Nichtoffener Wettbewerb | 04/2025
Neubau Feuerwehr und Notarztstandort in Walldorf
11
Modell
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
2. Preis
Preisgeld: 21.000 EUR
IWP Ingenieurbüro für Systemplanung GmbH
TGA-Fachplanung
Erläuterungstext
Entwurfserläuterung Neubau Feuerwehr und Notarztstandort in Walldorf
Städtebauliches Konzept
Die Planung einer neuen Station für die Feuerwehr, den Katastrophenschutz, den DRK-Ortsverein und den DRK-Notarztstandort an der Stadteinfahrt von Walldorf erfordert eine vielschichtige Herangehensweise. Für diesen Entwurf werden daher vier Ziele festgelegt: Eine kompromisslose Kreuzungsfreiheit für alle Alarmabläufe im Grundriss sowie in der Verkehrsplanung, eine saubere Schwarz-Weiß-Trennung, es soll eine respektvolle Antwort auf den benachbarten Friedhof gefunden werden und zuletzt sollen qualitätvolle und identitätsstiftenden Kamaradschaftsräume entstehen, die die Arbeit der Freiwilligen würdigen.
Das Planungsgebiet ist von drei Seiten von stark befahrenen Verkehrsachsen umschlossen: der mehrspurigen Stadteinfahrt, dem Autobahnzubringer und einer Bundesstraße. Die vierte Seite des Grundstücks grenzt an den waldartigen Friedhof. Um auf diese besondere Lage zu reagieren, sieht das städtebauliche Konzept vor, einen langgezogenen Gebäuderiegel als schützendes Element zum Friedhof hin zu entwickeln. Vor diesem Schutzriegel wird das Feuerwehrgebäude als eigenständiger Baukörper positioniert. Im Westen wird die Situation durch einen orthogonal angeordneten Riegel für die DRK-Notarzt-Zentrale geschlossen. Diese Anordnung schafft eine klare funktionale Trennung und ermöglicht einen effizienten Betriebsablauf. Während der Gebäuderiegel eine Abschirmung zum Friedhof bildet und die Räumlichkeiten des DRK-Ortsvereins sowie den Logistikbereich mit einem Übungsturm aufnimmt, bleibt das Feuerwehrgebäude freigestellt, sodass die umliegenden Freiflächen optimal für den Betrieb genutzt werden können.
Einen Großteil des Feuerwehrgebäudes wird von Fahrzeughallen eigenommen, von denen zehn direkt an die öffentliche Straße grenzen. Diese unmittelbare Verbindung stellt sicher, dass die Einsatzfahrzeuge auf dem kürzesten Weg die B291 erreichen können. Die Kubatur des Ensembles mit Hochpunkten am Kopf des Feuerwehrgebäudes und dem Übungsturm vermittelt eine klare Präsenz und Einsatzbereitschaft, die auch aus der Ferne wahrgenommen wird.
Im östlichen Bereich der Anlage sind 30 Parkplätze für die Einsatzkräfte vorgesehen. Eine neue öffentliche Wegerampe verbindet die Straßenunterführung mit diesen Parkplätzen und ermöglicht eine direkte, kreuzungsfreie Anbindung. Radfahrer und Fußgänger werden durch eine klare Wegeführung mit integrierten Wegeintarsien sowie einer niedrigwachsenden Grünbepflanzung am Feuerwehrgebäude umgelenkt und über die Straße geführt. Von dort aus gelangen sie über die neu gestaltete südliche Quartiersstraße auf den Fuß- und Radweg, der in die umgebende Landschaft oder zum benachbarten Skatepark führt.
Die Einsatzkräfte erreichen die Station auf Verkehrsflächen, die getrennt von den Flächen für die ausrückenden Feuerwehrfahrzeugen sind. Dafür können die Einsatzkräfte die Unterführung oder die B291 direkt nutzen, ohne in Konflikte mit ausrückenden Fahrzeugen zu kommen. Ihre Parkflächen schließen unmittelbar an die Umkleideräume im dreigeschossigen Kopfgebäude an, wodurch ein effizienter und schneller Wechsel in den Einsatzbetrieb sichergestellt wird.
