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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2023

Neubau Frida-Levy-Gesamtschule in Essen

Perspektive Eingangssituation

Perspektive Eingangssituation

3. Preis

Preisgeld: 60.000 EUR

v-architekten GmbH

Architektur

RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

ISW Ingenieur GmbH Schmidt & Willmes

TGA-Fachplanung

imagine structure GmbH

Tragwerksplanung

knp. bauphysik GmbH

Bauphysik

Erl├Ąuterungstext

Leitidee
Eine gr├╝ne Insel in der Stadt.
Umsp├╝lt vom Verkehr, gefasst durch einen gr├╝nen Saum, abgeschirmt von den Schulbauk├Ârpern kann sich im Inneren das vielf├Ąltige, bunte Treiben des Schullebens entfalten.

St├Ądtebauliches Konzept
Die neue Gesamtschule entwickelt sich eigenst├Ąndig und autark am neuen Standort. Ein gr├╝ner Saum rahmt das Grundst├╝ck, wirkt als Feinstaubfilter und dient der Retention von Regenwasser gem├Ą├č des ÔÇ×SchwammstadtprinzipsÔÇť. Der Neubau der Schule f├╝gt sich in diesen Saum ein und vern├Ąht sich mit ihm. Im Inneren entsteht so ein gesch├╝tzter Aufenthaltsbereich, der trotz der hoch belasteten Umgebung ein gesundes und angenehmes Lern- und Lebensklima erzeugt.
Zwei Rezeptoren im gr├╝nen Saum markieren die Zug├Ąnge f├╝r Sch├╝ler:innen und Besucher:innen. An der Hollestra├če nimmt der gro├čz├╝gige Eingangsbereich der Schule die Bewegungsstr├Âme der Sch├╝ler:innen und Lehrer:innen vom ├ľPNV, vom s├╝dlichen Parkplatz und vom Hauptbahnhof auf und leitet diese ins Innere der Schule. In direkter N├Ąhe befinden sich die Kiss-and-Ride und Behinderten-Stellpl├Ątze.
Der zweite einladende Rezeptor am Varnhorst-Kreisel nimmt die n├Ârdliche Zuwegung zur Schule aus Richtung Innenstadt und den externen Zugang f├╝r das Sportzentrum auf. Beide Eingangsbereiche orientieren sich in ihrer topografischen Lage an den Anschlussh├Âhen der angrenzenden Stadtr├Ąume und vermitteln zum Schulhof.
Der weich geschwungene Sockel nimmt alle Gemeinschaftsfunktionen auf. Dar├╝ber befinden sich die Lernh├Ąuser mit den Jahrgangsclustern. Die Anordnung der Lernh├Ąuser folgt der Idee, alle Unterrichtsr├Ąume zum Gr├╝n hin zu orientieren und eine Ausrichtung zu den hochfrequentierten Stra├čen zu vermeiden. Dem Verlauf der vorhandenen Topografie folgend nimmt die Geschossigkeit der Lernh├Ąuser Richtung Varnhorststra├če ab. Der Zugang zum Sportzentrum am Varnhorst-Kreisel wird durch die gestapelten 1-Feld Sporthallen und die Frei-Sportfl├Ąche auf dem Dach akzentuiert.
Alle Vorgaben der Bebauungspl├Ąne werden eingehalten.

Erschlie├čungskonzept
Dem Sicherheitskonzept des Nutzers, hinsichtlich der Abgrenzung zum Stadtraum folgend, wird die neue Frida-Levy-Gesamtschule ausschlie├člich ├╝ber die zwei zentralen Eingangsbereiche an der Hollestra├če und am Varnhorst-Kreisel erschlossen. Alle Zug├Ąnge sind barrierefrei ausgebildet.
Die Anlieferung f├╝r die Mensa erfolgt von der Varnhorststra├če zwischen Sportzentrum und Schule. Sie befindet sich auf dem Niveau der Varnhorststra├če, gegen├╝ber dem Schulhof abgesenkt. Hier sind auch die barrierefreien Parkpl├Ątze f├╝r die Sporthalle verortet, mit ihrem direkten Zugang in das Sportzentrum. Die barrierefreien Stellpl├Ątze der Schule, sowie die Aufstellfl├Ąchen f├╝r den Kiss-and-Ride Verkehr liegen an der Hollestra├če westlich des Hauptzugangs.
Eine Fahrradabstellanlage befindet sich auf Schulhofniveau an der westlichen Grundst├╝cksgrenze, als Puffer f├╝r die Verkehrsimmissionen der Bernestra├če. Dezentrale weitere Anlagen befinden sich an den beiden Hauptzug├Ąngen.

