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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2025

Neubau Heinrich-Kromer-Schule mit Zweifeldhalle in Frankfurt am Main

Außenperspektive
1

Außenperspektive

Anerkennung

Preisgeld: 5.750 EUR

Schwinde Architekten

Architektur

RAMTHUN Landschaftsarchitektur GmbH

Landschaftsarchitektur

Matthes Max Modellbau GmbH

Modellbau

Erläuterungstext

Erläuterungen

0. Leitidee

Der Ersatzneubau der Heinrich- Kromer- Schule mit Zweifachsporthalle soll ein nachhaltig identitätsstiftendes Ensemble schaffen, das Ankerfunktion im städtebaulichen Umfeld übernimmt. Aus der Zwängung, den Schulbetrieb während der Bauzeit aufrecht zu erhalten, soll ein Mehrwert für den Standort entstehen. Ziel ist es, den Fußabdruck der bestehenden östlichen Bebauung künftig als parkartige Freifläche im Sinne einer grünen Zäsur zwischen den sehr unterschiedlichen Charakteren der Quartiere auszubilden und für die Schulfamilie und die Anwohner vielfältig nutzbar zu machen.
Die neue Gebäudestruktur soll Rücksicht nehmen auf die westlich anschließende Bebauung. Hier gilt das Prinzip, dass die vorhandene Volumenverteilung aus höherer Bebauung im Norden und flächiger, niedriger Bebauung im südlichen Teil auch für die neue Schule mit Sporthalle interpretiert wird.

1. Städtebau
Der Leitidee folgend entwickelt sich die Bebauung linear an der westlichen Grundstücksgrenze mit Sporthalle im Süden, Mensa und Eingangsbereich im Zentralbereich, Schulgebäude im Norden. Gemeinsame Klammer ist ein 1 ½ bis 2 geschossiger Sockel, darauf angeordnet: Allwetterplatz im Süden, Dachterrasse mit Schulgarten, Aussenklasse zentral, viergeschossiges Clustergebäude im Norden.
Der Hochpunkt im Norden definiert den Abstand zur westlichen Grundstücksgrenze, in dieser Fläche wird die Laufbahn abgeschirmt angeordnet. Der Clusterbau steht im Dialog mit der westlichen Hochhausscheibe, während die niedrige Bebauung angemessen auf die Reihenhauszeilen reagiert.
Mit der Anordnung der Sportfreiflächen auf Dach bzw. westlicher Abstandsfläche, spannt sich künftig eine großzügige Freifläche zwischen Schulgebäude und östlicher Villenbebauung bzw. zwischen Niederurseler Landstraße und Urselbach auf.
In dieser Fläche kann erhaltenswerter Baumbestand integriert werden bzw. mit neuen Pflanzungen ergänzt werden. Es erfolgt eine Entsiegelung trotz Verdichtung am Standort.
Die nach Norden abfallende Topographie wird genutzt für eine nur wenig geneigte barrierefreie Erschliessung von Süden, Nach Norden entwickelt sich das Gelände kaskadenartig vom Eingangsbereich zum Urselbach und schafft zu differenzierte Aufenthalts- und Veranstaltungsbereiche mit Arenen

2. Freianlagen
Das Gestaltungskonzept der Freianlagen entwickelt sich aus dem Grundprinzip des linearen Baukörpers und den vorhandenen Vegetationsstrukturen, die in einem parkartigen Pausenhof integriert werden.
Es entstehen gut zugängliche Aktionsflächen und freie Formen des Naturraumes in natürlich verschatteten Bereichen mit Rückzugsmöglichkeiten. Neupflanzungen werden mit heimischen Baumarten geplant.
Der neue Park der Heinrich- Kromer- Schule in der städtebaulichen Zäsur nimmt die vorhandene Topographie auf, die im Verlauf vom großzügigen Eingangsbereich an der Niederurseler Landstraße über die Campus-Terrasse bis zum Urselbach führt.
Die geöffneten und renaturierten Uferbereiche machen das Fließgewässer sicht- und erlebbar. Ein artenreicher Ufersaum schafft neue Lebensräume für Insekten, Vögel und andere, kleinere Tierarten.
Die Wegeverbindung entlang der Ursel bleibt erhalten und bildet während der Bauzeit des 2. Bauabschnitts Sporthalle ein wesentliches Erschließungselement.
Abwechslungsreiche Dachterrassen auf dem Sockelgeschoss und artenreich begrünte Flachdachbereiche vervollständigen das Freiraumkonzept. In Kombination mit aufgeständerten PV-Anlagen leisten die als Retentionsdächer ausgeführten Dachflächen einen wertvollen Beitrag zu Regenwassermanagement und regenerativer Energieversorgung. Das zentrale Biodiversitätsgrün über der Mensa bzw. bietet darüber hinaus ein neues Habitat für Insekten, Vögel und Kleinlebewesen an. Vertikal begrünte Fassaden ergänzen die Grünstrukturen auch in der vertikalen Ebene.

