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Nichtoffener Wettbewerb | 04/2026

Neubau Feuerwehrhaus Zaberfeld

Perspektive
10

Perspektive

2. Preis

Preisgeld: 13.000 EUR

BANKWITZ beraten planen bauen

Architektur

Wiederkehr Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

PIRMIN JUNG

Tragwerksplanung

Erläuterungstext

LEITIDEE - Die Gebäudeform entwickelt sich aus der konsequenten Ausnutzung des Grundstücks und dem sensiblen Umgang mit der ansteigenden Topografie. Durch eine klare Setzung entsteht ein kompakter Baukörper, der die funktionalen Anforderungen logisch ordnet und effiziente Abläufe ermöglicht. Die Struktur ist präzise organisiert, schafft kurze Wege im Einsatzfall und formuliert zugleich einen identitätsstiftenden Ort für die künftig vereinte Feuerwehr Zaberfeld.

STÄDTEBAULICHES UND ARCHITEKTONISCHES KONZEPT - Der zweigeschossige Baukörper wird durch einen freistehenden Übungsturm ergänzt, der über das Gebäude hinausragt und die Feuerwehr schon von weitem sichtbar macht. Die zur Straße ausgerichtete Fahrzeughalle macht die Nutzung klar erkennbar, Beschriftungen an Baukörper und Turm stärken die Identifikation mit dem Standort. Das markante Rot setzt zudem einen prägnanten Akzent im landschaftlichen Umfeld und bildet einen deutlich wahrnehmbaren Auftakt am Ortseingang von Zaberfeld. Der Baukörper ist zentral auf dem Grundstück positioniert. Dadurch können die Freianlagen so gestaltet werden, dass ein fließender Übergang zur umgebenden Landschaft entsteht.

Die Stellplätze sind klar und auch für Ortsunkundige selbstverständlich angeordnet. Da sich der Haupteingang im Obergeschoss befindet, befinden sich hier die Besucherstellplätze. Entsprechende Schilder an der Zufahrt weisen frühzeitig auf diese hin. Der Besuchereingang ist bewusst außerhalb der Alarmwege angeordnet und ermöglicht einen direkten Zugang zum Schulungsraum, ohne den Einsatzbetrieb zu stören. Im Inneren sorgt eine klare Organisation für eine funktionale Trennung der unterschiedlichen Nutzungen. Erdgeschoss und Obergeschoss sind logisch gegliedert und ermöglichen eine optimale Raumaufteilung. Im östlichen Grundstück entsteht eine möglichst große, zusammenhängende Übungsfläche mit freistehendem Turm, der von mindestens zwei Seiten nutzbar ist. Eine großzügige Terrasse im Obergeschoss ergänzt die Aufenthaltsbereiche und bietet zusätzlichen Raum für Ausbildung und Gemeinschaft.

FREIANLAGEN - Das Kulturdenkmal „Gartenhaus“ wird nicht nur in seiner Lage erhalten, sondern fügt sich in ein neues Ensemble ein und schafft so ein harmonisches Zusammenspiel von Bestand und Neubau. Zwischen der Aufstellfläche vor der Halle und dem 3,2m höher liegenden Vorplatz vermittelt eine dritte Ebene, auf der sich das Kulturdenkmal inklusive Treppe würdig präsentiert. Der kleine Platz, der gleichzeitig als Fahrradparkfläche genutzt werden kann, bietet Infotafeln und wird gerahmt von der bestehenden Gartenmauer im Westen, sowie einer dort neu aufgebauten im Osten. Die Verwendung von bestehendem Sandstein erweist sich nicht nur in Hinblick auf die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit als sinnvoll, es wird dem landschaftlichen und historischen Kontext gerecht.

Auf dem Vorplatz selbst bietet sich in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang der Stellplatz für Personen mit Bewegungseinschränkungen an. Ein großkroniger Baum betont die Wichtigkeit des Platzes und spendet Schatten. Ein kleines Holzdeck lädt zum kurzen Warten oder längerem Verweilen mit Blick in die Landschaft ein. Der repräsentative Charakter wird durch einen Pflanzstreifen mit Stauden und Wildem Wein geprägt. Letzterer darf über die Mauerkante wachsen und bindet die Stützmauer in die Landschaft mit ein.

