Nichtoffener Wettbewerb | 05/2025
Neubau Kindergarten in Renquishausen
3
Perspektive
©LIEB ARCHITEKTEN BDA
3. Preis
Preisgeld: 5.500 EUR
Schuler und Winz Landschaftsarchitekten
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
STÄDTEBAULICHES KONZEPT & ARCHITEKTUR
Der Neubau des 4-gruppigen Kindergartens wird als ein autark funktionierendes Gebäude mit eigenem Zugang an das bestehende Gemeindezentrum angebaut. Der quadratische und sehr kompakte Neubau wird mit einem Satteldach versehen, um zusammen mit dem Bestandsgebäude ein harmonisches Gesamtensemble zu bilden. Die kompakte Grund-rissanordnung ermöglicht einen großzügigen zusammenhängenden Grünraum, der um das Gebäude fließt. Dies ermöglicht den Erziehern eine bestmögliche Übersicht im Garten. Der Zugang in den Kindergarten erfolgt auf Parkplatzniveau. Dadurch müssen die Eltern und Krippenkinder morgens und nachmittags keinen Höhenunterschied überwinden. Ein kinder- und elternfreundliches Holen und Bringen wird gewährleistet. Parallel zum Gebäudezugang führt eine Außentreppe in den Gartenbereich, wodurch eine direkte Zugänglichkeit gege-ben ist. Die Trennung zwischen Krippenkinder und Ü3-Kinder erfolgt geschossweise. Die U3-Gruppen befinden sich auf Ebene 1. Die Flächen der Ü3-Gruppen mit Kinderbistro und Bewegungsraum werden im Gartengeschoss angeordnet. Die Andienung der Küche erfolgt über die westliche Zufahrt des rückwärtigen Bereichs.
Das asymmetrische Satteldach wird, um den Kern mit Tageslicht auszuleuchten, durch einen großzügig gestalteten Einschnitt ergänzt. Die lasierte Holzleistenschalung schafft die natürliche Verbindung zum angrenzenden Grünbereich und wird durch großflächige Ver-glasungen vervollständigt. In den Geschossen werden den jeweiligen Gruppenräume groß-zügige überdachte Freibereiche vorgelagert.
FREIANLAGEN
Vorplatz
Die Gestaltung des Vorplatzes folgt einem möglichst naturnahen und grünen Ansatz. Gro-ße, als Senkbeete angelegte Klimainseln leiten die Besucher intuitiv zum Haupteingang des Gemeindezentrums. Direkt davor entsteht ein kleiner Vorplatz welcher Besuchende will-kommen heißt und sich für Sektempfänge eignet. Die PKW-Stellplätze werden gebündelt, als Rasenpflaster ausgeführt und treten optisch in den Hintergrund. Neugepflanzte Klima-bäume begleiten die zentrale Wegeachse und führen gezielt zum Eingang des neuen Kin-dergartens. Am Ende der als Spielstraße ausgeschriebenen Achse weitet sich der Raum zu einer offenen Platzfläche, entlang derer übersichtlich alle Fahrrad- und Rollerstellplätze angeordnet sind. Großzügige Sitzbänke im Vorbereich laden zum Verweilen ein und schaf-fen Raum für Begegnung und Austausch – für Eltern, Kinder und Besucher gleichermaßen.
Freibereich Kindergarten
Die Freibereiche des Kindergartens sind in U3- und Ü3-Zonen sowie eine offene Wiesen-landschaft gegliedert. Mit zunehmender Entfernung vom Gebäude nimmt die Spielintensität ab, wodurch sich ein natürlicher Übergang in die angrenzende Kulturlandschaft ergibt. Vielfältige, naturnah gestaltete Spielinseln sprechen alle Sinne der Kinder an, regen zu unterschiedlichen Spielformen an und fördern aktives Erleben. Eine durchgängige Bob-bycarstrecke verbindet die einzelnen Bereiche spielerisch miteinander. Als Einfriedungen dienen Wildstaudenbänder, Benjeshecken und ein schlichter Holzzaun, die sich harmonisch in die Umgebung einfügen. Der nahezu vollständig erhaltene Baumbestand sorgt gemein-sam mit neu gepflanzten Klimabäumen für wohltuenden Schatten an warmen Tagen. Na-turmaterialien wie Holz und Naturstein sowie insektenfreundliche, pflegeextensive Pflan-zungen schaffen einen ökologisch wertvollen und zugleich kindgerechten Freiraum.
