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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025

Neubau Kindertagesstätte in der Gemeinde Tellingstedt

8

1. Preis

Preisgeld: 10.500 EUR

AX5 architekten PartG mbB

Architektur, Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Übertragen der Ortsstruktur und Höfe
Die Kubatur des Entwurfs leitet sich direkt aus der Umgebung ab: Die kleinteilige Ortsstruktur, geprägt von Einfamilienhäusern mit Schrägdächern, wird auf das Wettbewerbsgebiet übertragen und schafft gleichzeitig einen Wiedererkennungswert für die Kinder. Jeder Gruppenraum sowie der Gemeinschafts- und Bewegungsraum befinden sich unter einem schützenden Satteldach. Durch diese Maßstäblichkeit entsteht ein „Dorf im Dorf“, das als Treffpunkt dient und den Kindern ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Unterstützt wird dieses Gefühl durch zwei schützende Höfe: den Eingangs- und Spielhof. Der Entwurf greift das vorhandene Grün auf und integriert es in das Gebäude: Das Flachdach zwischen den Gruppenhäusern wird als Gründach gestaltet und verstärkt so das Naturerlebnis. Das Gebäude ist so positioniert, dass es schon von weitem, bereits im Bereich der Zufahrt, gut im Ortsbild sichtbar ist. Der Neubau fügt sich in die Umgebung ein, indem er sich mit seiner offenen Form in alle Richtungen öffnet und gleichzeitig auf dem Grundstück verankert ist – wie eine Klammer, die das Gelände zusammenhält.

Ankommen und Eingangsbereich
Der großzügige Windfangbereich bietet Platz für eine Schuhwechselzone sowie einen Elternwartebereich und ermöglicht gleichzeitig weite Durchblicke durch das Gebäude – sowohl in den Innenbereich als auch in den Außenraum. Die beiden Bereiche gehen fließend ineinander über. Das Herzstück der Kita, ein überdachter Patio, dient als flexibler Spielort und Erweiterung des Gemeinschaftsraumes, auch bei „norddeutschem Schietwetter“. Farbige Dachpaneele im Patio schaffen ein spannendes Spiel von Licht und Schatten und tragen so zur Atmosphäre des Raumes bei. Der Patio ist direkt mit dem Spielhof verbunden, der den Kindern und Erzieher*innen eine gute Übersicht ermöglicht und durch klare Wegeführungen einen sicheren Umgang mit den Kindern bei der Abholung unterstützt. Die Leitung hat ebenfalls einen guten Überblick über das gesamte Gebäude und ist in unmittelbarer Nähe zum Eingang und den wichtigsten Bereichen wie Küche und Gemeinschaftsraum positioniert. Diese Bereiche sind so ausgerichtet, dass Synergieeffekte mit dem angrenzenden Pflegeheim entstehen können, etwa durch gemeinsame Veranstaltungen. Der Bewegungsraum in der Kita ist so gestaltet, dass er die Installation einer Bühne ermöglicht. Dadurch können vielfältige Festlichkeiten oder Aufführungen, direkt vom Eingangshof aus verfolgt werden. Diese offene und multifunktionale Raumgestaltung schafft eine lebendige Atmosphäre für die gesamte Kita und ihr Umfeld. Der Eingangsbereich kann für diese besondere Aktionen vom restlichen Kita-Bereich abgekoppelt werden, was eine flexible Nutzung ermöglicht.

