modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Offener Wettbewerb | 04/2024

Neubau Hauptzollamt Hamburg

Shanghaiallee / Ecke Koreastraße
13

Shanghaiallee / Ecke Koreastraße

2. Preis

Preisgeld: 28.000 EUR

KBNK Architekten GmbH

Architektur

HPS Haustechnik Planungsbüro Schumacher GmbH

TGA-Fachplanung

Schüßler-Plan

Tragwerksplanung

LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie

Visualisierung

Erläuterungstext

Städtebau- und Architekturkonzept

Städtebaulich stellt das Hauptzollamt den Schlussbaustein im Baublock Koreastraße / Am Lohsepark / Steinschanze / Shanghaialllee dar.

Der Block ist geprägt von reliefartigen Fassaden, zum einen des denkmalgeschützten Gebäudes des „Prototyp“ mit seinen klassischen vertikalen Gliederungen aus Schaugiebeln und Risaliten sowie zwei Gebäuden die auf der Ziegelebene eine starke haptische Präsenz haben. Folgerichtig wird Relief als Grundthema der Fassaden für das Hauptzollamt gewählt.
Abweichend von den Nachbarn wird eine rote Keramikfassade mit stark ausgeprägter Tiefe vorgeschlagen, die dem Haus eine dem Zoll angemessene Fassade mit einem sehr hohen Nachhaltigkeitsanspruch verleiht. Durch subtiles Spiel mit den einfachen Regeln der Fassadenelemente wird eine Gliederung der Kubatur erreicht. So wird der Sockel als gestockte Oberfläche ausgebildet, das 1. sowie das 6. (oberste) Geschoss erhalten überhöhte Fenster. Im Bereich des Veranstaltungssaals sowie im Staffelgeschoss wird mit dem Relief bewusst gebrochen und weitgehend bündige Fenster eingesetzt. So entsteht ein auf einfachen Regeln basierendes, Gebäude dass sich angemessen, gleichwohl selbstbewusst, als Baustein des Baublocks präsentiert.

Das Gebäude stellt sich als klare Kubatur einer Blockrandbebauung dar, die mit geringen Mitteln in Form von deutlichen Einschnitten im Erdgeschoss sowie im Bereich der nachbarlichen Anschlüsse gegliedert wird. Die jeweiligen Haupteingänge, Ecke Shanghaiallee/Koreastraße sowie der für Mitarbeiter gedachte Eingang am Lohsepark werden aus dem Volumen herausgeschält und ermöglichen eine klare Orientierung.
Im 7. Obergeschoss wird lediglich ein kleiner Teil des Gebäudes an der Ecke Koreastraße / Am Lohsepark bebaut. Hier wird die Silhouette zum Park sinnvoll akzentuiert.

Ein gut proportionierter Hof von knapp 20 x 33 m wird in Abweichung vom Bebauungsplan in das Volumen hineingeschnitten. Umrandet von großzügig verglasten Fassaden und begrünter Brandwand des nachbarlichen Bestandsgebäudes sowie maximal grüner Freiraumgestaltung werden gut belichtete, attraktive Büros zum großen Innenhof entwickelt.
Eine effektive Erschließung über zwei Treppenkerne lässt eine sehr wirtschaftliche Erschließung erwarten und eine hohe Flexibilität zu. Der große Veranstaltungsraum wird gemeinsam mit dem Videoraum sowie einem zusätzlichen Schulungsraum als Konferenzebene im 1. Obergeschoss verortet. Eine attraktive Erschließung über eine spiralförmige Freitreppe aus dem Haupteingang sowie großzügige Foyerflächen und die Erreichbarkeit von beiden Erschließungskernen stellt die hohe Funktionalität sicher. Das Foyer hat einen spannenden Sichtbezug zum Lohsepark und direkte Ausgänge in den begrünten Innenhof.

Das Staffelgeschoss wird städtebaulich als Eckbetonung ausgebildet und enthält den großen Besprechungsraum sowie Foyer und ein angedachtes Mitarbeitercafé mit bester Sicht über die Stadt. In den Regelgeschossen wird Hofseitig als Treffpunkt der jeweilige Pantrybereich sowie ein Meetingraum vorgeschlagen, der die hofseitige Südfassade gliedert.

