Nichtoffener Wettbewerb | 04/2026
Neubau Gemeinschaftsschule Pankstraße in Berlin Mitte
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Außenperspektive
©v-architekten, rendertaxi
Anerkennung
Preisgeld: 23.500 EUR
Architektur
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Verfasser:
Tim Denninger, Jan Hertel, Dr. Ing. Markus Kilian, Kathrin Lefering, Prof. Diana Reichle, Michael Scholz, Markus Wiesneth
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Mitarbeitende:
Lucia Vogt, Mathis Osing, Chantal Feldhoff, Christian Coburger, Helene Merkle
Landschaftsarchitektur
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Mitarbeitende:
TGA-Fachplanung
Tragwerksplanung
Visualisierung
Erläuterungstext
Leitidee
Das Gebäudeensemble für den Neubau der Gemeinschaftsschule schließt die bestehenden Baufluchten an der Schönstedtstraße und der Pankstraße und stärkt damit die stadträumliche Ordnung. Die markante, mehrgeschossige Bebauung fasst den Brunnenplatz nach Südwesten und bildet zugleich einen schützenden Übergang zwischen öffentlichem Stadtraum und dem inneren Schulbereich.
Im geschützten Inneren des Grundstücks organisiert sich die Schule um einen zentralen Schulhof. Hier liegen die Compartments der Primar- und Förderschule, die sich zur Panke hin terrassiert abstaffeln und sich eng mit dem ruhigen Grünraum verzahnen. Der zentrale Mehrzweckbereich ist das verbindende Element zwischen Primar- und Sekundarstufen.
Das ehemalige Ledigenwohnheim bleibt freigestellt und wird als eigenständiges Zeitzeugnis bewahrt. Die freistehenden Brandgiebel bleiben sichtbar und werden bewusst als Spuren der Geschichte in das neue Ensemble integriert.
Städtebauliches Konzept
Entlang der Schönstedtstraße markiert der Baustein der Sekundarstufen und der Verwaltung die neue Adresse der Gemeinschaftsschule zum Brunnenplatz. Er übernimmt die städtebauliche Rolle der Platzkante und formuliert einen klaren, öffentlichen Auftakt der Schule. Die zwischen Neubau und ehemaligem Ledigenwohnheim ausgebildete Fuge greift die Struktur der gegenüberliegenden Platzkante auf und dient zugleich als prägnanter Erschließungsraum in den geschützten inneren Schulbereich.
Architektonisches Konzept
Die Architektur nimmt Bezug auf die industrielle Geschichte des Weddings und übersetzt diese in eine zeitgemäße, funktionale Gestaltung. Das alle Funktionen verbindende Erdgeschoss mit den gemeinschaftlichen Nutzungen wird als robuster Sockel ausgebildet und lehnt sich in Proportion und Materialität an das ehemalige Ledigenwohnheim an.
Die darüberliegenden Compartments greifen mit ihrer klaren, loftartigen Struktur und seriellen Gliederung die industrielle Prägung des Stadtteils Wedding auf. Das Fassadenbild spiegelt die innere Organisation der Schule wider und macht die funktionale Logik des Gebäudes nach außen ablesbar.
Funktionalität
Das Erdgeschoss dient als zentrale Verteilerebene zwischen den Compartmenthäusern und nimmt die gemeinschaftlich genutzten Werk- und Lernwerkstätten auf. Das räumliche Zentrum bildet der Mensa- und Mehrzweckbereich mit direkter Anbindung an den Schulhof. Jedes Compartmenthaus verfügt über ein eigenes, großzügiges Foyer, von dem aus über eine zentrale Treppe die jeweiligen Obergeschosse erschlossen werden. Von den Treppenräumen aus sind die Lerncompartments in den Obergeschossen auf direktem und übersichtlichem Weg erreichbar.
Freiraumkonzept/ Regenwassermanagement / Biotopflächenfaktor
Zonierung und Gestaltung
Die Außenanlagen sind als differenziertes, durchgrüntes Freiraumsystem konzipiert, das klare Orientierungen bietet und unterschiedliche Nutzungsanforderungen abbildet. Der Schulhof legt sich U-förmig um den Baukörper und gliedert sich in gut ablesbare Teilbereiche.
Im Zentrum entsteht ein großzügiger Hofbereich für Aufenthalt, Begegnung und freie Aktivität. Die Mensaaußenflächen gruppieren sich um die bestehende Platane und bilden einen schattigen, identitätsstiftenden Aufenthaltsort.
Regenwasserkonzept und Biotopflächenfaktor
Das Freiraumkonzept setzt auf einen hohen Grad an Entsiegelung und Durchgrünung. Niederschlagswasser von begrünten und unbegrünten Dachflächen wird in Zisternen gesammelt und zur Bewässerung der Außenanlagen genutzt.
