Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026
Neubau Grundschule Barnstorf
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©HASCHER JEHLE Architektur, UKL Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten, Visualisierung: loomn architekturkommunikation
ein 3. Preis
Preisgeld: 32.950 EUR
UKL Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten
Landschaftsarchitektur
loomn architekturkommunikation
Visualisierung
Erläuterungstext
STÄDTEBAU
Die weitere Umgebung des Wettbewerbsgebietes ist von ein- bis zweigeschossiger Wohnbebauung in Einzelbauweise geprägt. Das direkte Umfeld des Wettbewerbsgebietes hingegen weist durch die Kubaturen der Christian-Hülsmeyer-Schule sowie der beiden Sporthallen in ihrer flächigen Ausdehnung eine größere Maßstäblichkeit auf. Die Höherentwicklung dieser Gebäude ist mit nur ein bis zwei Geschossen sehr gering.
Der Neubau für die neue Grundschule Barnstorf orientiert sich in seiner Maßstäblichkeit sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung an seinem direkten Umfeld. Auf diese Weise fügt sich der Neubau harmonisch in die umgebende Bebauung ein.
Wir schlagen für die neue Grundschule einen zweigeschossigen, flachen, polygonalen, winkelförmigen Baukörper vor, der die Richtungen und Baufluchten der umgebenden Gebäude aufnimmt und zwischen diesen vermittelt. Dadurch entsteht auf der Südwestseite des Gebäudes ein großzügiger, gemeinsamer Vorplatz für beide Schulen sowie für die beiden Sporthallen. Der gemeinsame Vorplatz übernimmt die Funktion des Ankommens für alle Nutzungen und für alle unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer.
Die beiden Schulgebäude sowie die beiden Sporthallen erhalten eine Adresse direkt am Platz und sind für alle Schülerinnen und Schüler gut auffindbar, als Baukörper klar ablesbar und ermöglichen die Identifikation mit der eigenen Schule. Bei Bedarf kann die großzügige Vorplatzfläche auch für Stadtfeste oder größere Veranstaltungen genutzt werden.
Der winkelförmige Neubau fasst den rückwärtig gelegenen Pausenhof der Grundschule zusammen mit dem umfangreichen Baumbestand nördlich und östlich des Wettbewerbsgebietes. Die Umzäunung des Schulhofes kann auf ein Minimum reduziert werden.
Der benachbart platzierte Bolzplatz lässt sich sowohl vom Pausenhof aus als auch von außerhalb des eingezäunten Bereiches erschließen und ist dadurch flexibel für verschiedene Nutzergruppen erreichbar.
VERKEHR
Der gemeinsame, großzügige Eingangsvorplatz bietet ausreichend Raum, um die unterschiedlichen Verkehrsarten zu ordnen, zu trennen und im Sinne der Sicherheit zu optimieren. Die bestehende Busschleife mit ihren vier Bushaltestellen wird in kompakterer Form im westlichen Bereich neu konzipiert. Auch die geforderten PKW-Stellplätze sowie die Anlieferung für die neue Mensa der
Grundschule werden im westlichen Bereich situiert.
Die Stellplätze für die Lehrkräfte der Grundschule werden zwischen der Vereinssporthalle und dem Neubau angeordnet. Von hier aus erhält das Lehrpersonal einen direkten Zugang zum Verwaltungstrakt. Der östliche Bereich des Eingangsvorplatzes kann vollständig von motorisiertem Verkehr freigehalten werden. Hier werden die Fahrradstellplätze beider Schulen direkt an der neuen
Radwegeverbindung vom Sundering zur Walsener Straße vorgesehen.
Die Fuß- und Radwegeverbindung vom Sundering erhält eine durchgängige moderate Steigung von 5–6 % und überwindet so den Höhenunterschied vom östlich gelegenen Weideland zum höheren Niveau des Wettbewerbsgebietes.
FUNKTION
Die neue Grundschule Barnstorf wird als winkelförmiges Gebäude auf zwei Geschossen übersichtlich strukturiert. Die klare Zonierung und Trennung in private und halböffentliche Bereiche ermöglicht eine Doppelnutzung durch schulische sowie angemeldete externe Akteure.
Im Erdgeschoss befinden sich alle öffentlich sowie extern nutzbaren Funktionen: Aula, Mensa, Ganztagsbereich sowie der Lehrkräftebereich. Diese vier Funktionsbereiche gruppieren sich um die Eingangshalle und sind von hier aus auf kurzen Wegen selbstverständlich für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Besucher erreichbar. Die Eingangshalle gibt auf der Gebäuderückseite den Blick zum Pausenhof frei und bindet diesen ebenfalls direkt an.