Zwischen dem Feuerwehrgebäude und dem Gebäuderiegel mit den DRK-Nutzungen spannt im nördlichen Bereich eine großzügige Hoffläche. Diese dient nicht nur der Ein- und Ausfahrt von Einsatzfahrzeugen, sondern auch als Rangierfläche für die Abrollcontainer. Gleichzeitig sorgt sie für eine schallgeschützte Zone innerhalb des Gebäudekomplexes.
Der westliche Bereich bildet eine Zone für die Nutzungen der beiden DRK-Gruppen. Die Aufstellflächen der beiden DRK-Einheiten liegen einander gegenüber. Das Ausrücken und Einrücken können so problemlos ablaufen. Eine durchgängige Mauer trennt dabei konsequent die Betriebsabläufe der Feuerwehr von der DRK-Einheiten und den Parkflächen für Besucher und Mitarbeiter.
Weiterentwicklung des DRK-Notarztstandortes Walldorf
Der erweiterte Raumbedarf des DRK-Notarztstandortes wird durch einen zweigeschossigen Baukörper in Nord-Süd-Ausrichtung aufgenommen. Die zehn Fahrzeughallen für Rettungswagen und weitere Einsatztechnik sind direkt an die in Nord-Süd-Richtung verlaufende neue Quartiersstraße angebunden, was eine zügige und ungehinderte Ausfahrt im Alarmfall ermöglicht.
Das neue Gebäude integriert die bestehende DRK-Station und erweitert sie um die erforderlichen Funktionsräume. Durch die Anordnung wird eine klare Trennung zwischen Einsatzfahrten, Stellplätzen für die Einsatzkräfte und Aufenthaltsflächen für die Kameradschaftspflege im Außenbereich erreicht. Die Adresse wird an der Straße „Am Friedhof“ gebildet, wo der Fußgängereingang gesetzt ist.
Gebäudestruktur der Feuerwehrstation
Das Feuerwehrgebäude gliedert sich in drei Bereiche: Zwischen den Werkstätten und dem Verwaltungskopf spannt die zweigeschossige Fahrzeughalle.
Der dreigeschossige Kopfbau bildet die Adresse des gesamten Quartiers. Die Umkleiden im Erdgeschoss verbinden die Parkplätze der Einsatzkräfte über einen eigenen Eingang flüssig mit der Fahrzeughalle. Im Erdgeschoss finden sich außerdem die Einsatzleitung und der Bereitschaftsraum. Über den Haupteingang werden die Obergeschosse mit Versammlungssaal, den Verwaltungsbereichen sowie Ausbildungs- und Aufenthaltsräume erreicht. Eine großzügige zweigeschossige Loggia dient als geschützter Außenraum für die Kameradschaftspflege und bietet Blick auf den Übungsturm.
An den Kopfbau schließt sich die eingeschossige Fahrzeughalle an, in der die Einsatzfahrzeuge in doppelständigen Hallen untergebracht sind. Durch die beidseitigen Ausfahrten wird eine hohe Flexibilität im Betrieb gewährleistet, und die Alarmwege können auf ein Minimum reduziert werden.
Die Schwarz-Weiß-Trennung im Werkstattbereich stellt sicher, dass die Reinigung und Wartung von Fahrzeugen und Einsatzgeräten optimal abläuft. In direkter Verbindung zur Waschhalle und Werkstatthalle wird die Fahrzeugaufbereitung effizient organisiert, sodass die Einsatzbereitschaft schnell wiederhergestellt werden kann.
Gebäudestruktur DRK-Ortsverein, Logistiklager und Übungsturm
Der lang gestreckte Gebäuderiegel an der Straße „Am Friedhof“ schlägt eine Brücke zwischen dem funktionalen Bau der Feuerwehr und dem würdevollen Gegenüber der Friedhofsanlage. Er dient als Schallschutzelement für die Einsatzfahrzeuge und gleichzeitig als „Friedhofsmauer“, die den räumlich offenen Bereich der Gräberanlage abschließt.
Das vorgeschlagene Verblendmauerwerk erfüllt verschiedene Anforderungen in seiner vielseitigen Verwendung: Es muss einerseits robust, langlebig und pflegeleicht sein, um ein wirtschaftliches, aber zugleich repräsentatives Funktionsgebäude zu ermöglichen. Andererseits soll es in seiner Funktion als Abschluss der bewaldeten Friedhofsanlage eine ruhige, würdevolle und zeitlose Wirkung entfalten.