Geb├Ąudekonzept und Funktionalit├Ąt

GESAMTSCHULE:
Von der Hollestra├če kommend wird die Schule von einem gro├čz├╝gigen Vorplatz erschlossen.
Mittelpunkt des gemeinsamen Schullebens ist die zentrale 2-geschossige Halle, die das Erdgeschoss mit dem Gartengeschoss und Schulhof verbindet. Eine einladende Freitreppe f├╝hrt unmittelbar in das Gartengeschoss und in den Freibereich. Von der zentralen Pausenhalle sind alle Klassenh├Ąuser, Fachklassenbereiche und Gemeinschaftsbereiche auf kurzem Weg erreichbar. Die Aula, die Mensa, der Ganztagsbereich mit der Bibliothek und das Sch├╝ler-Caf├ę profitieren von der Pausenhalle als Foyer.
Alle Bereiche sind ├╝bersichtlich und ablesbar rund um die zentrale Halle organisiert.
├ťber die rechte Seite des Haupteingangs gelangt man direkt in den Verwaltungsbereich. Am Innenhof entsteht eine erweitere Flurzone, die Platz f├╝r Wartende bietet und zu informellen Gespr├Ąchen einl├Ądt. Besprechungsr├Ąume und das Kollegium bilden den Abschluss der Verwaltung.
├ťber die linke Seite gelangt man in die Fachklassenbereiche Kunst, Technik und Informatik, die in ihrer Lage zur Hollestra├če den Schwerpunkt der Schule - einem Schaufenster gleich - sichtbar machen.
Aus der Pausenhalle kann man im Gartengeschoss alle Gemeinschaftsr├Ąume auf kurzem Weg erreichen. Am ├ťbergang zum Sport am Mensa-Hof ist die Schulmensa situiert. Die offen gestaltete K├╝che (Frontcooking) dient unmittelbar den Speisebereich an. Die darunter liegende Anlieferung kann in einem gesch├╝tzten Geb├Ąudeunterschnitt erfolgen.
├ťber dem Erdgeschoss werden die drei Lernh├Ąuser mit den Jahrgangsstufen 5-6, 7-8 und 9-10 angeschlossen. Die Cluster funktionieren doppelgeschossig wie kleine Familienhaushalte:
- eigener Zugang aus dem zentralen Forum,
- eigene Garderoben und Toiletten,
- Klassen und Gruppenr├Ąume werden im Wechsel gemeinsam mit dem Teamraum um einen kleinen
Innenhof herum angeordnet,
- Zentral am Innenhof liegt der Co-Learning und Aufenthaltsbereich = ÔÇ×WohnzimmerÔÇť = informeller Arbeitsbereich.
- Klassenr├Ąume bilden die privaten ÔÇ×ZimmerÔÇť und orientieren sich nach au├čen in das ruhige Gr├╝n.
So bildet jeder Jahrgang einen eigenen kleinen Kosmos im neuen Schuluniversum.
Aufgrund des ma├čgeschneiderten Brandschutzkonzeptes gem. aktueller Schulbaurichtlinie mit der Unterteilung in 2 brandschutztechnische getrennte Nutzungsbereiche (mit den jeweiligen direkt erreichbaren Fluchttreppenh├Ąusern) bestehen innerhalb der Einheiten keine weiteren Brandschutzanforderungen. Somit k├Ânnen die Erschlie├čungsbereiche und der informelle Lernbereich frei f├╝r p├Ądagogische Zwecke benutzt werden.
Die Fachraumgruppe Naturwissenschaften liegen im EG des Sockels f├╝r alle Sch├╝ler gleicherma├čen gut erreichbar direkt angebunden an die zentrale Pausenhalle.
Der Oberstufenbereich SEK II wird schlussendlich im 1.OG ├╝ber der Verwaltung und den Fachklassen an der Hollestra├če in analoger Systematik zu den Lernh├Ąusern der SEK I organisiert. Die gew├╝nschte Einteilung in drei Raumgruppen (Jahrgangsstufen) erfolgt im Gleichklang mit der brandschutztechnischen Trennung in ├╝berschaubare Lernbereiche. Sinnf├Ąllig erg├Ąnzt wird dieser Bereich um einen separaten Freibereich auf dem Dach. Das Beratungszentrum wird ebenfalls zentral im 1.OG ├╝ber der Verwaltung angeordnet.

