Einladungswettbewerb | 11/2024
Neubau Hochhaus Baufeld C1 mit Busbahnhof Bredella-Areal in Pratteln (CH)
©Morger Partner Architekten
2. Rang
Preisgeld: 36.000 CHF
Architektur
Landschaftsarchitektur
Schnetzer Puskas Ingenieure AG
Tragwerksplanung
Verkehrsplanung
Transsolar Energietechnik GmbH
Energieplanung
Erläuterungstext
Präambel
Die Gemeinde Pratteln strebt über eine Vielzahl von geplanten Entwicklungen einen weitgreifenden Transformationsprozess der einstigen Gewerbe- und Industrieareale an, die neu in vielschichte Arbeits- und Wohnquartiere umgewandelt werden sollen. Die Entwicklungsgebiete Bredella, Gleis Süd, Chuenimatt, Zentrale und das nord-östlich ausgelagerte Areal Salina Raurica Ost ergänzen dabei das bisherige Angebot um eine breite Palette an Typologien, sowie an unterschiedlichen Ortscharakteren und städtebaulichen Körnungen, die zukünftig die Stadtstruktur prägen werden. Das Bredella Areal ist in dieser Entwicklungsgeschichte von besonderer Bedeutung. In seiner Dimension und der zentralen Lage am Bahnhof, besetzt es nämlich einen neuralgischen Punkt der zukünftigen Stadtvernetzung.
Das im Wettbewerb zu entwickelnde Hochhaus des Baufeldes C1, mit dem vorgelagerten Busbahnhof, bildet innerhalb der Arealentwicklung Bredella, ein Scharnier zwischen Bahn und Quartier und nimmt somit im näheren Kontext eine Schlüsselposition im städtebaulichen Gefüge ein.
Ein Tor Richtung Norden, Richtung der neuen Quartiere, und gleichzeitig ein Tor nach Aussen, zur Vernetzung des Ortes mit den Wirtschaftsmetropolen Basel und Zürich, sowie dem damit verbunden Strom des Pendlerverkehrs.
Der Entwurf verfolgt das Ziel diesem bedeutungsvollen Stadtbaustein eine architektonische Gestalt zu verleihen, die mit der Lebendigkeit und der Vielschichtigkeit des Ortes im Einklang steht. Neben der Vielfalt am Boden steht dabei die vertikale Vielfalt der gestapelten Typologien, Nutzungen und Freiräume im Vordergrund, welche im formulierten Gedanken des «vertical village» organisiert und in einem lesbaren Ausdruck komponiert werden.
Die integrale Auseinandersetzung mit den Themen des nachhaltigen Bauens, von der Volumetrie, über die Struktur, bis zur Biodiversität, wird dabei als zentrales Element des Entwurfes verstanden, welches die Architektur ausdrucksstark bereichert.
Neben einer hohen räumlichen Qualität der Wohn-, Arbeits- und Dienstleistungsräume, wird bei der Planung grundsätzlich eine maximale Nutzungsoffenheit und eine weitgreifende strukturelle Anpassungsfähigkeit verfolgt, die grundlegend in der DNA der Architektur verankert wird.
In diesem offenen Verständnis der Struktur wird das Gebäude als Rohling – als adaptierbarer Lebensraum – verstanden, in den die verschiedensten Nutzungen eingeschrieben werden können.
Ein Überschreiben und Anpassen an die sich ändernden Bedürfnisse zur Programmierung, bleibt in diesem System dabei jederzeit möglich.
In der Erscheinung vereinen die homogenisierenden Trägerplatten die collageartig zusammengesetzten Funktionen des «vertical village» und schaffen dabei eine Architektur, die sich im Spannungsverhältnis von Einheit und Vielfalt, von Einfachheit und konstruktiver Komplexität, bewegt.
So entsteht ein flexibles, vielschichtig lesbares Gebäude, das sich eigenständig in die bestehende Komposition der Hochpunkte integriert, und welches es beim Betrachten zu entdecken gilt.
Volumetrie und Stadtebenen
Die städtebauliche Volumetrie des Entwurfes kann als Reaktion auf die komplexen Gegebenheiten des Ortes verstanden werden, bei der die äusseren Einwirkungen und die inneren Anforderungen in einer geometrisch präzisen Form vereint werden.
Der Baukörper gliedert sich in einen 4-geschossigen Sockelbau und einen über eine umlaufende Fuge abgesetzten 19-geschossigen Turm mit Dachterrasse.
Das Hochhaus wird als klar gezogene, polygonale Geometrie vorgesehen, die vertikal ungestört aufstrebt. Der Sockel erfährt über eine leichte Auffächerung Richtung Gleisbett eine weiche, üppig bewachsene Terrassierung, die auf die Starkstromleitung reagiert und gleichzeitig die geometrische Strenge des Körpers situativ, überraschend bricht. Die vertikale Schichtung des Raumprogramms von Verkauf, Dienstleistung, Hotel und Wohnen wird von vertikal gestaffelten Aussen- und Sozialräumen begleitet, die über eine differenzierte Öffentlichkeit verfügen.
Der belebte Stadtboden mit dem Busbahnhof ist in dieser Ordnung ein lebendiger Raum, der von Verkehr, Verkauf und Erschliessung geprägt ist.
Die Dachterrasse des Hochhauses ist als beruhigter Rückzugsort für die Bewohner des Hauses geplant, an dem man in privatisierter Atmosphäre unter einer PV-Pergola verweilen kann. Hier wird zudem auch der Gemeinschaftsraum vorgesehen, der von der grosszügigen Terrasse und der spektakulären Aussicht profitiert. Die Fuge im Übergang von Sockel zu Turm markiert konzeptionell einen zentralen Ort der Gemeinschaft, der über diese markante architektonische Ausformulierung ein besonderes Gewicht erfährt. Ein Sozialraum an dem alles zusammenkommt.
Die verortete Bar, die in Verbindung mit der Hotellobby steht, belebt den Raum und profitiert von der grosszügigen und begrünten Dachterrasse. So entsteht ein Ort für das Quartier, die Hotelgäste und die Bewohner. Ein Ort an dem die Menschen zusammenkommen.
