Nichtoffener Wettbewerb | 05/2025
Neubau Grundschule Roth in Lichtenfels
8
Visualisierung
©SAW
4. Preis
Preisgeld: 8.000 EUR
Erläuterungstext
Leitgedanke/ Entwurfsidee
Die Setzung des neuen Schulhauses und der Sporthalle erfolgt in Form zweier Langhäuser mit regional typischem Satteldach. Das Ensemble bildet den Übergang zwischen Straßendorf und dem historischen Ortskern um die Dreiseithöfe am Schafhof. Zwischen beiden Neubauten spannt sich der Pausenhof auf und weitet sich zur offenen Landschaft südlich des Stephansbrunnengrabens. Die Aula im Erdgeschoss des Schulhauses öffnet sich zum Pausenhof, sowie zum neuen Festplatz vor dem Feuerwehrhaus. Das Gebäudeensemble mit seinen Platzfolgen bietet die Chance, das Dorf an dieser Stelle zusammenwachsen zu lassen und eine neue Dorfmitte zu bilden.
Städtebauliches Konzept
Die Verfasser entwerfen ein der örtlichen Situation angemessenes städtebauliches Ensemble aus zwei langgestreckten Gebäudekubaturen, die zueinander leicht verdreht, die notwendige Fläche für den Schulhof aufspannen. Das 2-geschossige Schulhaus (1.BA) steht mit schmalem Giebel nahezu lotrecht zur Straße Am Ansbach, während die Einfeld- Sporthalle (2.BA) eingerückt von der Straße und parallel zur östlich anschließenden Nachbarbebauung positioniert ist. Dadurch definiert ein räumlich angemessener, Baum überstandener und autofreier Vorplatz die neue Adresse für Schule und Sporthalle. Der Vorplatz geht barrierefrei in den Schul- bzw. Pausenhof über. Die befestigten Zuwegungen entlang der Gebäudelängskanten wirken dabei wie ein Passepartout für den ausreichend dimensionierten grünen Pausenhof, der sich optisch mit der südlich des Stephansbrunnengrabens angrenzenden Landschaft aus Streuobstwiesen verbindet.
Die sich dem hofseitigen Schuleingang anschließende Aula orientiert sich offen und transparent sowohl zum Pausenhof wie auch zum westlich anschließenden neuen Festplatz, der wiederum das bestehende Gerätehaus der Feuerwehr in den Dreiklang aus Schule, Sporthalle und Feuerwehrvereinshaus selbstverständlich einbindet. Das Areal zwischen der Straße am Ansbach und dem Stephansgraben erfährt somit als neue identitätsstiftende Dorfmitte eine städtebauliche und freiräumliche Neuordnung. Das äußere Erscheinungsbild der Schule und der Sporthalle wird durch die beiden giebelständigen und damit regionaltypisch dörflichen Satteldächer geprägt. Durch die Setzung und Größe der Einzelgebäude sowie der gewählten architektonischen Ausformulierung und Materialität der Fassaden wird das neue Schulareal auch der Rolle als städtebaulich-architektonischer Sonderbaustein im kleinmaßstäblichen Dorfgefüge gerecht. Da das Areal rundum einsehbar ist, soll die Gesamtkonzeption von allen Seiten betrachtet das Ortsbild harmonisch ergänzen. Die Entwurfsverfasser sind mit den Grundstücksflächen sparsam umgegangen, sodass eine spätere Erweiterung der Schule möglich bleibt.
„Alle unter einem Dach“- raumpädagogisches Konzept
Die ca. 70 Grundschülerinnen und -schüler aus Roth und den umliegenden Dörfern des Frankenjuras werden künftig sprichwörtlich unter einem Dach unterrichtet. Neben der Grund-schule entsteht im Erdgeschoss ein zweigruppiger Hort für ca. 50 Kinder sowie als späterer 2. Bauabschnitt eine Einfeld-Sporthalle. Die Verfasser legen dabei Wert auf Funktionalität der Grundrisse, Flexibilität innerhalb der Raumfolgen sowie auf eine leichte Orientierung im barrierefrei erschlossenen Gebäude. Dabei entstehen im Gebäude Synergiebereiche, die von beiden Trägern (Schule und Hort) gemeinsam genutzt werden können, beispielsweise die Garderoben am Eingang („Hausschuh-Schule“), die Foyer- und Pausenhalle (Aula) und die sich daran anschließenden Mehrzweckräume.
