Nichtoffener Wettbewerb | 04/2025
Neubau Grundschule in Neufahrn bei Freising
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©LMJD Architekten, fischer heumann landschaftsarchitekten
Anerkennung
Preisgeld: 12.000 EUR
Tragwerksplanung
Modellbau
Erläuterungstext
Städtebauliche Setzung und Gebäudekubatur
Die neue Grundschule am Kurt-Kittl Ring wird in kompakter Form, adressbildend im Nordosten des Wettbewerbsgrundstücks positioniert. In direkter Nachbarschaft zu Mittelschule, Sporthalle und Hallenbad wird das neue Schulgebäude selbstverständlich zu einem Teil des Schul- und Sportquartiers Neufahrn. Die städtebauliche Situierung stärkt die Konzentration von Bildungseinrichtungen und schafft eine funktionale Vernetzung mit den bereits bestehenden Sport- und Freizeitangeboten in der näheren Umgebung. Kurze Wege zwischen den Einrichtungen erleichtern eine flexible Nutzung der Räumlichkeiten und Freiflächen.
Das rechteckige Volumen der Grundschule wird durch eine Verschiebung in Ost-West-Richtung aufgelockert. Der Baukörper erreicht so eine für Grundschüler angemessene Maßstäblichkeit, welche durch ein großzügiges Vordach nochmalig verstärkt wird. Dieses vermittelt zwischen Gebäudehöhe und Nutzerperspektive und reduziert die optische Präsenz des Baukörpers.
Der nördliche Teil des Gebäudevolumens nimmt die Gebäudekante der bestehenden Mittelschule auf und führt diese fort, wodurch eine klare städtebauliche Ordnung entsteht. Im Süden sorgt der Neubau für eine räumliche Fassung des Vorplatzes der Grundschule und grenzt diesen von den weiter südlich liegenden Fahrrad- und PKW-Stellplätzen ab. Die gewählte Positionierung des neuen Schulbaukörpers stärkt die Eingangssituation der Grundschule. Besucher, Schüler und Lehrkräfte werden intuitiv zum Haupteingang geleitet.
Erschließung
Die neue Grundschule öffnet sich nach Westen mit einem großen Vorplatz. Kinder, die mit dem Bus kommen, gelangen von Norden, vom bestehenden Bushalt am Galgenbachweg auf den Vorplatz. Schüler aus den neuen und bestehenden Wohngebieten gelangen über die neue Überquerung des Kurt-Kittel-Rings zur Grundschule. Der Vorplatz, baumüberstanden mit grünen Inseln und langen Sitzelementen stellt eine neue, attraktive Adresse der neuen Schule dar. Hier können die Kinder vor und nach der Schule aufeinander warten und sich treffen. Eine geschützte, zum Großteil witterungsgeschützte Vorzone als Aufenthalts-, Warte- und Ankommensbereich wird geschaffen. Die überdachten Fahrradstellplätze stellen den südlichen Abschluss dar. Südwestlich des Neubaus liegt räumlich getrennt von den von Kindern frequentierten Flächen die Anlieferzone für Küche und Müll, überlagert mit der Zufahrt der Stellplätze und dem Hol- und Bringverkehr. Auch die erforderliche Feuerwehrerschließung ist hier möglich. Querungen von Schulkindern, PKWs und Lieferfahrzeugen werden somit in Gänze vermieden.
Pausenflächen
Die Schule öffnet sich nach Osten auf einen großzügigen multifunktional und inklusiv nutzbaren Pausenhof mit baumüberstandenen Spielinseln. Es werden aktive Bereiche mit Spiel- und Sportnutzung, aber auch ruhigere Zonen an den Randbereichen angeboten. Bäume, das auskragende Dach und zusätzliche Sonnensegel bieten in den Sommermonaten Schatten.
Im Osten angrenzend liegen die Sportflächen. Im Übergang zu den extensiven Flächen im Süden sind Bereiche für Naturerfahrung, ein Sinnespfad und das Grüne Klassenzimmer situiert.
Eine Wegeachse vom Pausenhof aus stellt die Verbindung zur Sporthalle her. Nördlich davon liegen die ruhigeren Bereiche mit Schulgarten und Streuobstwiese. Alle Flächen sind barrierefrei nutzbar.
