modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 06/2025

Neubau Institut für Molekulare Biologie am Campus Poppelsdorf der Universität Bonn

Rendering aussen

Rendering aussen

Anerkennung

Preisgeld: 25.000 EUR

wulf architekten

Architektur

RB+P Landschaftsarchitektur Bauermann Otto Ludwigs

Landschaftsarchitektur

Transsolar Energietechnik GmbH

Energieplanung, Bauphysik

Dr. Heinekamp Labor- und Institutsplanung

TGA-Fachplanung

Mayr | Ludescher | Partner Beratende Ingenieure

Tragwerksplanung

Xaos Collective

Visualisierung

Modellmanufaktur Béla Berec

Modellbau

Erläuterungstext

Architektur:
Der Neubau für die Molekulare Biologie ist der letzte Baustein in diesem Bereich des Poppelsdorfer Campus. Durch einen Rücksprung bekennt er sich klar zur Planstraße E, der Fuß-Fahrrad-Verbindung, des Campus. Im Bereich der Käthe-Krümmel-Straße nimmt er die Flucht des ZFMK Gebäudes auf und schafft somit einen definierten Straßenraum für diese Anlieferstraße. Zur Campusallee hin setzt er die bestehende Situation fort, in der die bestehenden Gebäude polygonal den Straßenverlauf abbilden. Dadurch fügt er sich einerseits ein in die bestehende Struktur, andererseits erhält er dadurch auch eine gewisse Eigenständigkeit aus verschiedenen Blickrichtungen. Die leiterförmige Gebäudestruktur stellt einen guten Kompromiss aus einem sehr kleinteiligen Laborraumbedarf und einer modernen und flexiblen Laborstruktur dar. Jeweils 4 Labor-Nutzungseinheiten mit rd. 400 m² werden so angeordnet, dass jeweils zwei über Verbindungsstege zum flexiblen Bürobereich erschlossen werden können. Damit können sowohl größere zusammenhängende Bereiche als auch die geforderten Einzelräume flexibel angeordnet werden. Dies wird unterstützt über 4 Kerne, die dafür sorgen, dass maximale Flexibilität möglich ist. Gleichzeitig wird dadurch gewährleistet, dass Transparenz wirtschaftlich umgesetzt werden kann, weil keine Brandschutzanforderungen im Wege stehen.
Die Belichtung der nord-westlich ausgerichteten Labore sowie der süd-östliche Teil der Büros werden über eine grüne Mitte belichtet. Sie ist das integrative Bindeglied zwischen innovativer Forschung, der Lehre und einer nachhaltigen, grünen Campusgestaltung. Das Grünhaus ist ein Raum für Begegnung, Interaktion und informelle Kommunikation. Es ist ein Campus innerhalb des Campus, der zum Arbeiten und Verweilen einlädt und darüber hinaus sinnbildlich für den Studiengang Biologie steht. Zudem unterstützt es das natürliche Lüftungskonzept für alle Bereiche, die nicht aufgrund von Laborsicherheitsanforderungen mechanisch gelüftet werden müssen.

Freianlagen:
Das lebendige Herzstück des Gebäudes ist ein durchgehendes Grünhaus. In dieser lichtdurchfluteten Achse entfaltet sich eine "exotische Streuobstwiese", die nicht nur als naturnaher Erholungsraum, sondern auch als Inspirationsquelle für Lernen, Arbeiten und Forschen dient.
Das Gebäude wird durch Baumreihen eingefasst, die als ruhige Kulisse den Baukörper begleiten. Als Einblick in das Grünhaus wird die Baumreihe unterbrochen und leitet den Blick ins Innere des Gebäudes. Zusätzlich umarmen grünen Stauden- und Strauchflächen das Gebäude.
Die überwiegend extensive Pflanzung fördert die Biodiversität und ist resistent gegenüber klimabedingten Extremwetterereignissen. Pflanzungen mit hohem Blütenanteil dienen als städtische Insektenweide. Zugleich wird in den nicht begehbaren Randbereichen ein Mikrobiotop gebildet.
Entlang der grünen Fuge entwickelt sich eine vielschichtige Lernwelt mit einem differenzierten Angebot an Treffpunkten, Partner- und Gruppenarbeitsplätzen, Ruhezonen und Stille-Plätzen für konzentriertes Arbeiten sowie flexiblen Bereichen für Besprechungen und einen zentralen Meetingpoint. Im südlichen Bereich entsteht ein grünes Auditorium als offener Versammlungsort. Dieses bietet einen vielseitig nutzbaren Kreativraum, der Platz für neue Ideen und interdisziplinären Austausch bietet. Die räumliche Vielfalt unterstützt ein modernes, selbstbestimmtes Lernen und fördert den kollaborativen Austausch auf allen Ebenen. Der Pausenhof liegt im nördlichen Bereich. Hier entstehen Zonen zum Warten, Lesen, Verweilen und Essen – ein lebendiger Außenraum, der den Alltag der Nutzer bereichert und eine atmosphärische Verbindung zwischen Innen und Außen schafft.
Das gesamte Entwässerungskonzept folgt einem nachhaltigen Ansatz: Dachbegrünung mit integrierten Retentions- und Rückstauflächen sammeln Regenwasser, das in Zisternen gespeichert und für die Bewässerung aller Pflanzflächen innerhalb und außerhalb des Gebäudes genutzt wird. Dadurch entsteht ein autarkes, ökologisch abgestimmtes System, das die grüne Identität des Neubaus nachhaltig sichert und den ökologischen Fußabdruck minimiert. Mit diesem Entwurf wird ein Ort geschaffen, der Forschung, Lernen, Kreativität und Biologie auf einzigartige Weise miteinander verbindet – ein neues Herzstück des Campus, das sowohl die akademische als auch die städtische Umgebung bereichert.

