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Nichtoffener Wettbewerb | 12/2025

Neubau Feuerwache und Gefahrenabwehrzentrum Baden-Baden

ein 3. Preis

Preisgeld: 45.000 EUR

BJW Architekten Broghammer Jana Wohlleber

Architektur

faktorgruen

Landschaftsarchitektur

Mayer-Vorfelder und Dinkelacker

Tragwerksplanung

solares bauen GmbH

TGA-Fachplanung

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser besetzen mit den Außenkanten des Gebäudes fast vollständig das zu bebauendem Grundstück und schaffen somit einen größtmöglichen Innenhof, der der Feuerwehr sowohl als Rangierfläche, aber auch zu Übungsflächen zur Verfügung steht. Folgerichtig ist demnach auch der Turm im geschützten Innenhofbereich angeordnet. Städ­tebaulich markant wird baulich zum Westen die Baumasse überhöht – hier wird der eigentliche Haupteingang verortet, der etwas zu klein ausfällt und dessen Lage und somit Adressbildung der Feuerwehr im Preisgericht kritisch diskutiert wird.

An das bestehende Parkhaus wird direkt angebaut. Auch hier wird ein Hochpunkt formuliert, der jedoch städtebaulich und fügungstechnisch Fragen aufwirft.

Die unmittelbare bauliche Nähe zur Oos negiert die möglichen Freiraumqualitäten an dieser Stelle und wird kritisch gesehen.

Die Einfahrt in den Hof erfolgt, wie gewünscht, über die Süd-Ostecke. Ein großzügiger Hof erlaubt nicht nur eine optimale Übersicht und Orientierbarkeit, sondern auch bestmögliche Rangiermöglichkeiten. Besonders die Positionierung des 1. Abmarsches überzeugt in Lage und der guten Funktionalität – ganz besonders auch in der Rückkehr. Weniger überzeugend ist die Rangierfähigkeit der Fahrzeuge im spitzen Eck sowie im Bereich der Einfahrt.

Die KFZ-Werkstätten schmiegen sich im EG an die Parkhauswand und werden mit weiteren Räumlichkeiten direkt darüber ergänzt. Grundsätzlich wird das 1. Obergeschoss mit den Funktionen der Feuerwehr sinnvoll aufgefüllt, wie Räume für die Berufsfeuerwehr, die im 3-Bund organisiert sind, der Verwaltung und den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr. Die Lage der Freiwilligen Feuerwehr sowie deren Umkleide im Erdgeschoss mit direktem Zugang zur Wagenhalle und dem angrenzenden Parkhaus ohne Kreuzungswege werden äußerst positiv bewertet. Die Sporthalle im 2. OG hingegen lässt einen unabhängigen Eingang für Vereinsnutzungen vermissen – eine Anbindung lediglich über das Parkhaus wird nicht als ausreichend erachtet.

Bedingt durch den sehr großen Innenhof und die damit verbundene ringförmige Bebauung entstehen im Inneren des Gebäudes sehr lange, bisweilen unattraktive Wege. Auch die Unterteilung in einzelne Abschnitte kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es an allgemeinen Aufenthaltsqualitäten, sowie Blickbezügen in den Hof und damit auch einer guten Orientierung mangelt.

Die Leitstelle belegt als eigenständige Funktionseinheit den Kopfbau, der städtebaulich markant in die Stadt strahlt.

Der architektonische Auftritt kann in Duktus und Gliederung überzeugen.

Die von den Verfassern vorgeschlagene Tragkonstruktion in einer Holz-Beton Hybridbauweise ist strukturell schlüssig aufgebaut. Im Bereich der Fahrzeughallen nimmt die in Fertigteilbauweise geplante Stahlbeton-Skelettstruktur die Lasten der drei Obergeschosse auf. Die Tore der Fahrzeughallen geben dabei das Raster für die Primärkonstruktion vor. Dieses engmaschige Raster (von 4.50 m) lässt sich ohne Abfangkonstruktion in den Obergeschossen fortsetzen. Nur über der Durchfahrt werden zusätzlich mit einem StB.-Trägerrost die Obergeschosse abgefangen. Schlüssig kragen die Stahlbeton-Unterzüge hofseitig über den Stützen aus und nehmen so die Außenwände der Obergeschosse auf. Konsequent sind die aussteifenden Treppenhauskerne in Stahlbeton vorgeschlagen.

Die in einer Holz-Beton-Verbundbauweise ausgebildeten Geschossdecken der Obergeschosse spannen in Querrichtung und werden folgerichtig in den Flurzonen ein bzw. zweifach zwischenunterstützt. Die weitgespannte Dachkonstruktion über Turnhalle und Leitstelle wird von Brettschichtholz-Vollwandträgern überspannt. Die Außenwände sind in einer industriell vorgefertigten Holzrahmenbauweise geplant.

Die gewählte Skelettbauweise mit Stahlbetonfertigteilen im Erdgeschoss und Holztragstruktur mit Holz-Beton-Verbunddecken in den Obergeschossen lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten. Die geringe Bautiefe der den offenen Innenhof umschließenden Baukörper ermöglicht eine sehr gute Belichtung und natürliche Belüftung des Gebäudes und der Fahrzeug-Garagen. Der Anteil an transparenten Flächen steht in einem ausgewogenen Verhältnis, um den Erfordernissen an den winterlichen und den sommerlichen Wärmeschutz gerecht zu werden. Das TGA-Konzept überzeugt durch die Aufteilung der Technikflächen auf mehrere Ebenen, wodurch eine wirtschaftliche Verteilung ermöglicht wird. Die Möglichkeiten der vorgeschlagenen thermischen Bauteilaktivierung müssen bezüglich der Bauweise geprüft werden.

Insgesamt stellt die Arbeit einen interessanten und eigenständigen Beitrag aufgrund der gesamtstädtischen Setzung und Haltung dar, kann jedoch aufgrund funktionaler Mängel nicht vollumfänglich überzeugen.