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Nichtoffener Wettbewerb | 04/2024

Neubau Justizzentrum Köln

Perspektive Park

Perspektive Park

2. Preis

Preisgeld: 276.500 EUR

MEURER GENERALPLANER GMBH

Architektur

architecture + aménagement

Architektur

HDK Dutt & Kist GmbH

Landschaftsarchitektur

BFT Cognos

Brandschutzplanung

Erläuterungstext

Grundkonzept
Der Neubau zeigt sich als in den H√∂hen differenziertes Ensemble ineinander verwobener ‚ÄěBagel‚Äú. Zum Gr√ľng√ľrtel wird ein zentraler Platzbereich vorgelagert, der s√§mtliche Funktionen des Neubaus integriert. Verglaste, begr√ľnte Innenh√∂fe sorgen f√ľr interne Tageslichtversorgung der Sitzungsbereiche und trennen das Zivilgericht vom Strafgericht. Das Amts- und Landgericht bildet den 2. Bauabschnitt des Ensembles im Westen. Alle Nutzungsbereiche verf√ľgen √ľber ‚Äěihren‚Äú Hof. Er ist jeweils von den Warte- und Erschlie√üungsbereichen aus einsehbar und je nach Nutzungsart / Sicherheitsanforderung begehbar (Pausen).

Nutzungsverteilung
Jeder √ľbergeordnete Nutzungsbereich (Sicherheitsbereich) ist ablesbar und mit je eigenem Eingang ausgestattet. Hier gibt es je f√ľr Besucher / Bedienstete vertikale Erschlie√üungen. Zus√§tzlich gibt es ausschlie√ülich f√ľr Bedienstete eine horizontale interne Verbindungsachse (‚Äěrue interieur‚Äú). Einrichtungen regeln den Zutrittspermit. Den ‚Äě√∂ffentlichsten‚Äú Teil mit den geringsten Sicherheitsanforderungen stellt der Bagel des Zivilgerichts mit Zuordnung Zentraler Sonderfl√§chen (RAST/ZAS) und den Ausbildungsbereichen dar. Er liegt am M√ľndungspunkt der Gr√ľng√ľrtelwege auf den zentralen Platz und ist der pr√§senteste Bauteil.
Die Sitzungss√§le beider Gerichte werden voneinander getrennt aus einem dem Gr√ľng√ľrtel zugeordneten Foyerbereich erschlossen. Die √ľberwiegende Anzahl der Sitzungss√§le sind introvertiert zu den H√∂fen orientiert. Die geschotteten S√§le sind isoliert √ľbereinander angeordnet und √ľber eine Doppelhelix Treppe (und Aufzugdoppelanlage) getrennt nach Richter- und Vorf√ľrweg erschlossen. Auf diese Weise ist eine direkte vertikale Verbindung getrennt nach Richtern und Gefangenen mit den Bereichen Vorf√ľhrung (UG) / S√§le (OG) / Hubschrauberlandeplatz (DG) m√∂glich ohne andere Erschlie√üungsbereiche zu kreuzen. Die Besucher hingegen bewegen sich horizontal auf den Fluren.

