Nichtoffener Wettbewerb | 09/2026
Neubau KiTa Kyrau in Kirn
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Modellfoto, KI-generiert
©Kauffmann Theilig & Partner mit Liebenwein Modellbau
3. Preis
Kauffmann Theilig & Partner / Freie Architekten BDA Partnerschaft GmbB / Generalplaner GmbH
Architektur
ErlÀuterungstext
KiTa Kyrau - das Rote Haus in der Auenlandschaft
PrĂ€gend fĂŒr den Entwurf ist die unmittelbare Lage an der Auenlandschaft des Hahnenbachs. Durch die Positionierung des Baukörpers entlang der nordwestlichen GrundstĂŒcksgrenze bleibt die sĂŒdliche GrundstĂŒcksflĂ€che als groĂzĂŒgiger, zusammenhĂ€ngender Freiraum erhalten. Alle GruppenrĂ€ume orientieren sich selbstverstĂ€ndlich zu dieser gemeinsamen Landschaft und ermöglichen einen unmittelbaren Bezug zwischen Innen- und AuĂenraum. Die FreiflĂ€chen werden so zum selbstverstĂ€ndlichen Bestandteil des pĂ€dagogischen Alltags und bieten vielfĂ€ltige Möglichkeiten zum Spielen, Entdecken und Bewegen.
Die ErschlieĂung erfolgt von Westen ĂŒber den Festplatz. Der ĂŒberhöhte Bewegungsraum markiert den Haupteingang und verleiht dem GebĂ€ude eine klare Adresse. Von hier entwickelt sich die zentrale ErschlieĂungsachse als gemeinschaftliche Mitte des Hauses. Sie verbindet alle Gruppen, Gemeinschaftsbereiche und FunktionsrĂ€ume zu einer zusammenhĂ€ngenden Raumlandschaft. Ein zweiter Eingang im SĂŒdwesten ermöglicht die eigenstĂ€ndige ErschlieĂung des Krippenbereichs und unterstĂŒtzt die im pĂ€dagogischen Konzept gewĂŒnschte Trennung der Bring- und Abholsituationen. Die Anlieferung der Mensa erfolgt unabhĂ€ngig hiervon von Osten und bleibt konsequent vom tĂ€glichen Kitabetrieb getrennt.
Die KindertagesstĂ€tte gliedert sich in eine Folge eigenstĂ€ndiger GruppenhĂ€user entlang dieser gemeinsamen Mitte. Jedes Haus erhĂ€lt eine klare rĂ€umliche IdentitĂ€t und orientiert sich mit Gruppenraum und Terrasse selbstverstĂ€ndlich zum Freiraum. So entstehen ĂŒberschaubare Einheiten mit einer engen Beziehung zur Landschaft, die gleichzeitig Teil eines gröĂeren gemeinschaftlichen Ganzen sind. Die Krippe und die inklusive Gruppe befinden sich im sĂŒdlichen Bereich der Anlage. Ihre geschĂŒtzte Lage schafft einen ruhigen AuĂenbereich innerhalb der gemeinsamen Freiraumlandschaft, ohne diesen vom ĂŒbrigen AuĂengelĂ€nde abzugrenzen.
Die gemeinsame ErschlieĂungsachse ĂŒbernimmt dabei weit mehr als eine reine VerkehrsflĂ€che. Sie wird zur inneren StraĂe des Hauses â einem Ort des Ankommens, der Begegnung und des Spiels. Die FunktionsrĂ€ume und die Verwaltung sind ĂŒber einen separaten Flur erschlossen. Zusammen mit den dazwischenliegenden Lager- und SanitĂ€rbereichen entsteht eine klare dreibĂŒndige Organisation, die die unterschiedlichen Nutzungen ordnet, kurze Wege ermöglicht und die lebendige ErschlieĂungszone von den funktionalen AblĂ€ufen entlastet.
Die Verdrehung der einzelnen GruppenhĂ€user zur Hauptachse prĂ€gt den Charakter dieser inneren StraĂe. Es entsteht eine abwechslungsreiche Folge aus Aufweitungen und Engstellen, die Orientierung schafft und immer neue Aufenthaltsorte entstehen lĂ€sst. Die ErschlieĂung wird dabei bewusst ohne scharf ausgebildete Ecken entwickelt. Sanfte Rundungen folgen den natĂŒrlichen Bewegungen im Raum und unterstĂŒtzen einen flieĂenden Ablauf des Alltags. Das GebĂ€ude wird nicht ĂŒber lange Flure erlebt, sondern ĂŒber eine rĂ€umliche Sequenz unterschiedlicher Situationen mit wechselnden Blickbeziehungen, offenen Spielbereichen und geschĂŒtzten Nischen. Das Wechselspiel von Weite und Enge, Offenheit und Geborgenheit begleitet die Kinder durch den gesamten Tag. Nach auĂen bleibt diese rĂ€umliche Bewegung bewusst verborgen. Der Baukörper erscheint klar und prĂ€zise, wĂ€hrend sich seine rĂ€umliche Vielfalt erst im Inneren entfaltet.
