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Nichtoffener Wettbewerb | 04/2019

Neubau Gymnasium Essen Nord-Ost

2. Preis

Preisgeld: 52.000 EUR

Lehmann Architekten GmbH

Architektur

office 03

Architektur

urbanegestalt

Landschaftsarchitektur

Bert B√∂cking GmbH Planungsb√ľro Haustechnik

TGA-Fachplanung

ahw Ingenieure GmbH

Tragwerksplanung

Erläuterungstext

A Leitidee und Entwurfskonzept
‚ÄěDer Raum als dritter P√§dagoge‚Äú (Loris Malaguzzi)
Sch√ľler verbringen heute einen Gro√üteil des Tages an der Schule und im Ganztagesbereich. Die Schule ist daher nicht als rein funktionaler Lernort konzipiert, sondern als zentraler Lebensort entwickelt, der neben der Funktion auch eine hohe Aufenthaltsqualit√§t und r√§umliche Vielfalt gew√§hrleistet.

Leitidee des Entwurfes ist die Stapelung des Raumprogramms in erkennbaren, angenehm
proportionierten Clusterh√§usern auf einem gro√üz√ľgigen in die Landschaft eingebundenen Erdgescho√ü mit den Gemeinschaftsbereichen. Durch die st√§dtebauliche Setzung der zueinander verschobenen Geb√§udekuben ergibt sich eine Verzahnung von Au√üen- und Innenr√§umen √ľber mehrere H√∂fe in vergleichbaren Dimensionen. Die vierteilige Gliederung verleiht dem Bauk√∂rper eine dem Ort angemessene Ma√üst√§blichkeit.
Jeder der vier Kuben nimmt ein Lerncluster auf, das individuell auf die Bed√ľrfnisse der verschiedenen Jahrgangsstufen reagiert. Unterschiedliche Hoftypen geben den Clustern einen individuellen Charakter und verorten das Cluster im Gesamtgebilde der Schule. Jedes Lerncluster erh√§lt eine eigene vertikale Erschlie√üung vom Erdgeschoss ins innerer des Clusters und unterst√ľtzt so die Eigenst√§ndigkeit der einzelnen Bereiche.
Das Lerncluster f√ľr die Jahrgangsstufe 9 + 10 ist im s√ľdlichen Cluster beherbergt. Das Lerncluster gruppiert sich um einen verglasten Innenhof, der im EG den Ganztagsbereich als Aufenthaltsfl√§che dient. Von den Flurzonen ergeben sich spannende Einblicke in diesen Bereich und geben dem Cluster einen besonderen r√§umlichen Charakter. Die Jahrgangsstufe 9 + 10 erh√§lt einen nach S√ľden orientierten Selbstlernbereich der nahtlos in den Au√üenbereich √ľbergeht.
Das Lerncluster der Jahrgangsstufen 5+6 und 7+8 ist um einen Innenhof organisiert und wird √ľber diese Zone belichtet und bel√ľftet. Die an die Selbstlernzone anschlie√üenden Klassenzimmer sind gro√üz√ľgig zum Selbstlernbereich verglast und bilden zusammen eine Lernlandschaft. Aufweitungen im Bereich der Gruppenr√§ume in Verbindung mit dem umlaufenden Fluchtbalkon dienen als Freiluftklassen f√ľr diese Jahrgangsstufen. Auf dem Dach des Lerncluster befindet sich das Energielabor. Die Photovoltaikanlage f√ľr das Geb√§ude kann hier studiert werden und die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler k√∂nnen Ihre eigenen Konstruktionen zur Energieerzeugung im 1:1 Versuch testen.
