modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Einladungswettbewerb | 03/2026

Neubau für die Stadtkirche in Großröhrsdorf

Blick zum Altar
10

Blick zum Altar

Anerkennung

Preisgeld: 3.850 EUR

ALEXANDER POETZSCH ARCHITEKTUREN

Architektur

NEOFORM Architektur

Architektur

Blaurock LANDSCHAFTSARCHITEKTUR

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Entwurfsidee
Der Wiederaufbau der nach dem Brand zerstörten Kirche begreift sich als bewusster Schritt zwischen
Erinnerung und Neubeginn. Die vertraute Silhouette und äußere Erscheinung prägen weiterhin den
Ort und stiften Identität, während die innere Ordnung des Kirchenbaus neu gedacht wird.
Glockenturm, Turmhaube und Dachgestalt werden denkmalgerecht und in ihrer historischen
Erscheinung wiederhergestellt; das Dachtragwerk des Kirchenschiffes selbst wird als zeitgemäße
Holzkonstruktion neu interpretiert und macht den Weiterbau sichtbar. Der Kirchenraum wird als
räumliche Abfolge mit unterschiedlichen Schichten verstanden, die je nach Anlass aktiviert werden
können. So entstehen Zonen der Kontemplation, der Begegnung und der Gemeinschaft innerhalb eines
zusammenhängenden Ganzen. Mit dem nach Süden hin angegliederten Gartenhaus öffnet sich die
Kirche bewusst zum Kirchgarten und in den Alltag der Gemeinde. Der Pavillon bildet einen
niedrigschwelligen Ort des Ankommens, Verweilens und Austauschs und erweitert die Kirche um
einen flexibel nutzbaren Raum für vielfältige Formen des Gemeindelebens. Barrierefreie Zugänge und
eine klare, verständliche Erschließung unterstützen das Bild einer offenen, aneignungsfähigen Kirche,
in der unterschiedliche Menschen, Glaubensformen und traditionelle sowie alternative liturgische
Formen selbstverständlich ihren Platz finden.


„Über alles zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.“ Kolosser 3,14
Das Motiv des Bandes wird als verbindendes Prinzip verstanden, das sich in der Organisation,
Schichtung und Öffnung der Räume manifestiert. Die Beziehung zwischen Kontemplation und
Gemeinschaft, zwischen Individuum und Kollektiv sowie zwischen Kirche, Garten und Stadt wird über
Raumfolgen, Blickbeziehungen und Übergänge erfahrbar gemacht. Die Kirche versteht sich als offenes
Haus, das Gemeinschaft ermöglicht, ohne diese festzuschreiben. Kontinuität und Erinnerung werden
nicht über Zeichen oder Bilder vermittelt, sondern über das Weiterbauen im Bestand und die bewusste
Verbindung von historischer Hülle und neuer innerer Struktur. Der Pavillon als vermittelndes Element
zwischen Kirchenraum und Garten stärkt die gemeinschaftliche Nutzung im Alltag und bindet die
Kirche selbstverständlich in das Leben der Gemeinde ein. Auf diese Weise entsteht ein Raumgefüge,
das unterschiedliche Deutungen, Formen von Liturgie und Begegnung zulässt und der Kirche ein
eigenständiges, aus dem Ort entwickeltes Profil verleiht.

Verflechtung als Gestaltungsprinzip
Die im Entwurf wiederkehrende Rautenstruktur bildet ein durchgängiges konstruktives und
gestalterisches Prinzip. Sie leitet sich aus der Logik des Tragwerks, der Verspannung und der
Lastabtragung ab und wird in unterschiedlichen Maßstäben konsequent weitergeführt. Die
gekreuzten Zugbänder des Dachtragwerks, die Struktur der Holzkonstruktion sowie die daraus
abgeleiteten Raster folgen einer gemeinsamen inneren Ordnung und machen die wirkenden Kräfte
räumlich ablesbar. Dieses Prinzip prägt auch die Gestaltung ausgewählter Bauteile und Einbauten. In
Fensterteilungen, Möbeloberflächen und Details erscheint die Rautenstruktur als abstrahiertes Motiv
und erzeugt eine ruhige, wiedererkennbare Identität. In dieser Lesart knüpft das Motiv an die
Geschichte Großröhrsdorfs als Bandweberstadt an: als Struktur aus Kreuzen, Spannen und Verbinden,
die einzelne Elemente zu einem tragfähigen Ganzen fügt.


Beurteilung durch das Preisgericht

Architektur
Die Qualität dieser Arbeit liegt in der gründlichen Befassung mit dem, was dieser Kirchenbau in der Vergangenheit und heute noch darstellt, und dem unbedingten Interesse, das bauliche herausragende Zeichen im städtischen Kontext zurück zu gewinnen. Während gleichzeitig im Innenraum des Kirchenbaus ein Raumgefüge entsteht, das neue, zeitgemäße Akzente durch eine kluge Ausgestaltung findet.

