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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2025

Neubau Kita im Ellenfeld in Bad Kreuznach

Modellfoto
3

Modellfoto

ein 3. Preis

Preisgeld: 9.750 EUR

Architektur 109 Arnold Fentzloff Otterbach

Architektur

Plankontor S1 Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

str.ucture GmbH

Tragwerksplanung

Modellbauere Sybille Thiel

Modellbau

Erläuterungstext

LEITIDEE
keinen Raum vorgeben, der die Phantasie der Kinder vorwegnimmt, son- dern einen gut belichteten und proportionierten Raum bieten, der alle Freiheiten der
spielerischen Phantasie zulässt.
Das Ziel: die besondere Atmosphäre des Ortes einfangen, den heterogenen städtebau- lichen Raum fassen und mit einer charaktervollen Setzung stärken.

STÄDTEBAU UND ARCHITEKTUR
Die städtebauliche Situation ist geprägt durch Ein- und Mehrfamilienhäuser, sowie einem Grundstück mit ca. 3,00 m Höhendifferenz, abfallend von Südosten nach Nordosten. Die Anbindung der Kindertagesstätte erfolgt über die Straße Im Ellenfeld und dem Weg in Richtung Richard-Wagner-Straße. An der Südostecke liegt der bestehende Zugang zum Grundstück, der in angepasster Planung weiterhin genutzt wird. Der Fahrverkehr nutzt die ebenengleiche Zufahrt von der Straße Im Ellenfeld auf den Wirtschaftshof. Der 2-geschossige Baukörper mit Hanggeschoss belegt das komplette Baufenster und wird nach Südosten erweitert. Die Kindertagesstätte ist als Dreibund konzipiert und über zwei Ebenen organisiert: das Erdgeschoss ist der U2- und Inklusionsgruppe, sowie der Mensa mit Küche und dem Bewegungsraum vorbehalten. Die Küche kann separat erschlossen und ebenerdig angeliefert werden. An der Schnittstelle zur Mensa liegt die Lernküche. Der Bewegungsraum und die Mensa erhalten über eine Faltwand einen Raumverbund. Beide sind zum Foyer und Flur hin verglast, so entsteht ein transparentes Raumgefüge. Die Ü2-Gruppen belegen mit den Sonderräumen Sprache und Kreativ das Obergeschoss. Der mittige Flur wird durch eingestellte Raumkörper und der Vertikalerschließung be- spielt und durch offene Zwischenbereiche für Garderoben zur Kommunikationsfläche und räumlichen Erlebnis.
Die überdachte, südöstliche Vorzone an den Gruppenräumen wirkt als natürliche Ver- schattung. Zur vollen Verschattung reicht es, wenn die vorgesetzten textilen Markisen auf 1,20 m Abstand zum Boden herabgelassen werden. Der Blick nach draußen bleibt für die Kinder frei. Es entsteht ein flexibel nutzbarer Zwischenraum, ein Hitzepuffer, der mobil möbliert und für Fahrspiele genutzt werden kann.

KONSTRUKTION/ MATERIAL
Die im Grundraster von 1,20 m vorgefertigte Holzkonstruktion steht auf einem teilun- terkellerten RC-Stahlbeton-Hanggeschoss. Die Wände werden in oberflächensichtigen Brettsperrholzelementen in Weißtanne gestellt und erhalten, wo erforderlich, schallab- sorbierend befestigte GK-Beplankungen als Installationsebene.
Die Spannweiten der Flachdecke über dem Erdgeschoss liegen im günstigen Bereich, was geringe Stärken der Brettsperrholzdecke ermöglicht. Der Schallschutz wird über eine Holz-Hybrid-Konstruktion mit Aufbeton oder Beton-Verlegeplatten und Estrich gewährleistet. Dadurch lassen sich an der Unterseite der Massivholzdecken integrierte (Luft-) Schallschutzmaßnahmen nach Erfordernis realisieren. Zusätzlich akustisch wirk- same Bauelemente unter der Decke sorgen für ein angenehmes Raumempfinden. Die Außenfassade erhält eine Holzprofilierung aus Weißtanne, im Wechsel mit 3-fachver- glasten Holz-Alu-Fensterelementen. Zwischen den Holzrahmen der Laubengänge ist der notwendige textile Sonnenschutz integriert. Die Fenster der Nassräume werden teilweise hinter einer Holzlamellenstruktur vor Einblicken geschützt. Mit Ausnahme des robusten Industrieterrazzos in der Erdgeschoss-Erschließungszone sind Linoleumbeläge vorgesehen. Ein zügiger und wirtschaftlicher Bauablauf mit vorgefertigten Bauelementen und regenerativen Materialien ist angestrebt, was die Baukosten reduziert.