SPORTZENTRUM:
Die 1-Feld Sporthallen werden ├╝bereinander an der nordwestlichen Ecke am Varnhorst-Kreisel gestapelt. Sie erhalten einen eigenen Eingang vom Vorplatz aus. Das gro├čz├╝gige Sportfoyer bietet Raum f├╝r Zuschauer und den Vereinssport unabh├Ąngig vom Schulbetrieb.
Der Hallenboden der 3-fach Sporthalle befindet sich auf H├Âhe der Varnhorststra├če. Die Trib├╝nen befinden sich auf Schulhofniveau. Diese Anordnung und Ausbildung macht den Sport auf unterschiedlichsten Ebenen erlebbar und gew├Ąhrt Einblicke und Durchblicke von der Stadt und Schule.
Erg├Ąnzt wird das Sportzentrum um eine Multifunktionsflache auf dem Dach der 1-Feld Sporthallen, die f├╝r die umliegenden Hochh├Ąuser als Landmarke erkennbar ist.

Freiraumkonzept
Eingebettet in einen gr├╝nen Saum ├Âffnet sich der Schulbau zum umgebenden Stadtraum.
Der Wechsel aus Geb├Ąudevorspr├╝ngen und freir├Ąumlich bespielten R├╝ckspr├╝ngen schafft eine lebendige Verzahnung, die neben extensiven gr├╝nblauen Elementen (wie z.B. ├Âkologisch bepflanzten Regenwasserg├Ąrten) auch wichtige st├Ądtebauliche Verkn├╝pfungen wie die Zugangspl├Ątze an der Holle-/Varnhorststra├če bzw. an Varnhorst-/Bernestra├če umsetzt. Wichtige Bez├╝ge zum Haltepunkt Hollestra├če, zum Hauptbahnhof sowie zum B├╝rgerrathaus werden so aufgegriffen. Der nach innen orientierte, durch den Geb├Ąudek├Ârper von den Ger├Ąuschimmissionen der Verkehrstrassen gesch├╝tzte Schulhof wird von einem Klimabaumhain bestanden, der sowohl wertvolle Bestandsb├Ąume erh├Ąlt, als auch durch zahlreiche Neupflanzungen mit Baumrigolen erg├Ąnzt wird. In Wechselwirkung des Schulhofs mit Geb├Ąude (├╝berkragendes Vordach) und gr├╝nem Rahmen (ruhige, begr├╝nte Randbereiche, Sitzrahmung) entstehen verschiedene Aufenthalts- und Aktivit├Ątszonen mit unterschiedlichsten Angeboten von Treffpunkten, Spielbereichen, Veranstaltungsfl├Ąchen, Ruhezonen und Sportbereichen.
Die Spiel- und Sportbereiche liegen wie Inseln aus Rasen, Sand, Rindenmulch oder Tartan in der gro├čen freien baumbestandenen Pausenhoffl├Ąche. Neben den Ruhe- und Spielbereichen werden mehrere Tischtennisplatten, eine 50 m Laufbahn und ein Multifunktionsfeld angeboten. Erg├Ąnzt werden die Angebote auf dem Schulhof um eine Multifunktionsfl├Ąche auf den 1-Feld Sporthallen.
Die ├Âffentliche Wegeverbindung von der Hollestra├če und dem Varnhorst-Kreisel wird durch di parkartige Gestaltung nach Vorbild des englischen Landschaftsparks aufgewertet. Die wertvollen Baumkronen der Bestandsgeh├Âlze werden durch das Auslichten von Wildwuchs und einer atmosph├Ąrischen Beleuchtung hervorgehoben.