Aula und Mensa können bei Bedarf für größere Veranstaltungen durch eine flexible Trennwand zusammengeschaltet werden. Durch die direkte Anordnung der Aula an der Eingangshalle kann die Aula wahlweise auch der Eingangshalle zugeschaltet werden. Je nach Nutzungsanforderungen können auch alle drei Bereiche miteinander gekoppelt werden. Es entsteht eine multifunktionale, sehr flexibel nutzbare und anpassungsfähige zentrale Erdgeschosszone.
Der Verwaltungs- und Lehrkräftebereich ist klar von den übrigen Bereichen separiert. Lehrerzimmer und Konferenzraum sind benachbart angeordnet und lassen sich zu einem größeren Raumverbund zusammenschalten. Ein direkter Zugang vom Lehrerzimmer zur Lehrmittelsammlung ist gegeben. Beide Schenkel des winkelförmigen Gebäudes werden jeweils im Zentrum über einen im Erdgeschoss überdachten Innenhof belichtet. Von beiden Höfen aus wird das Obergeschoss über eine Freitreppe angebunden.
Im Obergeschoss werden – gut separiert vom extern nutzbaren öffentlichen Bereich – die vier Unterrichtscluster positioniert. Jeweils vier Unterrichtsräume eines jeden Clusters gruppieren sich um die dazugehörige zentral gelegene Lerninsel. Diese zentralen Bereiche erhalten großzügige Oberlichter und lassen viel Tageslicht in die jeweiligen Clustermitten einfallen. Verglaste Bereiche zu den Klassenräumen stellen Blickbeziehungen zwischen den verschiedenen Unterrichtsformaten her und ermöglichen es, von den Clustermitten aus in den Außenraum zu schauen. Auch die Aufsicht wird durch die verglasten Bereiche unterstützt. Die zentralen Lerninseln fördern die Kommunikation, die Identifikation und den Zusammenhalt innerhalb eines jeden Clusters.
Die umlaufenden Balkone im Obergeschoss dienen als Fluchtwege. Eine Fluchttreppe ist von jedem Punkt aus in maximal 35 m Entfernung erreichbar. Das Obergeschoss wird in vier getrennte Unterrichtscluster aufgegliedert. Jeweils zwei Unterrichtscluster teilen sich eine Halle zur Gebäudeerschließung. Im Obergeschoss erhalten je zwei Cluster einen gemeinsamen Außenraumzugang auf die vorgelagerte Dachterrasse. Von hier aus können die Schülerinnen und Schüler den Pausenhof direkt über eine großzügige Freitreppe erreichen. Die äußerst kompakte Anordnung der Unterrichtscluster ermöglicht sehr kurze Wege für die Schülerinnen und Schüler innerhalb des Gebäudes.
Die Planung und Ausführung des Schulbaus orientieren sich an den Vorgaben der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO). Der Neubau ist für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar. Die Barrierefreiheit bezieht sich auf sämtliche Bereiche des Schulgebäudes einschließlich der Zugänge, Verkehrsflächen, Flure, Sanitärbereiche, Unterrichtsräume sowie der PKW-Stellplätze. Die Bewegungsflächen, Türbreiten und Aufzüge werden normgerecht gestaltet. Durch diese Maßnahmen wird ein gleichberechtigter,
diskriminierungsfreier Zugang für alle Nutzergruppen – mit und ohne Mobilitätseinschränkungen – gewährleistet.
FREIFLÄCHEN
Durch die Neuorganisation der Verkehrsflächen wird es möglich, den Schulneubau mit der Bestandschule über einen durchgehenden „grünen Teppich“ zu verbinden. Die Außenanlagen fassen das Schulareal zu einer gestalterischen und funktionalen Gesamtheit zusammen und schaffen eine klare, identitätsstiftende Adresse. Der gemeinsame Ankunftsplatz gewinnt durch die Neuordnung der Erschließung sowie durch Sitzgelegenheiten und großzügige Pflanzflächen erheblich an Aufenthaltsqualität. Er dient nicht nur als zentraler Treffpunkt für die Schulgemeinschaft, sondern stellt zugleich einen qualitätsvollen, öffentlich wirksamen Stadtraum dar. Sitzbänke laden zum Verweilen ein, während gezielt gesetzte Aufkantungen Wegebeziehungen ordnen, Schülerströme lenken und den Außenraum strukturieren.
