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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2013

Neubau eines Multifunktionsgebäudes

Anerkennung

Jöllenbeck & Wolf Architekten BDA

Architektur

Michael Palm

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

WB Neubau eines Mehrzweckgeb√§udes ‚Äď Stadt Knittlingen

Schulanger
Mit der Setzung des neuen Mehrzweckgeb√§udes in der zentralen Perspektive der Friedenstrasse spannt sich zur bestehenden Sporthalle ein senkrecht zum Hang gerichteter, zusammenh√§ngender Freiraum auf. Der √ľberdeckte Platzraum vor dem neuen Mehrzweckgeb√§ude bildet seinen Abschluss. Die charakteristische Linie der Friedhofsmauer wird verl√§ngert und separiert die befahrenen Fl√§chen des bestehenden Parkplatzes vom ‚Äěbespielten‚Äú Teil der Friedenstrasse. Die dadurch entfallenen Parkpl√§tze werden in √∂stlicher Richtung wieder angeh√§ngt.
In Ost ‚Äď West Richtung ist das Gegen√ľber von Schule und Friedhof charakteristisch. Wir haben die Idee diese Verschr√§nkung sichtbar werden zu lassen. Eine m√§andrierende Linie trennt das gr√ľne Vorfeld des Friedhofs vor der Mauer von den Ausweitungen der befestigten Fl√§che des Schulgel√§ndes in den Stra√üenraum. Hier befinden sich ganzt√§gig intensiv bespielte Fl√§chen, die nicht nur der Schule dienen, ihr aber die M√∂glichkeit er√∂ffnen die bisherigen Freifl√§chen zu entlasten und als tendenziell ruhige, gesch√ľtzte Freibereiche zu entwickeln. Die Verkehrserschlie√üung bleibt ein Teil der Nutzung des Stra√üenraums - ‚Äěshared space‚Äú
Die Freiflächen stellen mit ihrem Ortsbezug und robusten Materialien eine langfristig gut nutzbare Qualität sicher. Die Vegetation ist standortgerecht und reduziert auf Bäume, Hecken und Wiesenflächen. Einzelobjekte laden zum Verweilen und Spielen ein. Die Wahl der Mittel sollte der Aufgabe entsprechend gewählt werden.
Dr. Johannes - Faust Terrassen
Die unterschiedlichen Funktionen des Mehrzweckgeb√§udes werden auf einem Plateau zusammengefasst ‚Äď die Johannes Faust Terrassen erm√∂glichen den freien Blick √ľber Knittlingen und sind umgekehrt betrachtet aus der Perspektive der Stadt ein pr√§senter Ort ‚Äď auf Sichth√∂he mit dem alten Stadtkern.
Der Vorplatz, die Räume der Ganztagesbetreuung mit Mensa und Sporthalle stehen barrierefrei in unmittelbarem räumlichem Zusammenhang. Es ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der Zuordnung und Korrespondenz.
Auf der Galeriekante zu dieser Ebene werden die Klassen angeordnet. Ein kleiner Hof separiert die Naturwissenschaften vom Klassenzug. Durch ihre räumliche Qualität ist die Erschließung zum einen zu Unterrichtszwecken bespielbar, zum anderen als Aufenthaltsfläche der Ganztagesbetreuung nutzbar.
Tragwerk ‚Äď Material
Knittlingens alter Kern ist gepr√§gt von der lebendigen Atmosph√§re der Fachwerkbauten aus Holz und Stein. Ihr bew√§hrtes Prinzip konsequent auf das f√ľr die jeweilige Aufgabe leistungsf√§higste und wirtschaftlichste Material zu setzen wird im Neubau des Multifunktionsgeb√§udes weitergef√ľhrt:
Sockel und erdber√ľhrte Bauteile sind aus Beton und Mauerwerk konstruiert. Die ebenfalls massiven Vorsatzschalen der hochged√§mmten Au√üenbauteile sind langj√§hrig Wartungsfrei ‚Äď auch bei robuster Beanspruchung. Die steinerne Basis ist von einer leichten filigranen Skelettkonstruktion √ľberspannt, die hocheffizient (Vorfertigung) alle Funktionen unter einem Dach vereint.
Der Wechsel von großflächigen geschlossenen Wandflächen und filigranen Glaskonstruktionen bieten ein spannungsvolles Bild, inszenieren die Blickbeziehungen nach Außen,