Konstruktion und Fassadenmaterialen

KONSTRUKTION:
F├╝r die Schulgeb├Ąude ist ein wirtschaftliches, flexibles und nachhaltiges Tragsystem vorgesehen. Die Geschossdecken sind als 12cm CLT-Decken (Brett-Stapeldecke) geplant. Oberseitig ist eine 10cm Schallschutzsch├╝ttung vorgesehen, durch die die bauphysikalischen Anforderungen an den Schallschutz voll erf├╝llt werden. Dies minimiert die Bauzeit und unterst├╝tzt eine Umsetzung gem. dem Cradle-To-Cradle Prinzip. Folgerichtig wird dieses Prinzip mit Klimadecken zwischen den Balkenlagen erg├Ąnzt.
An den R├Ąndern wird die Konstruktion an entlang der Fassaden oder den Flurzonen angeordnete Betonfertigteiltr├Ągern angeschlossen. Alle vertikalen Tragelemente sind in Stahlbeton ausgef├╝hrt.
Durch die geplante Hybridkonstruktion kann im Verh├Ąltnis zu einer konventionellen Konstruktion eine gro├če Menge an Beton eingespart werden. Neben der Einsparung der grauen Energie bei der
Betonherstellung wird in der Holzkonstruktion pro Kubikmeter Holz ca. eine Tonne CO2 gespeichert. Ein weiterer Vorteil der Hybridkonstruktion ergibt sich aus der Einsparung an Konstruktionsgewicht, da sich dadurch die Gr├╝ndungslasten deutlich reduzieren woraus sich ein erheblicher Kostenvorteil ergibt.
Das Sockelgeschoss sowie die in das Erdreich einbinden Geschosse werden in Ortbeton realisiert.

FASSADE:
Die elementierte Fassade entwickelt sich aus dem Raumraster und wird nach dem Prinzip der Maschenweite gestaltet. Unterrichts- und Aufenthaltsbereiche werden mit Sitzbr├╝stungen geplant. Die Fensterelemente aus Holz werden mit ca. 25 cm tiefen vorgesetzten Holzlamellen im Bereich der ├ľffnungsfl├╝gel erg├Ąnzt, die die F├╝hrungsschienen f├╝r den Sonnenschutz aufnehmen. Die ├Ąu├čeren Holzbauteile werden mit einer speziellen ├Âkologisch unbedenklichen und wartungsarmen mineralischen Impr├Ągnierung vor Vergrauung gesch├╝tzt.
Alternierend werden gro├čz├╝gige Festverglasungen mit Fenstern ausgestattet, die eine fachgerechte und einfache Fassadenreinigung erm├Âglichen. Die Br├╝stungsb├Ąnder erhalten eine vorgeh├Ąngte Fassade aus Recycling-Aluminium.
Der W├Ąrmebedarf des Geb├Ąudes wird durch den sehr guten W├Ąrmeschutz der hochw├Ąrmed├Ąmmenden Fensterrahmen in Verbindung mit einer 3-fach-Verglasung reduziert.
Als Sonnenschutz werden Fallarm-/Ausstellmarkisen eingesetzt, die sowohl eine hervorragende Verschattung, als auch optimale Lichtverh├Ąltnisse f├╝r Bildschirmarbeitspl├Ątze garantieren.
Die opaken Au├čenw├Ąnde werden als vorgefertigte hochw├Ąrmeged├Ąmmte Holzrahmenelemente hergestellt und innenseitig dampfdicht an das Bauwerk angeschlossen. Eine hinterl├╝ftete Bekleidung aus Holzlamellen sch├╝tzt die Unterspannbahn.

AUSBAU:
Die Innenbereiche sind gepr├Ągt von haptisch angenehmen Oberfl├Ąchen, wie naturbelassenem Holz und samtig hellem Sichtbeton der aussteifenden Kerne. Durch die hybride Konstruktion bedingt, k├Ânnen in den Gefachen der Holzkonstruktion die Leitungen einfach verzogen werden. Unterseitig werden die Hohlr├Ąume mit den Elementen der Heiz-K├╝hldecken verdeckt, die gleichzeitig eine optimale Akustik erzeugen.
Durch die Verwendung von robusten, reparaturfreundlichen und gesundheitlich unbedenklichen Materialien wird das gesamte Geb├Ąude nachhaltig ausgestattet.
├ťber die straffe Rasterung des Geb├Ąudes und die in weiten Teilen elementierte und industriell vorgefertigte Bauweise wird eine schnelle und wirtschaftliche Erstellung des Geb├Ąudes angestrebt.

