Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025
Neubau Kindertagesstätte in der Gemeinde Tellingstedt
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Visualisierung Außen
©kbnk ARCHITEKTEN GMBH/BHF Landschaftsarchitekten GmbH
2. Preis
Preisgeld: 6.300 EUR
Architektur
Erläuterungstext
Städtebau
Die neue Kindertagesstätte in Tellingstedt wird einladend und ebenerdig in einer L-Form auf dem vorhandenen Grundstück ausgebildet. Dabei fügt sich der Bau harmonisch und maßstäblich in die bestehende Nachbarschaft ein. Die polygonale Form mit Vor- und Rücksprüngen schafft anregende Entdeckungsräume, die allen Kindern vielfältige Sinneserfahrungen ermöglicht. Ansprechende Außenbereiche, mit vielen Aktivitäten und Dingen zum Entdecken, aber auch Rückzugs- und Ruhezonen sorgen für ein vielfältiges Angebot.
Erschließung
Über einen kombinierten Fuß- und Radweg wird die Kita an die bestehende Wegestruktur der Teichstraße angeschlossen. Zu Fuß erblickt man von weitem das neue Storchennest, das einladend an der Kita steht und zum Beobachten einlädt. Weiterhin führt der geschwungene Weg zum Haupteingang für die Elementar- und Krippengruppen, welcher sich auf der Westseite des Gebäudes befindet. Hier lädt ein kleiner Vorplatz mit Aufenthaltsqualität zur Begegnung der Eltern beim Bringen und Abholen der Kinder ein. Eltern stellen hier bequem ihr Fahrrad und Lastenrad ab. Die Anfahrt mit PKW und die Anlieferung ist räumlich von den Fußgängern getrennt. Sie fahren nicht auf das Grundstück, sondern docken sich an die bestehenden Parkplätze des Pflegeheims. Diese Maßnahme führt zu einer Vereinfachung des angestrebten B-Plans und Aufwertung der Aufenthaltsqualität für Eltern und Kinder auf dem Gelände. Ein separater Zugang für die Anlieferung im Norden kann tagsüber von einem Transporter angefahren werden, um die Versorgung der Kita zu gewährleisten. Im Süden wird eine untergeordnete Verbindung an die Sportanlagen geschaffen und schafft damit einen Mehrwert für die Dorfgemeinschaft.
Architektur
Die Anordnung von jeweils drei Gruppen-Bausteine mit einer gemeinsamen Mitte und den anliegenden Gemeinschafts- und Verwaltungsräumen formen, wie in einem Dorf mit einzelnen „Gebäuden“, „Gassen“ und „Plätzen“ eine einfache innere Orientierung. Dazwischen entsteht eine lichtdurchflutete Spiellandschaft, welche durch das spannungsvolle Wechselspiel aus Enge und Weite, sowie gestalteten Flächen und offenen Ausblicken die Sinne der Kinder anregt.
In den kleinen Nischen in den Flur-Endzonen kann bei Bedarf zudem eine individuelle Betreuung angeboten werden.
Rundum warten in den Räumlichkeiten vielfältige Angebote darauf, entdeckt zu werden.
Ein kombinierter Windfang mit geräumiger Garderobe plus Schleuse zum Spielgarten sind räumlich geschickt in der Nähe der Gruppen angeordnet und ermöglichen die Anforderungen an den Betrieb der schuhfreien Kita.
Die breiten Flure, Schiebetüren und schwellenlose, kontrastreich gestaltete Wege im Innenbereich ermöglichen allen Kindern, auch denen mit Rollstuhl, Geh- oder Sehbehinderung, sich sicher und selbstständig zu bewegen.
Konstruktion
Konstruktiv wird das Gebäude in modularer Holzbauweise ausgebildet. Ein einzelner Gruppenraum mit Nebenflächen bilden dabei ein tragwerktechnisch ablesbares „Haus“, welches durch ein die Rost und über die kurze Seite mit querliegenden Trägern überspannt werden. Diese sichtbar gelassenen Unterzüge gliedern den Gesamtraum und prägen den Raumeindruck.
Die nichttragenden Trennwände werden aus umweltfreundlichen Lehmziegeln hergestellt und komplettieren gestalterisch die natürlichen, freundlichen und warmen Materialien wie Holz, Kautschukböden und Linoleumoberflächen.
Neben den Lagerräumen verfügen die Räume über sorgfältig gestaltete und feste Einbaumöbel, welche z.B. als offene Schrankwände, farbige Garderoben das räumliche Angebot an Ablage und Staumöglichkeiten ergänzen.
Die Fassaden werden als senkrechte Holzschalung mit großen Öffnungen zum Außenraum ausgeführt. Sämtliche Aufenthaltsbereiche der Kinder wie Gruppenräume, der gemeinsamen Mitte und Bewegungsraum verfügen über einen direkten Fluchtweg in den Außenraum und bilden damit die Anforderungen an den Brandschutz ab.
Nachhaltigkeit
Der Neubau wurde als Holzbau geplant, um den hohen Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gerecht zu werden. Diese Bauweise zeichnet sich durch die Verwendung sortenrein trennbarer Materialien aus, was die Wiederverwendbarkeit erheblich vereinfacht.
Ein zentrales Element für die Behaglichkeit ist der bewusste Verzicht auf komplexe Technik. Stattdessen sorgt z.B. eine natürliche Belüftung für die notwendige Nachtauskühlung des Gebäudes. Die Fassadenbereiche sind als wichtige Aufenthaltsorte für die Kinder konzipiert. Um den Jüngsten auch bei niedrigen Außentemperaturen das Arbeiten und Verweilen vor den großen Fenstern mit freiem Blick in die Landschaft zu ermöglichen, werden diese mit einer Dreifachverglasung ausgestattet. Dies gewährleistet, dass sich die Fensterflächen warm anfühlen, Kälteabfall und Zugerscheinungen minimiert werden.