Das n√∂rdlich anschlie√üende Lerncluster fasst die Fachr√§umen Physik, Chemie, Biologie, Informatik und Mathematik in einem Bereich zusammen. Auch dieser Bereich wird √ľber einen verglasten Innenhof, der zus√§tzlich die Erschlie√üung aufnimmt, organisiert. Das Lerncluster mit den Fachklassen ist zus√§tzlich durch seine direkte Nachbarschaft mit der Jahrgangsstufen 5 - 8 und der Oberstufe sowie durch eine Wegeverbindung zum Lerncluster der Jahrgangsstufe 9 - 10 auch in den Obergeschossen gut angebunden.
Das Lerncluster der Oberstufe liegt im Norden der Schulanlage und wird √ľber einen begr√ľnten Innenhof belichtet. Selbstlernbereich und Oberstufenlounge sind nach S√ľden orientiert. Als Freifl√§che f√ľr die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler der Oberstufe werden Fl√§chen auf dem Dach des Clusters angeboten.
Auch die Erdgeschosszone ist in vier Zonen gegliedert und erh√§lt als verbindendes Element den Schulboulevard, der alle Bereiche miteinander verkn√ľpft. Im S√ľden ist der Ganztagsbereich verortet, in dem sich auch die Kunstr√§ume befinden. Gro√üz√ľgige
Verbindungen mit dem Außenraum ermöglichen unterschiedliche Nutzungsszenarios
(Au√üenbestuhlung der Kochwerksatt, Freiluftbereich f√ľr die Kunstr√§ume, enge Verzahnung Therapierr√§ume mit dem Schulgarten). Der dreigeschossige Aufenthaltsbereich des Ganztags ist Herz dieses Bereiches.
Der im Westen anschlie√üende Bereich verbindet Eingangsbereich, Foyer, Mensa, Aula und Musikbereich miteinander. Flexible Trennw√§nde zwischen den Bereichen Forum / Schulboulevard, Aula und Mensa erm√∂glichen unterschiedlichste Nutzungsszenarios dieser Zone. √úber die mittig liegende Aula erh√§lt die Innenzone eine gro√üz√ľgige Belichtung. Die enge Verbindung des Osthofes mit der Aula / Forum schafft zudem weitere M√∂glichkeiten der Bespielung dieser R√§ume.
Der westliche Eingangsbereich ist mit der Eingangshalle f√ľr die Fachklassen verbunden. Auf Erdgeschossniveau sind um die Halle die Beratungsr√§ume f√ľr die Sch√ľlerinnen und Sch√ľler angeordnet. Im Zentrum steht der Bibliothekspavillion, der als begehbare Skulptur die Schulbibliothek mit Lesepl√§tzen aufnimmt.
Der Lehrerbereich befindet sich im n√∂rdlichen Bereich etwas abseits des Geschehens, um hier eine ruhige und konzertierte Arbeitsatmosph√§re zu erm√∂glichen. Das Lehrerzimmer verf√ľgt √ľber eine Au√üenterrasse. Seine r√§umlichen Qualit√§ten erh√§lt der Bereich durch den begr√ľnten Innenhof.
Alle Bereiche bilden somit ihre eigene r√§umliche Identit√§t aus, um dann mit der Nachbarschaft in engen Kontakt zu treten. Die Lernlandschaft schafft so R√§ume, in der jeder Sch√ľler individuell verortet ist, um dann in Interaktion mit der gesamten Schulgemeinschaft treten zu k√∂nnen.