Die 18 Alarmstellplätze sind südlich des Gebäudes platziert. Eine Umfahrt, die auch den bestehenden Feldweg miteinbezieht, gewährt eine beidseitige Zufahrt und reduziert mögliche Überschneidungen mit der Alarmausfahrt. Der ein Meter breite Alarmstreifen dient den Kameraden als sichere fußläufig begehbare Zone am Gebäude entlang. Der Linksabbiegerstreifen wurde entsprechend der Alarmausfahrt etwas eingekürzt.

Das Gebäude wird von geschwungenen Wiesenflächen gerahmt. Diese kann durch von der Feuerwehr ausgewählte und gepflanzte Obstbäume ergänzt werden. Die Übungsfläche und der Übungsturm sind auf der straßenabgewandten und damit ruhigeren Seite des Gebäudes zu finden. Alle Anforderungen, Abstände und Flächenvorgaben wurden hier umgesetzt und so bieten sich perfekte Voraussetzungen für anspruchsvolle Übungen und das Ablegen von Abzeichen. Der Teil des Regenwassers, der aufgrund der Topographie nicht in die Grünflächen geleitet werden kann, wird durch Rinnen entwässert und anschließend einer Zisterne zugeführt. Das Wasser kann dann für Übungs- und Reinigungszwecke verwendet werden. Die Topographie stellt sicher, dass das Feuerwehrgelände nicht im Überflutungsbereich von HQextrem liegt und somit vor möglichen Überschwemmungen geschützt wird.

ERSCHLIESSUNG UND FUNKTIONALER ABLAUF - Das Gebäude ist vollständig umlaufend befahrbar. Entlang der Nord- und Südseite des Grundstücks sind die Stellplätze angeordnet, getrennt in Besucher- und Alarmparkplätze. Die Alarmstellplätze liegen auf Erdgeschossebene in unmittelbarer Nähe zum Alarmeingang und zur Ausfahrt. Sie sind in wenigen Metern fußläufig erreichbar. Zwei getrennte Zufahrten ermöglichen die Anfahrt aus allen Richtungen, sodass Kreuzungen mit ausrückenden Einsatzfahrzeugen auf ein Minimum reduziert werden. Gleichzeitig ist eine Umfahrung mit Feuerwehrfahrzeugen möglich, wodurch auch die Freiflächen – einschließlich der Besucherstellplätze – für Übungszwecke genutzt werden können. Die breite Alarmausfahrt befindet sich zwischen sich zwischen den beiden PKW-Zufahrten und ermöglicht eine ungestörte Aus- und Einfahrt der Einsatzfahrzeuge im Alarmfall.
Der Haupteingang der von Besuchern und für Schulungszwecke genutzten Bereich ist im Obergeschoss angeordnet und aufgrund seiner Lage barrierefrei erreichbar. Daher befindet sich die Treppe als verbindendes Element zwischen Erd- und Obergeschoss in direkter Nähe zu den Alarmstellplätzen. So erreichen die Einsatzkräfte beide Geschosse schnell und gleichwertig. Der Bereitschaftsraum liegt unmittelbar am Treppenhaus und am Alarmeingang. Von hier bestehen kurze Wege zu den Umkleiden im Erdgeschoss sowie zu den Aufenthaltsräumen im Obergeschoss. Ein separater Alarmzugang führt über einen ausreichend breiten Flur direkt in die flexibel nutzbaren, in männlich und weiblich getrennten Umkleidebereiche. Daran schließen die Sanitäranlagen sowie ein direkter Ausgang in die Fahrzeughalle an. Der Trockenraum ist sinnvoll zwischen Umkleiden, Sanitär und Fahrzeughalle angeordnet und unterstützt die klare Schwarz-Weiß-Trennung.
Im rückwärtigen Bereich, bodengleich zum Übungsplatz, befinden sich Werkstätten und Lagerräume. Sie können durch ihre Lage gut belichtet werden und sind auch von außen zugänglich. Auf dem Übungsplatz liegt der offene Waschplatz in direkter Nähe zum Waschraum. Lagerflächen und Stellbereiche für Gerätewagen schließen unmittelbar an die Fahrzeughalle an und ermöglichen reibungslose Abläufe.