Erdgeschoss
Das Erdgeschoss ist geprägt von den verschiedenen Zugänglichkeiten der Hotel-, Wohn- und Arbeitsnutzungen, die separat organisiert klare Adressierungen ausbilden. Zwischen den Foyers werden ergänzende Verkaufsflächen platziert, die in Interaktion mit der Umgebung stehen. Der Retailer wird entlang der Bahnfassade platziert und beantwortet die vorherrschende Thematik des Störfalls und profitiert von den geschlosseneren Wandflächen.
Die im Masterplan vorgesehene Arkade adressiert angemessen die Erdgeschossnutzungen und wird im Nord-Westen über eine geschwungene Treppe, Richtung Fussgängerübergang in den Stadtraum geleitet, wodurch eine gute Vernetzung mit den relevante Anschlusspunkten gewährleistet ist. Der geschosshohe Versatz, der sich Richtung Bahnhofsplatz eben verschleift, wird mit einer Böschung gelöst, wodurch die Arkade im Norden als erhabene, im Grünen sitzende Stadtloggia in Erscheinung tritt. Um die Gebäudeecke zum Kreisel von ihrer Hermetik zu befreien und diese stattdessen zu aktivieren, wird die Rampe der Einstellhalle umorganisiert. Durch den geschaffenen Raum kann hier an einer prominenten, aber von den Wohnnutzungen abgewandten Stelle ein Kulturraum entstehen, der für Veranstaltungen, Konzerte oder Theaterstücke zur Verfügung steht und zum Anlaufpunkt für das gesamte Quartier werden kann.
Gewerbe und Dienstleistung
Der Sockelbereich ist nach den Bedürfnissen des Raumprogramms geplant und beinhaltet Richtung Bahnlinie, über zwei Geschosse, die Flächen des Fitness, welche fliessend organisiert sind. Die offene Raumstruktur des 1. Obergeschosses wird dabei durch die zwei Erschliessungskerne proportioniert und organisiert. Im 2. Obergeschoss werden ergänzend, Störfall abgewandt, die Health- and Beauty-Flächen angeboten, die sich das Geschoss mit dem Wellnessbereich der Fitness-Fläche teilen.
Im 3. Obergeschoss wird ein gemeinschaftlicher Praxiscluster mit geteilter Infrastruktur vorgesehen, der, wenn gewünscht, auch separiert funktionieren kann.
Grundsätzlich ist der Sockel mit seinen Hofstrukturen so vorgesehen, dass verschiedenste Nutzungsszenarien und Einheitsgrössen gut belichtet umgesetzt werden können. Die beiden Kerne ermöglichen dabei eine variable Bespielung, die vom Open Space, über konventionelle Flurerschliessungen mit abschliessbaren Einheiten, bis in eine feinteilige Aufteilung mit direkter Kernerschliessung reicht.
Hotel
Das Hotel wird mit dem Ziel eine klare Organisation und eine gute Orientierung zu schaffen, konsequent in einem Turm organisiert. Die architektonische Fuge oberhalb des Sockels beinhaltet die Lobby, welche über eine direkte Liftverbindung, mit eigenem Foyer, aus dem Stadtraum erreicht wird. Von dieser Schnittstelle mit Gastronomie Check-in und Frühstücksraum verteilen sich die Gäste in die klar organsierten Zimmergeschosse, die mit schmalen Zimmertypen optimal ausgenutzt werden. Gesamthaft können so auf 7 Etagen, 185 Zimmer zur Verfügung gestellt werden.
Wohnen
Typologisch arbeitet der Grundriss mit den Qualitäten, aber auch mit den Herausforderungen der polygonalen Geometrie, die auf die verschiedenen Einflüsse reagiert. Durch die erhabene Wohnlage, die ab dem 13. Geschoss beginnt, verfügen alle Wohnungen über eine perfekte Weitsicht und sind nur noch in wenigen Teilen von der hohen Lärmemission betroffen. Entgegen der Gewerbe- und Hotelgeschosse wandelt sich die pragmatische Schleuse des Kerns in eine komplexe Raumfigur, über die alle Wohnungen direkt erschlossen werden.
Der geforderte Wohnungsmix kann über die zwei entwickelten Regelgeschosse gut dargestellt werden. Gesamthaft werden so 81 Wohnungen erreicht. Organisatorisch unterliegt der Grundriss einer klaren Struktur, bei der die Nasszellen ringartig um den Kern angeordnet werden, um eine effiziente Schachtführung zu ermöglichen. Die Eckwohnungen sind in ihrer Typologie von kompositorischen Wohnräumen geprägt, die den Bewohnern mehrseitige Ausblicke, gute Möblierbarkeit und ein spannungsvolles Raumgefüge bieten. Die Individualräume der Wohnungen folgen einer funktionalen Ordnung, wobei immer ein Schaltzimmer zur Wohnraumerweiterung vorgesehen wird. Die kleineren, einseitig ausgerichteten Wohnungen verfügen über Rundgänge, die ein offenes Raumgefühl erzeugen. Die Aussenbereiche der Wohnungen werden als angemessen dimensionierte, vorgehängte Balkone geplant, die seitlich über ein vor Wind schützendes Glaselement verfügen, um eine gute Aufenthaltsqualität zu erreichen.
Kompaktheit
Es wird eine maximale Kompaktheit der Gebäudehülle angestrebt. Das Hochhaus-Volumen wird ohne Versprünge, oder eingezogene Loggien geplant, die den Dämmperimeter vergrössern oder diesen geometrisch komplex gestalten. Der Dämmperimeter folgt so ebenfalls der Idee der nutzungsoffenen Struktur, die im Falle der Umnutzung neutral zur Verfügung steht. Alle Aussenbereiche werden in Form von Balkonen als externe Bauteile, ohne Kragplattenanschlüsse über Abhängungen an die Fassade gehängt.