FREIANLAGEN
Der freiraumplanerische Entwurf verbindet geschickt funktionale und kinderfreund- liche Ansprüche. Die kreativitätsfördernde Ausformung der Freifläche als Korrespon- denz zum klar strukturierten Baukörper ermöglicht ein spannendes und erlebnisreiches Zusammenspiel der differenzierten Freibereiche. Die Freiflächen werden in Teilräume mit verschiedenen Erlebnisschwerpunkten und Funktionen gegliedert.
_ öffentlicher barrierefreier Zugangsbereich
_ geschützte Kinderspielfläche
_ Wirtschaftshof mit Stellflächen für PKW, Fahrräder und Rettungswagen
Der Zugangsweg und ggf. auch die Stellflächen im Norden werden durch helle, wasserdurchlässige Pflasterbeläge mit Recyclinganteil hervorgehoben, die durch Reflexion und Wasserdurchlässigkeit zur Reduktion der Aufwärmung und Rückhaltung des Niederschlagswassers beitragen. Das Gelände zur Straße wird terrassiert und mit blühenden heimischen Stauden begrünt, um die bestehende Stützwand entlang der Straße erhalten zu können.
Der südliche Gartenbereich lädt mit seiner ebenen Freifläche zum Toben, Sport und Spiel ein. Klassische Bewegungsspiele, ein Balancierbalken und für die Sommerzeit ein Wassermatschbereich mit Sonnensegel sind integrierbar. Im nach Norden abfallenden Gelände wird die Topografie zum Westausgang angehoben und der haltbare Baum- bestand sinnvoll zu kleinen Gruppen schattenspendender Hochstämme ergänzt. Klein- kronige Laubbäume zonieren Ruhebereiche, Sitz- und Liegeflächen. Sie unterstützen individuelles Spielen. Heimische Beerensträucher in den Randzonen und ein Gemüse- und Beerengarten tragen zum Entdecken der Natur bei. Für Spannung sorgt das be- wegte Gelände nach Nordwesten: Rutschen und Klettern ist hier angesagt. Im Sinne einer nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung werden die notwendigen Wege mi- nimiert und nur als Schrittplatten für Hüpf- und Springspiele befestigt. Zur fröhlichen bunten Kinderwelt passend sind die Ausstattungen und Spielelemente farblich akzen- tuiert und aus heimischen Hölzern hergestellt.
Die den Personalräumen im Hanggeschoss vorgelagerte Außenfläche dient als Wirtschaftshof für Andienung, Stellplätze und überdachtem Außenraum.