Die Ausgestaltung konzentriert sich auf das konstruktiv notwendige: ein Holzrahmenbau übernimmt die statisch notwendige Entlastung des Außenmauerwerks und auch den Lastabtrag des neuen Dachstuhls. Der Bestand bleibt durch die zusätzliche Tragstruktur nahezu erhalten - statisch eine sehr professionelle ausgewogene Strategie – und räumlich eindrucksvoll.

Auch zukünftig wird sich der zentrale Kirchenraum linear auf den Chor hin ausrichten – es ist, wie es ist – neu ist der Blick in den fein aufgefalteten Dachstuhl, den ein konstruktiv-sichtbares Gerüst auszeichnet, die Raute, das stilistisch gesetzte Motiv.

Im westlichen Bereich des historischen Kirchenschiffs begrenzen dem Sakralraum unmittelbar zuzuordnende Nebenräume das Raumvolumen. Hier über gleich drei Ebenen: eine Galerieebene, die sich wie ein Band in den Kirchenraum spannt, die Orgel darüber. Auf der Ebene des Kirchenraums vernünftig platzierte Windfänge in der Nord- wie Südwand. Das Rautenmotiv - eine Art Bordüre – findet sich dann in der Brüstung, den Fenstern, dem Stofflichen wie in den Dachfenstern. In der Außendarstellung drängt sich dieses Motiv deutlich in das Erscheinungsbild (Gauben, Fenster). Schade - gerade hier wird die Arbeit schwächer. Das Schließen der Fenster im unteren Teil der Außenwand raubt dem Innenraum Qualität.

Und dann der Anbau für die Gemeinderäume – unbekümmert und so entwaffnend pragmatisch gedacht, unmittelbar angebaut an das Bauvolumen im Süden – ausgerichtet auf den schönen Park, in Maßstab und formalem Ausdruck weit weg vom Sakralen.

Ist das noch Architektur? Ist das überhaupt so denkbar? Brauchbar allemal – auch wenn unter dem großen Schirm hier überraschend wenig Personen Platz finden könnten. Brauchbar, nützlich, alltagstauglich – das sollte Architektur liefern. Formal bewältigt ist es nicht – zugegeben auch eine echte Herausforderung. Die Denkmalpflege hat erhebliche Einwände.

Die Arbeit verzeichnet durch den offenen Dachstuhl ein großes Volumen das sich in der Kosteneinschätzung abbildet, wobei sich vermutlich der baulich deutlich größere Aufwand gegen die zurückhaltenden Eingriffe in den Bestand aufrechnen lässt.

Eine konzeptionell interessante Arbeit, in der Umsetzung in das konkret Bauliche an wichtigen Stellen doch nicht ganz überzeugend.

Freianlagen
Die Wege greifen die vorhandenen Anbindungen auf und verbinden die einzelnen Bereiche funktional. Der Haupteingang findet von Westen statt. Barrierefreie Eingänge werden im Norden und vom Garten ausgehend durch den im Süden vorgelagerten Pavillon angeboten.

Zwischen den Wegen werden im erhaltenen Baumbestand nutzbare Gartenbereiche angeboten.

Der Pavillon schiebt sich weit in den Garten. Die dadurch entstehenden Höhenunterschiede werden mit Treppen und Sitzstufen überwunden, wodurch stark trennende Raumkanten zum Garten entstehen. Die vorgeschlagene Bepflanzung kaschiert dabei die Raumkante unzureichend.

Der Pavillon stellt einen großen Eingriff in den archäologisch relevanten Gartenbereich dar.

Kirchgemeinde
Die vorliegende Arbeit deckt viele Wünsche und Anforderungen der Gemeinde ab. So sind beispielsweise die angebotenen Flächen und Nutzungsmöglichkeiten sehr umfangreich. Vor allem die Aufnahme des biblischen Leitmotivs im Altarraum und der Thematik „Bänderstadt“ sind sehr gut gelungen. Das Gartenhaus bietet neben vielen Möglichkeiten der Nutzung eine gute Verbindung vom Kircheninneren zum Außenbereich. Die Gartengestaltung ist sehr gelungen.

Es besteht allerdings die Befürchtung, dass sowohl der große und hohe Kirchenraum, als auch der Anbau nur schwer und kostenintensiv zu beheizen und zu pflegen sind. Große Bedenken bestehen zudem im Hinblick auf die Belichtung. Insbesondere erscheint das Kirchenschiff recht dunkel. Gleiche Bedenken bestehen wegen der geschlossenen Dachfläche und ihren weiten Auskragungen auch beim Anbau.
Kirchgarten mit Gemeindehaus

Kirchgarten mit Gemeindehaus

Gestaltungsprinzip

Gestaltungsprinzip