3. Gebäudekonzept
Der städtebaulichen Grundidee folgend, entwickelt sich das Ensemble aus drei einfachen Bauteilen:
- fünf- sechsgeschossiges Schulgebäude (viergeschossiger Clusterbau auf Sockel)
- Sporthallengebäude mit integrierter Hausmeisterwohnung und Dachsport
- Zwischengebäude mit Mensa
In Verbindung mit dem Haupteingang entwickelt sich ein Foyer, das Bezüge und Öffnungen zu Mensa und Forum mit Arenaanlage ermöglicht. So entsteht eine fließende, kommunikative Mitte, die der Topographie folgt und innen und außen verknüpft, vielfältige Schulnutzungen für Pause und Veranstaltung sind abbildbar.
Funktional teilt sich das Gebäude in zwei Sockelgeschosse mit den zentralen Einrichtungen, wie Verwaltung und Fachräumen sowie die vier Obergeschosse mit Kernlernbereichen im Clusterprinzip.
Die Dachterrasse dient als Schulgarten, Aussenklasse für alle Schüler
Das Lerncluster bietet die Stammklassen als Rücken nach Westen orientiert, Differenzierung, Inklusion, Ganztagesbereich mit Loggien zum Grünraum nach Osten.
Die gemeinsame Mitte mit Sanitär- und Garderobenbereiche kann vielfältig bespielt werden, mobile Trennwände schaffen eine Mehrfachlesbarkeit der Räume.
Belichtungshöfe und Außenraumbezüge über transparente Trennwände unterstützen die Qualität der Mitte.
Die Sporthalle wird ostseitig mit Nebenraumzonen erschlossen und orientiert sich nach Westen.
Das Gebäude ist durch 2 Aufzüge (Schule + Sport) vollumfänglich barrierefrei erschlossen, entsprechende WCs finden sich auf allen Geschossen.


Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser platzieren die neuen Heinrich-Kromer-Schule als lineares Baukörperensemble sehr stringent an der Westseite des Grundstücks. Dadurch gelingt eine klare Zonierung des Schulgeländes und es entsteht ein sehr großzügiger zusammenhängender Freiraum zwischen Niederurseler Landstraße und Urselbach.

Eine zentrale öffentliche Erschließungsachse verbindet beide und schafft einen klaren Übergang von Schule und Naturraum.

Der niedrigere Baukörper der Sporthalle bildet den Auftakt zur Straße. Er ist mit eigenem Eingang unabhängig erschlossen und wird damit auch zur extern nutzbaren Schnittstelle und Adresse ins Quartier.

Die Schulbereiche sind in einem kompakten 5-geschossigen Baukörper vertikal organisiert. Das hohe Volumen wirkt sehr überzeugend als zeichenhafter Abschluss und städtebaulicher Übergang zu den Hochhäusern des Nachbarquartiers aus den 60er-Jahren.