Befestigte Wegeflächen entwässern in unterirdische Rigolen, während das Regenwasser der übrigen Freiflächen oberirdisch in begrünte Retentionsmulden geführt wird. Dort kann es verzögert versickern und verdunsten, wodurch das Mikroklima verbessert und die Kanalisation entlastet wird. Durch die Kombination aus Vegetationsflächen, Retentionsräumen und dezentraler Regenwasserbewirtschaftung wird ein Biotopflächenfaktor von ca. 0,5 erreicht.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Entwurf überzeugt durch seine differenzierte Staffelung und Volumenentwicklung von der Ecke Pankstraße/Schönstedtstraße hin zum Ufer der Panke. Zum Mahngericht hält er einen angemessenen Abstand ein und nimmt dessen Fluchten auf. Durch die U-förmige Anordnung der Gebäudeteile bildet der Beitrag zwei nachvollziehbare Eingänge aus, um die Zugangssituation an der Pankstraße zu entspannen. Die Lage des Haupteingangs ist gut positioniert; im Inneren bietet er jedoch wenig Orientierung und stellt keine einladende Geste zu den Räumlichkeiten im Erdgeschoss dar. Die Fassadengestaltung wird aufgrund des hohen Glasanteils kritisch bewertet.
Hervorzuheben ist, dass die gemeinschaftliche Mensa zugleich die räumliche Mitte – das Herz – der Schule bildet. Durch Oberlichter und die Glasfassade zum grünen Schulhof wird die Mensa trotz ihrer Tiefe sehr gut mit Tageslicht versorgt. Kritisch diskutiert werden der Verbund von Mensa und Erschließung sowie die Verbindungswege zwischen nördlichem und südlichem Gebäudeteil. Die Lage der Lernwerkstätten und der Therapieräume wird positiv hervorgehoben. Die Therapieräume weisen jedoch keine optimalen Raumproportionen auf. Aufgrund der Lage der NaWi-Räume im 4. Obergeschoss des nördlichen Baukörpers entstehen für die Schüler/-innen des Förderzentrums zu lange Wege.
Die Compartements des Förderzentrums und der Primarstufe weisen großzügige Foren auf, die von beiden Seiten natürlich belichtet sind und vielfältige Blickbeziehungen in den Freiraum bieten. Die Foren der Sekundarstufe erreichen diese Qualität nicht. Sie orientieren sich nach innen und weisen keinen Außenraumbezug auf.
Die Sportflächen sind zur Pankstraße ausgerichtet und zeigen das Profil der Schule nach außen ins Quartier. Dadurch entsteht eine gute Erschließbarkeit sowie die Möglichkeit einer externen Nutzung der Sportflächen.
Der Freiraum übernimmt die klare Gliederung des Schulneubaus und führt diese konsequent fort. Der Verlauf von befestigten zu grün geprägten Bereichen ist gut nachvollziehbar. Der Erhalt der Platane innerhalb des zentralen Hofes und Außenbereich der Mensa wird positiv bewertet. Die Lage des Schulgartens im direkten Anschluss an den Schulhof wird jedoch als ungünstig, weil zu wenig geschützt, angesehen. Der im Nordwesten durch das Gebäude vom restlichen Hof abgetrennte Gruppenspielbereich erscheint zunächst nachvollziehbar, ist allerdings schwer zu beaufsichtigen. Zudem ist die Lage des geschützten Freiraums des Förderschule unklar. Die Anordnung des Kleinspielfeldes an der Pankstraße wird bezüglich der schulischen Nutzung als schwer erreichbar eingeschätzt.
Dieser Beitrag lässt durch einen hohen Fensterflächenanteil im Klassenraum ein Überhitzungspotential vermuten. Trotz des hohen Gesamtfensterflächenanteils sind Bereiche in der Tageslichtverfügbarkeit unterversorgt. Bei den Ressourcen- und Energiekriterien ist der Entwurf eher im mittel zu sehen obwohl hier eine gute Kompaktheit und ein geringer Gebäudefußabdruck vorliegen. Der kompakte Baukörper schafft es aufgrund der wenigen nachwachsenden Rohstoffe mit einem Stahlbetonskelett und einer Betonfertigteilfassade in seinem Primärenergieinhalt nicht über ein Mittelmaß hinaus.
Durch ihre städtebauliche Setzung, die Idee der gemeinsamen Mitte sowie die großzügigen, gut zonierten Freiflächen stellt diese Arbeit einen zu würdigenden Beitrag für diesen Ort dar.
Innenperspektive, Forum
©v-architekten, rendertaxi
Lageplan
©Planorama
Modell
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