B Städtebauliche Einbindung
Das Grundst√ľck liegt am Kreuzungspunkt der Stra√üen Katzenbruchstra√üe und Stoppenberger Stra√üe.Der dicht bewachsene Wall zur Abschottung des L√§rmes aus dem Bestand gliedert die Verkehre in eine westliche und eine √∂stliche Zuwegung. Zus√§tzlich wird perspektivisch eine Zuwegung √ľber den Wall hinweg angeboten. Aus Stoppenburg kommend erreicht man die Schule √ľber die Verl√§ngerung der Seumannstra√üe, die auch der Bewirtschaftung dient. Diese Hauptverkehre werden in der erdgescho√üigen Eingangszone wieder zusammengef√ľhrt, im Herzen des Geb√§udes aufgenommen.
Durch die sanfte Hanglage ergibt sich die Möglichkeit viergeschoßige Bauteile nach Nordwesten zu entwickeln.
Der errichtete L√§rmwall, der inzwischen stark bewachsen ist und damit eine Standortqualit√§t geworden ist, erzeugt zur Umgebung eine Distanz. Aufgabe ist es, eine Einbettung in die Landschaft zu erreichen. Der Neubau des Gymnasiums Essen Nord wird so auf dem Grundst√ľck platziert, dass er das in Nord-S√ľd Richtung ausgerichtete Grundst√ľck ausnutzt und von der Topographie profitiert, die neben den gro√üz√ľgige ebenerdigen Ein- und Ausg√§ngen im Erdgescho√ü auch aus dem Sockelgescho√ü √ľber einen Wirtschaftshof ohne gr√∂√üere Erdbewegungen aus Nordwesten erschlossen werden kann.
Westlich der Sporthalle, die mit ihren 77 Parkpl√§tzen erhalten bleibt, wird ein Baufeld f√ľr eine m√∂gliche Erweiterung ausgewiesen, das sowohl die Ausbildung eines Campus im Wechsel von bebaut und unbebaut st√§rkt als auch der Adressbildung dient.
Durch die gew√§hlte Gliederung des Hauses in vier Bauk√∂rper ergeben sich vier Innen- und drei Au√üenh√∂fe, die zu Aufenthaltsorten unterschiedlichen Charakters entwickelt werden. √úber die drei H√∂fe entstehen Vorplatzsituationen f√ľr die Geb√§udezug√§nge, aus den verschiedenen Richtungen erreichen Sch√ľler und Lehrer schnell den Schulboulevard mit Verbindungsfunktion. Aus diesem werden die vier Clusterh√§user erschlossen.
Der Osteingang erschlie√üt den Geb√§udekomplex von Nordosten. Aus Stoppenburg kommend erreicht man den Hof f√ľr Fahrr√§der und gelangt dann √ľber die Freitreppe in den Osthof, von dort √ľber den Osteingang in den Schulboulevard.