Freiraum
Es entsteht ein Dreiklang aus Parklandschaft, Urbanit√§t und Hofidentit√§ten. Die Wegeachsen werden barrierefrei an den Hauptplatz angebunden. Im Abschnitt des partiellen R√ľckbaus der St√ľtzmauer wird eine gro√üz√ľgige Terrassierung mit einer baumbestandenen Sitzstufenanlage angeordnet, um den √úbergang vom Park zu begleiten. Die Innenhofqualit√§ten sind multicodiert mit Bespielbarkeit (Gastro, Kommunikation) und Bau√∂kologie (Raumklima, Regenwasser). Die Logik der Zugangsberechtigung ergibt sich aus den benachbarten Raumfunktionen. Neben den beiden √∂ffentlich zug√§nglichen H√∂fen werden der √∂stliche und westliche Innenhof mit Zugangskontrollen, organisiert.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die st√§dtebauliche Disposition orientiert sich eng an den Vorgaben des Masterplans. Im Detail gelingt es den Verfassenden weitere Differenzierungen vorzunehmen. Die Raumkanten zum inneren Gr√ľng√ľrtel zeigen eine alternierende Silhouette und Differenzierungen im Freiraum. Es gelingt gleicherma√üen, die Bauvolumina zu integrieren und doch die Bedeutung der Einrichtung des Justizzentrums zu kommunizieren. In der Weiterentwicklung des Masterplans werden die Atriumtypologien miteinander verschmolzen. Die damit erreichten Geb√§udetiefen dienen der Abbildung des Raumprogramms mit den Sonderfl√§chen der Verhandlungss√§le. Die Verbindung zwischen den Bauk√∂rperausformungen und dem Freiraum erscheint gelungen. Am inneren Gr√ľng√ľrtel zeigen sich angenehme und angemessene Zugangs- und Aufenthaltszonen und im s√ľdlichen R√ľckraum werden alle Belange der Erschlie√üungen und Anlieferung unspektakul√§r und funktional richtig angeboten. Die Arbeit besticht auf den ersten Blick durch eine klare kompakte st√§dtebauliche Figuration. Die im Weiteren benannte Assoziation von in sich ‚Äěverwobenen Bagels‚Äú kann jedoch hier in Bezug auf die geminderten Raumqualit√§ten f√ľr die Bepflanzung inklusive eines hohen dauerhaften Verschattungsgrades der Innenh√∂fe, nicht ganz √ľberzeugen. Der landschaftsarchitektonische Konzeptansatz im Umfeld von Pflanzung neuer B√§ume wird gew√ľrdigt und positiv gesehen. Die architektonische Qualit√§t wird √ľberwiegend durch die st√§dtebauliche Differenzierung gepr√§gt. Der architektonische Ausdruck der Fassaden bewegt sich eher im bereits Bekannten und Erlebten des zeitgen√∂ssischen Verwaltungsbaus. Hier wird eine Spezifizierung und Differenzierung der einzelnen Geb√§ude- und Funktionsteile f√ľr die spezifische Aufgabenstellung und den spezifischen Ort vermisst. Die Nutzungs- und Aufenthaltsqualit√§t des Ensembles wird positiv beurteilt. Die Orientierung der Arbeitsr√§ume, die gro√üz√ľgigen Innenh√∂fe und insbesondere die architektonische Ausformung der ‚ÄěMagistrale‚Äú sind ansprechend. Die Funktionalit√§t des Gesamtanlage und der Bauabschnittsbildung ist gut aufgebaut, wenngleich bei f√ľr das Justizzentrum sehr wichtigen Details sich einige offene Fragen aufzeigen. Das Angebot zweier Zug√§nge mit Sicherheitsschleusen f√ľr die Zivil- und Strafgerichtsbarkeit wird kritisch gesehen, da sie den personellen Aufwand erh√∂ht und die Flexibilit√§t reduziert. Alle Wege der Zuf√ľhrung und Vorf√ľhrung bed√ľrften einer dringenden √úberpr√ľfung und Verbesserung, um grunds√§tzlichen Sicherheitsaspekten entsprechen zu k√∂nnen. Die Angriffswege f√ľr Polizei und SEK in Sonder- und Notf√§llen sind nicht nachgewiesen. Trotz der funktionalen M√§ngel sind wichtige Entwurfsaspekte positiv hervorzuheben. Die Anordnung der Sitzungss√§le im zentralen Bereich mit den aufgeweiteten Wartezonen wird begr√ľ√üt, wenngleich die Versorgung mit Tageslicht nicht vollends gekl√§rt ist. Ein positives und markantes Element ist die r√§umliche und architektonische Ausformung der als ‚ÄěMagistrale‚Äú bezeichneten inneren Verbindung. Hier wird gleicherma√üen der Ausblick in den attraktiven Gr√ľng√ľrtel und die innere Kommunikation zum positiven Alleinstellungsmerkmal f√ľr die Nutzerinnen und Nutzer des Justizzentrums. Die Ausarbeitung der Regelgeschosse des Verwaltungsbaus √ľberzeugt durch gro√üz√ľgige 2-Bund-Anlagen mit gelegentlichen Ausblicken in den Freiraum. Im Bereich der Arbeitspl√§tze zeigt sich noch Optimierungspotential. Die Fassade verf√ľgt √ľber Festverglasungen und verdeckte L√ľftungskammern. Hier w√§re eine Vereinfachung zu bekannten Funktionalit√§ten mit zus√§tzlichen √Ėffnungsfl√ľgeln w√ľnschenswert, ohne die L√ľftungskammern f√ľr eine Nachtl√ľftung und K√ľhlung aufzugeben.

