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Einladungswettbewerb | 12/2025

Neubau Kindertagesstätte Lingelfläche in Erfurt

Anerkennung

Preisgeld: 3.000 EUR

Schettler & Partner Architekten | Stadtplaner

Architektur

freiraumpioniere landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, Frässervice, Laserservice

Modellbau

Erläuterungstext

Harte Schale – weicher Kern
Geschlossene massive Fassade als Schutz gegen Verkehrslärm + Sportanlagenlärm + Anliegerstraße/
Parken/ Hauseingänge
O􀆯ene hölzerne Fassade zum geschützten grünen Innenhof für U3, mit Erhalt des Bestandsbaums
Linde, der sich über das Gelenk des Eingangsplatzes zum höher gelegenen Freiraum für
die Ü3 ö􀆯net.
Städtebau und baukörperliche Einbindung in die Umgebung
Das neue Stadtquartier „Lingel am Steigerwald“ bildet den städtebaulichen Abschluss des südlichen
Stadtrandes von Erfurt im Übergang zum Steigerwald. Die Verfasser entwickeln den Neubau
unter Beachtung der Vorgaben aus dem bestehenden B-Plan LOV 688 als eigenständigen
Solitär auf dem letzten, noch unbebauten Grundstück. Die neue 1- bis 2- geschossige Kindertagesstätte
wird einladend und ebenerdig über einen klar definierten Zugang in Verlängerung des
Zäunemannweges (Planstraße B) erschlossen. Dabei fügt sich der Bau harmonisch und maßstäblich
in die bestehende Nachbarschaft, sowie in die zwei unterschiedlich hohen Geländeniveaus
ein. Indem das U-förmige Erdgeschoss das vorgegebene Baufeld e􀆯ektiv ausspannt und
einen innenliegenden lärmgeschützten und besonnten Freibereich erscha􀆯t, definiert das L-förmige
Obergeschoss, entlang der Planstraße E, eine 2-Geschossigkeit und überspannt auf der
Südseite den Eingangsplatz bzw. den somit wettergeschützten Innenhofbereich. Der Eingangsplatz
mit Hausbaum, Willkommensbank und Aufenthaltsqualität zur Begegnung der Eltern beim
Bringen und Abholen der Kinder bildet das Gelenk zwischen dem „Spielhof“ der U3 und dem
„Spielhügel“ der Ü3.

Erschließung
Über das Fuß- und Radwegenetz des Lingelquartiers, sowie über die straßenbegleitenden Fußwege
der zukünftig neu gestalteten MAN-Straße, wird die Kita an das bestehende Wegenetz angeschlossen.
Auf dem Eingangsplatz, vor dem Tor, stellen Eltern bequem ihr Fahrrad und Lastenrad
ab. 6 KFZ werden räumlich getrennt davon entlang des Zäunemannweges (Planstraße E) geparkt,
während die Ver- und Entsorgung des Neubaus über die Nordseite des Gebäudes organisiert
ist.

Konstruktiv unterteilt sich der Neubau in eine massive äußere Schale/ Hülle aus vorgefertigten
Beton-Sandwich- Wandelementen mit Dämmkern, in die im Inneren ein 2-geschossiger modularer
Holztafelbau eingestellt wird. Die Decken über EG sind massive Brettschichtholz-Decken,
während auf dem Obergeschoss ein Sparrendach aufliegt. Tragende Innenwände können aus
Brettsperrholz (CLT), nichttragende Trennwände können aus umweltfreundlichen Lehmziegeln
hergestellt und komplettieren gestalterisch die natürlichen, freundlichen und warmen Materialien
wie Holz, Kautschukböden und Linoleumoberflächen.

Im Zentrum der Korczak-Pädagogik stehen die Achtung vor dem Kind und dessen individuellen
Rechte auf Geheimnisse und Träume, die gegenseitige Wertschätzung sowie die Partizipation
und Transparenz in der alltäglichen Erziehungsarbeit mit Kindern. Die Entwurfsverfasser versuchen
mit ihrem Gebäude- und Freianlagenentwurf diese Grundsätze in das Bauliche zu übertragen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser bestechen mit der Entwurfsidee „harte Schale – weicher Kern“ und formulieren mit einer geschlossenen Fassade einen konsequenten Schutz ggü. dem Verkehrsraum und Sportlärm.

Die Komposition der Baukörper mit einem nach Südosten geöffnetem „U“ im EG und einem darauf gesetzten, teils auskragendem „L“ im OG vermittelt städtebaulich gekonnt ggü. der vorhandenen Bebauung am Zäunemannweg, gestaltet einen signifikanten Eingangsbereich mit Quartiersbezug und vermittelt ggü der angrenzenden Landschaft charmant.

Der Entwurf überzeugt städtebaulich als auch freiräumlich mit einer klaren Ankommens-Situation, gestaltet einen maßstäblichen multikodierten Platz mit guten Übergängen in den Freiraum.

Positiv hervorzuheben ist die Erhaltung des Bestandbaumes und Einbindung in das Gebäude sowie die konsequente Trennung von Anlieferung und Kinder- und Besucherverkehr.

Der im EG entstehende Innenhof ist dem Kindbereich U3 zugeordnet, was kritisch diskutiert wird, weil es keinen direkten Freiraumbezug zur Natur gibt. Dem gegenüber ist der Ü3-Kindbereich auf dem oberen Freiraumniveau verortet mit direktem Innen-Außen-Raum-Bezug und vielseitigen Beschäftigungsangeboten.

Die Verfasser gehen angemessen und respektvoll mit den Flächen E1 und E2 um.

Gestalterisch und konstruktiv sind beim Gebäude die offenen hölzernen Fassaden zu den nutzbaren Freiräumen eine dem Standort angemessene Wahl. Die äußere Hülle aus vorgefertigten Beton-Sandwich- Wänden mit eingestellter 2-geschossiger Holzkonstruktion ist eine zeitgemäße und nachhaltige Bauweise.

Durch die Entscheidung der Verfasser, getrennte Eingänge für den U3- und Ü3-Bereich zu definieren, werden neben 2 Foyers auch wesentliche funktionale Bezüge zu Gemeinschaftsflächen erschwert. Gerade im EG entstehen sehr introvertierte Raumsituationen, die kontrovers diskutiert wurden.

Im OG befindet sich der Ü3-Bereich mit positiv hervorzuhebenden Freiraumbezug. Ebenso bemerkenswert ist die Idee der Verfasser, die Fassadenbereiche als Aufenthaltsbereiche zu konzipieren.

Durch Verzicht auf komplexe Technik wird das Primat auf natürliche Belüftung durch die Verfasser gelegt. Die Entscheidung für begrünte Flachdächer lässt auch ein zeitgemäßes Regenwassermanagement zu.

Der Entwurf lässt eine technische wie auch wirtschaftliche Realisierung zu, wobei wesentliche funktionale Mängel durch die Trennung von U3 und Ü3 in 2 verschiedenen Gebäudebereichen ohne direkte Innenraumbeziehung eine der pädagogischen Zielstellung sowie wirtschaftliche Betreibung erschweren.