Offener Wettbewerb | 04/2024
Neubau Hauptzollamt Hamburg
7
Perspektive
©Atelier Britz
3. Preis
Preisgeld: 16.800 EUR
Architektur
TGA-Fachplanung
WP Ingenieure Partnerschaft Beratender Ingenieure mbB Meyer I Brenne I Feldmann I Pramme
Tragwerksplanung
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser entwickeln in stringenter Art und Weise einen kammartig gegliederten Baukörper als städtebaulichen „Schlussstein“ des Baublocks an der Shanghaiallee. Entlang der Koreastraße ist die Fassade im Erdgeschoss als verglaste Arkade ausgebildet und integriert durch einen Rücksprung im Baukörper in angemessener Weise den Kundeneingang des Hauptzollamtes im Stadtraum. Die Fassade zur Shanghaiallee ist im Erdgeschoss mit niedrigen Öffnungen untergeordneter Räume versehen, was an dieser Stelle städtebaulich nicht überzeugend erscheint.
So klar und überzeugend die Bürotypologie mit einem räumlich-funktionalen Rückgrat entlang der Brandwand zum Bestandsgebäude im Süden und den in Ost-West-Richtung orientierten drei Büroflügeln durchgearbeitet ist, so wenig kann die jeweils zwei Geschosse zusammenfassende Gliederung der Fassaden die Jury überzeugen. Hinter der geschossübergreifenden Fassadengestaltung ist die Lochfassade der Bürotypologie mit ihren massiven Brüstungen zu präsent, als dass die von den Verfassern angestrebte Interpretation der Gebäudetypologie der Hamburg Speicherstadt schlüssig umgesetzt werden könnte. Ebenso kann die Gleichbehandlung der Fassaden zur Shanghaiallee, hier mit nachvollziehbarer Ausbildung einer zweiten Verglasungsebene als Prallwand, und dem schematisch durchgestrickten, „fehlenden Gesicht“ zum Lohsepark nicht überzeugen.
Die innere Organisation des Kundeneingangs mit seinen räumlichen und funktionalen Bezügen zu den Logistikbereichen ist gut gelöst. Die Darstellung der Kundenhalle wirft dagegen Fragen nach der Angemessenheit und Wahl der gestalterischen und konstruktiven Mittel auf. Die Lage der Zugänge für die Mitarbeitenden sowie die Position der Tiefgarageneinfahrt überzeugen, jedoch ist die Zufahrt zu schmal und der Zugang zum Fahrradraum erfolgt ausschließlich über die Rampe zur Tiefgarage.
Als strukturelles Problem des Entwurfes wird das Brandschutzkonzept mit Stichfluren der Büroflügel identifiziert. Die Lage des großen Besprechungsraumes im Obergeschoss mit Orientierung zum Lohsepark und dem großzügigen zugeordneten Foyer ist gut gelöst. Das vorgeschlagene Büroraster von 1,35 m löst die Aufgabenstellung des Raumprogramms und lässt Spielräume für zukünftige Anpassungen von Raumgrößen sowie der Weiterentwicklung von Nutzungstypologien. Die Fassadenkonstruktion und das enge Raster der Stützen stellen dafür eine adäquate und robuste Struktur dar.
Insgesamt ist der Arbeit in beeindruckender Klarheit, wenn auch mit strukturellen Problemen im Brandschutz, innenräumlich sehr gut entwickelt, als städtebauliche Figur adäquat eingefügt, jedoch hinsichtlich der Ausbildung der Fassadengestaltung nicht in allen Belangen überzeugend ausgearbeitet. Hybridbauweise mit Massivholzdecken. Die Kammstruktur mit Rückgrat entlang der Brandwand vermeidet intensiv besonnte Südfassaden vollständig. Die zur Koreastraße offenen Höfe verbessern die Durchlüftung und Belichtung, sofern die Öffnungen nicht dicht begrünt werden.
Das Konzept der geschossübergreifenden Doppelglasfassaden erscheint funktional nicht ausgereift. Die Konzeption mit Brüstungen ist zu begrüßen.
Plan 01
©Atelier Britz
Plan 02
©Atelier Britz
Plan 03
©Atelier Britz
Plan 04
©Atelier Britz
Plan 05
©Atelier Britz
Plan 06
©Atelier Britz