Offener Wettbewerb | 09/2024
Neubau Haus der Jugend am Bildungscampus auf der Wieden in Wien (AT)
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Aussenansicht
©Luce mit haascookzemmrich STUDIO2050
1. Preis
Architektur
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Verfasser:
Prof. Martin Haas, Dipl. Arch. (Dist), B.A. (Hons) David Cook, Stephan Zemmrich
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Mitarbeitende:
Tragwerksplanung
Erläuterungstext
Das Haus der Jugend wird allen Besuchern ein inspirierendes Umfeld bieten. Ein offenes Haus als Einladung an die Jugend Wiens zum Austausch zum Gestalten. Ein Ort des Miteinanders. Ein Ort des Wissens und der Bildung. Ein Ort der Kommunikation. Es wird ein Haus für alle sein: inklusiv, solidarisch, offen und mutig! In zentraler städtebaulicher Lage wird das Haus der Jugend eine Landmarke, ein einladendes, zukunftsweisendes Haus. Die horizontale Fassadenstruktur, ähnlich einem offenen Regalsystem, bietet mit sich öffnenden und geschoss-übergreifenden Ebenen eine Plattform für unterschiedlichste Nutzungen und Funktionen – Ein veränderliches Regal der Möglichkeiten. Die offene Struktur des Gebäudes bildet den Rahmen für diesen neuen und lebendigen Ort in der Innenstadt. Vertikal verknüpfte Ebenen, die sich um einen offenen Innenhof gruppieren, bieten mit großzügigen Geschosshöhen eine äu-ßerst flexible, „loftartige“ Architektur. Eine Bühne, auf der Funktionen und die technische Infrastruktur weitgehend austauschbar sind. Dies ermöglicht eine anpassungsfähige Nutzung über einen langen Zeitraum. Dieses Konzept spiegelt sich auch im Erscheinungsbild des Gebäudes wider. Das Prinzip des bespielbaren Regals mit unterschiedlich hohen und zum Teil begrünten "Fachböden" bestimmt das veränderliche Erscheinungsbild des Hau-ses. So entsteht eine dynamische Komposition unterschiedlicher Raumtypologien, die dem Gebäude einen einzig- artigen Charakter verleihen. Die Räume gruppieren sich um ein lichtdurchflutetes Atrium, einem Garten, einer Oase inmitten einer betriebsamen Welt. Foyers und Nischen unterschiedlicher Größe, Ausrichtung und Beleuchtung bieten zahlreiche Treffpunkte mit differenzierten Qualitäten. Dies sind die informellen Situationen, in denen sich die "Welten" entfalten können.
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebauliche Lösung
Die gut nachvollziehbare städtebauliche Setzung des Baukörpers wird konsequent beibehalten und in Detailbereichen verfeinert bzw. weiterentwickelt, was von der Jury sehr positiv bewertet wird. Dies betrifft auch die Zugangsmöglichkeit zum Park über die Fuge zum Bestand an der Plößlgasse. Es wird darauf hingewiesen, dass die Einhaltung des maximalen Bebauungsgrades von 85% allerdings nur nachgewiesen wird, wenn der Innenhof im OG 1 nur als unterbaut und nicht als bebaut gilt - was aber als darstellbar angesehen wird.
Baukünstlerische Lösung
Die klare kubische Konzeption des Baukörpers mit maßvollen Vor- und Rücksprüngen an den Straßenfassaden wird konsequent weiterverfolgt. Die Fassadenstruktur folgt dem Modulraster der Holzhybridkonstruktion mit vorgehängter Glas-PV Konstruktion. Das äußere Erscheinungsbild ist durch eine angenehme, schlichte Sachlichkeit eines Holzmodulbaues mit hellen freundlichen Oberflächen geprägt, die sich konsequent auch im Innenraum fortsetzt. In Verbindung mit den auskragenden Geschossdecken sorgt ein in die Fassade integrierter Sonnenschutz für die notwendige Beschattung. Insgesamt ein ansprechender Entwurf, der sich gut in den nachbarschaftlichen Kontext einfügt, ohne aber darauf zu verzichten, dem Haus der Jugend eine eigene Prägung zu geben.