Fassadensystem und Gestalt
Die Fassade schöpft ihre Gestalt aus der Ordnung der Funktion. Es wird ein Bauteilkatalog aus Balkonen, Pflanzkübeln, Lärmschutzelementen, Prallgläsern und PV-Elementen zur Verfügung gestellt, der die spezifischen Bedürfnisse an die Fassade abdeckt und in seiner funktionalen Komposition den Ausdruck einer typologischen Lesbarkeit formuliert. Die Teile werden dabei von einer strukturgebenden, horizontalen Schichtung zusammengebunden, welche den Katalog homogenisiert. Die Fassadenbauteile werden elementiert montiert und können problemlos weitergebaut, umgebaut, als auch rückgebaut werden. So wird es möglich eine Wohnfassade mit Balkonen zu einer Bürofassade mit reiner PV- Nutzung umzuwidmen, als auch bei einer Umnutzung von Arbeiten zu Wohnen, aus dem Baukasten heraus Balkone abzuhängen, die den benötigten Aussenbereich bereitstellen. In seiner Anpassbarkeit kann damit auch das Fassadensystem langfristig auf Nutzungsänderung reagieren. Die Porosität des vorgeschlagenen Fassadenreliefs vermindert zudem die Fallwindproblematik entscheidend, schafft dadurch bessere Aufenthaltsqualitäten in den Aussenbereichen und vermindert durch die konstruktive Verschattung den Bedarf an Kühlung, was einem optimierten Energiebedarf zur Folge hat.
Kraftwerk und vertikaler Garten
Der Sockel wird mit seinen umlaufenden Pflanzkübeln und der üppigen Begrünung als geschichteter vertikaler Garten geplant. Die Pflanzen wirken dabei der Aufheizung der Fassade entgegen, erzeugen Verdunstungskühle und bilden einem entscheidenden Beitrag zur Biodiversität am Ort. Dieser vertikale Lebensraum für Insekten geht oberhalb des Sockels in die begrünte Dachterrasse über, die dort eine hohe Aufenthaltsqualität für die Gäste und Bewohner bietet. Die Fassade des Turmes wird mit einem Maximum an PV-Flächen versehen, die den Hochpunkt zum Kraftwerk werden lassen. Die horizontal abgehängten PV-Module ergänzen die vertikalen Module der Brüstungen und schaffen so eine Steigerung der Flächen von 1.15 m² auf 2.25 m² pro Laufmeter der Fassade. Die Brüstungselemente von Loggien werden ergänzend als PV-Module ausgeführt, wodurch die Fläche weiter erhöht werden kann.
Gesamthaft kann so ein energieproduzierendes Gebäude geschaffen werden, das zudem durch die Eigenverschattung des Reliefs und die grosszügige Begrünung einen entscheidenden Beitrag gegen die Aufheizung der Umgebung leistet.
Lärmschutzmassnahmen
Die Problematik der Lärmemission ist am Standort komplex und bedarf einer Auswahl verschiedener typologischer, als auch konstruktiver Massnahmen, um situativ die Bewilligungsfähigkeit der jeweiligen Nutzung herzustellen. Ziel ist es auch hier flexibel auf Nutzungsänderungen reagieren zu können, weshalb ein Baukasten aus Massnahmen vorgeschlagen wird. Neben einer lärmoptimierten Grundrissorganisation kommen in den oberen Geschossen bahnseitig klassische Lärmloggien zum Einsatz. An den 90° zum Lärm abgewandten Fassaden zum Platz und zum Kreisel, werden an Bedarfsstellen Lärmschotten eingeführt, hinter den sich der Lüftungsflügel befindet. Die Lärmschotten werden an den benötigten Stellen in das statische Rahmenelement der Fassade integriert, so dass diese in der Projektierung nach Bedarf gesetzt werden können. Die Belüftung der besonders lärmbelasteten unteren Geschosse des Turms Richtung Gleisbett, in denen sich die Hotelzimmer befinden, wird über Wintergarten bildende Prallgläser gewährleistet, die eine gut hinterlüftete und dennoch schallreflektierende Schicht ausbilden. Die auskragende Ausformulierung der PV-Fassade wirkt zudem, insbesondere in den oberen Geschossen, lärmoptimierend.
Anpassbarkeit und strukturelle Offenheit
Das Gebäude wird mit einem System aus Stützen, Unterzügen und Deckenplatten als vorfabriziertes Bausystem erstellt. Stützen und Träger werden als schlanke Stahl-Beton Verbundteile geplant, die mit Brettsperrholzdecken ausgefacht werden, wodurch ein effizientes und CO2-armes Tragsystem entsteht.
Die grosszügigen Spannweiten bieten eine nutzungsoffene Struktur, die leicht auf verschiedene Ansprüche reagieren kann und gut anpassbar ist. Geschossdecken können im System herausgenommen werden um 2-geschossige Raumverbindungen zu ermöglichen.
Weiter ist die Struktur, im Sinne der Bauzeitoptimierung, schnell zu errichten und kann ebenfalls leicht wieder zurückgebaut werden. Gesamthaft wird mit dem Ansatz eine konsequente Systemtrennung und eine sortenreine Bauweise verfolgt. Bezüglich der zukünftigen Anpassbarkeit und Nutzungsoffenheit, kommen zwei geschichtete Ansätze zum Zuge, die gesamthaft eine nachhaltige Grundstruktur bereitstellen. Vom 1.–11. Obergeschoss wird eine gleichbleibende Geschosshöhe von 3.75 m vorgeschlagen, die flexibel und niederschwellig auf Nutzungsänderung reagieren kann. So ist es z.B. möglich, dass aus der Hotelnutzung problemlos eine Büro-, Dienstleistungs- oder Wohnnutzung werden kann. Das 12.–22. Obergeschoss wird mit einer, der Wohnnutzung zugeschriebenen, Geschosshöhe von 3 m geplant, die über eine vertikale Schaltbarkeit umgenutzt werden könnte. Die Struktur der Balken-Stützen-Konstruktion ist mit den ausfachenden Sperrholz-Elementen so ausgelegt, dass partiell Decken entfernt werden können, um überhohe Räume zu erzeugen. Dies ermöglicht zukünftig die Möglichkeit, nach dem Prinzip «YOND», das Wohnen in eine Arbeits- oder Gewerbenutzung zu überführen, oder neue Wohnformen zu denken.
