Nichtoffener Wettbewerb | 09/2024
Neubau Hochschulcampus für Lebensmittel-, Ernährungs- und Gesundheitswissenschaften in Kulmbach
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Visualisierung Außen
©Philipp Obkircher
Anerkennung
Architektur
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Verfasser:
Prof. Minka Kersten, Prof. Andreas Kopp, Prof. Andreas Kopp, Prof. Minka Kersten
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Mitarbeitende:
Julius Winklhofer, Nina Rohloff, Janina Simon, Julian Wik, Nina Rohloff, Julius Winklhofer, Janina Simon, Julian Wik
Erläuterungstext
Weitere Mitarbeitende | Nuko PartGmbB Landschaftsarchitektur:
Sina Azmoun
Die Universität Bayreuth erhält auf dem Grundstück des ehemaligen Güterbahnhofs in Kulmbach einen Neubau für die Fakultät der Lebenswissenschaften. Zusammen mit einem sportlichen Park am Mühlbach entsteht ein neuer attraktiver und lebenswerter Universitätscampus. Hier werden die Zusammenhänge des Lebensstils mit Ernährung und Bewegung zukünftig gelehrt und gelebt.
Das Gebäude: Ein kompaktes und damit wirtschaftliches viergeschossiges Gebäude erzeugt adressbildend den Auftakt zum neuen Campus. Das längliche Grundstück wird östlich der bestehenden Leitungstrasse bebaut. Das Gebäude kann mit gleicher Struktur nach Westen im 2. Bauabschnitt erweitert werden und befindet sich auch im erweiterten Stand jenseits der nicht zu überbauenden Trasse. So orientiert sich der neue Campus zur Stadt und bildet im westlichen Teil des Grundstücks entlang der Aue einen geschützten Außenraum mit hoher Aufenthaltsqualität.
Einschnitte und Lichthöfe schaffen gut belichtete Räume in einem Gebäude der kurzen Wege. Auf den vier Ebenen sind alle Nutzungen der neuen Fakultät sinnvoll angeordnet. Im Erdgeschoss und Obergeschoss 1 befinden sich alle Räume des Lehralltags mit Hörsälen, Seminarräumen und der Verwaltung. In den Obergeschossen 2 und 3 sind die Forschungsbereiche mit den Laboren und Büros vorgesehen. Die Bibliothek vermittelt in den drei Obergeschossen mit vielen Angeboten des eigenständigen Lernens und genießt dabei den Blick zur Stadt und insbesondere zur Plassenburg.
Konstruktion und Material: Im Sinne einer maximalen Raumflexibilität sowie einer elementierten und damit wirtschaftlichen und schnellen Bauweise wird das Tragwerk des Forschungsgebäudes als Skelettbau unter Verwendung von Fertigteilen geplant. Das Gebäude dient dabei als robustes Gerüst für sich ändernde Nutzungs- und Raumanforderungen. Auf einer Vollunterkellerung wird ein Erdgeschoss als Skelettbau aus Recyclingbetonfertigteilen geplant.
Leitgedanke des Wettbewerbsentwurfs ist die Entwicklung eines Fassadenkonzepts, welches neben dem gewünschten leichten und offenen gestalterischen Ausdruck auch hohe Komfortansprüche erfüllt und gleichzeitig durch seine ausgezeichneten energetischen Eigenschaften den Ressourceneinsatz im Lebenszyklus minimiert.
Das entwickelte Fassadenkonzept trägt somit zum Klimaschutz bei und gewährleistet eine hohe ökologische als auch ökonomische Qualität.
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebau Erschließung Landschaft:
Die Idee des Verfassers ist es, einen Lernort im Grünen zu schaffen, der als viergeschossiger, starker Solitär mit angemessenem Abstand zur alten Spinnerei gesetzt wurde. Die Zufahrt samt Anlieferungen wie auch die PKW-Stellplätze werden im Norden parallel zu neuen Verkehrstangente sinnfällig angeordnet.