Energie und Nachhaltigkeit:
Das Projekt soll höchste Nachhaltigkeitsansprüche erfüllen. Sowohl die ökonomischen, ökologischen und sozialen Parameter werden diesbezüglich berücksichtigt. Hohe und dauerhafte Qualitäten der Gebäude und der Außenbereiche werden durch verschiedene, teilweise modulare Maßnahmen, sichergestellt. Dies ermöglicht im weiteren Verlauf eine Reaktion auf eventuell veränderte Randbedingungen bzw. ermöglicht eine sinnvolle Erweiterung bzw. Rückbau. Der Schlüssel für den Betrieb ist der reduzierte Energieverbrauch und der Einsatz von regenerativen Energien. Es wird versucht den regenerativen Anteil zu maximieren. In einem ersten Schritt werden kostengünstige Lösungen und einfach zu hebende Potentiale genutzt. Über PV-Flächen auf den Dächern und in der Fassade kann effizient Strom produziert werden. In Kombination mit Nutzung des Erdreichs/Wasser und einer Wärmepumpe bzw. Erdkanals kann die Hälfte des Gesamtheizenergiebedarfs gedeckt werden. Je nach Zielwert für eine Klimaneutralität könnten optional zusätzliche Potentiale in Form einer Abwärmenutzung (Abwasser, Kältemaschinen, etc.) genutzt werden.


Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit 1008 bildet einen kompakten Baukörper, der gegenüber dem LUF zurückspringt und sich in Längsrichtung zwischen Museum König und Campusallee erstreckt. Der Haupteingang ist im oberen Drittel der Fassade Richtung LUF verortet. Der Haupteingang ist über ein großes Foyer und einen Vorplatz gut an die Planstraße E angebunden, jedoch ist die Auffindbarkeit aus Richtung Campus Platz und aus Richtung Campus Allee eingeschränkt. Im Innern wird ein längsgerichtetes Atrium als sog. „Grünhaus“ ausgebildet, welches sich als Fuge im Gebäude vom Museum König zur Campusallee erstreckt. Die Anknüpfung zur Campusallee an dieser Stelle wird positiv gewertet, hier gibt es jedoch keine Wegebeziehung, die mit dem Außenraum korrespondiert. Der Haupteingang wird über ein Foyer an dieses innere „Grünhaus“ angeschlossen, jedoch erfolgt hier ein unvermittelter Richtungswechsel in der inneren Gebäudelogik.

In dem „Grünhaus“ gibt es keine vertikale Erschließung. Diese erfolgt über vier innenliegende Fluchttreppenhäuser, die im Erdgeschoss sämtlich nicht ans Freie angeschlossen sind. Die Auffindbarkeit der Vertikalerschließung ist schwierig und die Orientierung im Gebäude dementsprechend problematisch.

Das „Grünhaus“ als eine Art innenliegendes Gewächshaus deutet auf einen hohen Wartungsaufwand hin – sowohl in Bezug auf die Pflege der Pflanzen als auch in Bezug auf die Konstruktion des Atriums selbst. Die Vor- und Rücksprünge der inneren Fassade zum „Grünhaus“ hin erzeugen interessante Räume, jedoch wird hierdurch die ohnehin schwierige Belichtung der zum schmalen, tiefen „Grünhaus“ hin orientierten Nutzungen noch erschwert.

Die Aussagen zu dem das Gebäude umgebenden Außenraum sind vage gehalten. Das Prinzip der Anordnung zahlreicher Fahrradstellplätze vor dem Gebäude wird positiv gewertet, wenngleich diese die räumliche Qualität des Haupteingangs beeinträchtigen können.

In den oberen Geschossen findet eine klare Trennung zwischen Büro- und Labortrakt statt.

Die Nutzflächen des Raumprogramms sind deutlich überschritten. Es fehlen hingegen erforderliche Technikflächen in erheblichem Maße.

Die Anmutung des Gebäudes mit horizontalen Glasbändern mit Holzbrüstungen sowie vorgehängten PV-Elementen wird positiv gewertet. Der Anteil an Fensterfläche ist im Sinne des energieoptimierten Bauens gut gewählt.

Die Tageslichtnutzung im Bereich des Atriums ist aufgrund der geringen Breite und der auskragenden Gänge ungünstig gelöst. Die Funktion der natürlichen Nachtauskühlung ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Für das Atrium fehlen wichtige Elemente eines durchdachten Lüftungskonzepts: Ein effektiver Sonnenschutz im Dachbereich, Lüftungsöffnungen im oberen Bereich sowie Nachströmöffnungen im Bodenbereich. Somit sind die Belüftung und Konditionierung des Atriums im Entwurf nicht schlüssig dargestellt.

Der Anteil der Technikflächen ist wie bei vielen Arbeiten noch deutlich zu gering angesetzt, der Anteil der Verkehrsflächen liegt im durchschnittlichen Bereich. Die NUF des Raumprogramms ist deutlich überschritten.

Insgesamt würdigt die Jury den Ansatz, ein kompaktes Gebäude mit einer inneren grünen Lunge auszubilden, um die Aufenthaltsqualität in der Lehr- und Forschungswelt der molekularen Biologie zu erhöhen.
Rendering innen

Rendering innen

Lageplan

Lageplan

Ebene 0

Ebene 0

Querschnitt

Querschnitt

Längsschnitt

Längsschnitt

Modell

Modell