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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2025

Neubau Kindertagesstätte Achternkaten in Lübeck-Moisling

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2. Preis

Preisgeld: 6.000 EUR

baukind GmbH

Architektur, Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Der Neubau der Kindertagesstätte Achternkaten im Stadtteil Lübeck-Moisling arrondiert das Areal um die Alte Schule mit einem neuen Entree an der Achternkaten. Der L-förmige Bau umschließt dabei als Ergänzung zur Schule und Sporthalle den gemeinsamen Freiraum aus Schulhof und Kita-Garten und schafft einen angenehmen Hofcharakter. Das Bauvolumen der Kita fügt sich maßstäblich in die bestehende Bebauung ein und greift mit seiner abwechslungsreichen Dachlandschaft die heterogene Architektur des Stadtteils auf. Durch die Anlehnung an die Gestaltung der benachbarten Schule erscheint die Kita wie eine „kleine Schwester“, die den Charakter des Areals bereichert und gleichzeitig eine einladende Atmosphäre für die jüngsten Nutzer*innen schafft. Ein großzügig gestalteter Vorplatz zum Eingangsbereich der Kita bietet Raum für Begegnung und Ankommen. Hier können Kinder und Eltern sich treffen, spielen und miteinander interagieren. Zudem ist ausreichend Platz für Fahrräder und Kinderwägen vorhanden, was die Zugänglichkeit der Einrichtung erhöht.

Der Entwurf basiert auf einem effizienten Grundriss, der den zur Verfügung gestellten Raum optimal ausnutzt. Die klare Einteilung der Bereiche in Gruppen und Gemeinschaftsbereiche erleichtert den Kindern die Orientierung im Kita-Alltag und fördert die eigenständige Entwicklung. Der durchgesteckte, lichtdurchflutete Erschliessungsraum im Zentrum des Gebäudes bildet den zentralen Verteiler sowie Ankommens Bereich, Treffpunkt und Kinderspielfläche. Neben dem zentralen Haupteingang über die Straße Achternkaten ermöglicht ein Nebenzugang das unkomplizierte Anliefern und Entsorgen.

Nach Außen wird die Idee des Grundrisses durch eine Unterteilung in die einzelnen Gruppenhäuser sichtbar. Diese Aufteilung fördert die Identifikation der Kinder mit ihrem eigenen „Haus“ und schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit. Kinderkrippe und Elementarbereich werden über die Geschossigkeit des Gebäudes separiert. Jeweils ein Gruppenraum mit angegliedertem Kleingruppenraum, Schlafraum, Sanitäranlagen und Abstellraum stellt eine Einheit dar, wobei sich einige Bereiche auch flexibel zusammenschalten lassen. Die zwischen den Einheiten verlaufenden Gänge dienen als Garderobe und Schmutzschleuse. Das offen gestaltete Kinderbistro mit angrenzendem Mehrzweckraum ermöglicht nicht nur einen direkten Zugang ins Freie, sondern bietet darüber hinaus die Möglichkeit, den Mehrzweckraum außerhalb der Öffnungszeiten für Feste, kleine Ausstellungen oder Veranstaltungen des Gemeindezentrums zu nutzen. Im Obergeschoss gliedert sich neben den Kindergarteneinheiten und Personalräumen die Dachterrasse mit Lehr-Garten an. Vor hier aus haben die Kinder die Möglichkeit über einen Kletter- und Rutschenturm direkt in den Garten zu gelangen.

Die abwechslungsreiche Gestaltung der Fenster – von runden bis hin zu quadratischen Formen – sorgt für spannende Ein- und Ausblicke und ermöglicht den Kindern, sich aktiv mit ihrer Umgebung auseinanderzusetzen. Diese unterschiedlichen Öffnungen laden nicht nur zum Hineinsetzen ein, sondern fördern auch die Neugier und das Entdecken. Insgesamt verfolgt das Konzept der Kindertagesstätte Achternkaten das Ziel, einen Raum zu schaffen, der sowohl funktional als auch inspirierend ist – ein Ort, an dem Kinder lernen, spielen und sich entfalten können.

KONSTRUKTION + BAUWEISE
Jedes Gruppenhaus ist so konzipiert, dass es den Kindern ein sicheres und vertrautes Umfeld bietet, in dem sie sich wohlfühlen können. Durchgängige Materialschichten sowohl innen wie außen, machen das Gebäude für die kleinen Nutzer*innen verständlich und begreifbar. Eine Bekleidung der Außenwände mit einer naturbelassenen/ hell lasierten, vertikalen Lärchenschalung verleiht eine natürliche und ehrliche Haut. Die durch die Oberlichter lichtdurchfluteten Innenbereiche fördern die Lern- und Spielatmosphäre im Inneren des Gebäudes und lassen die natürlichen Materialien in Erscheinung treten. In Konstruktion und Materialisierung ist das Gebäude in massiver Holzsystembauweise mit hohem Vorfertigungsgrad konzipiert. Das im Inneren geschlossene Sparrendach wird im Freibereich fortgeführt und ermöglicht überdachte Terrassenbereiche. Die Dachfelder werden im Inneren mit akustisch wirksamen Holzwolleleichtbauplatten bekleidet. Brandschutztechnisch kann der Baukörper in mehrere Nutzungseinheiten eingeteilt werden, wobei alle Aufenthaltsräume mit direkten Ausgängen ins Freie angebunden werden können.

