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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2021

Neubau Mittelschule an der Baumgartenstraße in Holzkirchen

Anerkennung

Preisgeld: 1.250 EUR

Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner

Architektur

Michael Wenzel Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Konzept
Zwei sich verschneidende Baukörper strukturieren die Freibereiche
in sinnfällige städtebauliche Raumsequenzen. Die an sich
große Baumasse gliedert sich dadurch einfach in vergleichbare
Proportionen der Gebäude der Nachbarschaft. Im Verschnitt
der beiden Baukörper befindet sich selbsterklärend Eingang und
Durchwegung der Schule, das ‚Äě Herz der Schule‚Äú und im Halbversatz
der beiden Baukörper die kurzweilige und spannende vertikale
Erschließung.

Städtebau, Identität und Adressbildung
Die beiden neuen Bauvolumen, die bestehende Turnhalle und das
große Volumen des Hallenbades spannen einen neuen Erschließungsplatz
an der Baumgartenstraße auf. Die Größe des Platzes
ermöglicht der Schule einen Ihrer Bedeutung angemessenen
Auftritt. Die angedachten Arkaden an dieser Stelle unterstreichen
dies. In den Stoßzeiten des Schulbeginns und Schulendes kann
der Platz die betr√§chtliche Anzahl der Sch√ľler aufnehmen und
entspannen. Unter dem Halbversatz des zweiten Baukörpers parkieren
nah des Eingangs und gesch√ľtzt von Wettereinfl√ľssen die
zahlreichen Fahrradstellplätze. Auf kurzem Wege ist die Kiss- &
Ride-Anlage in der Baumgartenstraße zu erreichen.
Dem Eingangsplatz abgewandt, auf der anderen Seite der Schule,
unter den großen Bäumen entlang der Säggasse, liegt die große
zusammenhängende Fläche des Pausenhofes. Die Kompaktheit
der Schule erlaubt, dass die Pausenhofnutzung leicht den geforderten
Abstand von 25m zu den Nachbarbauten einhält. Beeinträchtigungen
f√ľr die Umgebungen werden so gering gehalten.
Die beiden Baukörper gliedern sich auch in der Höhe mit einmal
drei und einmal vier Geschosse, wobei aufgrund der Split-Level-
Bauweise der viergeschossige Baukörper stadträumlich lediglich
etwas h√∂her gegen√ľber dem dreigeschossigen Bau wirkt.

Funktionalität
Die Pausenhalle gemeinsam mit der lichtdurchfluteten vertikalen
Erschließung bildet mit den angegliederten Bereichen des Mehrzweckraumes
und der Mensen das ‚ÄěHerz der Schule‚Äú. Eingang in
die Schule und Zugang zum Pausenhof erfolgen direkt und √ľber
die Pausenhalle. Die breit angelegte Stufenanlage ins erste Splitlevelniveau
mit Ganztagesklasse und Verwaltungsbereich dient
als informelle Sitzlandschaft im Pausenbereich und als informeller
Rang im Falle von Veranstaltungen in der Pausenhalle und
im Mehrzweckraum. Arkaden in Richtung Pausenhof bieten einen
wettergesch√ľtzten Au√üenbereich. Zudem k√∂nnen die Mensen
hierhin erweitert werden.
Von der Splitlevelbauweise mit seinen kurzen Wegen erwarten wir
uns eine spannungsreiche, kurzweilige Erschließung von Ebene
zu Ebene, von Lerncluster zu Lerncluster hin zu den Fachklassen.
Die Logik der benachbarten Lernlandschaften soll sich hier
auch √ľber die Geschosse hinweg fortschreiben und Synergien
entstehen lassen. Ein Lebensraum f√ľr alle Sch√ľler und f√ľr alle
gemeinsam soll so sich entwickeln.
Das Ende der vertikalen Erschlie√üung m√ľndet im begehbaren
Dach eines der beiden Baukörper, als zusätzliches und weiteres
Angebot. Dieses kann als Werkhof f√ľr die benachbarten Werkr√§ume
dienen, als gr√ľnes Klassenzimmer oder f√ľr einen gesch√ľtzten
Schulgarten.
Jede unterschiedliche Ebene nimmt zwei Jahrgänge mit den dazugehörigen
Lernlandschaften auf. Die drei Klassenräume eines
jeden Jahrganges arrondieren und öffnen sich dabei um den erweiterten
Lernraum. Die Lernräume zweier Jahrgansstufen touchieren
sich mit gemeinsamen, √ľberschneidenden Nutzungen. Nur
im Brandfall trennt ein Brandschutzvorgang an dieser etwas verengten
Stelle die beiden erweiterten Lernlandschaften. Lernraum
und Klassenraum haben gleichwertige nat√ľrliche Belichtungen.
Somit sind auch f√ľr zuk√ľnftige alternative Wege in Schulkonzepten
die Entwicklungsmöglichkeiten offen.
Die Garderoben haben wir laut Raumprogramm entwickelt. Alternativ
w√§re f√ľr uns auch ein Garderobensystem mit Spinden vorstellbar.
Die Fl√§che der Garderoben w√§re somit frei f√ľr weitere
und zusätzliche Lernräume, welches dann aufgrund der Lage an
der Halle auch jahrgangs√ľbergreifend von Niveau zu Niveau wirken
w√ľrde.