Bauteilkatalog
Die im Bauteilkatalog aufgeführten Positionen werden bei der Planung beachtet und können nach der Sichtung grösstenteils gut eingesetzt werden. Die vorhandenen Bleche kommen zum Beispiel an der rückwärtigen Fassade über der Anlieferung zum Einsatz. Dafür werden diese neu farbig beschichtet, um sie in das Farbkonzept des Hauses zu integrieren. Die diversen Tor- und Türsysteme können in der Anlieferung und in den Lagerräumen des Retail bestens verortet werden. Die vorhandenen Sanitärobjekte können ebenfalls problemlos eingesetzt werden. Weiter könnte man sich vorstellen auch die Nasszellen des Hochhauses mit vorfabrizierten Nasszellen, mit Reuse-Objekten, zu planen, so dass bei diesen Bauteilen gesamthaft ein hoher Reuse-Anteil erreicht werden kann. Die Ausstattungen, wie die Metallspinde, können ebenfalls in den notwendigen Personalbereichen des Retails- oder des Hotelbereichs verortet werden. Gesamthaft müssen die Bauteile in einem tieferen Planungsstand, in einem fundierten Konzept ihre genaue Positionierung finden und teils mit weiteren ergänzt werden.
Die Gemeinde Pratteln strebt über eine Vielzahl von geplanten Entwicklungen einen weitgreifenden Transformationsprozess der einstigen Gewerbe- und Industrieareale an, die neu in vielschichte Arbeits- und Wohnquartiere umgewandelt werden sollen. Die Entwicklungsgebiete Bredella, Gleis Süd, Chuenimatt, Zentrale und das nord-östlich ausgelagerte Areal Salina Raurica Ost ergänzen dabei das bisherige Angebot um eine breite Palette an Typologien, sowie an unterschiedlichen Ortscharakteren und städtebaulichen Körnungen, die zukünftig die Stadtstruktur prägen werden. Das Bredella Areal ist in dieser Entwicklungsgeschichte von besonderer Bedeutung. In seiner Dimension und der zentralen Lage am Bahnhof, besetzt es nämlich einen neuralgischen Punkt der zukünftigen Stadtvernetzung.
Das im Wettbewerb zu entwickelnde Hochhaus des Baufeldes C1, mit dem vorgelagerten Busbahnhof, bildet innerhalb der Arealentwicklung Bredella, ein Scharnier zwischen Bahn und Quartier und nimmt somit im näheren Kontext eine Schlüsselposition im städtebaulichen Gefüge ein.
Ein Tor Richtung Norden, Richtung der neuen Quartiere, und gleichzeitig ein Tor nach Aussen, zur Vernetzung des Ortes mit den Wirtschaftsmetropolen Basel und Zürich, sowie dem damit verbunden Strom des Pendlerverkehrs.
Der Entwurf verfolgt das Ziel diesem bedeutungsvollen Stadtbaustein eine architektonische Gestalt zu verleihen, die mit der Lebendigkeit und der Vielschichtigkeit des Ortes im Einklang steht. Neben der Vielfalt am Boden steht dabei die vertikale Vielfalt der gestapelten Typologien, Nutzungen und Freiräume im Vordergrund, welche im formulierten Gedanken des «vertical village» organisiert und in einem lesbaren Ausdruck komponiert werden.
Die integrale Auseinandersetzung mit den Themen des nachhaltigen Bauens, von der Volumetrie, über die Struktur, bis zur Biodiversität, wird dabei als zentrales Element des Entwurfes verstanden, welches die Architektur ausdrucksstark bereichert.
Neben einer hohen räumlichen Qualität der Wohn-, Arbeits- und Dienstleistungsräume, wird bei der Planung grundsätzlich eine maximale Nutzungsoffenheit und eine weitgreifende strukturelle Anpassungsfähigkeit verfolgt, die grundlegend in der DNA der Architektur verankert wird.
In diesem offenen Verständnis der Struktur wird das Gebäude als Rohling – als adaptierbarer Lebensraum – verstanden, in den die verschiedensten Nutzungen eingeschrieben werden können.
Ein Überschreiben und Anpassen an die sich ändernden Bedürfnisse zur Programmierung, bleibt in diesem System dabei jederzeit möglich.
In der Erscheinung vereinen die homogenisierenden Trägerplatten die collageartig zusammengesetzten Funktionen des «vertical village» und schaffen dabei eine Architektur, die sich im Spannungsverhältnis von Einheit und Vielfalt, von Einfachheit und konstruktiver Komplexität, bewegt.
So entsteht ein flexibles, vielschichtig lesbares Gebäude, das sich eigenständig in die bestehende Komposition der Hochpunkte integriert, und welches es beim Betrachten zu entdecken gilt.
Volumetrie und Stadtebenen
Die städtebauliche Volumetrie des Entwurfes kann als Reaktion auf die komplexen Gegebenheiten des Ortes verstanden werden, bei der die äusseren Einwirkungen und die inneren Anforderungen in einer geometrisch präzisen Form vereint werden.
Der Baukörper gliedert sich in einen 4-geschossigen Sockelbau und einen über eine umlaufende Fuge abgesetzten 19-geschossigen Turm mit Dachterrasse.
Das Hochhaus wird als klar gezogene, polygonale Geometrie vorgesehen, die vertikal ungestört aufstrebt. Der Sockel erfährt über eine leichte Auffächerung Richtung Gleisbett eine weiche, üppig bewachsene Terrassierung, die auf die Starkstromleitung reagiert und gleichzeitig die geometrische Strenge des Körpers situativ, überraschend bricht. Die vertikale Schichtung des Raumprogramms von Verkauf, Dienstleistung, Hotel und Wohnen wird von vertikal gestaffelten Aussen- und Sozialräumen begleitet, die über eine differenzierte Öffentlichkeit verfügen.
Der belebte Stadtboden mit dem Busbahnhof ist in dieser Ordnung ein lebendiger Raum, der von Verkehr, Verkauf und Erschliessung geprägt ist.
Die Dachterrasse des Hochhauses ist als beruhigter Rückzugsort für die Bewohner des Hauses geplant, an dem man in privatisierter Atmosphäre unter einer PV-Pergola verweilen kann. Hier wird zudem auch der Gemeinschaftsraum vorgesehen, der von der grosszügigen Terrasse und der spektakulären Aussicht profitiert. Die Fuge im Übergang von Sockel zu Turm markiert konzeptionell einen zentralen Ort der Gemeinschaft, der über diese markante architektonische Ausformulierung ein besonderes Gewicht erfährt. Ein Sozialraum an dem alles zusammenkommt.