Im Norden kann eine witterungsgeschützte Verbindung vom Neubau zur Mittelschule geschaffen werden.
Das Gelände der Grund- und Mittelschule kann eingefriedet werden. Die Freiflächen sind so zoniert, dass der Schwerpunkt der Grundschule im Osten des Neubaus liegt, die neu gestalteten Freiflächen der Mittelschule,zusätzlich zu den bestehenden Innenhöfen, im Westen und Süden der Sporthalle.
Standortrisiken und Klimaresilienz
Die neue Grundschule Neufahrn ist gezielt auf die Herausforderungen des Klimawandels ausgerichtet und integriert umfassende Maßnahmen zur Klimawandelresilienz. Der Entwurf gewährleistet, dass sowohl das Gebäude als auch die Freianlagen langfristig widerstandsfähig gegenüber steigenden Temperaturen, Starkregenereignissen und Trockenperioden sind und gleichzeitig eine nachhaltige und gesunde Lernumgebung schaffen.
Gegen Hitzestress schützen eine Kombination aus textilem, steuerbarem Sonnenschutz, tief auskragenden Vordächern sowie einem extensiv begrünten Dach, das durch Verdunstungskühlung zur Temperaturregulierung beiträgt. Die massive Erdgeschosskonstruktion wirkt als thermischer Puffer und sorgt für eine ausgeglichene Raumtemperatur über den Tag hinweg. Zudem ermöglicht die hybride Lüftung mit natürlicher Fensterlüftung eine gezielte Temperierung und Frischluftzufuhr in den Lernbereichen.
Zur Bewältigung von Starkregen und Hochwasser setzt der Entwurf auf eine wassersensible Planung. Wo möglich, wird das Niederschlagswasser oberflächig abgeführt und vor Ort versickert. Im Pausenhof wird Regenwasser gezielt in Spielinseln und Retentionsflächen geleitet, wo es versickern und verdunsten kann, während auf dem Vorplatz das Wasser über Sickermulden und angrenzende Grünflächen abgeleitet wird. Die versiegelten Flächen sind auf das funktional erforderliche Maß reduziert und mit wasserdurchlässigem Dränpflaster ausgeführt.
Gegen Hagel und extreme Wetterereignisse schützen eine widerstandsfähige Fassadenkonstruktion und eine hagelsichere Dachbegrünung. Eine stabile Stahlbetonkonstruktion bietet Sicherheit bei Stürmen. Überdachte Eingangs- und Aufenthaltsbereiche bieten zusätzlichen Schutz vor starken Witterungseinflüssen.
Für Trockenperioden und Dürrephasen wurde eine standortgerechte Bepflanzung mit stresstoleranten Klimabaumarten gewählt, die mit minimalem Wasserbedarf auskommen. Ergänzt wird dies durch pflegeextensive Blumenwiesen und Stauden, die nicht nur die Biodiversität fördern, sondern auch Schüler:innen die natürliche Vielfalt näherbringen. Zusätzlich wird gesammeltes Regenwasser für die Bewässerung genutzt, um den Frischwasserverbrauch zu reduzieren und den Vegetationsbestand nachhaltig zu erhalten.
Durch diese ganzheitlichen Maßnahmen entsteht ein energieeffizientes, widerstandsfähiges und nachhaltiges Schulgebäude, das langfristig klimatisch angepasst bleibt und dabei hohen Komfort für Schüler:innen und Lehrkräfte gewährleistet.
Innere Erschließung
Der Haupteingang der neuen Grundschule befindet sich im Norden und ist über den Vorplatz erreichbar, der teils mit einem auskragenden Dach überdeckt wird. Von hier aus gelangen Schüler, Lehrkräfte und Besucher in einen zentralgelegenen, lichtdurchfluteten Ankommensbereich, welcher als Dreh- und Angelpunkt für die gesamte innere Erschließung des Gebäudes fungiert.
In direkter Nähe schließt sich gut auffindbar die Verwaltung als eigener, in sich abgeschlossener Bereich an. Gemeinschaftlich genutzte Bereiche für Veranstaltungen wie Mensa, Mehrzweck- und Musikräume sowie Aula werden ebenfalls von dort erschlossen. Der Ankommensbereich verbindet Vorplatz und Pausenhof visuell. Für die Mittelschüler gibt es neben einem witterungsgeschützten Übergang im Westen auch die Möglichkeit an der Streuobstwiese vorbei nach dem Sportunterricht in die Mensa zu flanieren. Für das Küchen- und Reinigungspersonal wird im Osten direkt an der Küche gelegen ein separater, unabhängiger Eingang angeboten.