Energie- und TGA Konzept
Das Energiekonzept ergibt sich aus den Synergien zwischen Architektur-, Bauphysik-, Statik- und TGA-Konzept.
Die Vorgehensweise folgt hier dem Grundsatz ÔÇ×Bedarfsreduzierung, Effizienzsteigerung und regenerative VersorgungÔÇť. Durch die Anlehnung an den Passivhausstandard wird eine ma├čgebliche Bedarfsreduzierung erzielt. Durch ein optimiertes Fl├Ąchenvolumenverh├Ąltnis und einem ausgewogenen
Fenster-/Fassadenfl├Ąchenverh├Ąltnis k├Ânnen zudem die sommerlichen als auch winterlichen Lasten reduziert werden. Dieser Ansatz erlaubt ein schlankes, robustes, funktionales und nachhaltiges TGA-Konzept. Hierbei wird ber├╝cksichtigt, dass die Relevanz f├╝r eine Beheizung aufgrund der geringen Heizlasten und der internen W├Ąrmequellen r├╝ckl├Ąufig ist und die Relevanz von K├╝hlung/Entw├Ąrmung und L├╝ftung zunimmt. Die Anordnung von Technikfl├Ąchen zentral und dezentral erfolgt so, dass kurze Installationswege in klarer Struktur mit geringen Leitungsl├Ąngen und einer optimierten Installationsf├╝hrung zur Vermeidung von Kreuzungen realisiert werden k├Ânnen.
Das W├Ąrmekonzept setzt auf den Energietr├Ąger Erdw├Ąrme und W├Ąrmepumpe. Die elektrische Energie ist der Energietr├Ąger der Zukunft und wird zunehmend regenerativ ausgebaut und kann dezentral selbst erzeugt werden. Ebenso ist erg├Ąnzend dazu eine Speicherung der erzeugten elektrischen Energie im Geb├Ąude m├Âglich. Weiterhin kann ├╝ber das System der Erdw├Ąrme eine passive K├╝hlung des Geb├Ąudes erfolgen. Die W├Ąrme├╝bertragung sommerlich wie winterlich erfolgt ├╝ber Bauteilaktivierung und/oder Decken-heiz-/k├╝hlsegeln mit akustisch wirksamen Oberfl├Ąchen. Durch den Entfall einer Abhangdecke in den Klassenr├Ąumen wird die Speicherf├Ąhigkeit der Tragkonstruktion genutzt. S├Ąmtliche Aufenthaltsr├Ąume werden ├╝ber Fl├Ąchentemperiersysteme geheizt und gek├╝hlt. Die K├╝hlung erfolgt passiv ├╝ber die Erdw├Ąrmesondenanlage.
Klassenr├Ąume, Versammlungsst├Ątten und sonstige Aufenthaltsbereiche mit einer hohen Dichte an Personen werden kontrolliert mechanisch be- und entl├╝ftet. Die Be- und Entl├╝ftung erfolgt ├╝ber zentrale RLT-Anlagen. Diese verf├╝gen ├╝ber eine hocheffiziente W├Ąrmer├╝ckgewinnung und ggfs. ├╝ber eine adiabate Abluftk├╝hlung zur Vortemperierung der Zuluft im Sommer. Insofern kann ├╝ber diese Anlagen sowohl die Luftqualit├Ąt als auch der sommerliche W├Ąrmeschutz erg├Ąnzend zur passiven Entw├Ąrmung ├╝ber die Erdw├Ąrme gew├Ąhrleistet werden.
Die Nachausk├╝hlung in Verbindung mit der Speicherf├Ąhigkeit der R├Ąume l├Ąsst hier ein schlankes Anlagenkonzept zu, da durch die Amplitudenverschiebung wesentliche Lasten zeitversetzt abgef├╝hrt werden k├Ânnen. Die Nutzung von Regenwasser f├╝r die WC-Sp├╝lung als auch f├╝r die adiabate Abluftk├╝hlung erg├Ąnzt hier den nachhaltigen Ansatz des Energiekonzepts. In Kombination mit der Photovoltaikanlage auf den Dachfl├Ąchen besteht ein teilautarkes energetisches System auf Basis regenerativer Energiequellen. ├ťbersch├╝ssig erzeugte elektrische Energie wird in das Stromnetz eingespeist oder ├╝ber Smart-Grid-Systeme im Geb├Ąude genutzt bzw. im Batteriespeicheranlagen gespeichert. In den Klassenr├Ąumen werden die Waschtische ausschlie├člich mit Kaltwasser versorgt. Dies reduziert den notwendigen Energieeinsatz sowie auch die Investitionskosten.