Die verortete Bar, die in Verbindung mit der Hotellobby steht, belebt den Raum und profitiert von der grosszügigen und begrünten Dachterrasse. So entsteht ein Ort für das Quartier, die Hotelgäste und die Bewohner. Ein Ort an dem die Menschen zusammenkommen.
Erdgeschoss
Das Erdgeschoss ist geprägt von den verschiedenen Zugänglichkeiten der Hotel-, Wohn- und Arbeitsnutzungen, die separat organisiert klare Adressierungen ausbilden. Zwischen den Foyers werden ergänzende Verkaufsflächen platziert, die in Interaktion mit der Umgebung stehen. Der Retailer wird entlang der Bahnfassade platziert und beantwortet die vorherrschende Thematik des Störfalls und profitiert von den geschlosseneren Wandflächen.
Die im Masterplan vorgesehene Arkade adressiert angemessen die Erdgeschossnutzungen und wird im Nord-Westen über eine geschwungene Treppe, Richtung Fussgängerübergang in den Stadtraum geleitet, wodurch eine gute Vernetzung mit den relevante Anschlusspunkten gewährleistet ist. Der geschosshohe Versatz, der sich Richtung Bahnhofsplatz eben verschleift, wird mit einer Böschung gelöst, wodurch die Arkade im Norden als erhabene, im Grünen sitzende Stadtloggia in Erscheinung tritt. Um die Gebäudeecke zum Kreisel von ihrer Hermetik zu befreien und diese stattdessen zu aktivieren, wird die Rampe der Einstellhalle umorganisiert. Durch den geschaffenen Raum kann hier an einer prominenten, aber von den Wohnnutzungen abgewandten Stelle ein Kulturraum entstehen, der für Veranstaltungen, Konzerte oder Theaterstücke zur Verfügung steht und zum Anlaufpunkt für das gesamte Quartier werden kann.
Gewerbe und Dienstleistung
Der Sockelbereich ist nach den Bedürfnissen des Raumprogramms geplant und beinhaltet Richtung Bahnlinie, über zwei Geschosse, die Flächen des Fitness, welche fliessend organisiert sind. Die offene Raumstruktur des 1. Obergeschosses wird dabei durch die zwei Erschliessungskerne proportioniert und organisiert. Im 2. Obergeschoss werden ergänzend, Störfall abgewandt, die Health- and Beauty-Flächen angeboten, die sich das Geschoss mit dem Wellnessbereich der Fitness-Fläche teilen.
Im 3. Obergeschoss wird ein gemeinschaftlicher Praxiscluster mit geteilter Infrastruktur vorgesehen, der, wenn gewünscht, auch separiert funktionieren kann.
Grundsätzlich ist der Sockel mit seinen Hofstrukturen so vorgesehen, dass verschiedenste Nutzungsszenarien und Einheitsgrössen gut belichtet umgesetzt werden können. Die beiden Kerne ermöglichen dabei eine variable Bespielung, die vom Open Space, über konventionelle Flurerschliessungen mit abschliessbaren Einheiten, bis in eine feinteilige Aufteilung mit direkter Kernerschliessung reicht.
Hotel
Das Hotel wird mit dem Ziel eine klare Organisation und eine gute Orientierung zu schaffen, konsequent in einem Turm organisiert. Die architektonische Fuge oberhalb des Sockels beinhaltet die Lobby, welche über eine direkte Liftverbindung, mit eigenem Foyer, aus dem Stadtraum erreicht wird. Von dieser Schnittstelle mit Gastronomie Check-in und Frühstücksraum verteilen sich die Gäste in die klar organsierten Zimmergeschosse, die mit schmalen Zimmertypen optimal ausgenutzt werden. Gesamthaft können so auf 7 Etagen, 185 Zimmer zur Verfügung gestellt werden.
Wohnen
Typologisch arbeitet der Grundriss mit den Qualitäten, aber auch mit den Herausforderungen der polygonalen Geometrie, die auf die verschiedenen Einflüsse reagiert. Durch die erhabene Wohnlage, die ab dem 13. Geschoss beginnt, verfügen alle Wohnungen über eine perfekte Weitsicht und sind nur noch in wenigen Teilen von der hohen Lärmemission betroffen. Entgegen der Gewerbe- und Hotelgeschosse wandelt sich die pragmatische Schleuse des Kerns in eine komplexe Raumfigur, über die alle Wohnungen direkt erschlossen werden.
Der geforderte Wohnungsmix kann über die zwei entwickelten Regelgeschosse gut dargestellt werden. Gesamthaft werden so 81 Wohnungen erreicht. Organisatorisch unterliegt der Grundriss einer klaren Struktur, bei der die Nasszellen ringartig um den Kern angeordnet werden, um eine effiziente Schachtführung zu ermöglichen. Die Eckwohnungen sind in ihrer Typologie von kompositorischen Wohnräumen geprägt, die den Bewohnern mehrseitige Ausblicke, gute Möblierbarkeit und ein spannungsvolles Raumgefüge bieten. Die Individualräume der Wohnungen folgen einer funktionalen Ordnung, wobei immer ein Schaltzimmer zur Wohnraumerweiterung vorgesehen wird. Die kleineren, einseitig ausgerichteten Wohnungen verfügen über Rundgänge, die ein offenes Raumgefühl erzeugen. Die Aussenbereiche der Wohnungen werden als angemessen dimensionierte, vorgehängte Balkone geplant, die seitlich über ein vor Wind schützendes Glaselement verfügen, um eine gute Aufenthaltsqualität zu erreichen.
Kompaktheit
Es wird eine maximale Kompaktheit der Gebäudehülle angestrebt. Das Hochhaus-Volumen wird ohne Versprünge, oder eingezogene Loggien geplant, die den Dämmperimeter vergrössern oder diesen geometrisch komplex gestalten. Der Dämmperimeter folgt so ebenfalls der Idee der nutzungsoffenen Struktur, die im Falle der Umnutzung neutral zur Verfügung steht. Alle Aussenbereiche werden in Form von Balkonen als externe Bauteile, ohne Kragplattenanschlüsse über Abhängungen an die Fassade gehängt.