Ruhe und Lebendigkeit
Die Flure sind nicht nur Funktionsräume welche die Garderoben beinhalten, sondern werden als „Spiel- und Tobeflure“, gestaltet, die durch großzügige Verglasungen mit allen Gebäudeteilen visuelle Verbindungen herstellen. Kleine Kojen und Nischen bieten den Kindern Rückzugsorte und gleichzeitig die Möglichkeit, sich kreativ mit dem Raum auseinanderzusetzen. Die Gruppenräume sind so angeordnet, dass die drei Krippenräume im ruhigen, nach Osten ausgerichteten Bereich und die Elementargruppen im südlichen, lebendigeren Teil der Kita platziert sind. Jeder Gruppenraum verfügt über eine eigene überdachte Terrasse, sowie über WC-Räume, die natürlich belüftet und von außen zugänglich sind. Die Terrassen der Krippen bieten die Möglichkeit Babyschaukeln zu installieren, damit Kinder auch im Freien schlafen können. Ein großzügiges Sichtfenster zwischen WC und Gruppenraum ermöglicht es den Erziehern, die Kinder in beiden Räumen gleichzeitig im Blick zu behalten. Der direkt an den Gruppenraum angrenzende Neben- oder Ruheraum lässt sich flexibel durch Schiebewände öffnen, um den Raum bei Bedarf zu vergrößern und so eine anpassungsfähige Raumgestaltung zu ermöglichen. Ergänzend zum kleinen Lagerraum bietet jeder Ruheraum eine praktische Nische, in der die Schlafsachen der Kinder übersichtlich verstaut werden können. Zusätzlich bieten die Schrägdächer Platz für Hochebenen, die sowohl als Rückzugsorte als auch als Perspektivwechsel dienen. In den Gruppenräumen schaffen Nischen interessante Spielmöglichkeiten. Die flexible Raumaufteilung ermöglicht es, bei Bedarf Gruppenräume zu verbinden, um größere Gruppen zu betreuen oder die Aufsicht zu erleichtern – besonders in Zeiten von Notbetreuung. Die Therapie- und Personalräume im ruhigen, nördlichen Bereich bieten den Mitarbeitenden und Kindern eine angenehme Rückzugsmöglichkeit.

Gestaltungselemente, Materialität und Schallschutz
Das Gebäude verbindet natürliche Materialien mit sorgfältiger Architektur. Die Fassade aus vertikalen Holzlamellen dient gleichzeitig auch als Sonnenschutz auf den Terrassen. Großzügige Verglasungen mit Sonnenschutzglas lassen das Gebäude hell und offen wirken, wobei Holz-Alu-Fenster die natürliche Optik mit Widerstandsfähigkeit und Pflegeleichtigkeit verbinden. Innen sind die Wände aus Lärchenholz gestaltet, um den Kindern den Kontakt zu diesem lebendigen Material zu ermöglichen und die Verbindung zur Natur zu stärken. Der Boden aus umweltfreundlichem Linoleum ist pflegeleicht, schallabsorbierend und farblich kontrastreich. Die Innenmöbel bestehen ebenfalls aus Holz, wie Buche oder Fichte, für eine warme Atmosphäre. Kleine Holz-Kojen, die aus der Fassade hervortreten, dienen als Rückzugsorte und schaffen Blickbeziehungen im Raum. Baubiologisch unbedenklichen Holzwolle-Leichtbauplatten unter den Flurdecken sorgen für gute Akustik und Nachhaltigkeit. Schrägdächer mit Dachverglasungen bieten Ausblick auf das Gründach, sorgen für natürliche Belichtung und integrieren das Gebäude harmonisch in die Natur, was das nachhaltige Konzept unterstreicht.

Konstruktion, Nachhaligkeit und Wirtschaftlichkeit
Unser geplantes Kitagebäude setzt auf eine nachhaltige und klimaresiliente Bauweise, die sowohl ökologische als auch soziale Aspekte berücksichtigt. Das Gebäude wird in Holzrahmenbauweise errichtet, einer umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Bauweise. Die Verwendung natürlicher Materialien wie Holz trägt dazu bei, ein gesundes Raumklima zu schaffen, das für die Bedürfnisse der Kinder optimal ist. Zudem sind die haptischen Qualitäten der Materialien für Kinder besonders ansprechend und fördern die sensorische Entwicklung. Die Modularität und Vorfertigungsmöglichkeit des Systems erlaubt flexible Raumgestaltungen, erleichtert zukünftige Anpassungen oder Erweiterungen und reduziert die Bauzeit. Damit trägt das Konzept auch zur Kosteneffizienz bei, da eine schnelle und präzise Umsetzung möglich ist. Zur nachhaltigen Energieversorgung werden modernste Technologien integriert: Solarthermie und Photovoltaik sorgen für Wärme und Strom, während Geothermie eine natürliche Klimaanlage bietet, die das Gebäude im Sommer kühlen kann und im Winter beheizt. Ergänzt wird das System durch ein vertikales Windrad, das die vor Ort anfallenden Windressourcen optimal nutzt. Dieses Energiekonzept ist so ausgelegt, dass es die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) 2024/2025 erfüllt oder sogar übertrifft. Durch die Kombination aus erneuerbaren Energien, effizienten Dämmmaßnahmen und der Nutzung lokaler Ressourcen wird der Primärenergiebedarf des Gebäudes deutlich reduziert. Die Flachdächer sind begrünt, um Regenwasser optimal versickern zu lassen, die lokale Wasserretention zu verbessern und die Biodiversität vor Ort zu fördern. Zudem verstärken sie die Dämmeigenschaften des Daches und trages so zur Reduzierung der Heiz-und Kühlkosten bei. Durch diese ganzheitliche nachhaltige Konzeption schaffen wir ein zukunftsicheres Gebäude. Es wird ein Ort, der nicht nur den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird, sondern auch aktiv zur Bewahrung unserer Umwelt beiträgt.