Die Räumlichkeiten des DRK-Ortsvereins sind über die Nordseite des Gebäuderiegels zugänglich. Ein Wechselspiel aus wenigen Öffnungen, der Erhöhung der DRK-Räumlichkeiten im 1. Obergeschoss sowie dem im Osten abschließenden Übungsturm sorgt für eine angemessene architektonische Gestaltung, die den konträren Anforderungen gerecht wird.
Die Ausformung des Innenhofs und der angrenzenden Gebäude basiert ebenfalls auf funktionalen Zusammenhängen. Eine Reihe von Regelhallen zur Unterbringung von Wechsel-Abrollcontainern wechselt sich mit einem überdachten Hofbereich und den anschließenden Einstellhallen für Anhänger ab. Der überdachte Bereich kann bei Bedarf teilweise für zwei zusätzliche Einstellhallen erweitert werden.
Die gedrehte Anordnung der Hallendurchfahrt im Bereich der Anhänger ermöglicht ein leichteres und komfortableres An- und Abkoppeln an die Zugfahrzeuge.
Der Übungsturm erhält seine skulpturale Gestalt aufgrund der Anforderung, ihn auch vom Inneren der Hallen aus nutzen zu können. Die schräge Aufweitung des Turms ermöglicht das Anleitern bis zur gewünschten Höhe von zwei Stockwerken und darüber hinaus.
Materialität und Konstruktion
Die Konstruktion der Gebäude basiert auf robusten und wirtschaftlichen Materialien, die sich durch Langlebigkeit und geringe Wartungsanforderungen auszeichnen. Die Hallenbereiche bestehen aus Stahlbeton, während der mehrgeschossige Verwaltungsbereich eine kompakte und effiziente Bauweise aufweist.
Die Fassaden sind mit rotmattem Verblendmauerwerk verkleidet. Dieses Material gewährleistet eine zeitlose und würdevolle Einbindung in das städtebauliche Umfeld und trägt gleichzeitig zur Langlebigkeit der Anlage bei. Durch die Kombination von Sichtbeton, geschliffenem Gussasphalt und Holzverkleidungen in den Aufenthaltsräumen entsteht eine ausgewogene Atmosphäre zwischen Robustheit und Behaglichkeit.
Energie- und Nachhaltigkeitskonzept
Ein zentrales Ziel des Konzepts ist die Minimierung des Energiebedarfs durch eine kompakte Bauweise und eine hochwertige Gebäudehülle. Die Transmissionswärmeverluste werden durch einen sehr guten Wärmeschutz reduziert. Zur Vermeidung von Überhitzung im Sommer ist ein außenliegender Sonnenschutz vorgesehen.
Die gesamten Dachflächen werden mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, um elektrische Energie zu gewinnen. Diese Energie wird vorrangig für den Eigenverbrauch genutzt, wodurch der Betrieb der Gesamtanlage weitgehend unabhängig von externen Energieversorgern bleibt. Ergänzend wird ein Stromspeicher integriert, um überschüssige Energie zu speichern und in Zeiten mit geringer Sonneneinstrahlung zur Verfügung zu stellen.
Die Beheizung des Gebäudes erfolgt über eine Wärmepumpe, die über Erdsonden betrieben wird. In Kombination mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird ein energieeffizienter Betrieb sichergestellt. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine wassergeführte Fußbodenheizung, während in den Fahrzeughallen Deckenstrahlplatten eingesetzt werden.
Um den Strombedarf weiter zu senken, kommt eine energieeffiziente LED-Beleuchtung zum Einsatz, die tageslicht- und präsenzabhängig gesteuert wird. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass der gesamte Gebäudekomplex nahezu autark betrieben werden kann und langfristig ressourcenschonend funktioniert.
Wie bei Betriebshöfen unvermeidbar, sind die Höfe versiegelt. Das anfallende Wasser auf den Dächern und Höfen wird in einer Zisterne gesammelt und kann für Löschübungen und das Waschen von Fahrzeugen eingesetzt werden. Auf den Dächern wird das anfallende Wasser zusätzlich mit einer Begrünung reguliert, die wie ein Schwamm wirkt.