Zur einen Seite des s√ľdlichen Eingangs befindet sich die Mensa mit Cafeteria, K√ľche und Ausgabe. Nach S√ľden ausgerichtet pr√§gt diese lebendige Nutzung auch am Nachmittag oder zu Festen das Erscheinungsbild. Das Essen kann im Sommerhalbjahr auch im Freien eingenommen werden. Zur anderen Seite des s√ľdlichen Einganges befinden sich die R√§umlichkeiten des Ganztagesbereiches, die auf kurzem Weg vom Eingang aus erreichbar sind. Auch der Kiosk mit Kochwerkstatt liegt entlang des Schulboulevards und belebt diesen. Die beratenden Nutzungen um die Schulbibliothek liegen gegen√ľber des Westeinganges. Diesen Eingang werden Autofahrer und Nutzer von der Sporthalle her kommend in erster Linie nutzen. Im nordwestlichen Finger um einen begr√ľnten Hof befinden sich die Lehrerzimmer und die R√§umlichkeiten der Schulverwaltung, die gleicherma√üen zentral wie diskret untergebracht sind.
Jeweils direkt aus dem Boulevard erreichen Sch√ľler und Lehrerinnen die Obergeschosse der vier Clusterh√§user.

C Freiraumplanung
Der Baumbestand auf dem Schulgrundst√ľck ist sehr wertvoll und der Gedanke davon viel zu erhalten, pr√§gt den Entwurf des Freiraums. In diesem Sinne werden befestigte Fl√§chen dort vorgesehen, wo der heutige Schulbau abgebrochen werden muss, es werden also wenige Fl√§chen neu versiegelt. Die bestehenden B√§ume, in der Mehrzahl Ahorn- und Lindenb√§ume sind allerdings sind nicht gut f√ľr die Einzelstellung geeignet, daher werden die ineinander verwachsenen Kronenbereich m√∂glichst im
Zusammenhang in die neue Gestaltung eingef√ľgt.
Gr√ľne Schollen, die am L√§rmwall r√§umlich anschlie√üen gliedern die neuen Schulh√∂fe. Nutzbare Baumhaine entstehen hier, Calysthenics, Niedrigseilgarten und zahlreiche Aufenthaltszonen finden im lichten Schatten Platz. Drei sehr lange modellierte B√§nke sind an Kanten dieser Schollen so ausgebildet, dass die gro√üen Hofbereiche durch das Sitzen und den Aufenthalt mit Blick auf die Fl√§che aktiviert werden. Zugleich kann so das sanft nach Osten fallende Gel√§nde gut abgefangen und das Schulgeb√§ude auf ca. 60 m NN eingebettet werden. Von den gr√ľnen Schollen gegliedert verbleibt dennoch ein relativ gro√üer befestigter Schulhof, der Sportfelder, Skatem√∂glickeiten und Bewegungsspiele aufnimmt. In Fortsetzung des Schulboulevards werden mit gro√üen Systemm√∂beln
‚ÄěEnzo‚Äú ver√§nderliche Sitz- und Liegem√∂glichkeiten erzeugt. Fahrradparkpl√§tze werden den drei wichtigen Zug√§ngen zugeordnet. Eine besondere Situation ergibt sich im Osten, der vorhandene Radweg auf ca. 56.50 m NN bleibt bestehen und wird als Fu√ü- und Raderschlie√üung genutzt. Von hier wird √ľber eine Treppenrampe der hoch liegende Eingangshof Ost erreicht, im Norden ein tiefliegender Gartenbereich vor den Naturwissenschaften angekn√ľpft und schlie√ülich ein Wirtschaftshof mit der
Entsorgung. Im Norden wie im S√ľden entstehen B√∂schungen zu den hoch liegenden Schulbauteilen.
Der gew√ľnschte Schulgarten liegt im S√ľdosten, hier wird ca. 1m Boden aufgebracht, so dass die schadstofffreie G√§rtnerei gesichert ist. Dem Lehrerzimmer ist ebenfalls ein Gartenbereich zugeordnet, der f√ľr Aufenthalt und das Arbeiten im Gr√ľnen ausgelegt ist.
Im R√ľckgriff auf die Zederngruppe im Bestand werden Geb√§ude nah mehrere dieser Baumgruppen gepflanzt und die offenen Baumscheiben mit bequemen Sitzgruppen m√∂bliert. Die Gr√ľnfl√§chen rund um die neuen Clustergeb√§ude werden als Gr√§serlandschaften angelegt, die mit mittelkronigen Obstb√§umen √ľberstellt werden. Hier kann auch ein gro√üer Teil des Regenwassermanagements geleistet werden.
D Wirtschaftlichkeit Die Wirtschaftlichkeit wird √ľber eine kompakte Bauform zugrunde gelegt. Es wurde ein III bis IV gescho√üiger Bauk√∂rper ohne √ľberdimensionierte nutzbare Dachfl√§chen ausgestaltet, der eine einfache, klare Au√üengeometrie hat. Aufgrund des engen Zeitplanes f√ľr eine Realisierung wird aus heutiger Marktsicht ein klassisch konstruierter, hoch flexibler Bauk√∂rper als wirtschaftlichste L√∂sung angesehen.

1. Nutzungs- und Innenraumqualitäten
1.1 Barrierefreiheit
Entsprechend der vier Clusterh√§user gibt es vier Treppenh√§user mit zwei rollstuhlgerechten Aufz√ľgen sowie einer Rampe im Bereich der Aula. Diese Erschlie√üungselemente stellen die uneingeschr√§nkte Bewegungsfreiheit im Geb√§ude sicher. Die Fluchtbalkone sind grunds√§tzlich barrierefrei erschlossen,Toiletten gem√§√ü DIN 18040-1 sind dezentral √ľber das Geb√§ude verteilt. Die Au√üenr√§ume sind barrierefrei angelegt, der Niveauversprung im Nordwesten wird √ľber eine zus√§tzlichen Eingang im Tiefhof kompensiert.

1.2 Luftqualit√§t/ L√ľftungskonzept
Das Geb√§ude erh√§lt eine hybride L√ľftung, die aus nat√ľrlicher L√ľftung in Kombination mit
unterschiedlichen mechanischen L√ľftungen besteht. W√§hrend Mensa und Aula, die stark
frequentierten Funktionen entlang des Schulboulevards √ľber eine hocheffiziente L√ľftungsanlage mit W√§rmetauscher bel√ľftet werden, sorgen in den Klassen und Selbstlernbereichen der Obergescho√üe dezentrale L√ľftungsger√§te mit W√§rmetauscher f√ľr Frischluft. Bestandteil der hybriden L√ľftung sind Fenster mit Stellmotoren, die automatisiert nach CO2-Gehalt ge√∂ffnet werden k√∂nnen.