Da Hort und Schule von verschiedenen Trägern und mit unterschiedlichen Öffnungszeiten betrieben werden, sind die Klassenzimmer und Horträume einschließlich der Büro- und Verwaltungsbereiche der beiden Einrichtungen voneinander getrennt organisiert. Im Erdgeschoss befindet sich getrennt durch die zentral gelegene 2-geschossige Aula die Verwaltung der Schule gut sichtbar an der Straße, während die beiden Horträume mit Schwerpunkt auf Natur und Umwelt (Kneipp) inklusive dessen Verwaltung sich zum Pausenhof und zum südlichen Freiraum am Stephansbrunnengraben orientieren. Zwei Treppenhäuser und ein Aufzug verbinden das Eingangsgeschoss mit der Lernlandschaft im Obergeschoss.
Hier befinden sich an den Gebäudegiebeln die untereinander verbundenen 4 gleichgroßen Klassenräume mit zusätzlich gewünschter Erweiterung als offener oder geschlossener Wintergarten. Ergänzt wird das Raumangebot durch die beiden Lernwerkstätten Kreativität und Naturwissenschaften. Auf der alles miteinander vernetzenden Schülergalerie erweitern zwei Differenzierungsflächen als innovative Lernsettings (Gruppenarbeit) mit Sichtkontakt in die Lernwerkstätten die Lernlandschaft. Alle 6 Klassenräume können über Verbindungstüren mit-einander gekoppelt werden, und es ist ein einfacher Rundgang möglich.
Konstruktion
Die Verfasser schlagen vor, das Schulhaus und die Sporthalle folgend in Holzhybridbauweise zu errichten. Dabei sollen im Erdgeschoss der Schule nur die Bereiche Verwaltung und Hort als konventioneller Massivbau und einschaligem Mauerwerk errichtet werden, während die Aula und das gesamte Obergeschoss inklusive tragenden Bauteilen, Decken und die Dachkonstruktion (Pfettendach) als reiner Holzskelettbau (Holztafelbauweise und BSH) aufgesetzt werden. Die Geschossdecke über EG wird als Holz-Beton-Verbunddecke, die zwei aussteifenden Erschließungskerne als konventioneller Massivbau ausgeführt. Die reine Sporthalle (15x27m, lichte Höhe 7m) wird ebenfalls als Holzbau ausgeführt. Dagegen können die die Halle rahmenden eingeschossigen Funktionsräume rational in einschaligem Mauerwerk errichtet werden und erhalten ein intensiv begrüntes Dach. Auf der Süd-Westseite des Sporthallendaches kann eine PV-Anlage installiert werden. Die Gründung folgt den Empfehlungen aus dem Baugrundgutachten.
Fassadengestaltung mit Materialvorstellungen
Das einschalige Mauerwerk im Erdgeschoss der Schule kann innen und außen hell verputzt oder nur mit Kalkschlämme versehen werden. Der Holzbau zeigt sich auch in den Fassaden als vorgehängte und hinterlüftete Holzfassade aus zweifarbigen Fassadentafeln. Sowohl der Eingang in das Schulhaus wie auch das teilweise öffentliche Foyer der Sporthalle heben sich durch rot gefärbte Fassadentafeln hervor. Die zur Fassadenfarbe farbig analog geplanten Dachflächen aus 2-lagig verklebten bituminösen Abdichtungsbahnen stärken als monochromes Farbkonzept das Schulensemble. Die westliche Dachfläche wird durch 4 große Dachgauben gegliedert, die zum einen die 80m² großen Klassenräume über Eck belichten und den Blick auf die Gemeinde und die Kapelle zur Heiligen Familie rahmen.
Technische Ausstattung und energetische Konzeption
Die Entwurfsverfasser empfehlen eine der Nutzung angemessen dimensionierte Haustechnik. Für die Unterbringung bietet sich der kalte Dachraum an.
Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Hybridwärmeerzeugeranlage bestehend aus einer PV-unterstützten Luft/Wasser-Wärmepumpe und einer Gasbrennwerttherme für die Spitzenlast. Das Objekt wird über Fußbodenheizung beheizt. Die Warmwasserversorgung erfolgt de-zentral über Durchlauferhitzer und Warmwasserspeicher. Für die Be- und Entlüftung der WC-Räume werden kleine dezentrale Lüftungsgeräte installiert. Einsatz finden hierbei Lüftungsgeräte mit Rotationswärmetauscher und elektrischer Nacherwärmung der Zuluft. Die Zuluft wird hierbei in die benachbarten Klassenräume eingeblasen, so dass ein leichter Luftaustausch in den Klassenräumen sichergestellt werden kann (Mindestluftwechsel zum Feuchteschutz). Dieser dient auch gleich zur Unterstützung des sommerlichen Wärmeschutzes. Zusätzlich wird die notwendige hygienische Luftwechselrate über Fensterlüftung sichergestellt. Die Außenluftansaugung sowie das Ausblasen der verbrauchten Fortluft erfolgen über Dach. Insgesamt wird eine einfache und wartungsarme Ausstattung angeboten.
Gestaltung Freianlagen mit Materialvorstellungen
Die Freianlagen der Schule und des Hortes werden ergänzt durch öffentlich zugängliche Spiel- und Freibereiche, die gemeinsam mit dem Neubau der Grundschule und der freiwilligen Feuerwehr eine neue Dorfmitte für den Stadtteil Roth bilden. Die Typologie der vorhandenen Landschaftselemente wie Wiesen und Ufersaum werden behutsam in die Gestaltung integriert und freiraumplanerisch aufgegriffen. Es entsteht ein Freiraum in der Dorfmitte, der Aufenthaltsqualität für unterschiedliche Zielgruppen bietet. Ein Treffpunkt und Ort des Austauschs, der sowohl schulische als auch außerschulische Nutzungen ermöglicht und Kreativität fördert.
Die allgemeinen Verkehrsflächen sollen durch ein Betonpflaster mit sehr hohem Fugenanteil befestigt werden. Dies hat den Vorteil, dass fast vollständig auf Entwässerungseinrichtungen verzichtet werden kann und das anfallende Oberflächenwasser an Ort und Stelle in den Boden abgeleitet wird. Für Starkregenereignisse werden einfache und kostengünstige Notüberlaufsituationen in die nicht versiegelten Grundstücksbereiche geschaffen. Die beiden Flächen des Schulhofs und des Festplatzes werden als Intarsie mit polygonalem Plattenbelag und breitem Splitt- bzw. Rasenfugenanteil ausgeführt. Einzelne Pflanzbeete mit integrierten Sitzbänken und Baumpflanzungen gliedern die Schulhoffläche räumlich. Zum Naturraum des Bachs hin wird eine Sitzmauer als Raumgrenze integriert und stellt somit einen eigenständigen Aufenthaltsbereich dar.
Die Laufbahn ist aus einem wartungsarmen EPDM – Belag angedacht.
Bei der Verwendung von Bäumen, Sträuchern und Stauden wird auf klimaresiliente, naturräumlich passende Arten Wert gelegt. Insgesamt soll die Freianlagenplanung ein naturnahes, offenes Konzept umsetzen und die zeitgemäße Architektur im lokalen Kontext stärken.
Darstellung zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in Planung, Bau und Betrieb
Mit dem Baustoff Holz wird ein nachwachsender Rohstoff gewählt, welcher keine zusätzlichen Emissionen verursacht, einen hohen Vorfertigungsgrad und dadurch kürzere Bauzeiten ermöglicht. Ein durchdachter Materialeinsatz, z.B. durch den Verzicht auf WDVS und kurze Transportwege bei der Verwendung lokaler Baustoffe (Holz) lassen wirtschaftliche Herstellungskosten erwarten. Durch die Verwendung langlebiger Baumaterialien, einer einfachen Bauweise, einfach bedienbarer und wartungsarmer Haustechnik mit niedriger Vorlauftemperatur, sowie pflegeleichter und robuster Oberflächen werden wirtschaftliche Unterhalts- und Betriebskosten gewährleistet. Auch die Achtsamkeit der Nutzer, gut geschultes Personal, richtiges Lüften, und die Beachtung schulfreier Zeiten sind hier von Bedeutung. Durch die bevorzugte Beauftragung lokaler