Der Haupteingang in das neue Schulhaus führt in eine räumlich angenehm differenzierte Halle mit Mensa und Forum. Für die flexible Nutzung wird der Geschossversatz allerdings als problematisch bewertet. Die Cluster sind, über ein offenes Treppenhaus und (zu kleinem) Aufzug, gut erreichbar, in den 4 oberen Geschossen übereinandergestapelt. Sie sind in sich schlüssig ausgearbeitet, die zentrale Mittelzone bleibt dabei etwas undifferenziert mit teilweise eingeschränkten Sichtbezügen. Für die natürliche Belichtung und Belüftung sind die vorgeschlagenen Lichthöfe zu klein dimensioniert, um die Problematik des tiefen Baukörpers auszugleichen. Die umlaufenden Balkone verschärfen dies, zudem sind sie in ihrer Materialität aus Holz und Stahl in ihrer Funktion als Fluchtweg nicht umsetzbar. Eine Überarbeitung mit Auswirkung auf die Fassade und Gestaltwirkung wäre unabdingbar. Die Stahlbeton-Holz
Hybridkonstruktion wird grundsätzlich begrüßt, im Zusammenhang mit der Gebäudehöhe aber als ambitioniert in der Umsetzung eingeschätzt. In der Folge liegt die Wirtschaftlichkeit im nicht ausreichenden Bereich.

Insgesamt bewertet die Jury das sehr klare und in seinen Grundzügen konsequent umgesetzte Konzept des Entwurfes ausdrücklich positiv. Es liefert einen eigenständigen mutigen Ansatz mit großem Potenzial für eine Schule als geschützten Ort und ihrer Verknüpfung mit dem öffentlichen Raum. Insbesondere die Freiraumidee, Schulhof ist Park - oder umgekehrt Park wir temporärer Schulhof, stellt einen überaus innovativen Beitrag da.

Erkauft wird dieser Gewinn mit den Nachteilen einer vertikal über mehrere Geschosse organisierten Schule mit langen Wegen, eingeschränkter Übersichtlichkeit und Orientierung. Der Wunsch nach einer zentralen gemeinsamen Mitte der neuen Schule kann nur bedingt eingelöst werden.

Für die Brandabschnittsbildung sind im multifunktional genutzten Erdgeschoss qualifizierte Bauteile und Konstruktionen erforderlich, die einer bauaufsichtlichen Zustimmung bedürfen und die Raumbezüge beeinflussen.

Der Entwurf bietet mit dem offenen Gang grundsätzlich ein robustes Rettungswegkonzept an. Die dafür aber vorgeschlagene Holzkonstruktion wäre aufgrund der Brennbarkeit und des fehlenden Brandwiderstands nicht genehmigungsfähig.

Der Aufzugsstandort in einem durchlaufenden Volumen stellt für die vertikale Abschnittsbildung ein Problem dar und ist für eine barrierefreie Rettung nicht geeignet.

Beurteilung der Freianlagen

Aus der städtebaulichen Setzung ergibt sich eine konsequent durchgesteckte Parkachse, die den nutzbaren Freiraum kraftvoll zu einem qualitätsvollen öffentlichen Band bündelt. Es entsteht nicht nur eine Schule, sondern auch ein Park. Mit einfachen Mitteln werden solche Situationen andernorts zu Pausenzeiten „geschlossen“, Vorbilder dazu gibt es. Geborgenheit und Privatheit werden aber vermisst, einen Zaun gibt es nicht.

Die Geschossigkeit des Baukörpers lässt umfangreiche Freiflächen zu, der Versiegelungsgrad ist wegen der vorgesehenen Promenade vor den Gebäuden eher hoch.

Die topografischen Herausforderungen im NO sind über Sitzstufen gelöst, die sich im Gebäude fortsetzen. Eine barrierefreie Überwindung des Höhensprungs bleibt unklar. Am Urselbach wird ein Aussichtsplateau ergänzt. Die Lage des Gebäudes hat größere Eingriffe in den Baumbestand zur Folge, es werden aber ausreichend Neupflanzungen vorgesehen

Die Themen Regenwassermanagement und Biodiversität sind berücksichtigt, eine Fassadenbegrünung ist ab dem 1.OG vorgesehen, was Fragen nach der Pflegbarkeit aufwirft. Die Dächer sind begrünt, sofern nicht sportlich genutzt.

Die Stellplätze liegen vor dem Gebäude im Süden, die Anlieferung von Westen ist nicht zufriedenstellend bewältigt. 100 Radstellplätze liegen im Südwesten, für Roller wird ein Angebot vermisst.