Fassadensystem und Gestalt
Die Fassade schöpft ihre Gestalt aus der Ordnung der Funktion. Es wird ein Bauteilkatalog aus Balkonen, Pflanzkübeln, Lärmschutzelementen, Prallgläsern und PV-Elementen zur Verfügung gestellt, der die spezifischen Bedürfnisse an die Fassade abdeckt und in seiner funktionalen Komposition den Ausdruck einer typologischen Lesbarkeit formuliert. Die Teile werden dabei von einer strukturgebenden, horizontalen Schichtung zusammengebunden, welche den Katalog homogenisiert. Die Fassadenbauteile werden elementiert montiert und können problemlos weitergebaut, umgebaut, als auch rückgebaut werden. So wird es möglich eine Wohnfassade mit Balkonen zu einer Bürofassade mit reiner PV- Nutzung umzuwidmen, als auch bei einer Umnutzung von Arbeiten zu Wohnen, aus dem Baukasten heraus Balkone abzuhängen, die den benötigten Aussenbereich bereitstellen. In seiner Anpassbarkeit kann damit auch das Fassadensystem langfristig auf Nutzungsänderung reagieren. Die Porosität des vorgeschlagenen Fassadenreliefs vermindert zudem die Fallwindproblematik entscheidend, schafft dadurch bessere Aufenthaltsqualitäten in den Aussenbereichen und vermindert durch die konstruktive Verschattung den Bedarf an Kühlung, was einem optimierten Energiebedarf zur Folge hat.
Kraftwerk und vertikaler Garten
Der Sockel wird mit seinen umlaufenden Pflanzkübeln und der üppigen Begrünung als geschichteter vertikaler Garten geplant. Die Pflanzen wirken dabei der Aufheizung der Fassade entgegen, erzeugen Verdunstungskühle und bilden einem entscheidenden Beitrag zur Biodiversität am Ort. Dieser vertikale Lebensraum für Insekten geht oberhalb des Sockels in die begrünte Dachterrasse über, die dort eine hohe Aufenthaltsqualität für die Gäste und Bewohner bietet. Die Fassade des Turmes wird mit einem Maximum an PV-Flächen versehen, die den Hochpunkt zum Kraftwerk werden lassen. Die horizontal abgehängten PV-Module ergänzen die vertikalen Module der Brüstungen und schaffen so eine Steigerung der Flächen von 1.15 m² auf 2.25 m² pro Laufmeter der Fassade. Die Brüstungselemente von Loggien werden ergänzend als PV-Module ausgeführt, wodurch die Fläche weiter erhöht werden kann.
Gesamthaft kann so ein energieproduzierendes Gebäude geschaffen werden, das zudem durch die Eigenverschattung des Reliefs und die grosszügige Begrünung einen entscheidenden Beitrag gegen die Aufheizung der Umgebung leistet.
Lärmschutzmassnahmen
Die Problematik der Lärmemission ist am Standort komplex und bedarf einer Auswahl verschiedener typologischer, als auch konstruktiver Massnahmen, um situativ die Bewilligungsfähigkeit der jeweiligen Nutzung herzustellen. Ziel ist es auch hier flexibel auf Nutzungsänderungen reagieren zu können, weshalb ein Baukasten aus Massnahmen vorgeschlagen wird. Neben einer lärmoptimierten Grundrissorganisation kommen in den oberen Geschossen bahnseitig klassische Lärmloggien zum Einsatz. An den 90° zum Lärm abgewandten Fassaden zum Platz und zum Kreisel, werden an Bedarfsstellen Lärmschotten eingeführt, hinter den sich der Lüftungsflügel befindet. Die Lärmschotten werden an den benötigten Stellen in das statische Rahmenelement der Fassade integriert, so dass diese in der Projektierung nach Bedarf gesetzt werden können. Die Belüftung der besonders lärmbelasteten unteren Geschosse des Turms Richtung Gleisbett, in denen sich die Hotelzimmer befinden, wird über Wintergarten bildende Prallgläser gewährleistet, die eine gut hinterlüftete und dennoch schallreflektierende Schicht ausbilden. Die auskragende Ausformulierung der PV-Fassade wirkt zudem, insbesondere in den oberen Geschossen, lärmoptimierend.
Anpassbarkeit und strukturelle Offenheit
Das Gebäude wird mit einem System aus Stützen, Unterzügen und Deckenplatten als vorfabriziertes Bausystem erstellt. Stützen und Träger werden als schlanke Stahl-Beton Verbundteile geplant, die mit Brettsperrholzdecken ausgefacht werden, wodurch ein effizientes und CO2-armes Tragsystem entsteht.
Die grosszügigen Spannweiten bieten eine nutzungsoffene Struktur, die leicht auf verschiedene Ansprüche reagieren kann und gut anpassbar ist. Geschossdecken können im System herausgenommen werden um 2-geschossige Raumverbindungen zu ermöglichen.
Weiter ist die Struktur, im Sinne der Bauzeitoptimierung, schnell zu errichten und kann ebenfalls leicht wieder zurückgebaut werden. Gesamthaft wird mit dem Ansatz eine konsequente Systemtrennung und eine sortenreine Bauweise verfolgt. Bezüglich der zukünftigen Anpassbarkeit und Nutzungsoffenheit, kommen zwei geschichtete Ansätze zum Zuge, die gesamthaft eine nachhaltige Grundstruktur bereitstellen. Vom 1.–11. Obergeschoss wird eine gleichbleibende Geschosshöhe von 3.75 m vorgeschlagen, die flexibel und niederschwellig auf Nutzungsänderung reagieren kann. So ist es z.B. möglich, dass aus der Hotelnutzung problemlos eine Büro-, Dienstleistungs- oder Wohnnutzung werden kann. Das 12.–22. Obergeschoss wird mit einer, der Wohnnutzung zugeschriebenen, Geschosshöhe von 3 m geplant, die über eine vertikale Schaltbarkeit umgenutzt werden könnte. Die Struktur der Balken-Stützen-Konstruktion ist mit den ausfachenden Sperrholz-Elementen so ausgelegt, dass partiell Decken entfernt werden können, um überhohe Räume zu erzeugen. Dies ermöglicht zukünftig die Möglichkeit, nach dem Prinzip «YOND», das Wohnen in eine Arbeits- oder Gewerbenutzung zu überführen, oder neue Wohnformen zu denken.
