Nichtoffener Wettbewerb | 02/2026
Neubau Grundschule Barnstorf
4
©mvm+starke
ein 3. Preis
Preisgeld: 32.950 EUR
Architektur
Landschaftsarchitektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser:innen schlagen einen zweigeschossigen Baukörper auf quadratischer Grundfläche vor. Das Erdgeschoss wird als Sockelgeschoss mit zwei großzügigen überdachten Unterschnitten ausformuliert und das Obergeschoss durch eine kreuzförmige Gebäudefuge in vier gleiche Gebäudeteile gegliedert.
Die städtebauliche Setzung des neuen Schulgebäudes artikuliert einen klaren Vorplatz und somit eine Geste zum Schulcampus und einen großzügigen Schulhof an der Ostfassade als Übergang in den Landschaftsraum.
Die Proportion des kompakten Baukörpers und die Gliederung der Dachlandschaft aus flach geneigten Satteldächern wirken auf überraschende, simple Weise plausibel und für den Maßstab des Ortes und der Ortsstruktur von Barnstorf angemessen und können überzeugen.
Der Haupteingang in Richtung Süden ist durch den großzügigen Unterschnitt artikuliert und sorgt für eine gute Orientierung und eine klare Adressbildung. Ein weiterer überdachter Bereich des Sockelgeschosses an der Westfassade beschreibt einen Übergangsraum zum Schulhof und bindet die Schulnutzung an die Außenanlagen auf eine ansprechende Weise an.
Die Organisation der Grundrisse schreibt das klar gegliederte und kompakte Konzept der Baufigur fort. Die Grundrissstruktur wird durch eine kreuzförmige Erschließungsfigur in vier Funktionsbereiche gegliedert.
Die Lage der Funktionsbereiche der Verwaltung im Erdgeschoss an der Südwestecke unmittelbar am Hauptzugang und die Orientierung der Fachklassen in Richtung Osten mit einem unmittelbaren Kontakt zum Schulhof überzeugen. Das Foyer wird über den Hauptzugang im Süden erschlossen und öffnet sich in Richtung Osten über den leicht abgesenkten Bereich der Aula und der Mensa in den Schulhof und den Landschaftsraum.
In Richtung Norden gibt das Foyer einen Einblick in einen Werkhof und die schulischen Aktivitäten frei. Gekreuzt wird der repräsentative und öffentliche Bereich durch eine breite Flurzone. Hier gelangt man über zwei offene Treppenanlagen in die Clusterbereiche des Obergeschosses und auf direktem Weg zum Ausgang auf den Schulhof. Die einfache und übersichtliche Erschließung erzeugt und ermöglicht aus Sicht der Jury eine sehr gute Orientierung und kurze Wegebeziehungen innerhalb des Schulbetriebes. Kritisch wird hier allerdings die Distanz zwischen den Fachräumen der Musik und der Aula angemerkt.
Die vier Schulcluster in dem Obergeschoss sind klar gegliedert und gut organisiert.
Die Raumvolumina der zentralen Foren werden bis unter die Dachhaut der geneigten Satteldächer geführt und erhalten somit eine gute Belichtung und eine anregende Raumqualität.
Die Bauteilfuge in Nord-Süd Ausrichtung wird in seiner räumlichen Enge und in der möglichen Einsehbarkeit gegenüberliegender Räume allerdings kontrovers diskutiert und vermag nicht zu überzeugen.
Die Gliederung der Gebäudehülle und die Setzung der Fassadenöffnungen wirken funktional und er-zeugen eine glaubhafte Qualität der Innenräume. Allerdings wirken die Fassaden im Ausdruck sehr schematisch und lassen aus Sicht der Jury zu viel Interpretationsspielraum.
Das konstruktive Prinzip erscheint in der Teilung in einen massiv ausgebildeten Sockel und einem Obergeschoss in einer leichten, aufgesetzten Holzbauweise logisch, allerdings im Hinblick auf ein konsequent nachhaltiges Gebäudekonzept etwas zu konventionell und in seiner Einfachheit im Gegensatz zum gesamten Konzept des Entwurfes weniger überzeugend.
Erschließung und Freiraum
Der Entwurf sieht die Trennung zwischen Bus- und PKW-Verkehr vor. Der Busverkehr endet in Verlängerung der westlichen Gebäudekante des Neubaus. Allerdings ist die Trennung vom fußläufigen Verkehr im Übergang zum sich anschließenden „Campus“ der Schule nicht erkennbar und wird als konfliktträchtig angesehen. Der PKW-Verkehr einschließlich der Stellplätze wird um die Vereinssporthalle angeordnet.
Die Idee des „Campus“ erscheint in ihrer Ausformulierung dem Ort nicht angemessen und dieser wirkt überdimensioniert. Dies gilt insbesondere für das zentrale baumüberstandene Rondell. Die ab-gehenden Strahlen werden thematisch definiert, sind allerdings im Wesentlichen nicht für Kinder im Grundschulalter angemessen. Der in der Fuge zwischen Schule und Vereinssporthalle angelegte „Lehr- und Naschgarten“ – eingerahmt von Fahrradstellplätzen – wird in seiner Qualität in Frage gestellt. Der Schulhof ist östlich der Schule angeordnet, er ist zu schematisch dargestellt. Die Anordnung eines Bolzplatzes in direkter Nachbarschaft zu Unterrichtsräumen wäre zu hinterfragen. Die Vegetationsausstattung – insbesondere die Zahl neu gepflanzter Bäume - erscheint angesichts der hohen Zahl der zu fällenden Bäume als zu gering.
©mvm+starke
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