Brandschutz und Barrierfreiheit
Für den Brandschutz ist eine Feuerwehraufstellfläche mit 7x12 m direkt am Gebäude vorgesehen. Alle 30 Meter sind rauchdichte, selbstschließende Türen installiert, um Rauch- und Feuerausbreitung zu verhindern. Zusätzlich zu den Notausgangstüren in den Fluren bieten alle Gruppen- und Gemeinschaftsräume eine Fluchtmöglichkeit für eine schnelle Evakuierung. Brandschutztechnisch sind Hochebenen möglich, wenn regelmäßige Evakuierungsübungen eingeplant sind. Die Kita ist größtenteils ebenerdig geplant, was den Zugang für alle erleichtert. Am Eingang befindet sich ein rollstuhlgerechtes WC. Breite, schwellenlose Flure und Übergänge sorgen für eine offene, sichere Bewegungsfreiheit. Kinder im Rollstuhl haben ausreichend Platz zum Wenden, und Geh- sowie Sehbehinderte kommen ohne Stolperfallen voran. Die robusten, barrierefreien Bodenbeläge fördern die aktive Teilnahme aller Kinder. Auch im Außenbereich sind Wege breit, eben, befahrbar und kontrastreich gestaltet, um Orientierung und Mobilität zu unterstützen.

Außenraum – Spiel- und Aktivitätsmöglichkeiten
Der Außenbereich der Krippenräume hat einen direkten Sichtbezug zum Innenhof und dem größeren Freibereich der Elementargruppen. Alle Kinder können sich im Innenhof oder im Patio treffen, was die Interaktion fördert. Der Außenraum ist direkt aus den Gruppenräumen zugänglich und bietet den Kindern die Freiheit, sich je nach Aktivität zwischen verschiedenen Zonen zu bewegen. Zwei Schmutzschleusen und der Patio trennen die Zugänge bei Bedarf sauber. Das Konzept der Freianlagenplanung basiert auf dem „Dorf im Dorf“-Motiv. Die Freibereiche gliedern sich in abwechslungsreiche Spielhügel sowie Spielfelder und Grüninseln, um eine kleinteilige dörfliche Struktur nachzuahmen. Über einen barrierefreien Rundweg sind die Spielinseln erreichbar und bieten vielfältige Bewegungs- und Entdeckungsmöglichkeiten. Im erhöhten Zauberwäldchen befinden sich Spielhäuser, die eine fantasievolle Atmosphäre schaffen und Rückzugsorte bieten, in denen die Kinder sich ausruhen oder beobachten können. Die Matschanlage ist teilweise mit dem Rollstuhl unterfahrbar, sodass alle Natur hautnah erleben und mit natürlichen Materialien arbeiten können. Eine spezielle Spielkombination mit integrativen Elementen fördert zudem die Vielfalt und Teilhabe. Die Kinderbeete liegen in direkter Nähe zum Kitagebäude. Am leichten Hang sind Sitzstufen und Balancierbalken aus Baumstämmen integriert, die zum Spielen und Balancieren einladen. Verschattungen sorgen für Sonnenschutz, so dass die Kinder auch bei heißem Wetter draußen aktiv sein können. Seitlich des Eingangs sind Obstbäume gepflanzt, die den Außenbereich bereichern und von den Kindern und Mitarbeitern beerntet werden können. Durch die zahlreichen Grünflächen wird die Versiegelung minimiert, die Versickerung begünstigt und das nachhaltige Konzept unterstützt

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit überzeugt bereits auf den ersten Blick durch die gelungene Anordnung der Baumassen auf dem Grundstück. Die Funktionsräume sind zu einem S-förmigen Baukörper ausformuliert, der durch seine Form zwei Höfe bildet. Ein Hof öffnet sich im Nordwesten großzügig in Richtung der Erschließung und erzeugt hier eine gelungene Situation des Ankommens und der Adressbildung. Der andere Hof öffnet sich nach Südosten als Spielhof, der hier als Binnenraum zwischen Gebäude und den weiteren Außenspielanlagen eine wertvolle Transferzone darstellt.