FUNKTIONALITÄT & RAUMPROGRAMM
Die Besucher werden unter dem großzügig gestalteten Vordach empfangen und gelangen in ein übersichtliches Foyer. In der ebenerdig zugegangen Ebene 1 befinden sich die U3-Gruppen sowie der Verwaltungsbereich. Über eine einläufige Treppe gelangt man zu den Ü3-Gruppen, dem Kinderbistro und dem Bewegungsraum. Ein Aufzug, welcher auch für die Nutzung der Vereinsräume im Bestand genutzt werden kann, ermöglicht eine barrierefreie Erschließung. Das übersichtliche Foyer dient als Verteiler zwischen den verschiedenen Nutzungseinheiten und der bestehenden Halle. Eine angemessene Kommunikations- und Aufenthaltsfläche wird geschaffen. Über das Foyer entsteht die direkte Anbindung an die Turn- und Sporthalle und ermöglicht eine optimale Nutzung im laufenden Kindergartenbe-trieb. Zudem dient diese Verbindung als zweiter Rettungsweg der Halle und somit kann die außenstehende Fluchttreppe entfallen. Die gemeinsame Garderobe im Foyer ermöglicht eine klare Trennung zwischen Schmutz- & Hausschuhbereich. Der Krippenbereich ist klar vom Foyer getrennt. Beide U3-Gruppenräume sind zweiseitig zum weitläufigen Außenbe-reich ausgerichtet, optimale Belichtung und Ausblick werden ermöglicht. Die jeweiligen Schlafräume sind den zugehörigen Gruppenräumen zugeordnet. Im zentralen Kern befindet sich der Sanitärraum und ist so von allen Räumen schnell und einfach auffindbar. Beide Gruppenräume verfügen über einen überdachten Außenbereich.
Die Gruppen der großen Kinder im Gartengeschoss sind zum Garten hin ausgerichtet und verfügen ebenfalls über eigene, überdachte Außenbereiche. Auch hier befinden sich die Sanitärräume in zentraler Lage. Durch den Dacheinschnitt werden die Spielflurflächen mit Tageslicht versorgt. Das Kinderbistro ist im südlichen Teil des Neubaus untergebracht und dient bei Bedarf als fünfte Gruppe. Die Schmutzschleusen, welche den U3- sowie Ü3-Gruppen den Zugang in den Außenbereich ermöglichen, liegen in zentraler Lage und er-möglichen kurze Wege. Die zur Verfügung stehenden Räume des Bestandsgebäudes wer-den durch den Bewegungsraum und untergeordnete Nebenräume sowie einem Sanitär-raum, welcher leicht von außen zugänglich ist, genutzt. So werden bei möglichst kleinem Eingriff in die bestehende Bausubstanz die freien Räume genutzt. Die weiterhin bestehen-den Toilettenräume im Bestand können den Vereinsräumen zugeschlagen werden.
BAUWEISE, MATERIAL- & ENERGIEKONZEPT
Die Außenfassade aus Holz zeigt die Gebäudekonstruktion der neuen Kita. Der nachwach-sende Rohstoff Holz ermöglicht eine positive Ökobilanz und transportiert auch in seiner Erscheinung die Botschaft von verantwortungsbewusstem Umgang mit den uns zur Verfü-gung stehenden Ressourcen. Brettsperrholzelemente für Wand, Decke und Dach kommen als vorgefertigte Elemente zum Einsatz, wobei alle erdberührten Bauteile in Recyclingbeton errichtet werden. Das Gebäude zeigt sich reduziert: Fassadenflächen in einer vertikalen lasierte Holzschalung, großzügige Fensterflächen in Kombination mit farbigen außenliegen-den Markisen bestimmen das einladende und freundliche Bild von außen, während Böden, Türen und Einbauten aus Holz im Zusammenspiel mit weißen Wänden und Holzakkustikde-cken ein angenehmes Erscheinungsbild im Inneren schaffen. Der Anschluss an das beste-hende Nahwärmenetz im Zusammenspiel mit der PV-Indachanlage, sowie dem teils be-grünten Dach steigert die Ökobilanz. Eine Fußbodenheizung, dezentrale Lüftungseinheiten und öffenbare Lüftungsflügel sorgen für ein wohltemperiertes Raumklima und garantieren eine hochwertige Aufenthaltsqualität für Eltern, Kinder und Erzieher. Die ungenutzten Raumhöhen in den Nebenräumen können für die Unterbringung der Lüftungstechnik opti-mal genutzt werden.
