Entwurfsidee
Der Wiederaufbau der nach dem Brand zerstörten Kirche begreift sich als bewusster Schritt zwischen
Erinnerung und Neubeginn. Die vertraute Silhouette und äußere Erscheinung prägen weiterhin den
Ort und stiften Identität, während die innere Ordnung des Kirchenbaus neu gedacht wird.
Glockenturm, Turmhaube und Dachgestalt werden denkmalgerecht und in ihrer historischen
Erscheinung wiederhergestellt; das Dachtragwerk des Kirchenschiffes selbst wird als zeitgemäße
Holzkonstruktion neu interpretiert und macht den Weiterbau sichtbar. Der Kirchenraum wird als
räumliche Abfolge mit unterschiedlichen Schichten verstanden, die je nach Anlass aktiviert werden
können. So entstehen Zonen der Kontemplation, der Begegnung und der Gemeinschaft innerhalb eines
zusammenhängenden Ganzen. Mit dem nach Süden hin angegliederten Gartenhaus öffnet sich die
Kirche bewusst zum Kirchgarten und in den Alltag der Gemeinde. Der Pavillon bildet einen
niedrigschwelligen Ort des Ankommens, Verweilens und Austauschs und erweitert die Kirche um
einen flexibel nutzbaren Raum für vielfältige Formen des Gemeindelebens. Barrierefreie Zugänge und
eine klare, verständliche Erschließung unterstützen das Bild einer offenen, aneignungsfähigen Kirche,
in der unterschiedliche Menschen, Glaubensformen und traditionelle sowie alternative liturgische
Formen selbstverständlich ihren Platz finden.
„Über alles zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.“ Kolosser 3,14
Das Motiv des Bandes wird als verbindendes Prinzip verstanden, das sich in der Organisation,
Schichtung und Öffnung der Räume manifestiert. Die Beziehung zwischen Kontemplation und
Gemeinschaft, zwischen Individuum und Kollektiv sowie zwischen Kirche, Garten und Stadt wird über
Raumfolgen, Blickbeziehungen und Übergänge erfahrbar gemacht. Die Kirche versteht sich als offenes
Haus, das Gemeinschaft ermöglicht, ohne diese festzuschreiben. Kontinuität und Erinnerung werden
nicht über Zeichen oder Bilder vermittelt, sondern über das Weiterbauen im Bestand und die bewusste
Verbindung von historischer Hülle und neuer innerer Struktur. Der Pavillon als vermittelndes Element
zwischen Kirchenraum und Garten stärkt die gemeinschaftliche Nutzung im Alltag und bindet die
Kirche selbstverständlich in das Leben der Gemeinde ein. Auf diese Weise entsteht ein Raumgefüge,
das unterschiedliche Deutungen, Formen von Liturgie und Begegnung zulässt und der Kirche ein
eigenständiges, aus dem Ort entwickeltes Profil verleiht.
Verflechtung als Gestaltungsprinzip
Die im Entwurf wiederkehrende Rautenstruktur bildet ein durchgängiges konstruktives und
gestalterisches Prinzip. Sie leitet sich aus der Logik des Tragwerks, der Verspannung und der
Lastabtragung ab und wird in unterschiedlichen Maßstäben konsequent weitergeführt. Die
gekreuzten Zugbänder des Dachtragwerks, die Struktur der Holzkonstruktion sowie die daraus
abgeleiteten Raster folgen einer gemeinsamen inneren Ordnung und machen die wirkenden Kräfte
räumlich ablesbar. Dieses Prinzip prägt auch die Gestaltung ausgewählter Bauteile und Einbauten. In
Fensterteilungen, Möbeloberflächen und Details erscheint die Rautenstruktur als abstrahiertes Motiv
und erzeugt eine ruhige, wiedererkennbare Identität. In dieser Lesart knüpft das Motiv an die
Geschichte Großröhrsdorfs als Bandweberstadt an: als Struktur aus Kreuzen, Spannen und Verbinden,
die einzelne Elemente zu einem tragfähigen Ganzen fügt.