Zwischen den beiden Höfen ist der zentrale Gebäudezugang angeordnet mit Schuhwechselzone, Wartebereich und Elterninfo. Die gelungene Ausformulierung dieser Eingangszone wird ausdrücklich gelobt. Die hohe Transparenz der Gebäudehülle in den Erschließungsbereichen fördert an dieser Stelle vielfältige Blickbeziehungen auch über den Außenraum hinweg in die weiteren Funktionsbereiche und trägt zu einer einfachen, kindgerechten Orientierung in der Kita bei. Gewürdigt wird der bei Regenwetter gut nutzbare überdachte Außenraum, der zwischen Spielhof und Eingangsbereich angeordnet ist und hier zugleich als Wartebereich für die abzuholenden Kinder dient.

An diesem Detail zeigt sich, dass die Tagesabläufe des Kitabetriebs auf selbstverständliche Weise in den Entwurf integriert wurden.

Die Gruppenräume sind jeweils in einer 3er-Kette an der Süd- und Ostfassade angeordnet und verfügen hier in Form von vorgelagerten, überdachten Terrassen ebenfalls über funktionale Übergangsräume zwischen innen und außen. Auch die Stiefel-Schleusen sind ausreichend proportioniert.

Insgesamt verfügt der Entwurf über vielfältig gestaltete Transitbereiche zwischen Innen- und Außenraum, die beide Räume kunstfertig miteinander verschränken.

Im Wesentlichen ist der Entwurf als Flachdach angelegt, dem eine Auswahl von Satteldächern aufgesetzt wird, mit dem Ziel, in der städtebaulichen Körnung zu den umliegenden Siedlungsstrukturen von Einfamilienhäusern zu vermitteln. Während dieses Motiv des Satteldachs an dem zum Eingang hin gelegenen Bewegungs- und Gemeinschaftsraum begrüßt wird, da hier der resultierende Gebäudeauftritt positiv zur Adressbildung beiträgt, wird die Sinnhaftigkeit der Anordnung der Satteldächer über den Gruppenräumen kritisch hinterfragt, zumal die Nutzbarkeit der hier unter dem Dach angebotenen Spielzonen in Frage zu stellen ist. Insgesamt scheint der Entwurf in manchen Punkten ein Überangebot zu schaffen, wie zum Beispiel die angesprochenen Spielebenen oder die Übergangsräume zwischen den einzelnen Gruppenräumen, sowie die nicht notwendige Bühne im Bewegungsraum und eine Vielzahl von Falt- und Schiebewänden. Zu beachten ist, dass eine zu hohe Transparenz der Wandflächen zu einer Reizüberflutung der Kinder führen kann. Alle Funktionszusammenhänge sind schlüssig gelöst. Besonders hervorgehoben seien dabei die gute Organisation des Kinderbereiches, die Lage des Leitungsbüros am Eingang und die Lage der Technikräume an der Fassade mit entsprechenden Außenzugang. Als Konstruktion wird ein Holzrahmenbau vorgeschlagen, was aus Aspekten der Nachhaltigkeit begrüßt wird. Die Gestaltung des Holzbaus im architektonischen Ausdruck wird als überaus gelungen wahrgenommen.

Zu überprüfen ist die Lage der Gebäude im Gelände hinsichtlich der vorhandenen Geländehöhen. Ggf. wird die Einarbeitung eines Niveausprungs in den Grundriss in der Entwurfsüberarbeitung erforderlich.

Durch den meanderartigen Gebäudegrundriss werden vielfältige Aussenraumbezüge ermöglicht, vom einladenden Eingangshof zum zentralen, gemeinsamen Spielhof mit Patio.

Die Freianlagen der Elementar- und Krippenbereiche mit ihren vielfältigen Spielelementen und den verbindenden Rundwege versprechen eine attraktive Spiellandschaft.

Alles in allem stellt die Arbeit einen überzeugenden, in allen Ebenen der Ausarbeitung gelungenen Entwurf dar.
Lageplan

Lageplan

Grundriss

Grundriss

Tagesablauf

Tagesablauf

Fassadenschnitt

Fassadenschnitt

Abgabeplan 01

Abgabeplan 01

Abgabeplan 02

Abgabeplan 02