Tragwerkskonzept
Das Tragwerk im Bereich der Schulgeb├Ąude wird in Holz-Beton-Hybridbauweise vorgesehen. Die Decken bestehen aus ca. 40cm starken Plattenbalkendecken aus Holz mit darauf befindlicher, ├╝ber den Balkenabstand von 1,25m spannender Brettstapeldecke. Die Anordnung der Balken senkrecht zur Fassade erm├Âglicht die Nutzung des entstehenden Zwischenraums f├╝r die TGA und eventuelle schallabsorbierende Ma├čnahmen, ohne dadurch die Deckenh├Âhe vergr├Â├čern zu m├╝ssen. Die Ausrichtung der Balken hat au├čerdem den Vorteil, dass die Einf├Ądelung der TGA in den Balkenzwischenraum vom Flur aus erfolgen kann. Im Flur wird auf Grund der geringeren Spannweite die Balkenh├Âhe reduziert, so dass entlang der Flurachse die Versorgungsleitungen verzogen werden k├Ânnen. Die Deckenlasten werden ├╝ber einen Stahlbetonskelettbau bestehend aus Fertigteil-Unterz├╝gen und -St├╝tzen aufgenommen. Die Unterz├╝ge k├Ânnen damit deckengleich ausgebildet und die St├╝tzen schlank in den Grundriss integriert werden.
Die Sporthalle und die Aula werden mit frei spannenden Holzfachwerkbindern ├╝berspannt. Der vertikale Lastabtrag erfolgt ├╝ber in die Fassade integrierte St├╝tzen aus Stahlbeton.
Die Aussteifung der Geb├Ąude erfolgt ├╝ber die Deckenscheiben in Verbindung mit den Stahlbetonerschlie├čungskernen. Die Gr├╝ndung erfolgt ├╝ber Stahlbetonbodenplatten, um etwaige Setzungsunterschiede auf Grund des inhomogenen Baugrunds aufnehmen zu k├Ânnen.
Die F├╝gung der einzelnen Tragelemente erfolgt ├╝ber l├Âsbare Verbindungen mittels direkter Auflagerung und Verschraubung. Die gesamte Konstruktion wird in F90-Qualit├Ąt ausgebildet. Das gew├Ąhlte Tragwerkskonzept setzt die beiden Materialien Holz und Beton materialeffizient ein und senkt damit, insbesondere durch die Verwendung von Holz in den Deckenfl├Ąchen, deutlich den Prim├Ąrenergiebedarf. Innerhalb der Lernh├Ąuser werden die Trennw├Ąnde nichttragend in Leichtbauweise erstellt. Durch die Skelettkonstruktion ist somit eine hohe Flexibilit├Ąt f├╝r etwaige Anpassungen im Lebenszyklus gegeben.