Planungs- und Bauunternehmen werden lokales Know-how und Handwerk nutzbar gemacht und gefördert. Ein ökologisches Gesamtkonzept zur Erlangung der „grünen Hausnummer“ – durch Dachbegrünung, eine grüne Schulumgebung, Mülltrennungssysteme, Brauchwassernutzung für Toilettenspülungen, etc. - wird angestrebt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das Schulhaus wird als langgestrecktes, zweigeschossiges Langhaus mit schmalem Giebel lotrecht zur Straße „Am Ansbach“ positioniert. Die Sporthalle nimmt die Ausrichtung der anschließenden Nachbarbebauung auf. Dazwischen entsteht der Pausenhof, der sich zur Auenlandschaft aufweitet und von der Straße aus Ausblicke erlaubt. Im Winkel zwischen Schulhaus und Feuerwehrhaus entsteht der neue Festplatz. Die Aula in der Mitte des Langhauses öffnet sich so gleichermaßen zum Festplatz und zum Pausenhof. Vor Schulhaus und Sporthalle entsteht durch die Verkippung der Gebäude ein geschützter Vorplatz zur Straße „Am Ansbach“. Die Ausformulierung der Gebäude hinsichtlich Formgebung und Materialität trägt zur identitätsstiftenden Ortsbildgestaltung bei. Die geschützten Freibereiche im OG werden sehr positiv als zusätzlicher Lernraum bewertet. Die Öffnung der Aula und die Erschließung im Gebäude folgen einer einfachen und klaren Logik. Das gestaltprägende Satteldach mit den großen strukturierenden Gauben und das subtil durchdachte Farbkonzept tragen zur Identitätsbildung wesentlich bei. Das Schulhaus wird als solches gelesen ohne niedlich zu wirken.
Der Anforderung der Nutzer an eine unabhängige Nutzung von Schule und Hort wird durch die Anordnung des Hortbereiches auf der südlichen Seite der Aula und der Schulverwaltung nördlich der Aula Rechnung getragen. Hier könnten die Grundrisse klarer strukturiert werden. Zur synergetischen Nutzung der Lernwerkstätten müssen die Hortkinder in das Obergeschoss gehen. Die pädagogischen Schulräume befinden sich im Obergeschoss. Hier ist die Grundrissgestaltung sehr gut gelöst, die Erweiterbarkeit der Klassenräume zu den verglasten Veranden wird ausdrücklich begrüßt. Positiv bewertet werden hier auch die kleinteiligen Sanitärbereiche an den beiden Treppenhäusern. Das Erdgeschoss und die beiden aussteifenden Kerne sollen in Massivbauweise erstellt werden. Die Geschossdecke ist als Hybriddecke vorgesehen. Obergeschoss und Dach werden als Holzbau ausgeführt. Die Holzfassade soll als Teil des gestalterischen Konzeptes farblich behandelt werden. Luft-Wärmepumpe mit PV-Unterstützung und Gasbrennwerttherme sind Stand der Technik. Ein innovativerer Umgang mit dem technischen Konzept wäre wünschenswert. Eine Lüftungsanlage ist nur für die innenliegenden Sanitärräume vorgesehen (Low -Tech).
Die Freianlagen wirken sehr urban im dörflichen Kontext. Wünschenswert wäre ein landschaftlicherer Umgang mit den jeweiligen Flächen. Die Nutzbarkeit der großen Grünfläche im südlichen Bereich der Schule wird als Festwiese in Frage gestellt. Als natürliche Spielwiese wäre hier durchaus Qualität vorhanden. Maßnahmen zum Klimaschutz und Klimaresilienz werden kaum aufgeführt. Ökologischer und ökonomischer Umgang mit den Materialien: Nachwachsender Rohstoff Holz, Massivbau ohne WDVS, einfache Gebäudekubatur. Der Massivbau kombiniert mit Holzbau stellt eine tradiert Bauweise sicher. Die klare und einfache Gebäudekubatur trägt zu einer wirtschaftlichen Umsetzung bei. Bei der Ausbildung des Erdgeschosses als Massivbau wäre auch die Ausführung der Geschossdecke als Massivdecke im Hinblick auf Bauablauf und Wirtschaftlichkeit denkbar.
Die Arbeit wird als außergewöhnlicher, alle Sinne ansprechender Entwurf gewürdigt.
Lageplan | 500
©SAW | plandrei
Grundriss EG | 200
©SAW | plandrei
Ansicht Nord I 200
©SPA
Ansicht Ost, West (Schulhaus) I 200
©SPA
Schnitte I 200
©SPA
Fassadendetail I 50
©SPA
Modell
©modellwerk weimar