lehr- und Lernzentrum. Hier trennt die durchlaufende Baumreihe den großzĂŒgigen FußgĂ€ngerweg von der Fahrbahn. Vor dem Neubau weitet sich der Boulevard zu einem baumbestandenen Platz auf, der neben der nötigen Erschließung der GebĂ€ude einen attraktiven Außenraum hoher AufenthaltsqualitĂ€t bietet.

Nördlich des Neubaus verbindet eine krĂ€ftige Freiraumspange den Campus-Boulevard mit den EingĂ€ngen des Lehr- und Lernzentrum im Untergeschoss sowie die Erschließungsebene des benachbarten BestandsgebĂ€udes D. Locker eingebettete Sitzblöcke strukturieren den Außenraum und schaffen abwechslungsreiche Aufenthaltsbereiche. Im Abschnitt der geneigten FlĂ€che entstehen terrassierte Zonen mit ergĂ€nzenden Stufen. Die nördlich angrenzende Fahrbahn fĂŒr Anlieferung und Feuerwehr fĂŒhrt mit rund 8% GefĂ€lle auf die untere Ebene. Ein neuer Weg im Osten, zwischen GebĂ€ude D und der angrenzenden Feuerwehr verbessert die Vernetzung der bestehenden und geplanten GebĂ€ude.

Auf den vorlĂ€ufig freibleibenden FlĂ€chen zukĂŒnftiger Bauabschnitte bilden wildblumenreiche Wiesenansaaten einen ökologischen Ausgleich zur funktional notwendigen Versiegelung im Neubau. Die WiesenflĂ€chen sollen gleichermaßen temporĂ€re Freizeit- und AufenthaltsqualitĂ€t im GrĂŒnen bieten. Auf dem gesamten Campus sorgt ein umfangreiches BlĂ€tterdach aus stadtklimageeigneten Baumarten (u.a. Celtis australis, Ostrya carpinifolia, Sophora japonica und Gleditsia triacanthos) mit großzĂŒgigen und vielfĂ€ltig unterpflanzten Baumscheiben fĂŒr sommerliche Beschattung und WĂ€rmeschutz.  
GebÀudekonzept

Offenheit-Transparenz / Kommunikation-Konzentration / Lernlandschaft
Das Lehr- und Lernzentrum ist eine Einladung an alle Lehrenden, Studierenden und GĂ€ste in das Haus zu kommen. Das Herz des GebĂ€udes stellt die öffentliche und halböffentliche Zone dar. Das Eingangsfoyer ist offen und einladend gestaltet. Der Hörsaal ist dem Eingangsbereich direkt zugeordnet, die publikumsintensiveren SeminarrĂ€ume liegen eingangsnah im Sockel- und Erdgeschoss. Die Erschließung des GebĂ€udes ist klar erkennbar angeordnet und die Orientierung im GebĂ€ude ist somit sehr leicht.
Der Zugang zum Lernzentrum liegt im 1. Obergeschoss und ist mit einem zentralen Informationsbereich besetzt.