Im Obergeschoss sind die Nutzungen klar gegliedert: In der südlichen Gebäudehälfte befinden sich die Aufenthalts- und Verwaltungsräume der Feuerwehr, im nördlichen Bereich die öffentlichen Räume mit Foyer, Teeküche sowie Schulungs- und Sitzungsraum. Beide Bereiche können bei Bedarf getrennt genutzt werden. Das großzügige Foyer lässt sich zum Schulungsraum hin öffnen und bei gutem Wetter auf die Terrasse erweitern. Die Terrasse erstreckt sich entlang der Ostseite des Gebäudes mit Blick auf Übungsfläche und Turm und kann bei Veranstaltungen mitgenutzt werden. Über verglaste Öffnungen im Flur besteht zudem ein Sichtbezug zur Fahrzeughalle, die zusätzlich über Oberlichter belichtet wird.

TRAGWERK UND KONSTRUKTION - Dem Vorsatz folgend, die Materialien im Tragwerk so einzusetzen, dass ihre jeweiligen Stärken optimal zur Geltung kommen, ist das neue Feuerwehrhaus als Hybridkonstruktion mit hohem Holzanteil geplant. Auf Grund der Hanglage werden die Wände des Erdgeschosses sowie der Treppenkern in Stahlbetonbauweise errichtet. Die Decke über Erdgeschoss stellt die Schnittstelle zwischen Holz- und Massivbau dar. Die hier eingesetzte Holz-Beton-Verbunddecke (HBV) spannt über 7,40 m und ist aus 180 mm liegendem Brettschichtholz (BSH) und Überbeton mit einer Stärke von 140mm aufgebaut.

Darüber beginnt der reine Holzbau. Alle tragenden Außen- und Innenwände werden ab dem 1.OG als Holztafelkonstruktion ausgeführt. Das Dach besteht aus einer leichten Holzrippenkonstruktion. Die Rippen, die maximal über ca. 5,30 m spannen, sind im Rastermaß von 62,5 cm angeordnet. Oberhalb der Rippen stellt eine 60 mm starke Dreischichtplatte die flächige Ebene dar, auf die dann die Dämmung und der restliche Dachaufbau angebracht werden.

Im Bereich der Fahrzeughalle schließen die Rippen der Dachkonstruktion an große BSH-Träger an, die jeweils in den Achsen der Stützen zwischen den Rolltoren angeordnet sind und über die ca. 12,80 m der gesamte Fahrzeughalle spannen. Auch in den übrigen Funktionsbereichen werden die Tragachsen der großen Träger fortgeführt. Teilweise werden hierzu innere Wände tragend angesetzt, wo das nicht möglich ist, spannen zusätzliche Unterzüge von der Achse zur Fahrzeughalle zur Achse zur Dachterrasse. Um bei den ca. 11,80 m Spannweite, die dafür überspannt werden müssen, nicht zu viel Raumhöhe zu verlieren, sind diese wenigen Zusatzträger aus BauBuche gefertigt.
Die Stützen zwischen den Rolltoren der Fahrzeughalle werden ebenfalls aus Brettschichtholz hergestellt. Um einen wirksamen Anprallschutz gewährleisten zu können, bekommen die Stützen einen ca. 1 m hohen Sockel aus Stahlbeton.
Die Gebäudeaussteifung wird über horizontale Scheiben gewährleistet. In der Decke über Erdgeschoss wird dafür der Überbeton der HBV-Decken herangezogen, in Dachebene übernehmen die Dreischichtplatten die Scheibenwirkung. Als vertikale Aussteifungselemente werden im Obergeschoss die langen fensterlosen Außenwände sowie die Wände zur Fahrzeughalle herangezogen. Im Erdgeschoss sind diese Wände gleichermaßen vorhanden, hier als Stahlbetonwände. Über diese Wände können die horizontalen Lasten aus Wind und Erdbeben sicher in den Baugrund abgeleitet werden.

BRANDSCHUTZ - Durch die unmittelbare Anbindung an den Außenbereich im Erd- sowie im Obergeschoss sind die erforderlichen Flucht- und Rettungswege im Gebäude einfach und übersichtlich organisiert. Im Erdgeschoss stehen ausreichend Ausgänge ins Freie zur Verfügung, die sich nach Süden, Westen und Osten orientieren. Das Obergeschoss kann entweder direkt über den Haupteingang oder über das im Süden angeordnete Treppenhaus verlassen werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser positionieren einen kompakten Baukörper zentral auf dem Grundstück und schaffen dadurch eine klare Zonierung der Außenanlagen in die Bereiche Alarmparken, Besucherparken, Alarmausfahrt und Übungsplatz.