Der umlaufende Dachüberstand dient neben den konstruktiven Holzschutz gleichzeitig als effektive bauliche Verschattung des Gebäudes, wodurch auf bewegliche und motorisierte Verschattungselemente vollständig verzichtet werden kann. Der sommerliche Wärmeschutz wird zusätzlich durch einen großen Dachüberstand und die in das Lüftungskonzept integrierte Nachtauskühlung über Kipp-Oberlichter gewährleistet.
Darüber hinaus ermöglicht die intelligente Raumkonzeption im späteren Verlauf eine flexible Zusammenschaltbarkeit der Räume. Die Dachflächen werden als Gründach mit integrierten Solarpaneelen ausgeführt, was nicht nur zur Energieerzeugung beiträgt, sondern auch das anfallende Regenwasser puffert und, wo immer möglich, direkt vor Ort versickert. Das große Raumvolumen der Gruppenräumen folgt konsequent dem Konzept der freien Lüftung. Schiebeflügel auf beiden Seiten gewährleisten jederzeit eine Querlüftung mit großen Öffnungsquerschnitten.
Freiraum
Die Setzung des l-förmigen Baukörpers innerhalb der Baugrenze ermöglicht einen nach Süd-Osten ausgerichteten Außenraum. Alle Gruppenräume orientieren sich zu diesem großzügigen Spielgarten, der Spiel- und Anlaufpunkte für die Elementar- und Krippengruppen beherbergt. Die Gruppenräume erhalten mit den angebundenen Terrassen einen Zugang zum Außenraum.
Der gesamte Außenraum der Kita ist als großer natürlicher Lernbereich angelegt, welcher von den Kindern erobert, entdeckt und angeeignet werden möchte. Unterschiedliche Angebote für die Elementar- und Krippenkinder wie Klettern, Wasserspiel, Sand- und Matschkisten, Balancieren und Rutschen laden zum Spielen ein. Die einzelnen Spielbereiche sind durch natürliche und unversiegelte Oberflächen wie Kies, Gras und Sand klimaresilient ausgebildet. Ein umlaufender Bewegungsring schafft einen spielerischen Rahmen, welcher spielerisch und geschwungen die einzelnen Angebote zusammenfasst und die motorische Entwicklung der Kinder fördert. Zudem gliedern Bäume und eine Wiese mit Obstgehölzen die Außenbereiche und schaffen schattenspendende Ruhezonen.
Die robuste Strauchbepflanzung im Knickbereich begleitet die Einzäunung des Grundstücks und rahmt einen erfahrbaren Naturraum für die Kinder.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das städtebauliche Gesamtkonzept ist überzeugend, denn der in kleine Einheiten aufgelöste Baukörper verzahnt sich gut mit dem Außenbereich. Es entstehen schöne Innen- und Außenbezüge. Auch die Eingangssituation ist leicht auffindbar und einladend. Es handelt sich zwar um einen langgestreckten Flachdachbaukörper ohne Aufbauten, der aber seine Prägung durch die Vor- und Rücksprünge in der Fassade erhält.
Der Grundriss ist zwar gut durchgearbeitet, aber die Auflösung der Gruppenbereiche in einzelne Einheiten schafft einerseits große Flurflächen und andererseits in der täglichen Kitaarbeit nicht zu bewältigende Aufgaben bezüglich der Aufsichtspflicht. Darüber hinaus bestehen Mängel in der räumlichen Zuordnung wie z. B. der Lage des Leitungsbüros abseits des Eingangs, der räumlichen Trennung der Hausanschluss- und Technikräume und deren Lage in der Gebäudemitte, Personal-WCs in der äußersten Gebäudeecke oder auch zwei innenliegende Waschräume.
Der Entwurf weist im Vergleich zu den anderen Arbeiten den größten Anteil an Verkehrs- und Außenwandflächen auf. Dies ist der Wirtschaftlichkeit nicht zuträglich. Die vorgeschlagene lasierte Fichtenholzfassade und die Oberlichter im Gründach lassen einen erhöhten Wartungsaufwand erwarten. Gewürdigt wird das Konzept des modularen Konstruktionssystems aus Holz.
Insgesamt handelt es sich um einen sehr gut durchgearbeiteten und ansprechend dargestellten Entwurf. Dies würdigt das Preisgericht.
Die kleinteilige Grundrissstruktur ermöglicht vielfältige Aussenbezüge. Die einzelnen Gruppenräume mit ihren vorgelagerten Terrassenanlagen schaffen nutzbare Übergangsbereiche zu den angrenzenden Spielflächen.
Die vielfältigen Spielplatzthemen mit dem verbindenden Rundweg versprechen eine attraktive Freiraumfläche für die Kinder.
Die durchgehende organische Formensprache, insbesondere des Zugangswegs, der Anlieferung und des Haupteingangsbereichs stellt in ihrer Gesamtheit mit der Spiellandschaft eine angenehme naturnahe Außenraumgestaltung dar.
Leider ist der Entwurf aufgrund seines Grundprinzips aus vereinzelten Gruppenhäusern und teilweise funktionaler Schwächen nicht ganz überzeugend.
Visualisierung Innen
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Lageplan
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Grundriss Erdgeschoss
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Kosmos KiTA
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Piktos
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Gruppenraum
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Ansicht Süd
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Ansichten Nord und Ost
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