Mit der offenen Erschließung und den differenzierten, multifunktionalen Raumeinheiten wird das Haus zu einem Ort der Kommunikation und Konzentration.
Die im Erdgeschoss angeordnete Kaffeebar öffnet sich zum Campus und stellt im Innern einen attraktiven Aufenthaltsbereich dar. Hausinterne Veranstaltungen können von hier beschickt werden.
Die Dachterrasse im 3. Obergeschoss bietet zudem einen Freiraum im Bereich des Zentrums, der als Ort zum Abschalten dient.
Das Raumkonzept bietet mit seinen „Multi Space Options“ eine große Bandbreite an unterschiedlichen Lehr- und Lernumgebungen mit einer entsprechenden Nutzungsmischung. Klassische Seminar- und ArbeitsrĂ€ume werden mit BegegnungsflĂ€chen ergĂ€nzt, die sowohl spontane als auch informelle Kommunikation unterstĂŒtzen. Es entsteht eine attraktive Lernlandschaft.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit 1030 schafft durch die Differenzierung seines GebĂ€udevolumens in zwei verschiedene Höhen und der Ausbildung eines Kopfbereiches eine deutliche Adressbildung am Campus Boulevard. Der Körper ist allseitig durch eine homogene Fassadenausbildung gekennzeichnet, die Eingangssituation wird durch das zurĂŒckgesetzte Erdgeschoss auf dem Niveau des Boulevards und der großzĂŒgigeren, offeneren Fassadengliederung in diesem Bereich als empfangende Geste gesehen. Dieses Fassadenmotiv erweitert sich bis in das Sockelgeschoss und schafft insgesamt einen charaktervollen Ausdruck. Die dazu im Gegensatz stehende strenge Gliederung und Kleinteiligkeit in den oberen beiden Geschossen erzeugt allerdings ein hermetisches Erscheinungsbild.
Der geplante Fahrradunterstellplatz im nördlichen Hofbereich wirkt wie eine Barriere zum Hof von GebĂ€ude D und bezieht diesen damit rĂ€umlich nicht mit ein. Weiterhin wird nicht ersichtlich, wie die Anlieferung in diesen Hof zukĂŒnftig funktionieren soll. Die begleitende Bepflanzung der Boulevards mit BĂ€umen wird sehr positiv gesehen, da sie eine landschaftliche Überleitung zum Campus schafft. Die Ausbildung eines Lichthofs einerseits, der sich als Außenraum durch die Bibliothek bis in das Untergeschoss hineinzieht, und die Horizontalverglasung ĂŒber dem Eingangsatrium andererseits, erzeugen atmosphĂ€risch lichte RĂ€ume, die sich positiv auf ein Lernklima auswirken können. Gleichzeitig fĂŒhrt dieses Konzept der geschossĂŒbergreifenden LuftrĂ€ume zu einem hohen Anteil von VerkehrsflĂ€chen und muss darĂŒber hinaus hinsichtlich eines notwendigen Brandschutzes kritisch geprĂŒft werden.
Die Positionierung der Bibliothek im GebĂ€ude wird hinterfragt, ebenso erscheint ihre rigide Abschottung von den LernrĂ€umen unzeitgemĂ€ĂŸ.
Insgesamt gibt es erhebliche FlĂ€chenabweichungen vom geforderten Raumprogramm, sowohl im Lernzentrum als auch in der Bibliothek (hier besonders im Freihandbereich), aber auch hinsichtlich notwendiger TechnikflĂ€chen. Im Innenbereich ist die Barrierefreiheit gewĂ€hrleistet, im Außenraum dagegen durch die Rampenneigung fraglich.
Die hessischen Vorgaben zur Energieeffizienz können im Rahmen des Entwurfs sehr gut eingehalten werden. Die vorgeschlagene Solarthermie ist vor dem Hintergrund des ĂŒberschaubaren Warmwasserbedarfs zu ĂŒberprĂŒfen. Die Stromversorgung soll durch eine Photovoltaik-Anlage ergĂ€nzt werden, wobei die vorgeschlagene GrĂ¶ĂŸe das Potential der DachflĂ€chen nicht ausschöpft.
Der moderate GlasflĂ€chenanteil in der Fassade erlaubt den Schluss, dass das GebĂ€ude ohne besondere technische AufwĂ€nde konditioniert werden kann. Die Relation von Investitionskosten zu Energieeinsparpotential wird als gut bewertet. Die NutzungsflĂ€che (NUF 1-6) des Entwurfs liegt unter dem Wert der Vorgabe aus dem „0“-Projekt; der TechnikflĂ€chenanteil ebenfalls und auch unter dem Durchschnitt aller WettbewerbsbeitrĂ€ge. Die Tragkonstruktion ist hinsichtlich der wirtschaftlichen AusfĂŒhrung zu konkretisieren.
Insgesamt stellt die Arbeit mit ihrer kompakten und effizienten Nutzung des Baufeldes und der Außenund innenrĂ€umlichen Gestaltung einen wertvollen Beitrag dar.
Lageplan . Freiraum

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