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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2024

Neubau Förderschule in Lünen

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1. Preis

Preisgeld: 96.000 EUR

Baupiloten BDA

Architektur

SCHÖNHERR Landschaftsarchitekten PartmbB (ehem. herrburg LA)

Landschaftsarchitektur

INGENIEURGRUPPE BAUEN

Tragwerksplanung

Ingenieure für Brandschutz Peter Stanek

Brandschutzplanung

SCHÜTT Baumanagement GmbH

Projektsteuerung

Erläuterungstext

Städtebauliche Einbindung, Adressbildung, Bringdienste
Im Übergangsbereich von Wohngebiet und Naherholungsraum innerhalb einer landwirtschaftlich geprägten Umgebung sorgt die Positionierung des Gebäudes der neuen Förderschule für klare räumliche Zusammenhänge innerhalb des Areals. Der differenzierte Baukörper formuliert entsprechend den funktionalen Anforderungen genau definierte Außenräume und verzahnt die neue Schule mit der Umgebung. In Richtung "Auf der Leibzucht" im Süden wird ein großzügiger Ankunftsbereich für die verschiedenen Bringdienste geschaffen. Westlich des Neubaus entstehen die Parkplätze des Schulpersonals und der Besucher. Der Versatz in der Gebäudekubatur Richtung Südosten sorgt für die räumliche Fassung eines Vorplatzes als adressbildende Zugangssituation. Das in einzelne Gebäudeflügel gegliederte umfangreiche Gebäudevolumen schafft gute Belichtungssituationen für die Nutzungen im Inneren. Gleichzeitig sucht der Neubau die Einordnung in die Maßstäblichkeit der benachbarten Siedlungsstruktur. Die Übungswohnung befindet sich an der Schnittstelle von Schule und Siedlungsstruktur.

Gemeinschaftswelt im Erdgeschoss
Im Erdgeschoss sind sämtliche gemeinschaftlich genutzten Funktionen und die Verwaltung untergebracht. Eingeschnittene begrünte Themen-Höfe belichten die zentrale Erschließungszone, die alle Bereiche miteinander verbindet und für eine leichte Orientierung sorgt. Der Vorplatz, die Schul-Mitte und die Pausenbereiche im Nordosten werden über ein Raumkontinuum fließend miteinander verbunden. Das Herz der Schule mit der Aula und den Musikräumen liegt zentral im Gebäude und ist transparent mit den Pausenbereichen verbunden. Zwei großzügige Treppen führen die Schüler und Schülerinnen in die Cluster des Obergeschosses. Die Sportfunktionen sind in direkter Nachbarschaft zum Haupteingang mit einem separaten Eingang für externe Nutzer*innen erreichbar. Dachauskragungen sorgen für witterungsgeschützte Bereiche im direkten Umfeld der Schule.

Lernwelt im Obergeschoss
Die zweigeschossige Organisation des Gebäudes erlaubt die Unterbringung der Unterrichts- räume auf einer Ebene. Die einzelnen Cluster, die Heimathäfen der Schüler*innen sind als eigenständige Raumgruppen übersichtlich angeordnet und über kurze Wege zu erreichen. Die Lernwerkstätten und Inselräume befinden sich zwischen den Clustern. Die Anordnung der Räume und Flurbereiche innerhalb eines Clusters ermöglichen verschiedenste den Schulalltag
abbildende und veränderbare Raumkonstellationen, die sich auch nach außen über eine differenzierte Gebäudefigur abbilden. Die großzügigen zentralen Foren bieten wechselseitige Außenraumbezüge. Vorgelagerte grüne Klassenzimmer nutzen die Dachflächen als zusätzliches Raumangebot für Lernen, Aufenthalt und Betreuung. Die Erweiterung um zwei Klassenzimmer kann auf der Dachfläche erfolgen. Die vorgelagerten Außentreppen sorgen für einen direkten Zugang zu den Außenbereichen.

Brandschutz
Das Brandschutzkonzept verfolgt das vorrangige Ziel, die Flur- und Forumsflächen innerhalb eines Clusters als vollständig pädagogisch nutzbare Bereiche zu gestalten. Um die zentralen Flurzonen möblieren zu können, werden die vier Lernwelten im 1. Obergeschoss als brand- schutztechnische Einheiten ausgebildet. Diese Nutzungseinheiten werden bei der Planung der Schule auf eine Größe von 580 qm BGF begrenzt. Jedem dieser Abschnitte ist ein erster bau- licher Rettungsweg zugeordnet. Dieser führt über die jedem Cluster direkt zugeordnete Außentreppe direkt ins Freie. Der zweite Rettungsweg führt über die Haupttreppen durch eine Halle. Die Lauflänge aus jedem Aufenthaltsbereich zu einem dieser Rettungswege beträgt maximal 25 m. Für Rollstuhlfahrer*innen bzw. Personen mit eingeschränkter Mobilität sind gesicherte Wartebereiche in den Treppenräumen und vor den Außentreppen vorgesehen, an denen diese Personen bis zur Evakuierung verweilen können. Im Erdgeschoss werden die großen Versammlungsräume über die notwendigen Ausgangsbreiten direkt ins Freie entfluchtet. Die Sporthalle und das Schwimmbad werden jeweils mit zwei voneinander unabhängigen Rettungs- wegen ausgestattet. Der erste Rettungsweg führt jeweils über die Südfassade direkt ins Freie. Eine Feuerwehrzufahrt westlich des Baukörpers ermöglicht der Feuerwehr die Zufahrt zum Bereich Ausgang Pausenhof.

Freiraumplanung
Die Außenanlagen schaffen die Verbindung zwischen dem neuen Schulgebäude und der um- gebenden Landschaft aus Feldflur, bewaldeter Halde und dem Stadtrand mit seinen Gärten und Sportanlagen.
Der dem Vorplatz und Schulneubau vorgelagerte Hol- und Bringverkehrsbereich für Schul- busse, Kleinbusse und PKWs empfängt die ankommenden Schüler*innen sicher. Über einen großzügigen Vorplatz werden die Schüler*innen, Lehrpersonal und Besucher*innen zum Ein- gang der Schule geleitet. Der aufgehellte, gestrahlte Asphaltbelag des Vorplatzes setzt sich, farblich aufeinander abgestimmt, im Gebäudeinneren als Werkstein fort und begleitet die Schüler*innen vom Vorplatz zum Schulhof durch das Foyer des Neubaus. Baumüberstanden laden beschattete Sitzbänke zum Verweilen und zum Austausch ein. Der Schulteam-Parkplatz und die Anlieferzufahrt sind auf der Westseite zwischen Neubau und bewaldeter Halde geplant, abgewandt vom Wohngebiet. Mit ihrem Baumdach verknüpft sich das Wäldchen mit dem Schulneubau.
Auf der Nordseite nehmen Außenanlagen die Gliederung und Struktur aus dem Gebäudeinneren auf und übertragen diese auf den Freiraum. So folgen auch die Pausenflächen den Clustern des Gebäudes: im Nordwesten eine Pausenfläche für die Unter- und Mittelstufe, im Nordosten für die Oberstufe und die in der Übergangsphase befindlichen Schüler*innen. Der Erholungshof und Erlebnishof fließen tief in das Gebäude ein und verzahnen Innen mit Außen.
Der großzügige, in einzelne Funktionsbereiche klar gegliederte Schulhof bietet den Schüler*innen eine einfache Orientierung im Außenraum. Ruhige Bereiche wechseln sich mit intensiv zu bespielenden Flächen ab. Schüler*innen können sich mittels Schaukeln, Tretrollern, Ballspielen o.ä. austoben. Ein Bolzplatz steht jahrgangsübergreifend zur Verfügung, ebenso wie der Verkehrsübungsplatz, der sich im Außenbereich der Werkstätten befindet. Den nördlichen Übergang zur Sportanlage und zum Wäldchen markiert eine Streuobstwiese, die von den Schüler*innen als Teil des Unterrichts für pädagogische Aktivitäten in einem Naturraum genutzt werden kann.
Auf der Ostseite vermittelt eine Abfolge von Nutzgärten und der Hausgarten des Übungswohnens hin zu den Privatgärten der angrenzenden Siedlung. Gärtnerische Therapieaktivitäten, die Pflege der Obstwiese oder die Haltung von Kleintieren können Teil des Schulalltags werden und bieten spannende und interessante Erfahrungen außerhalb der „klassischen“ Unterrichts- und Betreuungsmethoden.
Vegetationsflächen können als Versickerungsflächen zum Rückhalten von Oberflächenwasser der versiegelten Hauptwege genutzt werden (z.B. Muldenversickerung in Pflanzflächen). Gleichzeitig wird das Regenwasser durch Verdunstung, Speicherung und Bewässerung zur Förderung des Mikroklimas genutzt. Durch unterschiedlich dichte Baumpflanzungen, wie Einzel- oder Solitärbäume, Gruppenstellungen als auch entstehende freie Rasenflächen werden eine Vielzahl von Mikroklimata (Sonne, Halbschatten, Schatten) geschaffen. Das oberste Ziel bei den Neupflanzungen ist die Wahl von klimaresistenten und ökologisch wertvollen Pflanzen. So werden Baumarten verwendet die als klimaverträglich und trockenheitsresistent gelten und auch die Sträucher und Bodendecker werden nach ihrem ökologischen Mehrwert (z.B. Insekten- oder Bienennährgehölz) gewählt.

Beschreibung Tragwerk, Konstruktion, Material
Die zweigeschossige Förderschule wird als flexible und robuste Skelettkonstruktion in Holzbauweise geplant. Die regelmäßigen und strukturierten Grundrisse sorgen für einen ausgeprägten Wiederholungsgrad der zum Einsatz kommenden Tragwerksglieder. Gleichzeitig wird ein hohes Maß an Flexibilität in der Grundrissanapassung erreicht und Nutzungsanpassungen in der Zukunft ermöglicht. Den vertikalen Lastabtrag übernehmen primär Stützen aus Brettschichtholz, dessen Abstand in Längsrichtung 3,60 m und in Querrichtung 7,20 m beträgt.
Die Lasten der in Längsrichtung einfeldrig spannenden Deckenelemente aus Holzbalkenrippendecken werden von den in Querrichtung spannenden Balken aus Brettschichtholz aufgenommen. Durch den optimalen Achsabstand können die Deckenelemente, die durch entsprechenden Verbund untereinander zur Schreibe ausgebildet werden, besonders wirtschaftlich errichtet werden. Die Abtragung der Obergeschossstützen oberhalb von Schwimmbad und Sporthalle erfolgt mittels Brettschichtholzbalken innerhalb der dortigen Geschossdecke. Die Aussteifung des Skeletttragwerkes erfolgt über regelmäßig im Grundriss angeordnete sichtbare hölzerne Verbände (Auskreuzungen) beziehungsweise Wandscheiben aus Brettsperrholz. Die Gründung wird als Flachgründung konzipiert.