Bauteilkatalog
Die im Bauteilkatalog aufgeführten Positionen werden bei der Planung beachtet und können nach der Sichtung grösstenteils gut eingesetzt werden. Die vorhandenen Bleche kommen zum Beispiel an der rückwärtigen Fassade über der Anlieferung zum Einsatz. Dafür werden diese neu farbig beschichtet, um sie in das Farbkonzept des Hauses zu integrieren. Die diversen Tor- und Türsysteme können in der Anlieferung und in den Lagerräumen des Retail bestens verortet werden. Die vorhandenen Sanitärobjekte können ebenfalls problemlos eingesetzt werden. Weiter könnte man sich vorstellen auch die Nasszellen des Hochhauses mit vorfabrizierten Nasszellen, mit Reuse-Objekten, zu planen, so dass bei diesen Bauteilen gesamthaft ein hoher Reuse-Anteil erreicht werden kann. Die Ausstattungen, wie die Metallspinde, können ebenfalls in den notwendigen Personalbereichen des Retails- oder des Hotelbereichs verortet werden. Gesamthaft müssen die Bauteile in einem tieferen Planungsstand, in einem fundierten Konzept ihre genaue Positionierung finden und teils mit weiteren ergänzt werden.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das Projekt «BELLA» präsentiert sich als horizontal geschichtetes Volumen mit einer ausgeprägten Fuge zwischen Sockel und Turm. Das Sockelvolumen weicht gegen Süden geschossweise zurück und erzeugt eine aufgefächerte, begrünte Fassade. Auch der Turm wird durch umlaufende Brise-Soleil Bänder gegliedert und vermittelt durch diese Schichtung eine angenehme Massstäblichkeit, welche zusätzlich durch die unterschiedlichen Rhythmen der drei gestapelten Nutzungen Gewerbe, Hotel und Wohnen akzentuiert wird. Die Adressierung erfolgt über offene Arkaden, sowohl gegen Norden zur Wohnbebauung wie auch gegen Osten zum Bushof. Die Eingänge sind entsprechend über beide Fassaden verteilt und versprechen eine gute Aktivierung des Erdgeschosses. Zusätzlich wird im Sockel zum Kreisel hin ebenfalls eine öffentliche Nutzung vorgeschlagen. Die statische und konstruktive Konzeption des Turms zielt auf eine hohe Vorfertigung und modulare Bauweise ab. Während der Sockel aus Holz-Beton-Verbunddecken auf Betonstützen besteht, wird der Turm selbst als ein Stahl-Holz-Skelettbau aus Brettsperrholzdecken und Stahlbetonträgern vorgeschlagen. Ergänzt wird diese Struktur von einem interessanten modularen Fassadensystem: Die Aussenwände bestehen aus vorfabrizierten Holzbauelementen mit einer äusseren Wetterschicht aus PV-Elementen. Die umlaufenden Brise-Soleil Elemente aus Stahl tragen wahlweise PV-Paneele, Balkonplatten oder Pflanztröge. Je nach Situation werden diese Flächen so zu Balkonen, Loggien oder schallgeschützten Wintergärten. Mit einer dreiteiligen Zonierung des Bahnhofsplatzes gelingt es, den hohen und vielfältigen Anforderungen weitestgehend gerecht zu werden. Der Platz wird im Süden und im Norden durch grosskronige Bäume gefasst, was zu einem wohlproportionierten Stadtraum führt. In seiner Mitte spannt sich ein Rhombus-förmiger Warte- und Aufenthaltsbereich auf, der im Uhrzeigersinn von den Bussen angefahren werden kann. Ein Hain aus runden Dächern und Bäumen schafft einen äusserst eigenständigen und atmosphärischen Raum mit einer starken Identität. Die baumbestandenen und mit einem Kiesbelag materialisierten Aufenthaltsflächen leisten zudem einen Beitrag an ein angenehmes Stadtklima. Im Hinblick auf den Verkehr vermag das Projekt aber leider nicht zu überzeugen. So wird insbesondere die Anfahrbarkeit der Haltekanten sowie die Positionierung der Kurzzeitparkplätze unter der Kolonnade, die zu Lasten der Fussgängerführung oder einer möglichen Aussennutzung geht, kritisiert. Die vorgeschlagene Nutzungsverteilung im Sockel mit Praxen und Fitnessbereich ist gut denkbar. Aufgrund der zwei trapezförmigen Kerne sind die resultierenden Zugangsbereiche teilweise etwas unübersichtlich. Die eingeschnittenen Höfe sind räumlich interessant, aber gleichzeitig auch konditionierend für die Nutzungen und somit einschränkend für die langfristige Flexibilität. Auf dem rückspringenden Sockel im 4. Obergeschoss befindet sich die Lobby und die Gastronomie für das Hotel mit einer grosszügigen Aussenterrasse, eingefasst von fassadenbegleitenden Pflanztrögen. Ein zweiter wichtiger Aussenraum findet sich auf dem 22. Geschoss: hier wird ein Gemeinschaftsraum mit Dachgarten für die Bewohner:innen vorgesehen. Bedauerlicherweise werden zum Thema der Nachbarschaft im Hochhaus keine weiteren Überlegungen oder Angebote gemacht. Die Hotelzimmer werden über das 5.