Grundrisskonzept Erdgeschoss
Der Verwaltungs- und Personalbereich ist klar in zwei Zonen gegliedert. Über einen großzügigen Flur direkt am Haupteingang werden die öffentlichen Bereiche mit Publikumsverkehr, darunter das Sekretariat und der vorgelagerte Wartebereich, erschlossen. Interne Personalräume wie das Lehrerzimmer mit Arbeitsmöglichkeiten, Teeküche und einem Silentium-Bereich für konzentriertes Arbeiten befinden sich abseits des Publikumsverkehrs, aber dennoch in unmittelbarer Nähe zu den sonstigen Räumen des pädagogischen Personals. Nach Osten orientiert bietet eine großzügige Lehrerterrasse ausreichend Platz für eine ruhige Pause im Grünen.
Die Aula ist als separater, abschließbarer Raum flexibel für das Schulleben oder auch externe Veranstaltungen nutzbar und präsentiert sich durch seine großzügigen Glasflächen nach außen und lässt bewusst Einblicke in das ansonsten introvertierte Schulleben zu. Theaterkulissen, Orchester etc. können durch den festen Bühnenraum aufgebaut bleiben, eine parallele Nutzung der Aula z.B. als Bewegungsraum bei schlechtem Wetter im Schulalltag ist parallel möglich.
Die beiden Mehrzweckräume befinden sich vis-a-vis und orientieren sich zum Pausenhof hin. Sie können separat genutzt oder durch eine mobile Trennwand zu einem größeren Veranstaltungsraum kombiniert werden. Abschlussfeiern oder Sommerkonzerte mit Blick ins Grüne lassen sich hier gut umsetzen. Auch Abschlussprüfungen oder Lehrerkonferenzen in großer oder kleiner Runde sind hier möglich.
Die Mensa ist in zwei klar definierte Bereiche unterteilt. Ein Bereich für die Grundschule, der eine kindgerechte Gestaltung aufweist und auf die Altersgruppe abgestimmt ist. Ein separater Bereich für die Mittelschule, der sich ebenfalls innerhalb der Mensa befindet, jedoch durch eine gezielte Zonierung eine eigene Atmosphäre schafft. Beide Bereiche werden durch eine gemeinsame Essensausgabe versorgt, die sich zentral zwischen den beiden Zonen befindet. Diese Organisation sorgt für eine effiziente Verteilung der Mahlzeiten, während die Schüler durch getrennte Zugänge und eigene Sanitärbereiche jeweils in ihrer Altersgruppe essen können. Die Küche ist unmittelbar an den Speisebereich angebunden und verfügt über einen separaten Anlieferbereich im südwestlichen Gebäudeteil. Hier können Lieferfahrzeuge abgestellt werden, ohne den Haupteingangsbereich oder die schulischen Abläufe zu stören. Neben der Küche sind weitere Funktionsräume für die Lagerung und Vorbereitung der Speisen angeordnet, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Zusätzlich verfügt die Mensa über eine Außenterrasse mit einer Überdachung analog zu der des Vorplatzes, die es den Schülern ermöglicht, auch im Freien zu essen. Außerhalb der Essenszeiten kann die Mensa flexibel genutzt werden, z. B. als Aufenthaltsbereich, für Gruppenarbeiten oder Veranstaltungen.
Grundrisskonzept Obergeschosse
Die Obergeschosse der neuen Grundschule sind in Lerncluster gegliedert, die jeweils drei Klassenräume, Differenzierungsräume und eine Gemeinsame Mitte umfassen. Diese Struktur schafft eine klare räumliche Ordnung, die eine intuitive Orientierung ermöglicht und gleichzeitig ein hohes Maß an Flexibilität für unterschiedliche Unterrichtsformen bietet.
Jedes Cluster besteht aus drei großzügigen Klassenräumen mit einer Größe von ca. 75 m². Diese bieten ausreichend Platz für moderne Unterrichtsmethoden wie Teamteaching, selbstorganisiertes Lernen und klassenübergreifendes Arbeiten. Die offene Gestaltung unterstützt die Inklusion, indem genügend Raum für Schulbegleiter, sonderpädagogische Betreuung oder individuelle Fördermaßnahmen zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist die Aufsicht durch gezielt platzierte Sichtbeziehungen zwischen den Räumen und der gemeinsamen Mitte gewährleistet.