Der Pausenhof bietet differenzierte Räume für Bewegung und Ruhe. Ein ausgewogenes Verhältnis von befestigten Flächen in Gebäudenähe, Rasenflächen sowie Sand- und Spielbereichen ermöglicht eine vielseitige Nutzung. Ergänzt wird das Angebot durch verschiedene Sportbereiche, einen Außenbereich der Mensa, einen Schulgarten sowie ein grünes Klassenzimmer als Lern- und Aufenthaltsort im Freien. Großkronige Bäume sorgen für natürliche Verschattung.
Ein zentrales Entwurfsziel ist der Erhalt möglichst vieler vorhandener Gehölze. Diese werden durch eine große Anzahl an Neupflanzungen verschiedener klimaresilienter Baumarten – unter anderem Hopfenbuche, Amberbaum, Feld-Ahorn, Zerreiche und Mehlbeere – ergänzt. Bei den weiteren Pflanzungen aus Stauden und Gräsern wird besonderer Wert auf einen hohen Artenreichtum sowie die Verwendung regionalen Saatguts gelegt.
Im Eingangsbereich und entlang des Neubaus sind intensive Staudenpflanzungen vorgesehen. In den übrigen Flächen kommen aus ökologischen und unterhaltsbezogenen Gründen regionale Wiesenansaaten zum Einsatz, die durch Zwiebelpflanzungen ergänzt werden. Die Pflanzungen verbessern das Mikroklima, strukturieren die Außenräume und leisten einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit.
Das Mikroklima wird zusätzlich durch ein nachhaltiges Regenwassermanagement gestärkt, das sich am natürlichen Wasserkreislauf orientiert und den Verbleib des Wassers vor Ort maximiert. Anfallendes Regenwasser wird bevorzugt in die Grünflächen eingeleitet und dort genutzt. Gering frequentierte Bereiche werden mit Rasenfugenpflaster ausgeführt, um den Abflussbeiwert zu reduzieren und Verdunstung sowie Versickerung zu fördern. Nicht unmittelbar versickerbares Wasser wird in Zisternen gespeichert und für Trockenperioden vorgehalten. Eine ausreichend dimensionierte Rigole unter den Fahrradstellplätzen fängt den Überlauf aus den Zisternen auf und übernimmt die verbleibende Versickerung.
Alle Zugänge sind barrierefrei gestaltet; der Sundering wird barrierearm an das Schulgelände angebunden.
NACHHALTIGKEIT
Die geometrisch klare und einfache Abwicklung der Fassaden sowie die kompakte Bauform, die zu einer Minimierung der Hüllflächen mit einem günstigen A/V-Verhältnis führen, stellen die Grundlage einer wirtschaftlichen Erstellung und Unterhaltung der Fassaden und des Gebäudes dar.
Die horizontale Gliederung, die dem Gebäude Maßstäblichkeit und strukturelle Ordnung verleiht, leitet sich aus der Nutzung ab. Die auskragenden Geschossdecken unterstreichen diese Gliederung und geben dem Baukörper eine unaufdringliche Eleganz und Dynamik. Die Fenster haben einen Flächenanteil von 32 %, sodass der solare Energieeintrag – der durch einen effizienten außenliegenden Sonnenschutz minimiert wird – in einem günstigen Verhältnis zur Tageslichtnutzung steht.
Die Gebäudehülle wird in hoher thermischer Qualität ausgeführt; eine ununterbrochene Dämmebene verhindert konstruktive Wärmebrücken. Die Fenster werden mit Dreifachverglasung versehen.
Die tragende Struktur ist in Holz-Hybridbauweise konzipiert. Durch die Verwendung von Holz und Beton für die tragende Struktur kann die Betonmenge gegenüber einem reinen Massivbau auf ca. 50 % reduziert werden, ohne jedoch „zu leicht“ zu werden. Die Geschossdecken enthalten mit 16 cm Beton gerade so viel Masse, dass die Anforderungen an die Akustik im Schulbau erfüllt werden.
Die Technikzentrale für Heizungs-, Elektro- und Sanitärtechnik liegt zentral zu den Nutzungen im Erdgeschoss des Gebäudes. Ein aufwendiges Kellergeschoss wird vermieden. Das Dach des Schulbaus wird intensiv begrünt, wodurch die Einleitmengen des Regenwassers reduziert werden. Photovoltaikmodule werden auf dem Dach installiert und tragen zur regenerativen Energiegewinnung bei.