IDEENTEIL
Die barrierefreie öffentliche Durchwegung zwischen der Straße Im Ellenfeld, der Richard-Wagner-Straße, der Anbindung an den Kita-Zugang und den von Westen heranzuführenden Fußweg kann durch das Verziehen des Höhenversprung im Treppenbereich erreicht werden. Um das östlich angrenzende Gelände der Gärten und des Hausgrundes zu erhalten wird die Außentreppe in einem Gehweg mit bestehendem Höhenverlauf gefasst und erhält eine Stützwand zum auf ca. 25 m langen Verlauf des für die Befahrbarkeit zu ändernden Wegeprofil. Ein gleichmäßiges Gefälle von etwa 8,5 % verbindet damit die beiden Straßen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der insgesamt II-III geschossige rechtwinklige Gebäudekubus wird mit seiner Schmalseite leicht zurückgesetzt an der Straße Im Ellenfeld städtebaulich richtig in der Blickbeziehung von der östlichen Straße Im Ellenfeld und von dem Zugang von der Richard-Wagner-Straße positioniert. Es entsteht zur Straße ein angemessener dem Eingang vorgelagerter Zugangsbereich, der als Hauptzugang von der Richard-Wagner-Straße kommend direkt über eine Rampe erreicht wird und zusätzlich über eine Treppenanlage zur Straße Im Ellenfeld führt. Der Bereich vor dem Eingang bildet einen wichtigen Treffpunkt für alle Ankommenden. Diese Setzung der Haupterschließung über eine sehr lange Außenrampe wird kritisch diskutiert.

Die Freiflächen sind mit Angeboten für die verschiedenen Gruppen versehen, die noch einer weiteren Ausformulierung und Konkretisierung bedürfen.

Das Gebäudekonzept: „Wohl proportionierte, gut belichtete und flexibel bespielbare Räume anzubieten" findet sich in einem differenziert ausgebildeten Dreibund konzipierten Grundrisskonzept wieder. Einer qualitätvollen, hellen lichten Magistrale, die eine gute Orientierbarkeit auch für die Kinder bietet, werden seitlich zwei Gebäudespangen angeordnet und es wird mit dem großzügigen hellen Innenbereich eine flexible Innenzone geschaffen, die auch als Spielbereich dient.

Im Eingangsbereich wird ein offener, hellen Wartebereich ausgebildet. Die Treppe ins Obergeschoss wird Raumelement ausgebildet, die mit ihren Sitzstufen einen atmosphärischen Ort des Ankommens schafft. Dahinter liegen angemessen sowohl der Aufzug als auch dienende Räume wodurch sich seitliche Flure bilden, die direkt über ein Matschschleuse in den Garten führen. Die Nordspange beherbergt die U2 Gruppe mit direktem Gartenbezug und die integrative Gruppe zur Straßenseite, die neben dem Leitungszimmer gelegen richtig platziert ist. Funktional stimmig zwischengelagert sind Sanitär und Schlafbereich.

Über eine große Innenfassade optisch angebunden liegen in der Südspange der Bewegungsraum sowie die Mensa mit Küche, die wie gewünscht zusammenschaltbar sind und eine Verbindung zum Außenraum haben. Die Anlieferung der Küche über den Vorplatz erscheint ungünstig.

Fast alle Gruppenräume im Obergeschoss haben einen direkten Zugang zum außenliegenden umlaufend Balkon, der einen weiteren Spielbereich schafft und über eine Treppe mit dem Garten verbunden ist. Der östliche Gruppenraum sollte ebenfalls direkt angeschlossen werden.

Die Lage des Personalbereiches im Hanggeschoss wird positiv gesehen, da sie eine Rückzugsmöglichkeit bieten. Der befestigte Andienungs- und Parkierungshof erscheint überdimensioniert und sollte zugunsten des Außenbezugs aus den Personalräumen optimiert werden.

Die nachhaltige Konstruktion ist als Recyclingbeton im Hanggeschoß und als eine Holzhybridkonstruktion der beiden oberen Geschosse vorgesehen, mit sichtbaren Holzflächen aus Weißtanne im Innern. Auf dem Dach sind PV- Dachelemente über der Dachbegrünung geplant, die den Energiebedarf des Hauses teilweise decken sollen. Die Fassade ist als Holzfassade geplant. Der brandschutztechnische Nachweis wäre noch zu erbringen.

Insgesamt handelt es sich um einen wertvollen Beitrag für eine offene Kita in nachhaltiger Bauweise.
Präsentationsplan 1

Präsentationsplan 1

Präsentationsplan 2

Präsentationsplan 2