Ergänzend zu den Klassenräumen gibt es Differenzierungsräume, die eine vielseitige Nutzung ermöglichen. Sie dienen als Orte für individuelle Förderung, Gruppenarbeit oder Rückzugsräume und ermöglichen es, dass Kinder mit unterschiedlichen Lernbedürfnissen optimal betreut werden.
Die zentrale Gemeinsame Mitte bildet das Herzstück jedes Clusters und fungiert als multifunktionaler Raum zum gemeinsamen Lernen, für Freiarbeitsphasen oder als sozialer Treffpunkt. Durch diese offene Gestaltung wird die Kommunikation innerhalb der Jahrgangsstufe gefördert, während gleichzeitig strukturierte Rückzugsmöglichkeiten erhalten bleiben. Die Clusterbereiche sind mit strategisch platzierten Sanitär- und Garderobenbereichen ausgestattet, die eine sinnvolle Nutzung über den gesamten Tag hinweg ermöglichen.
Die Ganztagesbereiche sind direkt an die Cluster angegliedert, wodurch eine räumliche Verzahnung zwischen Unterricht und Betreuung geschaffen wird. Diese enge Verbindung ermöglicht es, dass diese Räume flexibel von beiden Bereichen genutzt werden können, wodurch sich ein zusätzliches Angebot an Arbeits- und Aufenthaltsräumen für Schüler und Lehrkräfte ergibt.
Die Räume des offenen Ganztags befinden sich zwischen den Clustern und ergänzen diese zu einer größeren Einheit. Während der Unterrichtszeit können diese Räume als erweiterte Differenzierungsbereiche genutzt werden, nach Schulschluss stehen sie für die Nachmittagsbetreuung zur Verfügung. Dies sorgt für eine optimale Raumausnutzung und unterstützt Synergien zwischen Unterricht und Freizeit. Die offene Gestaltung des Ganztagsbereichs ermöglicht verschiedene Betreuungsmodelle - von individuell wählbaren Betreuungszeiten bis hin zu einer strukturierten Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenzeiten und kreativen Angeboten. Durch diese Kombination aus Lernclustern und direkt angebundenen Ganztagsräumen entsteht eine Schule, die nicht nur den Anforderungen an modernen Unterricht gerecht wird, sondern auch eine ganzheitliche Umgebung für das ganztägige Lernen und Leben der Schüler schafft.
Ein besonderer Mehrwert des Ganztagsbereichs liegt in den integrierten Kreativ- und Werkräumen, die sich in unmittelbarer Nähe der Lerncluster befinden. Diese Fachräume, darunter "Werken und Gestalten" sowie "Kreatives Gestalten", ermöglichen eine praxisorientierte, handlungsbezogene Bildung und fördern künstlerische sowie handwerkliche Fähigkeiten. Die Nähe dieser Räume zu den Ganztagsflächen schafft eine enge Verzahnung zwischen Unterricht, kreativen Projekten und Nachmittagsangeboten.
Durch diese Kombination aus Lernclustern, angegliederten Ganztagsräumen und kreativen Werkstätten entsteht eine Schule, die nicht nur den Anforderungen an modernen Unterricht gerecht wird, sondern auch eine ganzheitliche Umgebung für das ganztägige Lernen und Leben der Schüler schafft.
Konstruktives Konzept
Das Gebäude der neuen Grundschule folgt einem klar ablesbaren konstruktiven Konzept, das sich in zwei Hauptbereiche gliedert: Ein massiver, stabiler Sockel im Erdgeschoss und eine leichte, modulare Holzstruktur in den Obergeschossen. Diese Kombination schafft eine nachhaltige, flexible und zugleich robuste Architektur, die den funktionalen Anforderungen einer modernen Ganztagsschule gerecht wird.