Für alle außenliegenden Räume der Schule ist eine natürliche Lüftung über Fenster möglich. Für innenliegende Räume ist eine mechanische Belüftung vorgesehen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser:innen schlagen für die neue Grundschule Barnstorf einen zweigeschossigen, polygonalen Baukörper vor. Dieser bildet durch seine winkelförmige Anordnung einerseits einen Eingangsbereich für die Grundschule, und somit eine klare Adresse aus, andererseits einen gut proportionierten und gefassten Freiraum mit Pausenhof nach Nordosten.
Der winkelförmige Baukörper nimmt mit seinem Ost- und Westflügel die Gebäudefluchten der bei-den Sporthallen nach Südwesten auf und bildet im Kontext hierdurch einen großzügigen Vorplatz und eine klare Adressbildung.
Die Haupterschließung erfolgt an der Nahtstelle der beiden Gebäudeteile durch eine wohlproportionierte Eingangshalle mit anschließender Aula und Mensa. Je nach Nutzungsanforderung können alle drei Bereiche miteinander zusammen geschaltet und genutzt werden. Hierdurch entsteht eine multi-funktionale und flexible zentrale Zone im Erdgeschoss.
Der großzügige Bezug zum Schulhof, der direkte Zugang mit Pausen-WCs, sowie die Schaltbarkeit von Foyer/Eingangshalle, Aula und Mensa wird von der Jury ebenso positiv bewertet wie die erdgeschossige Anordnung des Fachclusters.
Hier wird allerdings der introvertierte Charakter der Bibliothek sowie der Fachcluster-Lerninsel kritisch hinterfragt.
Im Obergeschoss sind je zwei Cluster in einem Gebäudeteil angeordnet und werden mittig über eine an einem Innenhof verortete Treppe erschlossen. Von dort aus gelangt man jeweils zu den Lerninseln, um die sich je 4 Unterrichtsräume gruppieren.
Die Funktionalität der Treppe als 1. baulicher Rettungsweg wird vom Preisgericht kritisch diskutiert, ebenso die Positionierung der WC-Kerne an den Innenhöfen.
Das Obergeschoss ist mit einem umlaufenden Balkon gesäumt, der sich zum Schulhof aufweitet und nicht nur den 2. baulichen Rettungsweg abbildet, sondern vielmehr eine Aufenthaltsqualität verspricht und den direkten Zugang zum Schulhof ermöglicht.
Die horizontale Gliederung verleiht dem zweigeschossigen Baukörper einen angemessene Maßstäblichkeit. Der umlaufende Balkon sowie das auskragende Dach bilden nicht nur ein gestalterisches Element, sondern ebenso Aufenthaltszone wie auch konstruktiver Sonnenschutz.
Die tragende Struktur ist in Holz-Hybridbauweise mit einer elementierten Holzfassade mit hohem Vorfertigungsgrad konzipiert. Mit Gebäudekennwerten im unteren Bereich ist für diese Arbeit eine wirtschaftliche Umsetzung zu erwarten.
Insgesamt bietet die Arbeit einen wertvollen und angemessenen Beitrag für den Neubau der Grund-schule in Barnstorf.
Erschließung und Freiraum
Der Entwurf sieht die gemeinsame Führung des Bus- und Pkw-Verkehrs von der Walsener Straße aus vor, der KFZ-Verkehr endet in Verlängerung der westlichen Gebäudekante des Neubaus. Der sich aus der Gebäudeanordnung ergebende Vorplatz folgt dem Campusgedanken und schließt in schlüssiger Weise an den Komplex der Christian-Hülsmeyer-Schule an. Die Fahrradständer sind südlich der Schule angeordnet und für die Kinder sicher zu erreichen. Positiv wird gewertet, dass Teile der Lehrerparkplätze in der Fuge zwischen Schule und Vereinssporthalle angelegt sind und über einen direkten Zugang in die Schule verfügen.
Der Schulhof liegt nordöstlich der Schule, wird in die angrenzende Waldpartie eingebunden und bietet ein vielfältiges Spiel- und Bewegungsangebot. Der intensive Bezug zwischen Mensa bzw. Aula und der Außenterrasse wird positiv hervorgehoben. Die hohe Dichte der Vegetationsausstattung wird ausdrücklich begrüßt.
©HASCHER JEHLE Architektur, UKL Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten, Visualisierung: loomn architekturkommunikation
©HASCHER JEHLE Architektur, UKL Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten
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