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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2009

Neubau Gustav-Mesmer-Haus in Bad Schussenried

3. Preis

Architekten MĂĽhlich + Partner BDA

Architektur

Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Auszeit im Ried

Die orthogonale bauliche Struktur des Klinikgeländes greifen wir auf und definieren mit unserem Eingangsgebäude als zweigeschossiges Pendant zum Mittelresalit des ehemaligen Prämonstratenserklosters eine wahrnehmbare Quartiersmitte, die zukünftige Anlaufstelle im Zentrum. Einerseits unterstreicht das unmittelbare Heranrücken des Kopfbaus an die Pfarrer-Leube-Straße dieses städtebauliche Ziel, andererseits entschleunigt sich die Ost-West-Verbindung durch die neue räumliche Qualität ohne erhobenem Zeigefinger wie von selbst.
Prägendes Bild der oberschwäbischen Landschaft in Bad Schussenried sind neben Hügeln, Wiesen, Wäldern und einer Vielzahl von Seen und Weihern die Ried- und Moorlandschaften. Und genau dieses einmalig regionaltypische thematisieren wir im Gesamtkonzept und schaffen so einen unverwechselbaren Ort, unser Haus am Ried. Dazu müssen wir das Vorhandene südlich der Zeppelinstraße nur entdecken und in das Klinikquartier über die Pfarrer-Leube-Straße hinweg verlängern, verlängern auch bis ins Innere der Stationen, ein garantiert hoher Wirkungsgrad. Den Mangenweiherbach erwecken wir dabei vom bloßen Entwässerungsgraben zu einem erlebbaren Teil im Ganzen. Den begleitenden Wirtschaftsweg verschwenken wir unkompliziert durchs Ried und vernetzen ihn über die neuen als Holzsteg ausgebildeten Wege mit dem Ruhedeck und dem zentralen Platz am Haus. Auf diese Weise binden wir auch die zukünftigen Parkierungsinseln südlich der Pfarrer-Leube-Straße ein und an.
Die beiden Bereiche Klinikleitung, Ambulanz, Infozentrale, Konferenzräume auf der Einen und Station 1 und 2, Intensiv-Überwachungsbereich, Gemeinsame Nutzung auf der Anderen differenzieren wir auch baulich. Zur inneren Quartiersmitte – etwas städtischer und zweigeschossig – die Infozentrale mit Blick in alle Richtungen, Ambulanz, Klinikleitung mit Blick aufs Kloster, darüber – räumlich nochmals überhöht – die Konferenzräume ebenfalls mit Blick aufs Kloster und in die Riedlandschaft, gleichzeitig baulicher Kopf mit Signalwirkung. Zur Landschaft, zum Ried die Bereiche Stationen, Intensiv-Überwachung und Gemeinsame Nutzung, jede eigenständig, dennoch baulich gebunden, eingeschossig.
Alle Bereiche statten wir mit großzügigen inneren Höfen aus um die sich entlang des umlaufenden Weges die einzelnen Räume gruppieren. Das Ried fließt über die gedeckten Terrassen- und Aufenthaltsbereiche bis ins Innere, verankert das Haus unverwechselbar in der Landschaft, wird zum zentralen Mittelpunkt der Stationen, zum einmaligen Ort. Die Stationen sind ganz erheblich geprägt von dieser Qualität, sowohl Patienten, Gäste als auch Personal profitieren. Wir schaffen eine Vielzahl von unterschiedlich differenzierten Aufenthaltsmöglichkeiten, Orte der Begegnung, Orte des Rückzugs, Orte draußen und drinnen, Beschützte und Freie.
Vom gemeinsamen Dienstzimmer sind nicht nur die erforderlichen Einblicke in alle drei Einheiten gewährleistet – die Pflicht – trotz innerer, zentraler Lage ermöglichen wir vielfältige Ausblicke über die Höfe ins Ried. Kein bloßes Überwachungszimmer, vielmehr eine zentrale Anlaufstelle mit Aufenthaltsqualität, ein herzlicher Mittelpunkt.
Der Anschluss an die bestehende Infrastruktur über das Versorgungstunnelsystem gelingt baulich unkompliziert an funktional richtiger Stelle. Bei aller konzeptioneller Durchlässigkeit achten wir auf kompakte bauliche Strukturen, auf die wirtschaftliche Realisierbarkeit.
Wenige naturbelassene Materialien und Oberflächen – einfach gefügt - unterstreichen den Anspruch des Ortes, nichts lenkt ab von der räumlichen Qualität, innen wie außen.
Ein eigenständiges Konzept das sich in die über Jahre gewachsene Klinikstruktur einfügt, eine Symbiose zwischen baulicher Ergänzung und vorgefundener Landschaft wie wir meinen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser schliessen mit ihrem Entwurf den Park nach Norden hin ab und schaffen damit
bewusst einen räumlichen Abschluss der Anlage. Der zweigeschossige Baukörper der
Klinikleitung rĂĽckt (zu) nahe an die Pfarrer- Leube- Strasse und formuliert damit die neue
Adresse der Einrichtung. Der Abstand zum westlichen Gebäude ist zu gering und führt zu
Konflikten. Der Vorplatz mit dem Eingangs- und Pfortenbereich springt ĂĽber die Strasse und
führt sehr selbstverständlich zu der gewünschten Verkehrsberuhigung. Nördlich davon und zur
Landschaft orientiert werden zwei, fast identische Baukörper für die Stationen vorgeschlagen die über eine logisch ausformulierte, leicht begreifbare Mittelachse erschlossen werden. Die
Organisation erlaubt, dass von einem zentralen Dienstzimmer fast sämtliche Bereiche
kontrolliert werden können und funktioniert, nach kleinen Umorganisationen im Intensivbereich,
perfekt. Die wohl proportionierten Innenhöfe erlauben eine natürliche Belichtung. Fein
gegliederte Fassaden wie die Verzahnung des Gebäudes mit der Landschaft werden
wohlwollend zur Kenntnis genommen. Die Idee, das Gebäude auf Stützen in eine
nachempfundene Riedlandschaft zu stellen wird anerkannt jedoch aus wirtschaftlichen
Gesichtspunkten heraus in Frage gestellt, leider wurde kein ĂĽberzeugender Nachweis erbracht
wie der Mangenweiherbach auf Geländeniveau gehoben werden kann um die gewünschte
Wirkung zu erreichen. Die Kennwerte des Entwurfes liegen, bis auf die Hüllfläche
(Gebäudeuntersicht!) in einem sehr wirtschaftlichen Bereich. Zusammenfassend wird
festgestellt, dass ein gut organisierter Patientenbereich mit seinem stimmungsvollen Umgang
mit dem Landschaftsraum zwar überzeugt die Städtebauliche Härte, bezogen auf die nahe
Gebäudestellung an der Pfarrer- Leube- Strasse sehr kritisch gesehen wird.
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