-11. Geschoss in sehr kompakter Manier angeordnet. Vom 12. Bis 22. Geschoss entwickelt sich das Wohnen: Klug übernimmt der Kern die Unregelmässigkeiten der äusseren Form und es werden jeweils 2-3 Wohnungen über einen erweiterten Vorbereich aus dem zentralen Kern erschlossen. Die Wohnungen sind bis auf wenige Ausnahmen nach Westen, Osten und Süden orientiert und insbesondere die Wohnungen an den Gebäudeecken erhalten durch ihre zweiseitige Ausrichtung und gute Grundrissanordnung viel Qualität. Bei den kleinen Wohnungen wird in Form eines inneren Rundgangs ebenfalls viel Grosszügigkeit erzeugt. Alle Wohnungen verfügen über einen Balkon, welcher je nach Ausrichtung zusätzlich durch seitliche Verglasungen geschützt wird. Die Aussenräume sind dennoch stark exponiert und auch nicht sehr tief und können daher nicht restlos überzeugen. Es bestehen zahlreiche Vorbehalte gegenüber dieser Art von Aussenräumen für ein Wohnhochhaus. Mit der Geometrisierung des Bushofes wurde ein unkonventioneller Ansatz mit einer Warteinsel in der Mitte des Platzes statt einzelnen Perrons gewählt. Die Busse fahren von allen Richtungen in alle Richtungen. Leider sind nicht alle Fahrbeziehungen möglich, wenn andere Busse an der Haltekante stehen. Das 1. UG ist direkt vom Kreisel Salinenstrasse erschlossen, wo sich neben den Kultur- und Lagerräumen etc. der grosszügige Anlieferungsbereich befindet. Hier manövrieren die Lastenzüge rückwärts an die Anlieferungsrampen und fahren wieder raus. Auch die Zufahrt in die Einstellhalle führt durch diesen Manövrierbereich. Die Parkplätze in der Einstellhalle sind auf sechs Halbgeschossen angeordnet. Die Rampen zwischen den Parkdecks sind jeweils beidseitig der Einstellhalle angeordnet, so dass jeweils über das Halbgeschoss zur nächsten Rampe gefahren wird, um ins nächste Geschoss zu gelangen. Die öffentlichen Veloabstellplätze sind in einem Raum nördlich der Einstellhalle untergebracht, der lediglich durch einen schmalen Zugang erschlossen ist. Der Zugang zu den privaten Veloabstellplätzen erfolgt durch den öffentlichen Veloabstellraum. Der Zugang zu den Perrons ist für alle Pendler nur via Einstellhalle möglich. Insbesondere bezüglich der Velopendler wird dies kritisch hinterfragt. Durch die umlaufend geplante Pufferzone sind keine Fenster mit Immissionsgrenzwertüberschreitung im Bereich Lärm vorhanden. Der Ansatz sorgt für eine gute Lärmoptimierung. Das Projekt weist unterdurchschnittliche Werte in Geschossfläche und Gebäudevolumen auf. Zusätzlich hat das Projekt im Verhältnis Gebäudehülle zu Geschossfläche einen durchschnittlichen Wert, trotz geringer Gebäudehüllfläche. Das Projekt hat eine der höchsten Kennzahlen Hauptnutzfläche zu Geschossfläche. Mit Erstellungskosten unter 4000.-/m2 sowie den absoluten Kosten im BKP 2, liegt das Projekt im Durchschnitt. Das Projekt weist einen hohen Effizienzgrad im Verhältnis von Nutzfläche zu Geschossfläche auf, kann jedoch die geforderten Nutzflächen nicht erreichen. Die ausgewiesenen Flächen weisen eine hohe Qualität und Vermarktbarkeit auf. Insbesondere die Wohnungen treffen die Zielgruppen bestens und entsprechen in ihrer Ausformulierung den Ertragserwartungen. Die ertragsstarken Retailflächen wurden erfüllt, ebenso ist der Grossverteiler direkt via Bahnhofsplatz erschlossen. Im Vergleich zu den anderen Projekten weist das Projekt hohe Kosten im Bereich der Fassade auf. Beim Vorschlag für das Tragwerk handelt es sich um eine international typische Stahl-/Holz-Hybridbauweise. Das äusserst leistungsfähige Trägersystem ist versuchsbasiert typengeprüft und patentiert, deshalb wohl genau von einem Hersteller erhältlich. Flächige Holzanwendungen sind aktuell nur mit projektspezifischer Bewilligung seitens der Gebäudeversicherungen möglich. Die Schallübertragung im Geschoss über Wohnungstrennwände ist bei statisch durchlaufender CLT-Platte nicht erfüllt. Dies führt dazu, dass Wohnungstrennwände nur bei den Stahlträgern angeordnet werden können. Das Projekt erreicht die herausfordernden Nachhaltigkeitsziele im Vergleich gut. Gemäss SNBS werden das starke Wasserrückhaltungs- und Begrünungskonzepte, die Berücksichtigung des Wurzelraums im Tiefgaragenbereich, die zahlreichen Flächen zur Versickerung, die Tragstruktur aus Holzstützen und -Balken in Kombination mit vorgefertigten Hollow-Core-Decken, die zwei mietbaren Zimmer pro Etage sowie zahlreiche Gemeinschaftsflächen gewürdigt. Kritisch hingegen werden die fehlende Berechnung für vertikale und horizontale Photovoltaik, fehlende Ansätze zur Wiederverwendung von Materialien sowie die begrenzte Fläche für Veloabstellräume betrachtet. Weiter zeigt die Überprüfung des CO2-Fussabdruckes (Erstellung und Betrieb), dass die Ziele im Bereich der Treibhausgasemissionen in der Erstellung erreicht werden. Aufgrund der Aluminiumfassade und der Sockelstruktur aus Stahlbeton sowie dem hohen Verglasungsanteil vermag das CO2-Ziel im Betrieb jedoch noch nicht erreicht werden. Das Preisgericht würdigt den sehr detailliert ausgearbeiteten Vorschlag und die erreichte Projekttiefe. Der horizontal gestapelte, innerhalb klarer Spielregeln variierende Gebäudekörper zeigt eine für den Ort überzeugende Gliederung und Massstäblichkeit. Das Potenzial der räumlichen Verbindung auf Erdgeschossebene und die Stärkung der vertikalen Nachbarschaften in Form von räumlichen Beziehungen oder Nutzungsüberlagerungen wird jedoch nicht ausgeschöpft. Die modulare Denkweise verspricht einerseits Varianz, wird aber spätestens bei der Ausbildung der privaten Aussenräume zur unerwünschten Einschränkung.
©Morger Partner Architekten
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Situation
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Erdgeschoss
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Geschosse
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Wohnungstypen
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Ansicht
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Schnitt
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Picto
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Picto