Energie ‚Äď Technik
Mit der kompakten Zusammenfassung der vielfältigen Funktionen in einem Baukörper und hochwärmegedämmten Außenbauteile kann ein sehr hochwertiger Energiestandard bis hin zum Passivhaus auf wirtschaftliche Weise erreicht werden.
Um auch die L√ľftungsw√§rmeverluste zu minimieren und die Anforderung an die Raumhygiene sicherzustellen schlagen wir eine Bel√ľftung √ľber eine mechanische L√ľftungsanlage mit hocheffizienter W√§rmer√ľckgewinnung vor. Die Beheizung wird als Luftheizung nach dem Regelkonzept der Bauer Optimierung auf dieses System aufgesetzt. Prim√§renergie ist die Au√üenluft. √úber eine 4-stufige W√§rmepumpe wird die notwendige Heizenergie erzeugt und √ľber einen K√§ltemittelkreis der Luftheizung zugef√ľhrt. Das L√ľftungsger√§t besitzt einen
Kreuzstromw√§rmetauscher zur W√§rmer√ľckgewinnung.
√úber die Regelung der MSR Technik wird in den R√§umen die Luftqualit√§t und Raumtemperatur erfasst und mit den Sollwertvorgaben verglichen. Immer der schlechtere Wert dient als F√ľhrungsgr√∂√üe.
Je nach Ergebnis und Abweichung oder Deckung wird die zugef√ľhrte Luftmenge an den Bedarf angepasst. Je nach Luftqualit√§t und Energieverh√§ltnis wird das Au√üen- / Umluft Verh√§ltnis im Zentralger√§t ausgeregelt.
Die individuelle manuelle und raumweise L√ľftung und Bedienung bleibt dem Nutzer nat√ľrlich unbenommen.
Die Technikfl√§chen liegen zentral im Geb√§ude l√§ngs zur Halle, die den gr√∂√üten Luftwechsel ben√∂tigt. Leitungswege werden so in Betrieb und Erstellung wirtschaftlich gehalten. Die Leitungsf√ľhrung in die einzelnen getrennt anzufahrenden Bereiche ist entzerrt.
Die extensiv begr√ľnten D√§cher bieten die Option Solarthermie oder Photovoltaik einzusetzen.

Beurteilung durch das Preisgericht

St√§dtebaulich ist mit diesem kompakten Bauk√∂rper durch den offenen zweigeschossigen Entreebereich f√ľr Schule und Festhalle direkt an der Friedensstra√üe ein guter Auftakt gelungen. Der Bauk√∂rper wird als langgestreckter Kubus dargestellt. Leider fehlen aussagekr√§ftige Fassadenansichten, die eine entsprechende H√ľlle f√ľr diesen Multifunktionsbau vermuten lassen.
Die Verkn√ľpfung von Neu- zu Altbau ist durch die Umgestaltung der Friedensstra√üe in leicht m√§andrierender Form f√ľr die Sch√ľlerstr√∂me gut angedacht, jedoch etwas √ľberzogen angeboten. Der gro√üe √ľberdachte Eingangsplatz mit daran ankn√ľpfender Mensa und Sporthalle gibt dem L√§ngsbau auch innenr√§umlich zun√§chst Ruhe und eine Gro√üz√ľgigkeit. Darunter leitet jedoch der nicht schnell auffindbare Hallenzugang von Norden √ľber die gemeinsame Erschlie√üung des Schulflures.
Schule und Sport- bzw. Festhalle sind zu sehr miteinander ‚Äěvern√§ht‚Äú, so dass hier die kompakte Struktur von au√üen im Inneren Nachteile mit sich bringt und negativ auf den Tagesbetrieb der Schule wirkt. So wird z.B. die Trennung und Lerngruppen und Klassenzimmern im OG zu den Lehrerzimmern im EG negativ beurteilt, da dadurch die Aufsicht nicht voll umf√§nglich gew√§hrleistet werden kann.
Die Einbindung in die umgebenden Landschaftsstrukturen ist leider nicht weiter dargestellt. W√ľnschenswert w√§re die Fortf√ľhrung einer guten freir√§umlichen Qualit√§t auch nach Westen und Norden hin gewesen.
Die Werte des Geb√§udes f√ľr Bruttorauminhalt, Baukosten und BGF liegen im eher g√ľnstigen Bereich. Das AV-Verh√§ltnis liegt im Durchschnitt.
Insgesamt stellt die Arbeit einen guten Beitrag zur Adressbildung und Ablesbarkeit dar. Grundrisstechnisch sind jedoch durch die Vielzahl der Nutzungen die guten Lösungsmöglichkeiten noch nicht voll ausgeschöpft.