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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2025

Neubau Mobility Hub in Bremerhaven

Außenperspektive Süd-Ost
5

Außenperspektive Süd-Ost

1. Preis / Zuschlag

Preisgeld: 32.500 EUR

haascookzemmrich STUDIO2050

Architektur

Henning Larsen

Landschaftsarchitektur

wh-p Ingenieure

Tragwerksplanung

hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH

Brandschutzplanung

BS Ingenieure

Verkehrsplanung

Erläuterungstext

Die Lage des neuen Hubs im Werftquartier am Übergang der Kaikante zum städtischen Park besetzt eine wichtige stadträumliche Scharnierfunktion.
So ist es ein übergeordnetes Entwurfsziel den Park mit der Kaikante über das Mobilitätshub besser zu verknüpfen. Das Mobiltätshub ist daher als Teil des Parks als begrünte Gebäudeskulptur entwickelt: Ein nach allen Seiten offenes und attraktives Gebäude.
Die Funktionen sind ablesbar und großzügig belichtet um eine helle, freundliche und einladende Atmosphäre zu erzeugen. Als ein dynamisches hölzernes Band, wird der Hub Symbol für die nachhaltige, emissionsfreie und multimodale Mobilität des Werftquartiers.
Das Gebäude wird dem Ort eine hohe Identität geben.
Der reine Holzbau des Mobilitätzentrums ist demontierbar und kann in Zukunft anderen Nutzungen einfach weichen. Um den Wandel zu sinnvolleren Mobilitätskonzepten zu beschleunigen, bedarf es eines adaptiv einfachen und niederschwelligen Angebots sinnvoller Alternativen, die sich an den täglichen Bewegungsabläufen orientieren. Daher sind alle multimodularen Angebote, wie das stationsgebundene Carsharing, der Lastenrad- und Transportmittelverleih, das Fahrradparken mit einer E-Ladeinfrastruktur und die Lieferboxenlogistik in der großzügigen, 5m hohen erdgeschossigen Markthalle der Mobilität zusammengefasst. Ein Informationsleitsystem schafft Überblick über das reichhaltige Angebot des Hubs. Hier befindet sich auch die Fahrradgarage mit einem Reparaturcafé. Das öffentlichkeitswirksame Erdgeschoss bespielt den Ort auf allen Seiten. Neben den Mobiltätsangeboten wird ein Cafe, eine Bäckerei und der grosse Lebensmittelmarkt für eine hohe Besucherfrequenz sorgen. Die Anlieferung und Garagenzufahrt liegen gebündelt und minimiert auf der östlichen Gebäudeseite. Durch das gewählte Einbahnstraßenprinzip und durch die Länge des Gebäudes können Zu- und Abfahrt hintereinander angeordnet werden. Dadurch entsteht ein hocheffizientes Parksystem.

Beurteilung durch das Preisgericht

Städtebau und Architektur
Der Entwurf bildet eine klare, funktionale und angemessene Antwort auf die neu zu entwickelnde Gebäudetypologie.

Die Einhaltung der Baufelder wird positiv gewertet. Die Haltung und Adressierung zum Quartiersplatz und zum nördlichen Park gelingt sehr gut. Den Verfassenden gelingt es, ein allseitig öffentlichkeitswirksames Erdgeschoss auszuformulieren und die verschiedenen Nutzungstypologien in der Architektur eindeutig ablesbar zu machen.

Insgesamt sind die städtebauliche Haltung und Platzierung sehr gut nachvollziehbar, wobei etwas mehr Spiel in der Höhenentwicklung der Kubatur die vorhandenen Qualitäten noch entschlossener entwickelt hätte.

Die plausible Struktur des Wohnregals im 2. BA ergibt sich aus dem Raster des 1. BA. Die Südfassade bildet in beiden Ausbauphasen ein formsprachliches Pendant der Nordansicht aus. Letztere erhält durch die sensible platzierte vorgelagerte Treppe und die präzise Setzung der Energiespeicher eine sehr selbstverständliche – aber wirksame – Auflockerung der Horizontalität.

Die sorgfältige räumliche Verzahnung der Innen- und Außenräume ist sowohl funktional als auch gestalterisch hervorragend gelungen.

Die Grundrisse im Erdgeschoss, im Wohnbereich und auf den Parkebenen sind funktional sinnvoll und erfüllen die qualitativen Erwartungen größtenteils sehr gut.

Die Verwendung von Holz wird begrüßt, da sie eine natürliche Verbindung zur nördlich angrenzenden Grünlandschaft schafft.

Freiraumplanung
Die Aussagen zur Fassadenbegrünung sind bereits überdurchschnittlich dezidiert und das Pflanzkonzept ist plausibel an die unterschiedlichen Standortbedingungen angepasst. Die Aussagen zur Einspeiseverzögerung sind ebenfalls plausibel, wobei etwas mehr Grünelemente auf der Dachgeschossebene des BA I anzuraten wären.

Die temporäre Freiraumnutzung bis zur Realisierung des BA II ist stimmig und schlüssig in das Gesamtkonzept integriert. Die Grünraumzonierung ist auf schlüssige und wirksame Elemente reduziert, die gute und differenzierte Qualitäten erwarten lassen.

Die Verkehrs- und Anliefersituationen sind insgesamt gut und nachvollziehbar gelöst, wobei die Anlieferung der Ladeneinheiten im BA II noch im Detail mit den freiraumplanerischen Überlegungen zu harmonisieren wäre.

Tragwerk
Die gewählte Tragwerkstruktur ist grundsätzlich geeignet und plausibel. Besondere Aussagen zu einer explizit flexiblen Auslegung des Tragwerks wurden nicht gefunden.

Die Idee und Gedanke einer Umsetzung mit einem sehr hohen Holzanteil wird von der Jury aus gestalterischen Aspekten und Nachhaltigkeitsüberlegungen heraus grundsätzlich positiv bewertet. Es bestehen jedoch Bedenken hinsichtlich der Verwendung der erforderlichen Bitumenschicht, des langjährig zu betreibenden Aufwandes zum Austausch des Opferholzes und des Schwingungsverhaltens der Konstruktion im Falle größerer Menschenansammlungen (also dynamischer Lasten) auf der Dachebene.

Kritisch bewertete Aspekte in Bezug auf die langfristige Wirtschaftlichkeit, v.a. die Dauerhaftigkeit der unkonventionellen Konstruktion an diesem besonderen Standort und in der vorgesehenen Dimension lassen sich notwendigenfalls durch einen gezielten Materialwechsel auflösen.

Nachhaltigkeitsaspekte
Neben der bereits erörterten Materialität werden die Aktivierung der Fassaden zu als fotokatalytische Reinigungsmembran sowie die Aussagen zur Einspeisereduzierung sehr begrüßt. Inwieweit die vorgeschlagenen Prints auf dem textilen Fassadengewebe dauerhaft sind, wird unterschiedlich gewertet.

Insgesamt löst der Beitrag 1015 die Fragestellungen und Herausforderungen der Aufgabenstellung in hervorragender Weise. Die aufgeführten offenen Fragen erscheinen sehr gut bewertbar. Der Beitrag ist zweifelsfrei gut zur Realisierung geeignet.
Außenperspektive Nord-West

Außenperspektive Nord-West

Lageplan

Lageplan

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Erdgeschoss

Axonometrie

Axonometrie