Massiver Sockel im Erdgeschoss - Stabilität und Offenheit
Das Erdgeschoss bildet mit seiner Stahlbetonkonstruktion die tragende Basis des Gebäudes. Diese robuste Bauweise ermöglicht große Spannweiten und eine offene Raumstruktur, die insbesondere für gemeinschaftlich genutzte Bereiche wie Aula, Mehrzweckbereich und Mensa notwendig ist. Die großzügigen Verglasungen der Pfosten-Riegel-Fassade lassen viel Tageslicht in die Räume und schaffen eine enge Verbindung zwischen Innen- und Außenräumen. Diese Sockelkonstruktion sorgt nicht nur für eine stabile Grundlage für die darüber liegenden Holzkonstruktionen, sondern bietet auch Schutz vor mechanischen Belastungen im Erdgeschoss, da hier stark frequentierte Bereiche wie die Eingangszone und Gemeinschaftsflächen untergebracht sind.
Leichte, modulare Holzstruktur in den Obergeschossen - Lernlandschaften mit Identität
Im Gegensatz zur massiven Erdgeschossstruktur bestehen die Obergeschosse aus einer modularen Holzbauweise, die durch ihre klare, sichtbare Gliederung den pädagogischen Ansatz der Schule widerspiegelt. Die Lerncluster der Obergeschosse sind durch die Holzkonstruktion klar vom massiven Erdgeschoss ablesbar, wodurch sich eine gestalterische Differenzierung zwischen den Nutzungsbereichen ergibt. Die tragende Struktur der Obergeschosse basiert auf Brettsperrholzdecken, Holzstützen und tragenden Holzstapelwänden. Diese Bauweise ermöglicht eine hohe Flexibilität, sodass die Räume an zukünftige pädagogische Konzepte angepasst werden können. Der modulare Aufbau der Holzstruktur erleichtert auch eine mögliche Erweiterung oder Umstrukturierung der Lernbereiche. Die Holzfassade der Obergeschosse unterstreicht die nachhaltige Bauweise und schafft in Verbindung mit den großen Fensteröffnungen eine angenehme, warme Atmosphäre für die Schüler:innen.
Nachhaltigkeit als Leitprinzip
Während die robuste Sockelkonstruktion eine langlebige Basis für stark frequentierte Bereiche wie Aula und Mensa bildet, sorgt die Holzstruktur der Obergeschosse für eine warme, gesunde Lernumgebung. Diese Materialwahl minimiert Instandhaltungskosten und ermöglicht eine langfristige, wirtschaftliche Nutzung. Zudem erlauben die flexiblen Raumstrukturen eine einfache Anpassung an zukünftige pädagogische Entwicklungen. Der Eingriff in die Ressource Boden wird reduziert, indem nicht das ganze Gebäude unterkellert werden. Eine Teilunterkellerung beinhaltet die Technikräume und Lagerflächen.
Um den Effizienzhaus-40-Standard (EG40) zu erfüllen, setzt das Gebäude auf eine hochgedämmte Gebäudehülle mit dreifachverglasten Fenstern, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zur Eigenstromversorgung sowie eine hybride Lüftung mit Wärmerückgewinnung für eine energieeffiziente Frischluftversorgung. Eine Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur sorgt für eine nachhaltige Beheizung, während baulicher Sonnenschutz, eine extensive Dachbegrünung und natürliche Lüftungsmöglichkeiten Überhitzung im Sommer verhindern.
In den Lernbereichen wird besonderer Wert auf akustische, thermische und visuelle Qualität gelegt. Holzwolle-Akustikdecken und natürliche Holzoberflächen reduzieren den Schallpegel und schaffen eine angenehme Atmosphäre. Die gleichmäßige Temperierung durch Fußbodenheizung sowie die massive Gebäudestruktur im Erdgeschoss stabilisieren das Raumklima. Großzügige Fensterflächen sorgen für natürliches Tageslicht und eine freundliche Lernumgebung, während das hybride Lüftungssystem jederzeit eine hohe Luftqualität sicherstellt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der dargestellte Baukörper fügt sich selbstverständlich in das bestehende Gefüge ein und nimmt die Fassadenflucht der bestehenden Mittelschule auf. Die neue Grundschule liegt auf der nördlichen Grundstücksgrenze. Der etwas zu geringe Abstand zum Bestandsgebäude der Mittelschule wird negativ beurteilt.
Das Preisgericht würdigt die klare Aufteilung, die eine gute Orientierung im Inneren erwarten lässt. Die Positionierung des Haupteingangs im Nordwesten des Gebäudes ist schlüssig und wirkt mit seinem Durchblick in den Pausenhof einladend.