Fazit
Das vorgestellte Entwurfskonzept verbindet funktionale Anforderungen mit einer durchdachten städtebaulichen Integration und einem nachhaltigen Energiekonzept. Die klare Gliederung der Gebäudeteile gewährleistet optimale Betriebsabläufe, kurze Alarmwege und eine konsequente Trennung der verschiedenen Nutzungsbereiche. Durch eine robuste und zugleich zeitlose Architektur wird ein langfristig wirtschaftlicher und nachhaltiger Betrieb der neuen Rettungsstation sichergestellt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser schlagen eine eindeutige städtebauliche Setzung aus 3 Baukörpern vor. Das klar ablesbare und formal zurückhaltende längliche Feuerwehrhaus verläuft in Ost-West-Richtung und besetzt in etwa die Mitte des Grundstücks. Parallel dazu begrenzt ein Riegel mit den Räumen des DRK-Ortsvereins, den Logistik-Stellplätzen und dem Übungsturm das Feuerwehrgelände im Norden. Er bietet den nötigen Schallschutz von den Rangier- und Übungsflächen zum nördlich benachbarten Friedhof. Der DRK-Notarztstützpunkt bildet senkrecht dazu den westlichen Schlusspunkt. Zwischen Feuerwehrgelände und Notarztstützpunkt verläuft die Anbindung der Straße Am Friedhof.
Das Ensemble überzeugt durch 3 klug gesetzte Hochpunkte. Der 3-geschossige Kopfbau des Feuerwehrhauses markiert im Südwesten das Entree zum neuen Rettungsstützpunkt. Der „Schutzriegel“ im Norden überzeugt durch seine plastische Ausformulierung mit einer langgezogenen Überhöhung für das DRK im Westen und dem schräg angeschlossenen Übungsturm als starkem vertikalem Abschluss im Osten.
Wünschenswert wäre, wenn sich diese architektonische Sprache auch etwas stärker in den Fassaden des Feuerwehrhauses zeigen würde. Die Übergänge an den Volumenversätzen bleiben hier stellenweise zu formal.
Da das Gebäude relativ weit nach Osten reicht, wird die Funktionalität der Rampe von der Unterführung zum Parkplatz im weiteren Prozess zu überprüfen sein.
Das kompakte Feuerwehrhaus hat eine einfache und sinnfällige Gliederung. Man betritt es von den westlich angrenzenden Parkplätzen her.
Das Kopfgebäude nimmt im Erdgeschoss die Alarmumkleiden sowie die Einsatzzentrale, den Lagerraum sowie den Bereitschaftsraum auf. Darüber sind in 2 Obergeschossen die Büro-, Versammlungs-, Jugend- und Kameradschaftsräume kompakt organisiert. Die notwendigen Rettungswege aus den Obergeschossen sind über 2 getrennte Treppenräume schlüssig nachgewiesen.
Westlich an den Kopfbau schließt sich die 2-häuptige Fahrzeughalle an. Sie hat nach Norden und Süden auf ganzer Länge öffenbare Tore, sodass nach beiden Seiten ausgefahren werden kann. Die Alarmwege vom Parkplatz bis zur Ausfahrt sind optimiert, sodass im Einsatzfall keine unnötige Zeit verloren geht.
Den westlichen Abschluss des Feuerwehrhauses bilden die durchfahrbare Werkstatt- und Waschhalle sowie die ebenfalls kompakt organisierten weiteren Werkstatträume mit separater Anliefermöglichkeit.
Die hintereinander angeordneten Stellplätze des DRK-Ortsverbandes können im Vergleich zu den Qualitäten des Feuerwehrhauses nicht überzeugen. Hier wäre eine andere Lösung wünschenswert. Ebenso erscheint die Adressbildung des DRK-Gebäudes überarbeitungswürdig.
Das Materialkonzept setzt auf langlebige und damit aus Sicht der Verfasser besonders nachhaltige Materialien. Die Gebäude werden massiv konstruiert und mit Sichtmauerwerk verkleidet. Die Beheizung des Gebäudes über Erdsonden erscheint in Kombination mit der vorgeschlagenen PV-Nutzung als angemessen.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen des Entwurfes liegen im mittleren bis günstigen Bereich, wobei besonders der geringe Verkehrsflächenanteil heraussticht. Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr selbstverständlich daherkommenden und wertvollen Beitrag dar und löst die wesentlichen Aufgaben auf überzeugende Weise.
Modell
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
Modell
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
Modell
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
Lageplan
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
Ansicht
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
Ansicht
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
Visualisierung
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
Grundriss
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA
Grundriss
©THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA