Nichtoffener Wettbewerb | 08/2024
Neubau Forschungs- und Laborgebäude für das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) in Saarbrücken
©gmp Architekten
4. Preis
Preisgeld: 8.000 EUR
hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH
Brandschutzplanung
Lindschulte Ingenieurgesellschaft mbH
TGA-Fachplanung
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf findet beim Preisgericht große Anerkennung für das in sich schlüssige und nachvollziehbar präsentierte Gesamtkonzept mit einer klaren Ausdrucksweise des Gebäudes, dass sich städtebaulich in seiner Höhenentwicklung grundsätzlich gut in die vorhandene Situation einfügt, wenngleich die gebaute Gesamtlänge im Fall der Umsetzung aller Bauabschnitte kritisch bewertet wird. Der Abschluss des 2. und des 3. Bauabschnitts mit jeweils einer Brandwand sind in Bezug auf das städtebauliche Bild am Campus-Entrée und den Bauablauf nicht überzeugend. Die gestalterische Haltung führt dennoch insgesamt zu einer angemessenen Adressbildung in allen Bauabschnitten des HIPS-Ensembles.
Die differenzierte Lösung für die Fassaden und die Konstruktion auf Straßen- und Gartenseite wird überzeugend präsentiert und vom Preisgericht als sehr geeignet für die Aufgabenstellung begrüßt. Die Umsetzungsplanung könnte auf dieser Basis gut entwickelt werden und die offenen Fragen beantworten, so z.B. das Reinigungskonzept für die feststehenden horizontalen Lamellen und der vergleichsweise große Glasflächenanteil. Das konstruktive System eröffnet die Chance für eine nachhaltige und gestalterisch interessante Lösung, wobei die geschossübergreifenden Lufträume bei der Holzkonstruktion eine Herausforderung für den Brandschutz darstellen. Die Erschließung für Rettungsfahrzeuge ist nicht ausreichend.
Die Hauptfunktionen sind stringent organisiert. Die Topografie wird mit Hauptfunktionen zu beiden Seiten im jeweiligen Erdgeschoss gut genutzt. Die Gartenseite hat gute Aufenthaltsqualitäten, sowohl in den Obergeschossen als auch im Außenraum. Zugleich ist die Anlieferungssituation überzeugend gelöst. Zudem ermöglicht das Konzept den Erhalt der erhaltenswerten Eiche. Kontrovers wird die Anordnung der PKW-Stellplätze an der Straße diskutiert. Noch nicht überzeugend gelöst sind die Zuordnung/Dimensionierung der Räume der Arbeitsgruppen zwischen dem 2. und 3. Bauabschnitt und die Wegevernetzung zwischen Büro- und Laborbereichen wie auch die Anbindung der Messräume.
Der Anschluss zum Bestandsgebäude ist in Bezug auf die Verbindung funktionaler Einheiten überarbeitungsbedürftig, die vertikale Erschließung mit Aufzügen ist nicht überzeugend. Ebenso wäre im Fall der Weiterentwicklung zu prüfen, wie die innere Organisation des Seminarbereichs zugunsten eines stärkeren Bezugs zur Gartenseite optimiert werden kann, zumal die Lage des Seminarraums an der Straße nicht überzeugt. Das Technikkonzept ist in seiner Struktur plausibel, wenngleich die Schachtdimensionen u.a. für Zu- und Abluft nicht angemessen erscheinen, die Technikflächen zu gering dimensioniert sind und die Höhe der Dachzentralen nicht ausreichend sein dürften.
Der zentrale Kritikpunkt des Preisgerichts ist jedoch, dass die insgesamt überzeugende innere Organisation nur durch eine erhebliche Überschreitung der Baugrenze im Süden ermöglicht wird und die Begründung für den damit einhergehenden Eingriff in die geschützten Naturflächen jenseits der Grundstücksgrenze ein erhebliches Risiko in der Genehmigung bedeuten würde.
Insgesamt bewertet das Preisgericht den Entwurf als einen mutigen, konsequent entwickelten Beitrag, dessen hervorragende Qualität das für die örtliche Situation entwickelte integrierte Konzept für funktionale Organisation, Konstruktion und äußere Erscheinung ist.
©gmp Architekten
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