Nichtoffener Wettbewerb | 04/2025
Neubau Kinderhaus mit Schulerweiterung auf dem Bildungscampus Rainbrunnen in Schorndorf
©BJW
1. Preis
Preisgeld: 60.000 EUR
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Verfasser der Arbeit 1011 schlagen mit ihrem Beitrag für das Kinderhaus und die Schulerweiterung zwei schlichte, zweigeschossige Baukörper vor. Ein eingeschossiger Flachbau mit gemeinschaftlichen Nutzungen verbindet diese Bauteile miteinander. Das neue Ensemble nimmt die Ausrichtung der Kita im Norden auf, folgt der Linie der Rainbrunnenstraße und fügt sich auf diese Weise selbstverständlich in den Kontext ein.
Das neue Ensemble wird im südwestlichen Grundstücksbereich positioniert. So gelingt es der Arbeit, das bestehende Kleinspielfeld in seiner Lage zu erhalten. Der Außenbereich des Kindergartens liegt im Norden und verbindet sich auf diese Weise mit dem nördlich anschließenden Außenbereich der benachbarten Kita zu einer zusammenhängenden Spiellandschaft.
Der Eingang zum neuen Kinderhaus liegt in der Nähe der Haltebucht an der richtigen Stelle. Für die Überwindung des Höhenunterschiedes ist zwar eine barrierefreie Zuwegung vorgesehen. Sie wirkt jedoch aktuell noch additiv. Der Hauptzugang über eine Treppe selbst ist nicht barrierefrei.
Das Kinderhaus entwickelt sich um ein kompaktes, über zwei Ebenen entwickeltes Foyer, das als zentraler Verteiler fungiert und von dort aus die einzelnen Bereiche erschließt. Diese gruppieren sich L-förmig um ein Atrium, das für natürliche Belichtung sorgt, die Orientierung erleichtert und wesentlich zur offenen Atmosphäre des Hauses beiträgt. Die Fröbelschule folgt einer ähnlichen Logik, wobei hier das klar strukturierte Zentrum von oben belichtet wird.
Die Organisation der Räume rund um einen zentralen Hof ermöglicht eine hohe Flexibilität und lässt sich künftig auf einfache Weise an sich ändernde Nutzungsanforderungen anpassen. Dabei folgt sie einem klaren Erschließungskonzept, das sich aber nur dann vollständig erschließt, wenn alle Bereiche tatsächlich durchgängig genutzt werden. Andernfalls entstehen Sackgassen, die den offenen Charakter des Hauses einschränken.
Der Zugang zum Außenbereich des Kindergartens ist noch zu überprüfen, da er derzeit über den Bereich des Schulkindergartens am Grafenberg führt. Um zu vermeiden, dass die Kinder der Christian-Morgenstern-Schule in den Außenbereich des Kindergartens blicken, sollte eine Anpassung der Raumzuordnung geprüft werden. Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, die Räumlichkeiten von Kindergarten und Schule innerhalb des Gebäudes zu tauschen.
Die Konstruktion setzt auf nachhaltige Bauweisen, wie Holz-Beton-Verbundkonstruktionen. Auch für die umlaufenden Fluchtbalkone ist eine Holzausführung vorgesehen. Der zweite Rettungsweg wird über diesen Balkon sichergestellt. Der konstruktive Holzschutz ist für diese Holzbauteile im Außenbereich noch nachzuweisen.
Auch die einfache, klare und zurückhaltende Gestaltung der Fassaden überzeugt. Sie fügt sich selbstverständlich in das Gesamtkonzept ein, ohne aufdringlich zu wirken, und unterstreicht die ruhige, funktionale Architektur des Ensembles.
Hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Kenndaten liegt die Arbeit aufgrund ihrer günstigen Flächeneffizienz und ihres kompakten Gebäudevolumens im günstigen Bereich aller eingereichten Arbeiten. Insgesamt handelt es sich um einen überzeugenden Beitrag, der mit einer klaren, logisch strukturierten Lösung überrascht und durch die Einfachheit der Setzung sowie die konsequente Umsetzung des Konzepts überzeugt.
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