Einladungswettbewerb | 02/2026
Neubau Frankfurt Conservation Center (FCC) in Frankfurt am Main
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Straßenansicht
©vizoom
1. Preis
Architektur
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Verfasser:
Prof. Martin Haas, Dipl. Arch. (Dist), B.A. (Hons) David Cook, Stephan Zemmrich
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Mitarbeitende:
Indra Santosa, Sandro Ruiu, Manh Hoan Dao, Lara Wagner, Veron Tordai-Soos
Tragwerksplanung
Erläuterungstext
Der Entwurf versteht sich als begrünte, klimaaktive Stadtskulptur und formuliert den Übergang von der verdichteten, urbanen Stadtlandschaft zum landschaftlich geprägten Parkraum des Zoos. Das organisch geschwungene Bauvolumen wird zum identitätsstiftenden Symbol des Frankfurter Conservation Centers (FCC), dessen Anspruch es ist, die biologische Vielfalt und das Naturerbe der Erde für heutige und kommende Generationen erfahrbar zu machen. Der konsequente Holz-Lehmbau der Obergeschosse und die differenzierte Struktur des begrünten vorgestellten Verschattungssystems übernehmen nicht nur klimaregulierende Funktionen, sondern fördern auch die Biodiversität am Gebäude selbst. Die nach Himmelsrichtungen abgestufte Verglasung optimiert Tageslichtnutzung, solare Gewinne und sommerlichen Wärmeschutz. Großzügige, zweigeschossige Öffnungen im Erdgeschoss verankern das Gebäude im Stadtraum und schaffen eine einladende, durchlässige Schnittstelle zwischen Innen- und Außenraum. Architektur, Landschaft und Klima verschmelzen so zu einem ganzheitlichen, nachhaltigen Gesamtsystem, das ökologische Verantwortung, funktionale Effizienz und ikonische Präsenz verbindet.
Die zweigeschossige Sockelzone fungiert als öffnender Auftakt: Sie markiert das gemeinsame Entrée des FCC und des Zoos und schafft eine räumliche Schwelle zwischen Stadt und Natur. Durchblicke und Einblicke, skulptural ausgebildete Lehmtreppenhäuser sowie mehrgeschossige Wintergärten erzeugen eine orchestrierte Sequenz, die Besucherinnen und Besucher vom urbanen Umfeld in die Welt des FCC und des Zoos begleitet. Das Besucher-Café des FCC öffnet sich großzügig über die Terrasse im 1. Obergeschoss sowie über das Dachcafé und bietet einen direkten, attraktiven Blickbezug in den Zoo. Es wird so zu einem lebendigen Baustein, der den Durchgangsbereich belebt und Aufenthaltsqualität für Besucherinnen und Besucher schafft. Die Verknüpfung von Innen- und Außenraum, Blickbezügen und Aufenthaltszonen unterstützt das Gesamterlebnis des Gebäudes und macht auch das Café zu einem identitätsstiftenden Ort innerhalb des FCC. Die Räume werden zu Inszenierungen einer ganzheitlichen ökologischen Haltung – Übergangsflächen, die den emotionalen Transfer in eine der Natur verpflichtende Umgebung vorbereiten.
Obwohl die beiden Gebäudeteile – Zoo und FCC – zusammen mit den jeweiligen Wohnungen funktional und organisatorisch unabhängig bleiben, bilden sie zusammen ein narratives Geflecht aus Raum, Licht, Materialität und Naturerlebnis. So wird der Übergang vom Stadtraum in die Landschaft nicht nur physisch, sondern auch sinnlich erfahrbar. Das Gebäude erzählt von einer Architektur, die Identität, Nachhaltigkeit und Stadtraumwirkung zu einem integralen Erlebnis verbindet.
