Einladungswettbewerb | 12/2025
Neubau Kindertagesstätte Lingelfläche in Erfurt
Anerkennung
Preisgeld: 3.000 EUR
Tanja Ernst-Adams - TEA Architekturbüro
Architektur
Tragwerksplanung
360° Landschaftsarchitekten Grimm & Steiniger PartG mbB
Landschaftsarchitektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Leitidee des Entwurfes ist die Schaffung eines „Bindegliedes zwischen Stadt und Landschaft“ mittels eines - von der Korczak-Pädagogik inspirierten - Gebäudes. In der städtebaulichen Setzung gelingt die Umsetzung dieser Idee mit einem großen, rechteckigen Baukörper aus Sicht der Jury allerdings nur teilweise.
Weit überzeugender erscheint die (innen)räumliche Disposition des Entwurfes mit „klaren Strukturen“ und „offenen Bereichen.“
Der - das zur Verfügung stehende Baufeld vollständig ausnutzende - zweigeschossige Baukörper schafft weitgehend „harte“ Übergänge zum umgebenden Freiraum. Dies gilt sowohl für den zur Planstrasse E orientierten Eingangsbereich als auch für die südwestlich und südöstlich vorgelagerten Spielbereiche. Als „vermittelndes“ Element kann im Wesentlichen der nach Südosten ausgerichtete, teilweise überdachte Dachgarten verstanden werden. Als alleiniger Freibereich der U3-Gruppen erfüllt dieser jedoch trotz der vorgeschlagenen Nutzungsbausteine und seiner aus Betreibersicht positiven räumlichen Abgeschlossenheit in Summe nicht die an diesen Bereich gestellten Anforderungen.
Der Ü3-Freibereich bietet hingegen weit stärker differenzierte, wenn auch teilweise ungünstig angeordnete Nutzungsangebote, schafft mit der vorgeschlagenen Verlagerung des Geländesprunges nach Südosten andererseits auch zusätzliche Herausforderungen. Zudem kann die Ausbildung des „tiefhofähnlichen Bereiches“ im Südwesten in Verbindung mit der hier vorgeschlagenen Erschließungsfuge nicht überzeugen.
Die Tatsache, dass Aussagen zur Höhenentwicklung der Freianlagen insgesamt fehlen, erschwert darüber hinaus die Beurteilung.
Holz als prägendes Material soll dem Haus nach Aussage der Verfasser „Wärme“ und „Nähe zur Natur“ geben. Die Visualisierung dieser Planungsziele gelingt der Arbeit aus Sicht der Jury jedoch nur bedingt. Die gewählte Fassadensprache bleibt einerseits in weiten Teilen unspezifisch, die in großer Geste besonders betonten Lamellenfassaden der Pergolen erscheinen als gestalterischer Kontrapunkt hingegen überzogen.
Herauszuheben ist die gute innenräumliche Organisation des Gebäudes. Die entwurfstragenden Elemente sind der gut platzierte und proportionierte Eingangsbereich im 1-1/2-geschossigen Gebäudeteil, sowie die klare Zonierung der Gruppenbereiche mit ihrer dank räumlicher Zonierung gelungenen Mittelzone. Die vorgeschlagene Splitt-Level-Anordnung ermöglicht insgesamt eine geschickte Vermittlung zu den südlich angrenzenden Freibereichen. Sie schafft zudem die angestrebte „Großzügigkeit“ im Bereich des Marktplatzes, ohne diesen zweigeschossig überhöhen zu müssen.
Ebenfalls positiv bewertet werden die Zuordnung der Gruppenbereiche mit den angrenzenden Räumen für pädagogisches Personal, die vorgeschlagene Teilunterkellerung sowie die Anordnung der Versorgungsbereiche. Demgegenüber erscheinen die „versteckte“ Anordnung des Leitungsbereiches sowie die Lage des Müllstandortes unmittelbar neben dem Fußweg an der Martin-Andersen-Nexö Straße ungünstig.
Die vorgesehene Hecke samt Einzäunung parallel zur Planstraße E entspricht in Ihrer Lage nicht den Festsetzungen des B-Plans.
Der streng rechteckige Baukörper und die disziplinierte Durchbildung der Grundrisse lassen grundsätzlich eine wirtschaftliche Realisierung als modularer Holzbau erwarten. Ob das dreifach abgestufte Gründungsniveau samt Teilunterkellerung der Mittelzone im Hinblick auf die inhomogene Gründungssituation wirtschaftliche Vorteile bietet, kann im Rahmen des Wettbewerbs nicht abschließend beurteilt werden.
Die Arbeit weist im Vergleich zum Teilnehmerfeld die größte NUF auf. Dieser Nachteil kann auch durch die im Vergleich geringe VF nur teilweise kompensiert werden. Die Wirtschaftlichkeit des Entwurfes liegt somit nach Einschätzung der Jury im Gesamtvergleich eher im ungünstigen Bereich.
Der Entwurf stellt insbesondere mit Blick auf die angebotene innenräumliche Disposition einen wertvollen Beitrag zum Wettbewerbsverfahren dar, kann aber letztlich wegen der aufgezeigten Schwächen nicht zur Realisierung empfohlen werden.