1.3 thermischer Komfort im Sommer
Die geschlossenen L√ľftungselemente gew√§hrleisten einen moderaten Verglasungsanteil, um so den solaren W√§rmeeintrag wirkungsvoll zu begrenzen. Auch die auskragenden Fluchtbalkone sind hilfreich bei der Bemessung des sommerlichen W√§rmeschutzes. Als au√üenliegender Sonnenschutz ist ein textiler Sonnenschutz mit hohem Wirkungsgrad und hoher Transparenz vorgesehen. Die K√ľhlung im Erdgescho√ü erfolgt √ľber eine adiabate Luftk√ľhlung, sowie √ľber mechanisch √∂ffnende L√ľftungsfl√ľgel, die nachts die massiven Bauteile ausk√ľhlen und aufgrund ihrer Speicherf√§higkeit dem Raumklima zugutekommen.

1.4 Schallschutz und Raumakustik
Die massiven Ortbetondecken verf√ľgen unterseitig √ľber Brettschichth√∂lzer, die f√ľr den Schallschutz profiliert sind. Decken wie auch Wandbereiche der Klassenzimmer sind ebenfalls in L√§rche vorgesehen, akustische Anforderungen werden mit Lochplatten umgesetzt und variieren das Erscheinungsbild.

1.5 Tageslichtversorgung, Sonnen- und Blendschutz, Material und Farbe
Die Tageslichtversorgung wird durch die Auflösung des Bauvolumens in vier Clusterhäuser und die daraus resultierenden Bautiefen von durchschnittlich 10-13 Metern sichergestellt. Innenliegende Raumzonen wurden ausgeschlossen.

2 Technische Qualitäten
2.1 Konstruktions- und Materialkonzept
Das neue Gymnasium wechselt zwischen Innen und Au√üen in der materiellen Anmutung. In der Ansicht von au√üen erscheint die Geb√§udegruppe als Aneinanderreihung von filigranen Skelettbauten aus robustem und doch feinem Beton, im Innenraum pr√§gt der nachwachsende Rohstoff Holz das Erscheinungsbild. Angenehme Raumatmosph√§re und Materialhaptik werden kombiniert mit zeitgem√§√üer Fertigung und gro√üer Nachhaltigkeit. Erm√∂glicht wird dies durch die Verwendung einer Hybridbauweise aus einem massiven Skelettbau mit starken Decken und wenigen St√ľtzen f√ľr die tragende Struktur des neuen Gymnasiums in Kombination mit leichten Au√üenw√§nden. Dieses System ist w√§rmebr√ľckenfrei und handwerklich detailsicher zu realisieren.
Der im Schulbau gebotenen Gebrauchstauglichkeit und Widerstandsf√§higkeit wird mit pflegeleichten Oberfl√§chen und robusten bauphysikalischen Aufbauten entsprochen, gleichzeitig wird das Geb√§ude in seiner Bauweise f√ľr die Sch√ľler erfahrbar. Als Bodenbelag ist in den Klassenr√§umen ein einfarbiger Kautschukboden auf Estrich vorgesehen, Foyerfl√§chen erhalten einen robusten geschliffenen Sichtestrichbelag. Auch die Innenw√§nde k√∂nnen teilweise in Holzrahmenbauweise erstellt werden, teilweise aufgrund der Speichermasse als Massivbauteile. Partielle Verglasungen schaffen reizvolle
Durchblicke.
Die Aufzugs- und Erschlie√üungskerne √ľbernehmen die Aussteifung des Geb√§udes und sind daher in massiver Stahlbetonbauweise geplant. Das Geb√§ude wird voraussichtlich mittels einer lastverteilenden Bodenplatte gegr√ľndet. Die erdber√ľhrten Betonw√§nde sind in WU-Bauweise geplant und erhalten im Bereich hochwertiger Nutzung eine Frischbetonverbundfolie.

2.2 Konstruktion der W√§rme √ľbertragenden Geb√§udeh√ľlle
Die Geb√§udeh√ľlle wird w√§rmebr√ľckenfrei als nicht tragende Leichtbauw√§nde realisiert. Die Au√üenw√§nde werden als konventionelle Holztafelbauelemente mit sehr guten D√§mmeigenschaften und einer hinterl√ľfteten Sichtschale in L√§rche vorgesehen. Die Fenster werden in Dreifachverglasung mit L√§rchenrahmen ausgef√ľhrt, aufgrund des umlaufenden Fluchtbalkons ist der Wartung und Pflegeaufwand verh√§ltnism√§√üig gering. Durch den hohen D√§mmstandard wird der Energiebedarf des Hauses auf ein Minimum reduziert.

