Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025
Neubau Kindertagesstätte in der Gemeinde Tellingstedt
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©WERNICKE x DIETZIG
3. Preis
Preisgeld: 4.200 EUR
Landschaftsarchitektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Die städtebauliche Grundidee, vier pavillonartige „Häuser“ um ein gemeinsames Erschließungszentrum zu gruppieren, wird als überzeugend und angemessen bewertet. Drei der Baukörper beherbergen jeweils zwei Gruppenräume mit zugehörigen Nebenräumen; im vierten Baukörper sind Küche und Nebenräume untergebracht. Diese klare Struktur bietet eine gute Orientierung und schafft eine übersichtliche, kindgerechte Maßstäblichkeit.
Der Haupteingang ist schlüssig auf der Nordseite positioniert und gut auffindbar. Die Orientierung innerhalb des Gebäudes wird durch regelmäßige Sichtbezüge nach außen unterstützt. Die sternförmige, kompakte Erschließung ermöglicht kurze Wege und eine einfache interne Organisation. In Materialität und Gestaltung fügen sich die geneigten Dächer sowie die Verwendung von Holzoberflächen harmonisch in die umgebende Bebauung und den landschaftlichen Kontext ein.
Die funktionale Organisation weist in ihrer Grundstruktur nachvollziehbare Ansätze auf, bringt jedoch auch einige organisatorische Schwächen mit sich. Die Trennung der Gruppenräume auf drei separate Häuser führt zu einer gewissen Entkopplung, insbesondere im Krippenbereich: Eine Krippengruppe ist gemeinsam mit einer altersgemischten Gruppe in einem Haus untergebracht, während die übrigen beiden Krippengruppen in anderen Baukörpern untergebracht sind. Dies erschwert eine zusammenhängende Nutzung und den pädagogischen Austausch.
Für die differenzierte Nutzung der Außenbereiche durch U3- und Ü3-Kinder fehlt eine separate Schmutzschleuse, was längere Wege im Außengelände und organisatorische Einschränkungen zur Folge hat. Kritisch beurteilt wird zudem die Anordnung von Lager- und WC-Bereichen inmitten der Erschließungsflächen, da sie die Übersichtlichkeit und klare Wegeführung beeinträchtigen.
Einzelne funktionale Mängel, wie doppelt erschlossene Wickelräume oder die Lage des Leitungsbüros, erscheinen hingegen durch moderate Umorganisation lösbar. Die Verbindung von Ausgabeküche und Essensraum über einen internen Flur wird aus hygienischer und betrieblicher Sicht als ungünstig bewertet. Auch die angestrebte Transparenz zwischen Essbereich, Eingangszone und Bewegungsraum dürfte in der Praxis kaum umsetzbar sein, da die unterschiedlichen Raumanforderungen an Ruhe und Aktivität kollidieren. Der Einsatz mobiler Trennwände wird in der täglichen Nutzung als unpraktikabel angesehen.
Die durch die Dachform generierten Lufträume mit vorgesehenen Hochebenen bieten zwar räumliche Qualität, sind jedoch insbesondere im Krippenbereich nicht sinnvoll nutzbar und entsprechen nicht den pädagogischen Anforderungen.
Die vorgeschlagene Bauweise in Holzständer- bzw. Holzrahmenkonstruktion ist in ihrer konstruktiven Logik gut auf das Projekt zugeschnitten und stellt eine ökologisch verantwortungsvolle Lösung dar. Der kompakte Baukörper sowie der geringe Flächenverbrauch versprechen eine wirtschaftlich tragfähige Realisierung sowie einen effizienten Betrieb. Die gewählte Konstruktion unterstützt zudem ein nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen.
Die dargestellte Retentionsfläche am höchsten Punkt des Grundstücks ist unverständlich und verkleinert des Weiteren die zu Verfügung stehenden Außenraumfläche erheblich.
Die sich durch den Architekturgrundriss ergebenen hofartigen Einschnitte schaffen eine vielfältige Verzahnung mit dem Außenraum. Die gezeigten Freiraumthemen der hofartigen Einschnitte mit den intensiven Nutzungen der Sandkisten und dem Hof für Feste und Feiern sind Außenraumnutzungen, die sich mit den angrenzenden Nutzungen des Raumprogrammes gut ergänzen.
Insgesamt ein in weiten Teilen gelungener Beitrag, der jedoch einige funktionale Mängel aufweist.
©WERNICKE x DIETZIG