Tragwerk
Für die Konstruktion des Gebäudes wird ein Hybridttragwerk aus Stahlbeton und Holz vorgeschlagen. Zur soliden Aussteifung des Gebäudes werden zwei Treppenhauskerne angeordnet, welche die Horizontallasten durchgehend bis in das Untergeschoss führen, um diese an den steifen Untergeschosskasten abzugeben.
Die Stahlbetonelemente sollen aus Recyclingbeton mit rezyklierten Zuschlägen und CO2 reduziertem Zement zum Einsatz kommen, um hohe Nachhaltigkeitsanforderungen zu erfüllen. Insgesamt entsteht so ein wirtschaftliches Tragwerk, welches sehr verantwortungsvoll mit den zu verbauenden Ressourcen umgeht und gleichzeitig eine sehr flexible Gebäudegeometrie ermöglicht.

Nachhaltigkeit
Das Konzept sieht die Einsparung von grauer Energie vor: der Energiebedarf ist baulich so optimiert, dass die aktive Deckung mittels technischer Ausrüstung auf ein Minimum reduziert werden kann. Dabei müssen soziale, sowie wirtschaftliche Belange gleichermaßen Beachtung finden. Hierzu zählen auf der einen Seite die Tageslichtversorgung, die Raumluftqualität, der Schutz vor Außenlärm und die Raumakustik, auf der anderen stehen effizienter Betrieb, Wartungsarmut, einfache Reinigungsbedingungen und die Langlebigkeit aller baulichen und technischen Komponenten stehen im Fokus.

Materialität
Durch die Registrierung aller verwendeten Baustoffe in entsprechende Datenbanken sollen Stoffkreisläufe im Sinne des Re- und Upcyclings von Ressourcen geschlossen werden. Verbundkonstruktionen sollen lediglich da eingesetzt werden, wo sie wirtschaftlich und räumlich höchste Effizienz aufweisen – bspw. bei den Deckenkonstruktionen, die mit großen Spannweiten und geringen Aufbauhöhen nicht nur zur Flächeneffizienz, sondern auch zur Nutzungsflexibilität des gesamten Gebäudes und damit seiner Langlebigkeit beitragen. Bei Innenbauteilen soll auf ökologische Lehmbauplatten zurückgegriffen werden, die sich durch ihre hygroskopische Kapillarwirkung als sehr vorteilhaft in Bezug auf die Raumluftqualität auswirkt und zudem thermisch und akustisch wirksam durch ihre Masse ist.

Gesundheit/ Komfort

Der Bezug zum Außenraum und die Wahrnehmung der Tageszeit ist essenziell für das Wohlbefinden des Menschen. Neben der Energieeinsparung, die sich durch eine hohe Tageslichtausbeute ergibt, haben arbeitsschutzrechtliche Belange zu ebendiesem Thema, die sich an der Gesundheit von Mitarbeitern orientieren höchste Priorität. Das Gebäudeerz im Innenhof erweitert das Konzept indem eine grüne Oase als Pendant zum Großstadtdschungel geschaffen wird.
Zudem gibt es hohe Anforderungen an die Raumluftqualität. Neben der Raumluftfeuchte, sind Luftschadstoffe, die sich durch Ausdünstungen aus den Baumaterialien, der Inneneinrichtung und nicht zuletzt aus der Atemluft ergeben abzuführen – zweitrangig in diesem Zusammenhang, aber auch ein wesentlicher Bestandteil bei der Bewertung der Raumluftqualität ist die Eliminierung von Gerüchen.

TGA
Der vom Betreiber veröffentlichte Primärenergiefaktor für die auf KWK-Basis erzeugte Fernwärme beträgt nach GEG §22 0,21. Die statische Flächenheizung (Deckensegel) werden über die Fernwärmeversorgung mit Heizwärme versorgt. Die Deckensegel dienen gleichzeitig zur Kühlung des Gebäudes im Sommerfall. Die Grundleistung der Kühlung wird über Adsorptionskälteanlagen (thermische Speicher) mit Anschluss an die Fernwärme erfolgen. Die Trinkwassererwärmung erfolgt dezentral mit elektrischen per Solar-Strom gespeisten Durchlauferhitzern. Dies ist kostengünstig in der Herstellung, energetisch sinnvoll und besitzt einen effektiven Legionellenschutz.
Bilanziell ist das Gebäude in der Lage, seinen Strombedarf durch die Photovoltaik auf den Dach-flächen, ggf. in Verbindung mit Kleinwindkraftanlagen selbstständig zu decken. Zur Optimierung kommen Stromspeicher zum Einsatz. Die Fläche ist dabei auf ein Höchstmaß reduziert, sodass Eigennutzung, Einspeisung des Eigenproduzierten Stromes und Spitzenlastdeckung durch die städtische Stromversorgung ausbalanciert ist und ein effizientes Energiemanagement ermöglicht.