ENERGETISCHES KONZEPT
Die Ressourcenschonung und Einfachheit der Konstruktion spiegelt sich auch im Klima- und Energiekonzept wider und schafft neben einer kurzen Bauzeit zudem eine gute Wirtschaftlichkeit. Der auskragende Laubengang mit Verschattungselementen reduziert externe Wärmelasten im Sommer und nutzt im Winter die tiefstehende Sonneneinstrahlung. Die Pfosten-Riegel-Fassade mit dreifach verglasten Fenstern, sowie Senkrechtmarkisen aus Gewebe können einen sommerlichen Wärmeschutz gewährleisten. Die über die Oberlichter gute natürliche Belichtung tieferliegender Räume trägt dazu bei, den Primärenergiebedarf zu senken. Auf dem Dach sorgt Photovoltaik für die lokale, regenerative Stromerzeugung. Das vom Dach abgeleitete Regenwasser wird aufgefangen und kommt als Grauwasser zur Einsparung von Trinkwasser zum Einsatz.

FREIANLAGEN
Die Freianlagen befinden sich im östlichen Bereich des Grundstückes und bilden somit einen fließenden Übergang zu dem bestehenden, ehemaligen Schulhof. Für Feste und als Fahrbahn im täglichen Gebrauch dient eine mit Fallschutzbelag befestigte Terrasse, welche dem Bistro und der Kinderkrippe vorgelagert ist. Bewegungsflächen mit Spielwiese und Spielhäuschen, Holzbaustelle und Kletterstrecke, sowie einem großen gefassten Sandbereich verteilen sich frei - wie Kieselsteine am Strand- auf dem Grundstück. Ein zusätzlicher grüner Hügel trennt die Krippenkinder von den älteren Kindern und integriert differenzierte, altersgerechte Spielangebote sowie blühende und essbare Pflanzungen. Der Baumbestand sorgt für Schatten an heißen Sommertagen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit 1005 findet mit einem L-Förmigen Gebäude, ausgerichtet an der Straße Achternkaten, im Zusammenspiel mit dem denkmalgeschützten Schulgebäude eine nachvollziehbare städtebauliche Lösung. Der neue Kita-Bau und das Schulgebäude mit Sporthalle bilden ein bauliches Ensemble um einen gemeinsamen mittigen Freiraum. Eine wohltuende Geste in einem stadträumlich sonst heterogenen Umfeld. In der Materialität sucht der helle Holzbau dagegen keine Korrespondenz mit dem klinkernden Schulbau, wohl aber in der in der differenzierten Dachlandschaft aus einem Wechsel unterschiedlich ausgerichteter Satteldächer und Giebel. Diese scheint der Dachlandschaft des Schulbaus angelehnt. Der Ansatz wird vom Preisgericht gewürdigt. Die gestalterische, wie konstruktive Ausformulierung wirkt vollkommen unverhältnismäßig und wird ausgesprochen kritisch hinterfragt. Die Erschließung im Süden berücksichtigt die topographische Situation des Grundstücks und ist mit der Führung der Anliefer- und Feuerwehrzufahrt außerhalb des L-Flügels und der Kita Freiflächen geschickt gelöst. Der Eingang der Kita ist richtigerweise auf der südlichen Grundstückgrenze positioniert. Die Kinder betreten das Gebäude über ein großzügiges Foyer, das in ein ebenso großzügiges Treppenhaus mit einem Kletteraufgang übergeht. Diese Geste wird vom Preisgericht positiv gewertet. Der Hauptflügel des Gebäudes weist im EG wie OG die Gruppenräume zum innenliegenden Garten auf der Ostseite aus und ordnet gegenüberliegend Sanitär, Schlaf- und Therapieräume an. Der kleinere ins Grundstückweisende Gebäudeflügel beherbergt die Haustechnik- und Lagerräume sowie die Küche, Essens- und Multifunktionsräume. Die offene Küche und der Essensort im Flur werden als weniger gelungen empfunden. Eine offene Küche scheint im Kitabetrieb nicht umsetzbar und die Nutzung des Flurbereiches als Bistro/ Essbereich auf dem Weg zum Multi-Funktionsraum nicht angemessen. Die Möglichkeit den Essbereich zum Außenraum zu öffnen ist jedoch gut und wird begrüßt. Im OG weist dieser Gebäudeflügel eine Dachterrasse mit Gewächshaus und Lehrgarten auf. Auch diese Idee wird positiv aufgefasst und reiht sich zu mehreren Vorschlägen, die die vorab genannten Wünsche aus der Nutzerbeteiligung berücksichtigen. Hier liegt eine große Qualität der vorliegenden Arbeit. Über die genannten Punkte hinaus sieht das Preisgericht in der Organisation des Gebäudes Kritikpunkte in den längeren Fluren ohne Unterbrechungen sowie der unglücklich platzierten und eingehausten Terrasse der Betreuer oberhalb des Foyers. Der Freiraum mit seinen großzügigen Bewegungsflächen und zusammenliegenden Spielinseln scheint den gesamten Innenhof mit Schulgebäude im Blick zu haben. Dies wird vom Preisgericht positiv anerkannt. Kritisch wird das Verhältnis offener und versiegelter Flächen betrachtet. Die unterschiedlichen Freiraumangebote aus Krippenbereich, Kletterspiel, Sandspiel und naturnahen Erlebnisbereichen sind insgesamt sehr gut und spannungsreich angeordnet. Der Eingangsbereich dagegen erscheint lieblos ausgebildet.

Insgesamt stellt die Arbeit einen wertvollen Beitrag für die Aufgabe an diesem Standort dar. Neben vielen positiven Aspekten sieht das Preisgericht erheblichen Schwächen bei der Fassade sowie der Dachausbildung. Die Organisation des Küchen- und Speisebereichs wird ebenso kritisch gesehen.
Kita Garten

Kita Garten

Lageplan

Lageplan

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Obergeschoss

Grundriss Obergeschoss

Gebäudeschnitte

Gebäudeschnitte