2.3 Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit
Der Skelettbau besteht in seinen konstruktiven Elementen aus wenigen tragenden W√§nden der Erschlie√üungskerne, sowie einem Raster aus St√ľtzen und tragenden Fassadenelementen. Die thermisch getrennt angeh√§ngten Fluchtbalkone dienen einem tragf√§higen Entfluchtungskonzept, das f√ľr sich funktioniert. In der Kombination ergibt sich eine hochflexible und gleichzeitig wirtschaftliche Tragstruktur.
Innerhalb dieses Systems ist die Nutzung frei und variabel, Raumgrößen können spielend verändert werden, die innere Aufteilung ist aufgrund unterzugsarmer Planung weitgehend frei von Zwängen. Umlaufende Fassadenraster erlauben eine flexible Grundrissgestaltung auch bei sich ändernder Raumaufteilung.

3 Energiekonzept
Das projektierte Geb√§ude basiert auf einem Gleichgewicht aus optimierter Geb√§udestruktur als Passivhaus und einem innovativen Technikkonzept. Diese Grundlagen, optimiert durch spezifisch gew√§hlte Anlagendimensionierungen, Anlagenparameter und diversen Kompensationsma√ünahmen, erm√∂glichen die Darstellung des Geb√§udes als ‚ÄěNiedrigst- Energiehaus‚Äú.
Dazu sind folgende elementare Komponenten zu benennen:

Komponente 1 ‚Äď Geb√§udestruktur:
Die Geb√§udestruktur weist aufgrund der kubischen Formen und dem optimierten A/VVerh√§ltnis (Geb√§udeh√ľllfl√§che ist klein zum Geb√§udevolumen) sowie der Bauteile als
Passivhausstandard ideale Rahmenbedingungen zur effizienten Geb√§udebeheizung und K√ľhlung aus. Das Tragwerk, die Geschossh√∂hen und die zentrale Lage der Steigepunkte erg√§nzen die hervorragende Ausgangssituation der Geb√§udestruktur f√ľr eine fast fl√§chendeckende Luftverteilung f√ľr die mechanische L√ľftung im Erdgescho√ü.

Komponente 2 ‚Äď L√ľftungstechnik:
Neben der Geb√§udestruktur f√ľhrt das innovative L√ľftungskonzept, bestehend aus
‚ÄĘ einem hocheffizienten L√ľftungsger√§t mit Doppel-Kreuzgegenstromw√§rmetauscher
‚ÄĘ adiabater Verdunstungsk√ľhlung
‚ÄĘ Kombination von automatisierter Fensterl√ľftung und dezentralen L√ľftungsger√§ten f√ľr die
Klassenrauml√ľftung
‚ÄĘ einer effizienten Luftverteilung mit geringen Druckverlusten
‚ÄĘ partiell geregelten, automatisierten nutzerabh√§ngigen Luftmengenregulierungen
‚ÄĘ durch Luftqualit√§tserfassung und Volumenstromregler zu geringsten energetischen
Aufwendungen.

Komponente 3 ‚Äď K√ľhlung
Die Kombination der zuvor aufgef√ľhrten Ma√ünahmen zur generellen Senkung der
energetischen Aufwendungen zur Geb√§udebeheizung und K√ľhlung, f√ľhrt zu folgendem
Energiekonzept:

Die W√§rme- u. K√§lteversorgung basiert auf einem innovativen Konzept, welche den bestehenden Fernw√§rmeanschlu√ü ber√ľcksichtigt. Um den gesamten K√ľhlbedarf des Geb√§udes zu kompensieren, wird vornehmlich eine Nachtk√ľhlung erm√∂glicht, sowie in den √úbergangszeiten der auf dem Dach installierte R√ľckk√ľhler eingeschaltet, um eine weitere passive K√ľhlung darstellen zu k√∂nnen. Eine weitere passive Ma√ünahme bildet die ‚Äěadiabate K√ľhlung‚Äú unmittelbar im L√ľftungsger√§t.

Komponente 4 ‚Äď Beleuchtungstechnik
Neben der effizienten Anlagentechnik ist die Beleuchtungstechnik, primär in LED-Technik,
elementarer Bestandteil des Gesamtkonzeptes. Gem√§√ü den Ergebnissen der √ľberschl√§gigen Geb√§udebilanzierungen verf√ľgt das Geb√§ude √ľber einen h√∂heren K√ľhl- als W√§rmebedarf. Dies w√ľrde man aus den Passivhausstandards r√ľckschliessen, welche die inneren Lasten ber√ľcksichtigen.