Zur Minimierung von äußeren Lärmbeeinträchtigungen und Steigerung von Nutzerkomfort/ Wohlbefinden wird das Gebäude mit einer Hybridlüftung ausgestattet. Diese dient im Sommer auch zur Nachtdurchspülung. Das Gebäude erhält durch die Integration von Smart-Building-Technologie eine intelligente, an das Nutzerverhalten angepasste Betriebsweise. In der Tiefgarage werden Ladestationen für E-Fahrzeuge und E-Bikes vorgesehen.

Zur Energieoptimierung werden weiterhin betriebsabhängige Lichtsteuerungen zum Einsatz kommen.

Das Gebäude wird mit einer flächendeckenden Brandmeldeanlage mit Aufschaltung auf die Feuerwehr ausgestattet. Die Rauchableitung aus dem Gebäude erfolgt über öffenbare Fenster und Türen. Der Lichthof ist im Dachbereich dauerhaft offen. Im Brandfall steuert die Brandmeldeanlage die Zuluftöffnungen auf der Ostseite in Höhe des 1. OG an, sodass die Rauchableitung aus dem Lichthof unterstützt wird. Der Sicherheitstreppenraum und der Feuerwehraufzug im Hochhaus erhalten eine Druckbelüftungsanlage
Die Tiefgarage erhält eine Sprinkleranlage sowie eine mechanische Lüftung/Entrauchung.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit entwickelt einen großen, grünen Innenhof durch die Anordnung von Dreibundbereichen im Osten und Westen sowie einen Einbund zur Koreastraße. Dies führt zu nahezu ausnahmslos gut belichteten Büroflächen und Flurzonen sowie einer Reduzierung der unschönen Ansichtsfläche der südlichen Brandwand. Zu den benachbarten Gebäuden und im Eingangsbereich werden aus dem Grundvolumen Teilbereiche zurückgenommen, wodurch das Gebäude eine gute Adressbildung erfährt und angemessen in den Standraum integriert wird. Das Staffelgeschoss zum Lohsepark wird städtebaulich unterschiedlich bewertet und bietet Platz für einen kleineren Besprechungsraum sowie eine Cafeteria mit sehr hoher Lagegunst und bestem Ausblick.

Die Nutzungen im Erdgeschoss sind mit einigen Einschränkungen im Eingangsbereich nachvollziehbar organisiert. Insbesondere die prägnante gedrehte Treppe wird nutzerseitig aus funktionalen Gründen abgelehnt. Zudem sind einige Funktionen nicht optimal verortet; im Schalterbereich ist die notwendige Diskretion nicht gegeben. Der Sprinterplatz wird entgegen der Vorgaben von der Shanghaiallee erschlossen. Die Lage der TG-Zufahrt ermöglicht gut nutzbare gewerbliche Flächen am Lohsepark, führt aber zu einer Verkürzung der geforderten Haltezone in der Koreastraße von 16 auf 14 Metern.

Der große Besprechungsraum ist im 1. OG zur Koreastraße positioniert, gut erschlossen und belichtet sowie mit reichlich dienenden Foyerzonen umgeben. Die Geschosshöhe ist unfunktional und kann so nicht akzeptiert werden. Zudem wird zu viel Raum für die Foyerbereiche („get together“ und „Lounge“) angeboten.

Die ruhige Fassade aus stark profilierten Keramikelementen und großen, nicht bodentiefen Fenstern ermöglicht eine natürliche Belüftung durch Öffnen der Fenster und wird insgesamt positiv bewertet. Gleichwohl wird von Teilen der Jury das Gesamterscheinungsbild als zu wenig prägnant für das neue Hauptzollamt von Hamburg bewertet.

Die Arbeit weist ein knappes TGA-Konzept auf, das für eine Umsetzung gut geeignet erscheint. Der wirtschaftliche Einsatz einer Absorptionskältemaschine sowie von Kleinwindkraftanlagen wird in Frage gestellt. Zur Sicherstellung der erforderlichen Raumluftqualitäten werden hybride Lüftungssysteme vorgeschlagen.
Blick über den Ericusgraben

Blick über den Ericusgraben

Foyer

Foyer

Fassadendetail

Fassadendetail

Lageplan

Lageplan

Erdgeschoss

Erdgeschoss

Regelgeschoss

Regelgeschoss

1. Obergeschoss

1. Obergeschoss

Ansicht Ost - Am Lohsepark

Ansicht Ost - Am Lohsepark

Ansicht Nord - Koreastraße

Ansicht Nord - Koreastraße

Ansicht West - Shanghaiallee

Ansicht West - Shanghaiallee

Längsschnitt

Längsschnitt

Nachhaltigkeit / Energieeffizienz

Nachhaltigkeit / Energieeffizienz