Funktionelle Lösung
Das Raumprogramm ist erfüllt. Das entwickelte Funktionslayout ist weitestgehend praktikabel. Die Kernfunktionen Eingangsbereich, Ausstellungsbereich, Speisesaal, Veranstaltungsbereich, die Welten und der Kindergarten sind in einer räumlichen und funktionalen guten Abfolge mit direktem Außenraumbezug zur den Straßenräumen und dem Innenhof organisiert. Kritisch bewertet wird der Maker Space, der direkt dem Eingangsbereich zugeordnet ist. Aufgrund der lärmintensiven Nutzung wird hier ein Konfliktpotenzial gesehen. Der Kindergarten weist eine exklusive Erschließung auf und ist kompakt auf einer Ebene organisiert. Positiv herausgestellt werden die Terrassen in den oberen Geschossen, die vielfältige Innen-Außen-Bezüge möglich machen. Deren Gebrauchsqualität könnte allerdings noch höher gewertet werden, wenn diese stärker für Allgemeinheit nutzbar wären (vor allem, was die Dachterrasse betrifft) oder in Verbindung mit Veranstaltungsräumen genutzt werden könnten. Der nutzungsneutrale Stützenraster bewirkt eine ungezwungene Aneinanderreihung der Bereiche mit fließenden Übergängen und damit verbunden erlebbaren Raumübergängen. Mit dem begrünten Innenhof und den klar strukturierten Verkehrsflächen und Erschließungskernen ist eine gute Orientierung im Regelgeschoß gegeben. Trotz der sehr kompakten Struktur erscheinen die Voraussetzungen zu einem begrünten Innenhof gegeben zu sein, was sich in der Art der Bepflanzung und Begrünung und eine damit verbundene Wirkung auf das innere Raumklima Ausdruck verleiht. Nicht überzeugen kann die Organisation der Anlieferung, für die einige Bestandsbäume fallen müssten.
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in Errichtung, Betrieb und Erhaltung
Mit der vorgeschlagenen, sehr durchdachten Holz-Hybrid-Bauweise im rationellem Modulraster und der voraussichtlichen Erreichbarkeit der Primärenergiebedarfsklasse von A++, einer Heizwärmebedarfsklasse von A, kann eine entsprechende Wirtschaftlichkeit und Energieeffizient in Errichtung, Betrieb und Erhaltung erreicht werden. Besonders herauszuheben sind die sortenreine Konstruktionsweise, die Wiederverwertung von Bauteilen aus dem Abrissgebäuden (Schüllerdecken, Profilit- Glas, Parkett, Fensterelemente) wie die hohe Flexibilität und Anpassbarkeit der Grundrisse bezogen auf sich ändernde Raumanforderungen.
Umgang mit den Empfehlungen
Den Weiterbearbeitungsempfehlungen wird generell gefolgt. Es sind entsprechende Optimierungen im Veranstaltungsbereich und den Ausstellungsräumen festzustellen. Der Lift bei der Küche ist nun als Lastenlift konzipiert. Der Kindergarten weist eine exklusive Erschließung auf und ist kompakt auf einer Ebenen organisiert. Die vertieften Vorschläge zur Verbesserung der Energiebilanz werden als zielführend eingestuft.
Fazit
Insgesamt wertet die Jury den Entwurf sowohl unter dem Gesichtspunkt der städtebaulichen Einbindung wie der baukünstlerischen Qualität als sehr ambitioniert und von hoher Qualität. Das Raum- und Funktionskonzept löst die komplexen Erwartungen vom Grundsatz her sehr gut ein. Das konstruktive Raster schafft die Voraussetzungen zu einer größtmöglichen Flexibilität und Anpassbarkeit. Auch im Kontext der hohen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz wird der Beitrag als sehr gut bewertet - was sich vor allem im gewählten Materialkonzept (Holzhybrid, Wiederverwendung/Reuse von Abbruchmaterialien) wie im Energiekonzept begründet.
Innenansicht
©Luce mit haascookzemmrich STUDIO2050
Lageplan
©haascookzemmrich STUDIO2050
Axonometrie
©haascookzemmrich STUDIO2050
Modellfoto
©haascookzemmrich STUDIO2050