Nichtoffener Wettbewerb | 04/2025
Neubau Feuerwehr und Notarztstandort in Walldorf
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Visualisierung
©MGF Architekten GmbH
Anerkennung
Preisgeld: 6.000 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
Ziel des Wettbewerbs ist es, ein zukunftsfähiges, funktionales und ästhetisch ansprechendes Gebäude zu entwerfen, das den Anforderungen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes gerecht wird. Der Standort soll nicht nur den operativen Bedürfnissen der Einsatzkräfte dienen, sondern als markanter zivilgesellschaftlicher Baustein den südlichen Stadteingang Walldorfs prägen.
Architektonisches Konzept
Am bestehenden Friedhof wird auf dem ehemaligen Standort der Gärtnerei die neue Feuerwehr und der Rettungsstandort des DRK entstehen. Maßgebend für die Gestaltung ist die baulich zurückhaltende Gestaltung um den Friedhof angemessen in den städtebaulichen Kontext zu integrieren. Daher schlagen wir vor den baulichen Hochpunkt des Eingangs östlich an der B291 anzuordnen. Der Rücksprung der Fahrzeughalle im Norden entlang des Friedhofs passt sich in der Höhenentwicklung sensibel an die Friedhofsmauer an. Zwischen der Fahrzeughalle und der Logistikhalle spannt sich der Feuerwehrhof auf und begrenzt dadurch die akustische Beeinträchtigung im Einsatzfall auf den Friedhof. Im Ideenteil des DRK schlagen wir eine winkelförmige Anordnung von zwei Gebäudeteilen je an der Straße „ Am Friedhof und entlang der östliche Grundstücksgrenze des DRK vor.
Erschließung
Die Erschließung für den Friedhof erfolgt über die östliche B291 auf die Zufahrtsstraße südlich der Logistikhalle direkt nach Norden zwischen Neubau Feuerwehr und der Erweiterung des DRK direkt auf zur Straße „Am Friedhof“. Die Zufahrt für die Alarmstellplätze der FFW führt direkt über die B291 auf das Gelände. Bezüglich der Radverkehrsverbindung von/nach Reilingen wird die Wegeführung angepasst und südlich der Logistikhalle weiter entlang der B291 nach Norden auf den Kreisverkehr geführt. Die Alarmausfahrt erfolgt direkt aus dem Feuerwehrhof süd-östlich in Richtung B 291.
Funktion
Die Gebäudeteile der Feuerwehr bilden einen Hof als Alarmhof aus. Im Norden Richtung Friedhof ist die Fahrzeughalle mit den Funktionsräumen angeordnet. Die Verwaltung, Versammlungsräume und die Aufenthaltsbereiche sind im Kopfbau angeordnet. Den Hof begrenzt südlich die Logistikhalle. Im Erdgeschoss direkt am Eingang befinden sich die Leitstelle, Fahrzeughalle und die zugeordneten Funktionsräume. Im ersten OG sind die Verwaltungsflächen angeordnet. Der mittige Erschließungskern mit den Nebenräumen verknüpft auf einfache Weise die Geschosse. Das oberste Geschoss mit Jugendfeuerwehr, Schulung und Versammlungsraum mit der Außenterrasse ist als ruhiges und aussichtsreicher Ort konzipiert. Die Übungsfläche ist im östlichen Hofbereich ist direkt dem Übungsturm zugeordnet.
Konstruktion
Im Rahmen der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand soll die Feuerwehr in einer nachhaltigen Bauweise erstellt werden. Der zwei- bis dreigeschossige Holzhybridbau wird auf einer Bodenplatte erstellt. Die tragenden Wände sind in CLT Platten ausgeführt und lasiert. Das weitgespannte Dach der Fahrzeughalle liegt auf Leimholzbindern auf. Mit einer Schüttung versehene vorgefertigte Decken aus Holzhohlkastenelementen sichern den notwendigen Schallschutz. Die Fassaden werden aus flächigen in einem rotfarbigen beschichteten hinterlüfteten Stahlplatten vorgehängt. Um den Straßenlärmeintrag der östlichen Bundesstraße zu minimieren werden vor den Fenstern eine zweite Glasebene als Prallscheibe angeordnet. Dies unterstützt zudem die geometrische Gestaltung der Baukörper. Im Scheibenzwischenraum ist der windgeschützte flexible Sonnenschutz angeordnet.
Energie
Die Verwendung von Holz als nachwachsender Baustoff spart Primärenergie. Durch die Ausbildung der Stützenfundamente der Halle kann auf eine flächige Bodenplatte verzichtet werden und der Boden als Asphaltbelag oder als Pflasterbelag ausgeführt werden. Die Dachbeläge sind mit extensiver Begrünung mit einer aufliegenden Solaranlage konzipiert. Die Integration von rot- farbigen Dünnschicht-FassadenPV Platten nach Süden zum Feuerwehrhof ist vorgesehen. Diese Bauweise und der weitgehende Verzicht auf verklebte Verbindungen der Bauteile untereinander unterstützt den cradel zo cradle Gedanken im Architekturkonzept.