Die organisch geformten Garderoben sind als freistehende Raummöbel in die ErschlieĂungszone eingestellt. Von der inneren StraĂe umspĂŒlt, gliedern sie den Raum und schaffen eine abwechslungsreiche Folge aus Bewegungs-, Aufenthalts- und Ankommensbereichen. Gleichzeitig sind sie weit mehr als funktionale Einbauten. Ihre begehbaren Ebenen und geschĂŒtzten Nischen laden zum Klettern, Verstecken und Rollenspiel ein und werden von den Kindern als Burg, Schiff oder RĂŒckzugsort angeeignet. So verbinden die Garderoben alltĂ€gliche Funktion und Spiel zu einem selbstverstĂ€ndlichen Bestandteil der rĂ€umlichen Erfahrung.
Die Mensa ist als offener gemeinschaftlicher Bereich konzipiert und lĂ€sst sich flexibel zusammenschalten. Sie unterstĂŒtzt sowohl den tĂ€glichen Betrieb als auch Feste, Veranstaltungen und gemeinschaftliche AktivitĂ€ten und stĂ€rkt damit das Miteinander innerhalb der Einrichtung. Die unmittelbare Anbindung an die gemeinschaftlichen Bereiche ermöglicht eine vielseitige Nutzung ĂŒber den gesamten Tagesablauf hinweg.
Konstruktion und MaterialitĂ€t folgen dem Anspruch eines einfachen, langlebigen und ressourcenschonenden GebĂ€udes. Die einzelnen GruppenhĂ€user eignen sich aufgrund ihrer klaren Struktur besonders fĂŒr eine modulare Vorfertigung in Holzbauweise. Dies ermöglicht eine wirtschaftliche Herstellung, kurze Bauzeiten und eine hohe AusfĂŒhrungsqualitĂ€t. Sichtbare HolzoberflĂ€chen schaffen eine warme und ruhige AtmosphĂ€re und entsprechen dem im pĂ€dagogischen Konzept formulierten Wunsch nach einer natĂŒrlichen und zurĂŒckhaltenden MaterialitĂ€t. Die Holzfassade erhĂ€lt einen gedeckten Rotton, der dem GebĂ€ude einen eigenstĂ€ndigen und zugleich selbstverstĂ€ndlichen Ausdruck verleiht. Die differenzierte Gliederung der Baukörper bleibt nach auĂen ablesbar und vermittelt einen dem MaĂstab der Kinder angemessenen Charakter.
Das Energiekonzept basiert auf einem konsequenten Lowtech-Ansatz. Die kompakte GebĂ€udestruktur, eine hochgedĂ€mmte GebĂ€udehĂŒlle sowie die konsequente SĂŒdausrichtung aller GruppenrĂ€ume reduzieren den Energiebedarf bereits durch die architektonische Grundkonzeption. Die geneigten DachflĂ€chen bieten optimale Voraussetzungen fĂŒr eine flĂ€chendeckende Photovoltaikanlage und ermöglichen eine regenerative Eigenstromversorgung. GroĂzĂŒgige DachĂŒberstĂ€nde verschatten die GruppenrĂ€ume in den Sommermonaten und tragen zu einem wirksamen sommerlichen WĂ€rmeschutz bei, wĂ€hrend die tief stehende Wintersonne weiterhin solare Gewinne ermöglicht. ErgĂ€nzt wird das Konzept durch eine WĂ€rmepumpe als regenerative WĂ€rmequelle. NatĂŒrliche Verschattung, sommerliche NachtauskĂŒhlung sowie eine auf das notwendige MaĂ reduzierte technische GebĂ€udeausrĂŒstung sorgen fĂŒr ein behagliches Raumklima bei dauerhaft geringen Betriebs- und Wartungskosten. Nachhaltigkeit entsteht dabei nicht durch technische KomplexitĂ€t, sondern durch eine einfache, robuste und langlebige Architektur mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.
So entsteht eine KindertagesstĂ€tte, deren QualitĂ€t aus dem Zusammenspiel von Landschaft, PĂ€dagogik und Raum entwickelt wird. Die Abfolge eigenstĂ€ndiger GruppenhĂ€user entlang einer gemeinschaftlichen Mitte, der unmittelbare Bezug zur Auenlandschaft sowie die bewusst gestalteten ĂbergĂ€nge zwischen Gemeinschaft und RĂŒckzug schaffen eine Umgebung, die Kindern Orientierung gibt, EigenstĂ€ndigkeit fördert und vielfĂ€ltige Möglichkeiten zum Spielen, Lernen und Entdecken eröffnet.