Komponente 5 ‚Äď PV-Anlage
Auf den Dachfl√§chen des Geb√§udes wird eine gro√üe PV- Anlage mit S√ľd- Ausrichtung
installiert, um einen maximalen Ertrag zu generieren. Die Module werden mit einer Unterkonstruktion versehen, welche eine vollfl√§chige Dachbegr√ľnung weiterhin zul√§sst. Der Ertrag der PV- Anlage wird w√§hrend der Betriebszeiten des Geb√§udes zu 100% ben√∂tigt. Au√üerhalb der Betriebszeiten wird der Strom f√ľr unterschiedliche Anwendungen verwendet oder ins √∂ffentliche Netz eingespeist.

Komponente 6 ‚Äď Regelungstechnik
Die Gebäudeautomation wird als integrale Steuerung der haustechnischen Anlagen
konzipiert. Dazu wird ein Schaltschrank zur Bedienung der Anlagenteile sowie ein GLT-Rechner installiert. Die Datenerfassung, Bearbeitung und Auswertung erfolgt gem√§√ü dem Stand der Technik und dient der Parametrierung der Gesamtanlage. Eine Wettervorhersage wird ebenfalls in der Regelstrategie ber√ľcksichtigt. Eine Aufschaltung auf das st√§dtische GLT-System ist m√∂glich.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verzahnung der Geb√§udegruppe mit der Landschaft und der st√§dtebaulichen Umgebung in alle Richtungen ist gut gel√∂st und vermittelt eine einladende Haltung. Die flie√üende Zuwegung durch die Landschaft schafft eine gute Anbindung in die Umgebung. Sch√ľler/ innen und Besucher/innen werden √ľber gleichberechtigte Zug√§nge √ľber drei selbstverst√§ndliche Pl√§tze zum Eingang und der zentralen Forumsachse geleitet. Die √Ėffnung vom s√ľdlichen, n√∂rdlichen und westlichen Zugang her macht auch die dreigeschossige Bebauung von au√üen erfahrbar. Dabei werden auch die H√∂henunterschiede angemessen ber√ľcksichtig z.B. durch ein Untergeschoss f√ľr die MINTR√§ume (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) inklusive Aufzug.

Bestimmend ist die zentrale Achse, die vier unterschiedliche Bauk√∂rper verbindet. Forum/Aula/Mensa bilden eine Geometrie am Eingangsbereich und lassen sich gut zusammenschlie√üen. Das Konzept der Cluster-H√§user ist selbsterkl√§rend, die Jahrgangsstufen der Sekundarstufe II und 9-10 gehen unproblematisch √ľber zwei Geschosse. Die Fachr√§ume auf den Geschossebenen sind noch nicht optimal kombiniert (Mathematik/Biologie sowie Informatik/Chemie). Der Brandschutz ist √ľber umlaufende Fluchtbalkone gegeben. Die Balkone werden verbreitert zu Au√üensitzbereichen mit guter Aufenthaltsqualit√§t vor den relativ gut proportionierten Differenzierungsr√§umen. Die Anordnung der Selbstlernbereiche an den Innenh√∂fen schlie√üt akustische St√∂rungen aus.

Die Fassade wirkt transparent und einladend durch die Lärchenholzverkleidung und ihre Rhythmisierung durch Gebäudekörperversätze.

Die Raumh√∂he von 3,10 m erscheint ohne Not knapp bemessen, ebenso das so entstehende Raumvolumen. Durch den im Laubengang befindlichen Sonnenschutz wird die Tageslichtversorgung eingeschr√§nkt. Die Schulbibliothek hat keine direkte Anbindung an die Fassade, was allerdings aufgrund der Nutzung wenig problematisch erscheint. Das Nachtl√ľftungskonzept ist ein guter Ansatz f√ľr den thermischen Komfort im Sommer und √ľber die H√∂fe sinnvoll gew√§hrleistet.

In Bezug auf Bruttogrundfläche und Kosten ist der Entwurf im durchschnittlichen Bereich anzuordnen.