Die kompakte Gebäudestruktur, kombiniert mit einem auf die Holzkonstruktion abgestimmten Ausbauraster, bildet die Grundlage für eine wirtschaftliche, ressourcenschonende Bauweise. Der Innenausbau folgt einem modularen Prinzip: flexible Trennwände ermöglichen eine einfache Anpassung an sich verändernde Nutzungsanforderungen, wodurch Räume schnell, standardisiert und mit minimalem Aufwand umgestaltet werden können. Die Gebäudetechnik ist bewusst reduziert und auf das Wesentliche fokussiert. Natürliche Querlüftung sowie die thermische Speichermasse der Lehm-Holzbalkendecken machen aufwendige mechanische Lüftungssysteme in weiten Bereichen überflüssig. Flächenheizung und -kühlung sind integrale Bestandteile von Wand- und Bodenelementen; zusätzliche Technik- oder Installationsdecken sind nicht erforderlich. Der Glasanteil der Fassaden ist funktional optimiert: Er erlaubt ausreichend Tageslicht und reduziert zugleich den Energieeintrag. Der Öffnungsanteil orientiert sich an den Himmelsrichtungen, während die Stirnseiten für Fassaden-PV vorgesehen sind. Ein hoher Vorfertigungsgrad, insbesondere bei Holz- und Lehmelementen, ermöglicht eine schnelle, witterungsunabhängige Montage und steigert die Effizienz des gesamten Bauprozesses.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der elegante, gerundete Solitär fügt sich selbstverständlich in den Kontext von Zoo und Stadtquartier ein und bespielt die Schnittstelle von Architektur und Landschaft spezifisch und auf spannungsvolle Weise mit unterschiedlichen Themen:
Zur Zooseite zeigt sich das Gebäude begrünt und terrassiert, großzügig bepflanzte Freibereiche schieben sich aus dem Gebäude heraus, verbinden sich mit dem Grünraum des Zoos, laden zum Aufenthalt ein und bieten einen unmittelbaren Blick auf den Zoo. Vom Zoo aus betrachtet nimmt sich der durchgrünte, klare Baukörper zurück und lässt der Landschaft den Vorrang. Zur Stadtseite hin entwickeln die Verfasser eine facettierte Fassade in Form eines begrünten Regalsystems, welches Nistmöglichkeiten für Vögel und Aufenthalt für die Nutzer ermöglichen soll. Zudem dient es als Verschattungselement und entfaltet eine spannungsvolle, strukturelle Anmutung und Tiefenwirkung. Besondere Aufmerksamkeit sollte auch der Umgang mit den Stirnfassaden mit Photovoltaik-Modulen erhalten, die hier abstrakt dargestellt wurden.
Das Gebäude ist kompakt und nutzt das Grundstück gut aus. Der Zugang in das Gebäude für die Nutzer und Zoobesucher ist großzügig. Die gesamte Erdgeschoßzone kommuniziert mit dem Stadtraum über das hohe, einsehbare Foyer, Ausstellungsflächen oder Aufenthaltsbereiche. Alles ist offen und bietet weite Durchblicke von Stadt zu Zoo und umgekehrt. Das Aufbrechen der durch die Zoomauer gegebenen Hermetik an dieser Stelle wird äußerst positiv bewertet. Unterschiedlich diskutiert wird die von den Verfassern angestrebte Interaktion der Öffentlichkeit mit dem Gebäude, was das Nutzungsspektrum sehr weit interpretiert und zu ungeklärten Zugängen in die Betriebsbereiche führt. Auch wenn eine hohe Flexibilität ermöglicht wird, was Zuschaltbarkeiten betrifft, ist eine klare Bereichszuordnung Voraussetzung zur reibungslosen Nutzung des Gebäudes. Die oberen Geschosse werden über markante Lehmtreppenhäuser erschlossen. Diese werden als Spindeltreppe in Bezug auf ihre Umsetzbarkeit teilweise hinterfragt. Die Bürogrundrisse folgen stark dem Prinzip des open-space, wie Varianten in der Nutzungsvielfalt als Einzel- oder Gemeinschaftsbüros abgebildet werden, ist nicht dargestellt.
Das Gebäude hat eine sehr hohe Aufenthalts- und Nutzungsqualität und verfügt über eine besondere Erlebnisqualität. Die tiefen Durchblicke und Übergänge in den grünen Freiraum, die vielen Zugänge zu den vorgelagerten Außenbereichen, von Galeriebereichen bis zur „Rooftop“-Bar, und die Ausbau-Materialien aus Holz und Lehm lassen eine positive, inspirierende und kreative Arbeitsatmosphäre mit vielen Treffpunkten erwarten. Eine hohe Anzahl von Räumen lässt sich natürlich be- und entlüften, durch die Gebäudeausrichtung entstehen auch im Sommer gut nutzbare und verschattete Bereiche, zudem sorgt eine hohe Varianz der Aufenthaltszonen für viel Abwechslung.
Aufgrund der kompakten Gebäudestruktur, der angemessenen Konstruktionsweise, dem gewählten Ausbauraster und dem modularen Innenausbau erscheint das Gebäude wirtschaftlich und ökologisch darstellbar. Die Kombination massiver und leichter Bauweisen ist klug durchdacht. Ein hoher Vorfertigungsgrad wirkt sich ebenfalls positiv auf die Wirtschaftlichkeit aus. Zudem verfügt das Gebäude über einen geringen Anteil von Verkehrsflächen. Die Gebäudetechnik ist auf ein Minimum reduziert und auf Technik- oder Installationsdecken wurde bewusst verzichtet. Im Zusammenhang mit der gewählten Holzbauweise und dem minimierten Einsatz von Beton erscheint das Gebäude ressourcenschonend herstellbar.
Die kontextuelle Stimmigkeit des Solitärs und das charakteristische Fassadenspiel führen zu einer hohen Eigenständigkeit und Wiedererkennung, ohne zu übertreiben. Das Gebäude hebt sich von gängigen Büro- oder Schulungsgebäuden ab und entwickelt einen individuellen, starken Ausdruck mit sympathischer Klarheit und Leichtigkeit für die gestellte Aufgabe.
Innenansicht
©vizoom
Lageplan
©haascookzemmrich STUDIO2050
Außenansicht Zooseite
©vizoom