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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2010

Neubau Grundschule Oberlössnitz mit Hort, Jugendtreff und Sporthalle in Radebeul

Ankauf

F29 Architekten

Architektur

Beurteilung durch das Preisgericht

Beurteilung des Preisgerichts:

Die Verfasser arbeiten mit einem auffĂ€lligen Kontrast: Ein hoher und schmaler Baukörper schiebt sich aus dem Hang heraus und ist zentraler Erschließungs- und Aufenthaltsbereich. Daran angedockt treten Bauwerksterrassen mit Gruppen- und KlassenrĂ€umen, die angepasst an die Hangsituation des GrundstĂŒckes zurĂŒckspringen, in den Hintergrund. Beide Bauwerkstypen signalisieren durch gleiches Material Verwandtschaft.


StÀdtebauliche Einordnung, landschafts- und freiraumplanerische Konzeption

Der GebĂ€udekomplex ist im Zentrum des Villengartens platziert. Der Garten wird durch die Wiederaufnahme des frĂŒheren Randweges in seinen Dimensionen und im Bezug zur Villa Wach erlebbar. Durch seine rĂ€umliche Gliederung und die Materialverwendung stellen die GebĂ€ude einen Bezug zur angrenzenden Weinbergslandschaft mit ihren Natursteinmauern und schmalen Treppen her
und lassen in transformierter Form die historische Schicht vor der Anlage des Villengartens durchscheinen.
An der EinmĂŒndung der Hauptstraße in den Augustusweg öffnet sich ein
Eingangsplatz. Im Bereich des Horteingangs wird die Auffahrt zur Villa aber abrupt unterbrochen und als Treppenanlage umformuliert.


Raumprogramm und Funktionen

Die großzĂŒgige Pausenhalle mit offenem Speisebereich ist Ausgangspunkt der vertikalen Erschließung zu den westlich angrenzenden Trakten, die terrassenartig den Hang hinauf gestaffelt sind. Ihre Vor- und RĂŒcksprĂŒnge bilden sich auch in einem abwechslungsreichen Flurverlauf ab.
Die GebĂ€udeerweiterung schließt sich als zusĂ€tzliches Modul konzeptionell bruchlos an.
GruppenrĂ€ume im EG, teilweise fĂŒr das Ganztagesangebot, KlassenrĂ€ume und GTA im 2. OG.
Verwaltungsbereich und Hort im 3. OG liegen ungĂŒnstig zu Eingang und Speisebereich. RĂŒckwĂ€rtige Zonen der ĂŒbereinander geschobenen Bauwerksterrassen werfen grundsĂ€tzlich Probleme der natĂŒrlichen Belichtung auf. Raumhöhen sind generell zu niedrig angesetzt, Musikraum und Computerkabinette sind von Osten belichtet, WC-Anlagen fehlen im 1. OG, Behinderten-WC gibt es
nur im EG.


Außenanlage

Sehr begrĂŒĂŸt wird, dass GruppenrĂ€ume im EG an den mit Spiel- und Bewegungsangeboten ausgestatteten Pausenbereich anschließen. Prinzipiell positiv gewertet werden auch die Dachterrassen vor den Klassenzimmern, allerdings werden hier weder Sonnenschutz durch Gehölze noch praktikable VorschlĂ€ge fĂŒr Trennungen zwischen den Klassen vorgeschlagen. SchulsportflĂ€chen sind ĂŒberwiegend im Osten angeordnet, die 100m-Bahn liegt vor dem GebĂ€ude. Die rĂ€umliche Trennung der Laufbahnen ist fĂŒr den Unterrichtsbetrieb ungĂŒnstig.

Das Wegesystem im Park lehnt sich formal an den historischen Bestand an. Ein Rettungsweg zur Ostseite der Villa ist nicht nachgewiesen. Die schulunabhÀngige Nutzung der Sporthalle ist nicht möglich.


Konstruktion und Energiekonzept

Die Konstruktion ist konventionell mit einer Außenschale aus Naturstein. Der GebĂ€udekomplex hat durch seine Staffelung ein ungĂŒnstiges VerhĂ€ltnis von AußenflĂ€che zu Volumen, wodurch höhere bauliche Kosten zum Erreichen des Passivhausstandards zu erwarten sind.
Die Konzeption der Haustechnik weist vielfĂ€ltige MĂ€ngel auf. Der Einsatz von Luft- WĂ€rmepumpen ist keinesfalls zu empfehlen. Die ausschliesslich zentrale Warmwasserbereitung ist aufgrund der Zirkulationsverluste zu ĂŒberdenken. Die Raumbeheizung ĂŒber eine trĂ€ge Fussbodenheizung kann durch schneller reagierende Beheizung mit Heizkörpern preiswerter ersetzt werden. Der Einsatz der Luftkollektoren stellt eine interessante technische Lösung dar. In der weiteren Planung muss der Anteil am Energieertrag genauso geprĂŒft werden wie Details der AusfĂŒhrung bzgl. WĂ€rmebrĂŒcken durch die Luftklappen und Anforderungen an deren Dichtigkeit.
Der Einsatz der Chilled Beams fĂŒr die LĂŒftung, Heizung, KĂŒhlung der RĂ€ume ist zu hinterfragen. Durch eine Verbesserung der Konzeption des sommerlichen WĂ€rmeschutzes z.B. durch Nutzung der durch abgehĂ€ngte Decken abgeschirmten Speichermassen kann eine aktive KĂŒhlung möglicherweise verringert werden.
Der angesetzte Volumenstrom ist insgesamt zu hoch.
Eine Realisierung in Bauabschnitten ist möglich.

Die Arbeit erfindet auf der Grundlage einer stark ausgeprĂ€gten Idee den Ort im Park neu und bietet eine insgesamt interessante und funktional fĂŒr Grundschule und Hort tragfĂ€hige Lösung an. Der umfangreiche Eingriff in den Park und das energetisch und baulich vergleichsweise aufwĂ€ndige Bauwerk erscheinen jedoch der Aufgabenstellung nicht wirklich angemessen.