Das neue Gebäude ist von der Straße aus gut wahrnehmbar, durch seine Orientierung mit den Toren zur Straße zeigt es sich auch selbstbewusst in seiner Funktion als Feuerwehr.

Der Umgang mit dem Gelände nimmt im nordwestlichen Bereich die Geländehöhen weitgehend auf. Im Bereich der Feuerwehrflächen Stauraum und Übungsfläche wird eine ebene Fläche ausgebildet, was begrüßt wird.

Der Baukörper ist auf drei Seiten parallel zur Grundstücksgrenze gesetzt. Zusammen mit den abgerundeten Ecken, deren Anordnung teilweise willkürlich wirkt, und die in der vorgeschlagenen Holzbauweise schwierig zu realisieren sind, entsteht ein markanter Baukörper, der aber insbesondere an seiner südlichen, präsentesten Ecke nicht sein Potential ausspielt.

Der Alarmzugang und öffentliche Zugang sind hinsichtlich Gebäudeseite und Niveau klar getrennt.

Der Zugang zum öffentlichen Schulungsbereich ist attraktiv gestaltet.
Nach der Auffahrt erreicht man über den Besucherparkplatz einen atmosphärischen Vorplatz, ein großzügiges und helles Foyer mit offener Küche und guter direkter Zuordnung zum Schulungsraum und direkt zugeordneten Nebenräumen.
Schulungsraum und Jugendraum sind gut belichtet einer großzügigen Terrasse mit schönem Ausblick ins Grüne zugeordnet.
Die Größe der Terrasse ist etwas überdimensioniert.

Die Grundrisse sind klar strukturiert und verfügen über kurze Wege.
Der öffentliche Bereich ist vom Bereich der Feuerwehr klar getrennt.

Die Umkleiden ermöglichen eine flexible Aufteilung und direkten, kreuzungsfreien Zugang zur Fahrzeughalle.
Der Rückweg vom Einsatz aus der Halle über Trocknungsraum und Sanitärräume ist aus Sicht der Feuerwehr sehr gut gelöst.
Die Zuordnung der Lager und Rollwägen direkt an der Halle ist funktional sinnvoll.
Der Alarmplatz ist in der Fahrzeughalle noch auszuweisen.
Die von außen anzuliefernden Räume liegen an der Außenwand zur Übungsfläche gut.
Die Kleiderkammer ist im Hinblick auf die Möblierung ohne Rundung auszuführen.
Führungs- und Verwaltungsräume im Obergeschoss sind in ihrer Anordnung zu optimieren.

Der Übungsplatz ist auf den Straßen abgewandten Seiten angeordnet mit freistehendem Turm und Waschplatz.
Die Abstände Turm - Fahrzeug - Hydrant sind im Weiteren in Abstimmung mit der Feuerwehr noch zu optimieren, die Verschiebung des Turms nach Osten zur frontalen Anleiterung von Norden ist zu prüfen.

Das Gebäude ist komplett umfahrbar.
Das Niveau der Aufstellfläche und Alarmausfahrt, niedriger als die Straße, ist im Hinblick auf Sicht und Sicherheit der ausfahrenden Fahrzeuge zu prüfen.

Das Tragwerk wird der Aufgabe angemessen in Mischbauweise mit hohem Holzanteil mit Wänden in Holzständerbauweise, Decken als Holz-Beton-Verbundplatten sowie einem Dach aus Dreischichtplatten auf BSH-Trägern vorgeschlagen.
Die Decke über Erdgeschoss stellt die Schnittstelle zwischen Holz- und Massivbau dar.

Zwischen den gut organisierten und ausgearbeiteten Grundrissen sowie der Fassadengestaltung besteht ein Qualitätsgefälle, das in der Jury diskutiert wird. Dies insbesondere im Bereich der Südwestecke im Bereich des Materialwechsels.

Die Arbeit liegt hinsichtlich der Kubatur und Kennwerte im wirtschaftlichen Bereich. Sie stellt einen funktional wie gestalterisch guten Beitrag dar, letzteres jedoch nicht in allen Darstellungen und gestalterischen Entscheidungen.
Lageplan

Lageplan

Erdgeschoss

Erdgeschoss

Obergeschoss

Obergeschoss

Ansicht Nord

Ansicht Nord

Ansicht Ost

Ansicht Ost

Ansicht Süd

Ansicht Süd

Ansicht West

Ansicht West

Fassadenschnitt

Fassadenschnitt

Schnitt

Schnitt