Beschreibung TGA
Eine einfache Abluftanlage mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung und eine geregelte, bedarfsgeführte Frischluftzufuhr über die Fenster ist angedacht. Sämtliche Lernbereiche verfü- gen über Fenster mit einem Fensteröffnungsflügel, der bei Bedarf durch CO2 Messung Spaltlüftung ermöglicht. Diese geregelte Lüftung soll die Lüftungswärmeverluste im Winter minimieren und für eine geregelte (Nacht-) Auskühlung im Sommer sorgen. Die Fenster sind so- wohl mit einem außenliegenden Sonnen-, sowie einem innenliegenden Blendschutz ausgestattet.
Die Wärmeerzeugung erfolgt mittels einer Wärmepumpe. Gemäß den Daten für Geothermie wären Erdsonden auf dem Gelände für die Gewinnung von Erdwärme möglich. Die Erwärmung der Räume erfolgt mittels Fußbodenheizung. Auf den Dächern befinden sich PV-Anlagen, die gewonnene Energie wird direkt für die Abluftanlage und Beleuchtung genutzt. Die künstliche Beleuchtung wird durch Präsenz- und Tageslichtsteuerung geschaltet. In die abgehängte Decke sind Langfeldleuchten integriert. In den Rückzugsorten werden intimere, abgependelte Leuchtkörper vorgesehen. Das Dach ist extensiv begrünt. Die Technikräume und der Hausanschlussraum sind von außen für Wartungszwecke leicht zugänglich im Erdgeschoss, sowie im Untergeschoss der Sporthalle untergebracht.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Schulneubau positioniert sich sinnvoll mit einem Vorplatz in der südöstlichen Ecke des Grundstückes, hat somit genügend Raum für die Pkw-Stellplätze im Westen an der bewaldeten Hangkante der Halde und erzeugt einen großen zusammenhängenden Freiraum im Norden Richtung angrenzender Sportanlagen.

Die Hol- und Bringverkehre können entlang der Südfassade abgewickelt werden, wobei dieser Bereich eher skizzenhaft vorgetragen wird.

Wartezonen unter Bäumen sind mit Sitzelementen ergänzt und versprechen auch kommunikativ wirksam zu sein.

Die Pkw-Stellplätze sind im Westen richtig positioniert und mit Bäumen überstellt und dadurch gut in das landschaftliche Umfeld und den grünen Haldenbereich integriert.

Die Sportfunktionen Halle und Schwimmbad im Süden sind in direkter Nachbarschaft zum Haupteingang gut verortet und mit einem separaten Eingang für externe Nutzer*innen problemlos erreichbar.

Der Schulhof auf der Nordseite des Neubaus wird mit unterschiedlichen Spiel- und Erlebniszonen strukturiert und gegliedert.
Auf der Ostseite werden im Außenraum der Schule Gartenthemen angeboten, die sich inhaltlich gut mit den angrenzenden Gärten der Reihenhäuser verbinden lassen. Die Verzahnung landschaftlicher Elemente über zwei Innenhöfe in die Tiefe der Baukörper wird begrüßt und verspricht atmosphärische Qualitäten. Insgesamt wird das differenzierte Freiraumkonzept gewürdigt.

Die Kompaktheit des Baukörpers und seine zweigeschossige Gliederung werden von der Jury positiv bewertet. Das differenzierte Bauvolumen formuliert einen kleinteiligen Übergang zur angrenzenden Einfamilienhausstruktur.

Der Vorplatz, die Gemeinsame Mitte und der Pausenbereich werden fließend miteinander verbunden. Folgerichtig liegen hier auch die Treppen zu den Obergeschossen.

Die Lerngemeinschaften, sogenannte Heimathäfen der Schüler*innen sind über kurze Wege gut erreichbar. Die zentralen Foren bieten Aussenbezüge auch zu den angrenzenden Dachflächen als »Grüne Klassenzimmer«. Sie können als zusätzliches Raumangebot für Lernen und Aufenthalt mit genutzt werden. Über die vorgelagerten Aussentreppen gibt es auch aus den Obergeschossen einen direkten Zugang zu den Freiflächen.

Die Arbeit bildet aufgrund ihres sowohl kompakten, als auch gut gegliederten und gestalteten Baukörpers und einer differenzierten Freiraumgestaltung einen wertvollen Ansatz zur Lösung der gestellten Bauaufgabe.