Städtebau und Freiraumgestaltung
Die Gebäudestrukturen von Feuerwehr und Logistikhalle bilden einen gemeinsamen Hof und minimieren die Lärmbelastung für Friedhof und Umfeld. Auch die Gebäuderiegel der DRK-und Notarztstation schirmen zum Friedhof ab. Die landschaftliche Einbindung der Baustrukturen am Ortsrand erfolgt durch eine dichte Baumbepflanzung klimaresilienter Laub- und Nadelgehölze. Durch die Zusammenlegung der Aufstell- und Bewegungsflächen für Feuerwehr und Logistik werden die Funktionsflächen verringert und großenteils mit wasserdurchlässigen Klimapflaster mit Reinigungsfunktion befestigt. Das Niederschlagswasser wird vorbehandelt und in Stauraumsammlern aufgefangen, das Überschußwasser versickert. Alle Dachflächen sind als Retentionsdächer vorgesehen und tragen als Grün-Solardächer zur nachhaltigen Energiegewinnung, Entsiegelung und Erhöhung der Biodiversität sowie zur Verdunstung, Staubbindung und damit zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Die Baumquartiere erhalten wasserspeichernde Schwammschichten die in Trockenzeiten aus Sammelanlagen nachhaltig bewässert werden. Alle Pkw-Stellplätze werden mit versicherungsaktiven Grünfugen befestigt und großkronigen Laubbäumen zur Beschattung überstellt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser:innen der Arbeit schlagen mit ihrem Entwurf ein Ensemble aus einfachen, langgestreckten Baukörpern vor, dessen nördlicher Abschluss zum Friedhof hin abgestaffelt ist. Die Komposition wirkt in ihrer Anordnung jedoch nur in Verbindung mit dem Gebäude für das DRK stimmig – ohne diesen Baustein erscheint sie unvollständig.
Die Erschließung der Alarmstellplätze erfolgt über eine geplante Unterführung. Die daran anschließende Kurve ist jedoch zu steil ausgebildet, was im Einsatzfall problematisch erscheint und die Realisierbarkeit der Wegeführung infrage stellt.
Die Feuerwehr wird über einen langgestreckten, zentral angeordneten Hof erschlossen. Diese Anordnung ermöglicht es, das gesamte Ensemble allseitig mit begrünten Vorbereichen zu umgeben und so einen harmonischen Übergang zum umgebenden Landschaftsraum zu schaffen.
Die innere Organisation überzeugt durch einfache und kurze Wegebeziehungen. Alle Funktionsbereiche sind sinnvoll und funktional angeordnet, die Erschließung ist kompakt gehalten. Kritisch ist jedoch anzumerken, dass die geforderten Schrägparkplätze in der Logistikhalle nicht nachgewiesen sind. Ebenso ungünstig ist die Platzierung der Übungsfläche vor der Stirnseite statt entlang der Längsseite des Übungsturms. Der Treppenraum ist nicht brandschutztechnisch abgeschlossen, ein zweiter baulicher Rettungsweg fehlt.
Der Bereich des DRK zeichnet sich durch eine klare funktionale Struktur aus. Im Erdgeschoss sind die Fahrzeugstellplätze angeordnet, im Obergeschoss die Nutzräume, deren einbündige Erschließung über die gesamte Länge natürlich belichtet ist.
Die architektonische Gestaltung überzeugt durch eine zurückhaltende, fein gegliederte Komposition, die der Logik der städtebaulichen Setzung folgt. In ihrer schlichten Ausformulierung wirkt sie jedoch zur Friedhofsseite hin zu pragmatisch und erinnert eher an eine gewerbliche Nutzung. In Anbetracht der besonderen Situation und des sensiblen Gegenübers wird dem Ort gestalterisch nicht ausreichend Rechnung getragen.
Aufgrund seiner günstigen Flächeneffizienz und des daraus resultierenden niedrigen Gebäudevolumens liegt dieser Entwurf im Vergleich zu den übrigen Arbeiten in einem günstigen Bereich.
Insgesamt überzeugt der Entwurf durch eine klare Setzung, hohe Flächeneffizienz und eine kompakte Organisation mit geringem Gebäudevolumen. In Richtung Friedhof ist die Gestaltung jedoch zu schlicht und zu pragmatisch und wird dem besonderen Ort damit nicht ganz gerecht.
Lageplan
©MGF Architekten GmbH
Grundriss Erdgeschoss
©MGF Architekten GmbH
Grundriss Obergeschoss
©MGF Architekten GmbH
Grundriss Dachgeschoss
©MGF Architekten GmbH
Fassadenschnitt
©MGF Architekten GmbH