Die mögliche Erweiterung im zweiten Bauabschnitt ist durch den Vorschlag des Weiterbaus an die Baustruktur des ersten Bauabschnitts gut gelöst.
Funktionalität und Gestaltung:
Der Solitär bietet mit seiner tiefen Ausdehnung und gezielten Ausschnitten eine sehr abwechslungsreiche Hochschullandschaft mit einem Angebot an Kommunikationsflächen, das positiv bewertet wird. Dabei wird die Tiefe, aber auch die Kompaktheit des Gebäudes durch Innenhöfe angenehm gegliedert. Geschlossene und offene Bereiche, Konzentrations- und Kommunikationsflächen wechseln sich über das Gebäude hinweg ab.
Die öffentlichen Bereiche mit hohem Publikumsverkehr sind im Erdgeschoss sinnvoll gesetzt, die Magistrale ermöglicht eine gute Verteilung der Personen in die großen Versammlungsräume. Die Mensa sitzt neben dem Eingang sehr funktional. Ob die Bibliothek im Obergeschoss, inmitten der Kommunikationsflächen auch als stiller Arbeitsraum funktionieren kann, wird kritisch hinterfragt.
Die Laborbereiche sind zu einzelnen Raumclustern zusammengefasst, Zuordnung von Funktionsgruppen, Auxiliarräume sowie Sicherheitsbereiche mit Zugangsbeschränkungen sind unklar. Die Aufteilung des Gebäudes in vier Brandabschnitte mit jeweils einem notwendigen Treppenhaus erscheint sinnvoll, insbesondere zu Gunsten der als Kommunikationsfläche gesehenen Showtreppe im südöstlichen Bereich.
Konstruktion, Bauausführung:
Als Konstruktion wird eine Holz Hybridbauweise in stringentem Laborraster von 125 cm angeführt. Diese startet im Keller mit der beabsichtigten Verwendung von Recycling-Beton und geht ab dem Erdgeschoss über in ein Stützen- und Unterzugsraster aus Holz mit darüber liegen Holz-Beton Verbunddecken. Die Verwendung von Innenwänden aus Holzrahmenelementen lässt eine hohe Flexibilität der Raumaufteilung erwarten.
Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz:
Der vergleichsweise hohe Fensterflächenanteil, die Setzung der Öffnungen und die Ausgestaltung der Fassade erscheinen der Funktion angemessen. Die Außenhaut wird mit einer Holz-Glasfassade ausgeführt, der vorgelegte Laubengang aus Stahl bietet eine zusätzliche Schicht am Gebäude als Sonnenschutz und eine Zugangsmöglichkeit für Wartungsarbeiten. In Bezug auf den Nutzerkomfort ist zu erwähnen, dass insgesamt ein sehr gutes Tageslichtangebot besteht, es gibt einen effizienten Sonnenschutz mit Tageslichtlenkung und einen innen liegenden Blendschutz. Positiv zu bewerten sind die Einbeziehung der Innenhöfe in das Lüftungskonzept, die Querlüftung zu den Innenhöfen, die Lage der Büros an der Fassade sowie die der Labore an den Innenhöfen.
Die auf dem Dach vorgesehenen Technikflächen erscheinen nicht ausreichend, was sich ggf. nachteilig auf die vorgesehene Dachnutzung und das Erscheinungsbild des Gebäudes auswirken könnte.
Qualität und Funktionalität der Außenanlagen:
Der solitäre kompakte Baukörper lässt einen hohen Anteil unversiegelter Flächen sowie Retentionsflächen zu, beeinträchtigt allerdings mit seiner langen Flanke möglicherweise den Luftaustausch zur Stadt. Eine stärkere Einbindung in die Landschaft mit Ausbildung von Plät- zen sowie eindeutigere Zugangszonen werden vermisst. Gleichwohl bleiben gut nutzbare Freiflächen für die weiteren Erfordernisse wie Anzuchtflächen, Sport, Spiel, Aufenthalt und Naturerlebnis.
Visualisierung Innen
©Philipp Obkircher
Axonometrie
©Kersten Kopp Architekten
Modellfoto
©Kersten Kopp Architekten