Beurteilung durch das Preisgericht

Der st├Ądtebauliche Ansatz der Arbeit, mit drei Hofgeb├Ąuden und einer Sporthalle eine Spange um einen zentralen Pausenhof zu legen, wird positiv bewertet. Dadurch kann das Innere des Ensembles vor dem L├Ąrm der umliegenden Stra├čen gesch├╝tzt werden und den Sch├╝lern als gesch├╝tzter Bereich dienen. Die Gr├Â├če der einzelnen Bauk├Ârper ist gut proportioniert und f├╝gt sich arrondierend in den st├Ądtebaulichen Kontext ein.
Die vorhandene Topographie des Grundst├╝ckes wird mit der umlaufenden Sockelstruktur gut aufgefangen. Der gr├╝ne Saum entlang der Berne- und Varnhorststra├če entwickelt sich auch in die Fugen zwischen den Bauk├Ârpern hinein. Dadurch entstehen hier auch Restfl├Ąchen bzw. undefinierte R├Ąume, die in Bahnhofsn├Ąhe die Aneignung durch unerw├╝nschte Gruppen bef├╝rchten lassen. Die Umsetzbarkeit im ersten und zweiten Bauabschnitt bei laufendem Schulbetrieb ist sichergestellt, auch wenn das Baufeld des ersten Bauabschnittes leicht ├╝berschritten wurde.
Der Haupteingang der Schule ist ├╝ber einen attraktiven Vorplatz an der Hollestra├če mit Bezug zur Haltestelle f├╝r Tram und Bus richtig positioniert. Auch im Norden in Richtung Kreisel am Gildehof entsteht ein kleiner Vorplatz, der die Nutzung und Adressierung der Sporthallen durch externe Nutzer unterst├╝tzt.
Die Sporthalle wird ├╝ber eine Dachnutzung zus├Ątzlich akzentuiert und schafft Lebendigkeit f├╝r den Stadtraum. Die Erschlie├čung vom Vorplatz ├╝ber den Haupteingang und das Foyer in die Schule zu den Lernh├Ąuser, Mensa und Aula ist klar und ├╝bersichtlich gel├Âst, wenngleich die Lage der Aula etwas abseitig positioniert wirkt. Gemeinschaftliche Nutzungsbausteine wie Mensa und die Trib├╝nen der Sporthalle sowie die Bibliothek und die Offene Ganztagsschule haben einen guten Bezug zur zentralen Pausenhoffl├Ąche.
Die SEK 1 und SEK 2 ist in zwei Bauk├Ârpern untergebracht was im Schulbetrieb umst├Ąndlich sein wird.
Die architektonische Aussage zum Projekt ist nur skizzenhaft dargestellt und wirkt dadurch etwas kraftlos. Grunds├Ątzlich ist das Tragsystem der Konstruktion als Hybrid aus Holz und Beton zeitgem├Ą├č. Die Positionierung der Bibliothek wird hinsichtlich des Schallschutzes als ung├╝nstig eingesch├Ątzt. Eine Abtrennung zum Sch├╝ler- Caf├ę und Eingang Gartengeschoss ist nicht erkennbar.
Das technische Gesamtgeb├Ąudekonzept ist umsetzbar. Allerdings wurde bei der Geb├Ąudeh├╝lle die Anforderung an einen W├Ąrmeschutz in Anlehnung an den Passivhausstandard nicht ber├╝cksichtigt. Das brandschutztechnische Konzept ist nur mit erheblichen planerischen ├änderungen umsetzbar.
Das Tragwerkskonzept bleibt in seiner Durcharbeitung sehr schematisch und bleibt hinter den Erwartungen zur├╝ck. Der Schulhof selbst ist gut gestaltet. Er verf├╝gt ├╝ber offene Freibereiche f├╝r Bewegung und bietet schattige Bereiche unter gut gesetzten Baumgruppen. Der bestehende Fu├čweg vom Varnhorstkreisel zur Hollestra├če wird nicht erhalten, was f├╝r die Erschlie├čung der Schule von Westen kontrovers diskutiert wird.
Der Haltebereich f├╝r die Schulbusse ist nicht dargestellt. Der Anlieferung fehlt eine Wendem├Âglichkeit. Die Umsetzung des vorgeschlagenen Konzepts erfordert eine vergleichsweise umfangreiche Gel├Ąndemodellierung auf Kosten der ansonsten durchschnittlich eingesch├Ątzten Wirtschaftlichkeit in der Erstellung. Auch f├╝r die Pflege- und Unterhaltskosten ist eine durchschnittliche Wirtschaftlichkeit zu erwarten.
Insgesamt bildet die Arbeit einen guten Beitrag f├╝r einen zeitgem├Ą├čen Schulbau.
Lageplan

Lageplan

Model

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