Die wirtschaftlichen Kenndaten f√ľr die Erf√ľllung des Raumprogramms, der Fl√§chen und Volumina liegen im Vergleich zu den anderen Wettbewerbsbeitr√§gen im mittleren Bereich. Die Nachhaltigkeit des Projekts ist durch den robusten Entwurfsansatz gut angelegt und k√∂nnte im Hinblick auf die Anforderungen weiterentwickelt werden. Die Konstruktion des Entwurfs ist in Teilen eine Holzhybrid-Konstruktion mit einem gro√üen Anteil an reiner Stahlbetonkonstruktion in den Untergeschossen bis zur Decke √ľber Erdgeschoss und den Treppenhauskernen. Die kernged√§mmte Stahlbetonfassade im Erdgeschoss ist robust, wird jedoch nach heutigem Stand der Technik am Ende der Lebensdauer nicht sortenrein getrennt werden k√∂nnen und erf√§hrt dann ein Downcycling zur Deponierung. Die Aluminium-Fassade in den Obergeschossen ist, unabh√§ngig von den Holzdoppelst√ľtzen, elementiert vorgesetzt und hat das Potential gut r√ľckbaubar zu sein. Die Planung des Daches erm√∂glicht grunds√§tzlich einen hohen Recyclinganteil der Baumaterialien durch die Schaumglasplatten und die Substratschicht. Es wird allerdings keine Aussage zu den Verbindungstechniken der einzelnen Baustoffkomponenten gemacht und damit ist der sortenreine R√ľckbau nicht einzusch√§tzen. Der Ansatz, Teile der Baukonstruktion in Holzhybridbauweise erstellen zu wollen, wird positiv gew√ľrdigt. Im Bereich der Nutzerkomfort, Ressourcen und Energie zeigen sich Optimierungspotentiale, die auf Grundlage der Gesamtkonzeption erreicht werden k√∂nnten. Die grunds√§tzliche Grundriss- und Fassadengestaltung erm√∂glicht das angestrebte nat√ľrliche Belichtungs- und Bel√ľftungskonzept. Die Effektivit√§t der vorgeschlagenen L√ľftungselemente ist jedoch fraglich. Kritisch diskutiert wird grunds√§tzlich der Fensterfl√§chenanteil der H√ľllkonstruktionen. In den Einzelb√ľros ist der Anteil transparenter Fassadenanteile im Verh√§ltnis zur geringen Grundfl√§che f√ľr das sommerliche Verhalten problematisch. Dies betrifft vor allem die f√ľr die Tageslichtversorgung eher irrelevanten Br√ľstungsbereiche. Das dargestellte technische Erschlie√üungskonzept f√ľr die vertikalen und horizontalen Erschlie√üungen ist schl√ľssig und erm√∂glicht eine effektive Installation auf kurzen Wegen. Insgesamt gelingt es den Verfassenden mit einer einfachen und robusten Entwurfshaltung alle Parameter der Entwurfsaufgabe sehr gut abzubilden. Das Preisgericht sieht allerdings noch Potentiale zur Qualit√§tssteigerung f√ľr die gesellschaftlich bedeutende und komplexe Aufgabenstellung an einem einpr√§gsamen Ort.
Lageplan 1zu200

Lageplan 1zu200

Perspektive Luxemburger Straße

Perspektive Luxemburger Straße

Lageplan 1zu500

Lageplan 1zu500

Lageplan

Lageplan

Perspektive 1

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Innenperspektive

Innenperspektive

Perspektive 2

Perspektive 2

Modell

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