Die Anordnung der einzelnen Funktionsbereiche im Erdgeschoss ist gut nach-vollziehbar. Die Arbeit verzichtet bei der Erschließung der oberen Stockwerke zugunsten eines funktionierenden Brandschutzes auf eine große Geste. Die geschlossenen Treppenhäuser sind gut auffindbar in den Randbereichen positioniert.
Die Verwaltung und das Lehrerzimmer sind sinnvoll in einer Einheit im Norden platziert und durch eine klare Wegeführung leicht vom Eingangsbereich zu finden. Die Mehrzweckräume und die Aula sind im zentralen Bereich zusammengefasst. Die Mehrzweckräume sind zwar untereinander, jedoch nicht zur Aula zuschaltbar. Mensabereich und Küche sind kompakt im Süden angeordnet. Der getrennte Essbereich für die Mittelschule ist nachgewiesen auch wenn der Weg der Mittelschüler:innen bis zur Mensa verhältnismäßig lang erscheint.
Die Grundrisse in den beiden Obergeschossen sind rotationssymmetrisch um das gemeinsame Zentrum des offenen Ganztages organisiert. Die Lage der Gruppenräume zwischen den Clustern ist gut. Die einzelnen Cluster sind jeweils um ein eigenes Atrium angeordnet. Diese Atrien wirken in der Schnittdarstellung durch die entstehende Raumhöhe etwas überdimensioniert, dennoch bleibt die ausreichende Versorgung mit Tageslicht vor allem des Erdgeschosses und einiger Bewegungsflächen fraglich. Eine Blickbeziehung über die Atrien nach außen ist leider nicht vorhanden. Der Bereich für kreatives Gestalten erscheint in seiner Ausformulierung mit der dargestellten Abtrennung und seiner Zweigeschossigkeit wenig überzeugend.
Die Fassade ist geprägt durch die umlaufenden Fluchtbalkone, die Teil des insgesamt nachvollziehbar dargestellten Brandschutzkonzeptes sind.
Der Entwurf zeigt im nachhaltigen Bauen geringe materialgebundene Emissionen sowie eine entsprechende Reaktion auf die angeführten Klimawandelrisiken. Das natürliche Material Lehm bietet einen hohen Komfort. Im Zusammen-hang mit dem angestrebten EG40-Standard zeigt der Entwurf eine hohe Übereinstimmung sowie auch eine konzeptionelle Beschreibung der Standards. Der hohe Anteil an Überkopfverglasung sowie an innenliegenden Verglasungen erhöht die Instandhaltungs- und Reinigungskosten.
Durch den Grünbereich in der Schulstraße lassen sich die Zugangsbereiche der Schulen gut ablesen. Dieser Grünbereich schiebt sich als Puffer zwischen Mittelschule und Grundschule. Das Konzept der Inseln lässt sich gut mit den Nutzungen kombinieren. Die Anbindung nach Nordosten zum Außenbereich Mittelschule und Sporthalle ist gut gelöst.
Die funktionalen Anforderungen (Pkw, Rad, Anlieferung) sind gut im Südwesten situiert und werden den Schulbetrieb nicht beeinträchtigen. Der zweite Zufahrtsbereich erscheint verkehrstechnisch fragwürdig. Die dargestellte Grünfläche unter dem Vordach funktioniert nicht.
Die Anteile befestigter Flächen und Grünflächen stehen in einem guten Verhältnis zueinander. Der grüne Übergang zur Landschaft ist zu schwach ausgebildet. Der Nichterhalt des Großteiles des Baumbestandes ist nicht nachvollziehbar.
Auch wenn einige Räume in Ihrer Größe deutlich von den Vorgaben der Auslobung abweichen, handelt es sich um eine grundsolide und funktionale Arbeit mit einigen kleineren Schwächen, die leider einen gewissen Esprit vermissen lässt.
Visualisierung Eingangsplatz
©LMJD Dennerle Motzet Architekten Part mbB
Grundriss Erdgeschoss
©LMJD Dennerle Motzet Architekten Part mbB
Grundriss 1.Obergeschoss
©LMJD Dennerle Motzet Architekten Part mbB
Schnitt A-A, Ansicht Ost
©LMJD Dennerle Motzet Architekten Part mbB