Architektur und Raumqualität
Der Eingangsbereich mit dem ‚ÄěHerz der Schule‚Äú bekommt mit
der weit √ľberspannenden Betonrippendecke und der √ľberh√∂hten
Geschosshöhe eine der Größe und der Besonderheit dieser
Raumsequenz angemessene und besondere Konstruktion. Das
Zenitlicht der vertikalen Erschließung und die breit angelegte Stufenanlage
fördern weiterhin die Besonderheit dieser Raumfolgen.
Ein klar strukturierter Holzbau im St√ľtzenraster 8,60m * 8,60m bzw.
gedrittelt zieht sich √ľber alle anderen Geschosse. Der Skelettbau
kann hierbei einfach auf die unterschiedlichen Anforderungen der
Raumabschl√ľsse von offen zu geschlossen reagieren oder auch
einfach auf zuk√ľnftige Entwicklungen in den √Ąnderungen von p√§dagogischen
Konzepten.

Wirtschaftlichkeit
Die Schule ist kompakt und mit Minimierung von Verkehrsflächen
entwickelt. Die beiden quadratischen Bauk√∂rper reduzieren H√ľllfl√§chen
und somit Investitions- als auch Unterhaltskosten. Der
Holzskelettbau lässt zudem eine kurze Bauzeit erwarten.

Nachhaltigkeit und √Ėkologie
Im Sinne eines Low-Tec-Geb√§udes werden die Schulr√§ume nat√ľrlich
be- und entl√ľftet. √úber Nacht kann das Geb√§ude √ľber die
witterungsgesch√ľtzten L√ľftungsfl√ľgel, gef√ľhrt √ľber Dach √ľber die
gro√üe Halle, ausk√ľhlen. Der Sonneneintrag wird bereits passiv
durch die auf ein notwendiges Maß reduzierten Glasanteile reguliert
bzw. minimiert. Zusätzlich wird er durch den textilen Blendund
Sonnenschutz vom Nutzer gesteuert, das Aufheizen des Gebäudes
wird so verhindert.
Auf einem der D√§cher des Geb√§udes ist die gro√üe begr√ľnte Dachlandschaft
vorgesehen mit den einhergehenden Möglichkeiten
der Retention. Auf dem anderen, nicht begehbaren Dach ist eine
große Photovoltaikanlage zum Eigenverbrauch vorgesehen.
Der Holzbau gibt uns Antworten auf die Herausforderungen, die
der Klimawandel oder die Forderungen der Nachhaltigkeit an uns
stellen hinsichtlich verbauter grauer Energie oder Bindung von
CO2 im Gebäude neben den Vorteilen der Kaskadennutzung, die
Holz somit erfährt. Zudem strahlt und wirkt der Holzbaus mit seinen
nat√ľrlichen Materialien auch auf uns Menschen und f√∂rdert
so den Gedanken, die Schule als den ‚Äěbesonderen Ort‚Äú und als
den ‚Äěfamilienst√ľtzenden Lebensraum‚Äú zu sehen.