Die Konzeption der Freianlagen nimmt die fĂ€cherförmige Ausbildung des GebĂ€udes auf. Jedem Trakt der Kita wird ein eigener Spielbereich zugeordnet, dessen Gestaltung sich an der jeweiligen Alters- und BedĂŒrfnisgruppe orientiert. Die verschiedenen Bereiche können sowohl parallel als auch unabhĂ€ngig voneinander genutzt werden. Daran schlieĂt sich ein gemeinschaftlicher Bereich fĂŒr Spiel, Sport und Bewegung an, der von allen Gruppen genutzt werden kann. Eine groĂflĂ€chige, naturnah gestaltete Wiese bildet den rĂ€umlichen Abschluss bis zur GrundstĂŒcksgrenze. Die Abfolge von intensiven zu extensiven Nutzungen wird durch Baumsetzungen rĂ€umlich gegliedert, wobei die einzelnen Bereiche miteinander verbunden bleiben.
Die KurzzeitstellplÀtze und der Behindertenstellplatz werden westlich entlang der leicht angepassten Fahrspur des bestehenden Parkplatzes angeordnet. Dadurch können die Kinder möglichst kreuzungsfrei aussteigen und den Eingangsbereich erreichen.
Die einzelnen Spielbereiche bieten sowohl Spiel- als auch RuheflĂ€chen fĂŒr Kleingruppen. Verschattete Sitzbereiche unter BĂ€umen und Sonnenschirmen ergĂ€nzen das Angebot. FĂŒr den Krippen Bereich sind eine Sandmulde mit Findlingen und eine Wippe vorgesehen. Die Regelgruppen Bereiche werden durch HĂŒgel mit Rutsche und Tunnel, eine Matschecke mit Wasserlauf, sowie RobinienstĂ€mme zum Balancieren ergĂ€nzt. Im Bereich fĂŒr Spiel, Sport und Bewegung befinden sich eine Schaukel, Kletterfelsen als Reminiszenz an die âKirner Dolomitenâ, eine Reckstange und ein haptischer Pfad. Die umlaufende, baumbestandene Wiese bildet einen ruhigen Bereich mit frei aneigenbaren Funktionen. Ein Weidentipi schafft hier einen zusĂ€tzlichen RĂŒckzugs- und Spielort.
Das Vegetationskonzept sieht den gröĂtmöglichen Erhalt der BestandsbĂ€ume vor. ErgĂ€nzend werden standortgerechte, heimische und klimaresiliente Baumarten wie Erle, Feldahorn, Weide, Vogelkirsche und Blumenesche gepflanzt. Neupflanzungen entlang der GrundstĂŒcksgrenze und innerhalb des GelĂ€ndes dienen der rĂ€umlichen Gliederung und Raumbildung. Heimische StrĂ€ucher wie Hartriegel, Holunder, Haselnuss und Liguster fassen das GelĂ€nde, ergĂ€nzt durch einzelne BeerenstrĂ€ucher. Die umlaufende Wiese wird als Landschaftsrasen mit KrĂ€utern ausgebildet. Im zentralen Eingangsbereich ergĂ€nzt eine mit Birken bepflanzte Baumgruppe die Gestaltung.
Das Regenwasserkonzept basiert auf der oberflĂ€chlichen Ableitung von Niederschlagswasser in angrenzende VegetationsflĂ€chen sowie der Speicherung in unterirdischen Rigolen mit anschlieĂendem verzögertem Abfluss. Die hĂŒgelig und wellig gestalteten FreirĂ€ume im SĂŒden und Osten schaffen zusĂ€tzliche Speicher- und VersickerungsflĂ€chen und bieten auch bei Starkregenereignissen ein hohes RĂŒckhaltevolumen. Unterhalb des Haupteingangs nimmt eine Rigole das OberflĂ€chen- und Regenwasser der befestigten FlĂ€chen auf.
Die BelagsflĂ€chen im sĂŒdlichen und östlichen Freibereich sowie die Eingangsbereiche werden mit organisch geformten Pflastersteinen in elf Formaten im wilden Verband hergestellt. Die grau changierende Farbgebung nimmt Bezug auf die âKirner Dolomitenâ. Die StellplĂ€tze, der Behindertenstellplatz, der Anlieferungsstellplatz werden mit hellgrauem Sickerpflaster ausgefĂŒhrt. Die hellen Belagsmaterialien weisen einen höheren Albedowert auf und unterstĂŒtzen damit den sommerlichen WĂ€rmeschutz.
FĂŒr FahrrĂ€der und Roller stehen insgesamt 26 StellplĂ€tze zur VerfĂŒgung, darunter zwei StellplĂ€tze fĂŒr LastenfahrrĂ€der, verteilt auf die beiden Eingangsbereiche. Neben den FahrradbĂŒgeln am zentralen Eingang ist eine E-Ladestation vorgesehen. ErgĂ€nzend sind im Freibereich ein Lagerraum und zwei AuĂentoiletten geplant. Dynamische, insektenfreundliche Lichtstelen ergĂ€nzen die Freianlagen und sorgen fĂŒr eine sichere ErschlieĂung, ohne die naturnahen AuĂenrĂ€ume unnötig zu beleuchten.
Lageplan
©Kauffmann Theilig & Partner mit Plankontor S1
Grundriss und Schnitte
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Ansichten
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Fassadenschnitt
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