WIRTSCHAFTLICHKEIT
Der kompakte Neubau berücksichtig die ökologischen, funktionalen und wirtschaftlichen Anforderungen sowohl in der Planung, der Erstellung als auch im fortlaufenden Betrieb. Niedrig gehaltene Spannweiten ermöglichen eine wirtschaftliche Dimensionierung der Tragkonstruktion und spart zudem wertvollen Rohstoff ein. Die angemessen groß geformte Spielflurflächen dienen neben der Erschließung grundsätzlich dem Spielen und Begegnen der Kinder, wodurch eine effiziente Flächennutzung gewährleistet wird.
Beurteilung durch das Preisgericht
Der Wettbewerbsbeitrag mit der Kennziffer 1005 greift die vorgefundenen städtebaulichen Strukturen und die ortstypische Körnung in Maßstab und Dachform geschickt auf und belegt das neue Grundstück mit kleinem Fußabdruck in logischer Ergänzung zum bestehenden Gebäude. Der Bestand wird analysierend fortgeschrieben und weitergebaut, die neuen Funktionen übersichtlich und funktional angebunden, ohne im Bestand größere bauliche Aufwendungen zu generieren.
Vom Vorbereich vor der bestehenden Halle gelangt man über die von den Verfassern genannte „Willkommensachse“ barrierefrei und in ausreichender Breite zum überdachten Vorbereich im Eingangsgeschoss. Die vorgeschlagen Fahrradüberdachungen vor dem Trafogebäude können in ihrer geringen Größe noch nicht überzeugen. Durch eine Entflechtung der Höhenbezüge könnte mit geringen Anpassungen auch gut das untere Geschoss sinnfällig an das Wegenetz im Nordosten angebunden werden.
Der Außenbereich der Feuerwehr wird nicht tangiert, lediglich die Anlieferung der Küche wird über diesen Bereich vorgeschlagen.
Die Freiflächen des Kindergartens werden sinnfällig in unterschiedliche Spielbereiche gegliedert und für die U3-Kinder durch eine Schleuse, für die Ü3-Kinder direkt durch die Gruppenräume erschlossen. Das vorhandene Retentionsbecken bleibt erhalten und trägt durch seine Lage zu einer Zonierung der Freiflächen bei. Die Chance einer fußläufigen Wegeverbindung zwischen dem Parkplatz/Vorplatz des Gebäudes und der Stichstraße „Am Neuen Brunnen“ wird leider nicht ergriffen, erscheint durch moderate Eingriffe in das Freiraumkonzept des Kindergartens jedoch noch erträglich integrierbar.
Das Gebäude wird über den gedeckten Außenbereich, der in seinen Dimensionen noch ein wenig beengt wirkt, betreten. Das großzügige, helle Foyer führt sehr übersichtlich und äußerst kompakt zu den einzelnen Räumen. Die Sichtbeziehungen zum Eingangsbereich für die Kindergartenleitung sind noch nicht optimal. Das helle Foyer wird über eine Schrägverglasung belichtet, die geschickt in die durchgängig mit dem Grundriss abgestimmte Dachlandschaft eingefügt wurde.
Die Räume im Gartengeschoss sind wie im Erdgeschoss geschickt auf die drei zur Verfügung stehenden Außenfassaden verteilt, den Gruppenräumen sind jeweils gut dimensionierte und gut nutzbare gedeckte Terrassen vorgelagert.
Im Gartengeschoss ist das Bistro in guter Zuordnung zum Mehrzweckraum und dem Foyer mit schönem Außenbereich nach Süden verortet. Die Räume im Bestand sind auch im Bezug zum Neubau gut positioniert, die Rettungswegesituation wäre genauer zu betrachten.
Insgesamt bildet das Gebäude die pädagogischen Zielsetzungen mit einfachen Mitteln gut und flexibel ab.
Konstruktiv wird bis auf die erdberührenden Bauteile eine ablesbare Holzbauweise vorgeschlagen. Die Grundstruktur ist stimmig. Das begrünte Schrägdach wird begrüßt, hält das Regenwasser zurück und verbessert mit den weiteren vorgeschlagenen Maßnahmen die Ökobilanz.
Die gestaltsicher vorgetragene Arbeit überzeugt mit einer guten Einfügung in die Umgebung, mit einem kleinen Fußabdruck, einer präzisen Bezugnahme zum Bestand und mit einer kompakten, übersichtlichen Raumorganisation. Schwächen in der Anbindung des Hanggeschosses im Süden sind kompensierbar.
Im Sinne des Weiterbauens wird ein tragfähiges, mit guten Kennwerten auch wirtschaftliches, sowie auch schönes Gebäude vorgeschlagen, das in seiner weiteren Bearbeitung höchste Sorgfalt bei der Detaillierung der Anschlusspunkte bedarf.
Lageplan
©LIEB ARCHITEKTEN BDA
Modell
©LIEB ARCHITEKTEN BDA