Freianlagen
Im Wesentlichen besteht der Entwurf der Freianlagen aus drei
unterschiedlichen Bereichen:
Vorplatz mit Haupteingang, dem Pausenhof und der Dachterrasse.
Das Schulgebäude ist hier sowohl trennendes, als auch verbindendes
Element.
Der gro√üz√ľge Eingangsbereich ist in seinen Nutzungsanforderungen
räumlich getrennt. Die Parkplätze werden direkt an der Straße
unter den Bestandsbäumen angeordnet, damit keine räumlichen
Konflikte mit den Sch√ľler*innen entstehen k√∂nnen. Alle Fahrradstellpl√§tze
können im unter dem Gebäudedach untergebraucht
werden.
Nach der Schule lädt der Baumhain mit Sitzmöglichkeiten ein,
noch zu lesen oder auf eine Freundin zu warten.
Der Pausenhof wird im S√ľden des Bauk√∂rpers angeordnet. Mit
Hilfe der Unterschneidung des Gebäudes entsteht ein multifunktionale
Fl√§che, die teilweise √ľberdacht ist und bei jedem Wetter
f√ľr Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Bestandsb√§ume
werden teilweise durch weitere Baumpflanzungen verdichtet um
einen räumlichen Abschluss nach Osten zu entwickeln. Am Rand
des Pausenhofes bieten Sitzmöglichkeiten den notwendigen
Sonnenschutz mit viel Platz Aufenthaltsqualität. Ebenfalls werden
hier eine Freitreppe mit integriertem Geräteschuppen und Sportmöglichkeiten,
wie einem Boulderfelsen oder Tischtennisplatten
angeordnet.
Neben der Energiegewinnung, wird das Dach vollfl√§chig begr√ľnt.
Auf dem nördlichen Gebäudeteil wird eine große Dachterrasse
angeordnet. Diese kann als freies Klassenzimmer genutzt werden.
Die Hochbeete können als Schulgärten genutzt werden.
Trotz des notwendig hohen Versiegelungsgrades der Freiflächen
wird mit Hilfe von ökologischen Materialien und durch die Verwendung
von autochtonen Vegetationsstrukturen ein möglichst geringer
ökologischer Fußabdruck geschaffen. Durch die heimischen
Gehölzstrukturen und Magerrasenfluren wird sich eine große Artenvielfalt
entwickeln.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser entwickeln ein Geb√§udeensemble aus zwei sich verschneidenden Quadraten. Die entstehende K√∂rnung ist im st√§dtebaulichen Kontext nachvollziehbar und wird gewuŐąrdigt. Die H√∂henentwicklung wird durch die Organisation als Splitlevel auch im Bereich des 4- geschossigen Bauk√∂rper als gelungen betrachtet. Durch die Setzung des Geb√§udes entstehen sinnvoll nutzbare Freir√§ume. Der einladende und gut geschnittene Eingangshof bildet einen gelungenen Auftakt, die Entwicklung der Pausenfl√§chen nach SuŐąd-Osten versprechen einen vielf√§ltig nutzbaren Au√üenraum. Grunds√§tzlich ist die Geb√§udetypologie fuŐąr die Umsetzung der p√§dagogischen Anforderungen richtig gew√§hlt. Die Clusterbildung und Funktionszusammenh√§nge lassen sich ohne wesentliche Einschr√§nkung umsetzen. Der funktionale Zusammenhang zwischen Ganztagscluster und Fachcluster wird aber nicht zufriedenstellend organisiert. Bem√§ngelt wird die r√§umliche Entwicklung der Pausenhalle, welche erst in Verbindung mit der durchaus spannenden Splitlevel-Situation Raumqualit√§ten verspricht. Gleichzeitig fuŐąhrt gerade dieses Gestaltungselement im Preisgericht zu kontroversen Diskussionen. Abschlie√üend kommt das Preisgericht mehrheitlich zum Ergebnis, dass der Splitlevel ohne zwingende Notwendigkeit Barrieren schafft, die einer zeitgem√§√üen Auffassung von Barrierefreiheit nicht gerecht werden. Die Verfasser haben sich intensiv mit der Geb√§ude√∂kologie und Energieeffizienz auseinandergesetzt und besonders der Vorschlag zur NachtauskuŐąhlung uŐąberzeugt. Der √§u√üere Auftritt entspricht in hohem Ma√üe der Aufgabenstellung. Vorschl√§ge zur Konstruktion sind durchdacht und gut ausgearbeitet. Mit der Positionierung des Geb√§udes auf dem GrundstuŐąck werden verschiedene Zonen in den Freibereichen gut definiert. Vor allem die Anordnung der Fahrradstellpl√§tze unter dem auskragenden Geb√§ude ist elegant gel√∂st, in Verbindung mit den angegebenen H√∂hen ist hier die Kopffreiheit zu uŐąberpruŐąfen. Die Lage des Hauptzugangs zur Mittelschule abseits des vorhandenen Eingangsbereichs zur Grundschule erscheint nicht ganz schluŐąssig, da die Chance eines gemeinsamen Eingangsbereiches nicht aufgegriffen wird. Die H√∂henstaffelung, die die Planer im Innern des Geb√§udes entwickeln wird im Freibereich leider nicht konsequent ausdifferenziert. Die Chance zur Gliederung der Freibereiche durch die geschickte Nutzung der Topographie l√§sst sich im derzeitigen Planungsstand noch nicht ablesen. Insgesamt ein spannender Beitrag der einen qualitativ hochwertigen Schulbau verspricht. Jedoch im Hinblick auf die Barrierefreiheit systemische Fehler aufweist.