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Nichtoffener Wettbewerb | 10/2021

Neubau NRW.BANK D√ľsseldorf

Anerkennung

Preisgeld: 50.000 EUR

CODE UNIQUE Architekten

Architektur

RSP Freiraum GmbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Entwurfs- /Architekturkonzept
Leitidee & Entwurfskonzeptes | Städtebauliche Einbindung

Das Wettbewerbsgebiet und dessen st√§dtebaulichen Leitgedanken gingen aus einem Wettbewerbsverfahren aus dem Jahr 2020 hervor. Als dessen Ergebnis wurde eine hochbauliche Figur formuliert, die gewisse st√§dtebauliche Standpunkte festlegt und auf dessen Grundlage die weitere Bearbeitung erfolgt. Diese Grundlagen sind ein gro√üformatiger mehrgeschossiger Sockel, zwei aufgehende Bauk√∂rper, welche sich in ihrer H√∂he differenzieren (43,0m und 99,0m), sowie eingeschnittene ‚ÄěD√∂rfer‚Äú, welche visuelle Ankn√ľpfpunkte zum st√§dtischen Raum formulieren.

Den Grundgedanken dieser Konfiguration wird im folgenden Entwurf weitgehend gefolgt. Die gegebenen Pr√§missen werden an die Nutzerw√ľnsche angeglichen und somit ein √ľberarbeiteter neuer Stadtbaustein pr√§sentiert, welcher sich einerseits an den Vorgaben orientiert. Andererseits wird durch zahlreiche Modifikationen das Leitbild gesch√§rft und somit ein Optimum aus st√§dtebaulicher Idee und Nutzungsanspr√ľchen ausformuliert. Die neue Konfiguration pr√§sentiert sich mit einem dreigeschossigen Sockel, welcher alle allgemeiner Funktionen aufnimmt. Jedes Geschoss der Sockelzone erh√§lt raumgreifende Terrassen, die einerseits durch ihre intensive Begr√ľnung, die kognitive Br√ľcke zur Haroldbucht schlagen und den Stadtraum merklich aufwerten. Andererseits entstehen durch die thematische Zuweisung (Konferenzbereich zentral, Betriebsrestaurant) f√ľr die innere Nutzung entscheidende Vorteile, da die Terrassen eindeutig und umfassend bespielt werden k√∂nnen. Die Belebung der Terrassenlandschaft durch den Nutzer transportiert das Innere in den st√§dtischen Raum und steigert durch die visuelle Wahrnehmung die Attraktivit√§t der Haroldbucht.

Eine weitere Pr√§misse war die aktive Belebung der Erdgeschosszonen mit Nutzungen, welche eine Gewisse Strahlkraft besitzen. Die Querverbindung zwischen Kavalierstra√üe und Haroldbucht erh√§lt durch einen Mitarbeitereingang eine ansprechende Aufwertung. Von dieser Seite erh√§lt auch der Fahrradverkehr seine entsprechende Zuwegung. Am Verbindungsweg reihen sich die ersten internen Funktionen (Poststelle, Leitzentrale) auf und gew√§hren einen kleinen Einblick in das Innere der NRW Bank. Vom einladenden Vorplatz im Norden erfolgt der Hauptzugang zur Bank, sowie der externe Zugang f√ľr Abendveranstaltungen. An der Nordseite erstreckt sich das Caf√© in seiner vollen Ausdehnung √ľber die gesamte Front und bietet von dieser Seite einen attraktiven Auftakt in das Gebiet. An der Kavalierstra√üe sind kompakt alle Einfahrten in das Geb√§ude untergebracht

Die beiden aufgehenden Geb√§udeteile staffeln sich gem√§√ü den H√∂henvorgaben auf dem dreigeschossigen Sockel. Die Dachfl√§chen der Bauk√∂rper sind schr√§g geneigt und haben ihre jeweiligen Hochpunkte zur Haroldbucht und ihre Tiefpunkte zum st√§dtischen Raum auf der S√ľd- und Ostseite. Diese Konfiguration l√§sst sie einerseits zur Nachbarbebauung etwas an H√∂he verlieren. Andererseits gewinnt die Situation zur Haroldbucht an Dramatik und gibt der NRW Bank einen selbstbewussten Auftritt. In den Obergeschossen bestimmen die Einschnitte in der Fassade das Gesicht der Bauk√∂rper. Die D√∂rfer sind dreigeschossig ausgef√ľhrt und haben eine angemessene Tiefe (6,0m). Sie erhalten eine markante schr√§ge, welche das Hereinleiten und das Herausschauen symbolisieren und verst√§rken soll. F√ľr die Innenr√§ume entstehen dadurch gro√üe Terrassen, welche das Licht f√∂rmlich ins Innere saugen und die Haupterschlie√üungen belichten. Die Begr√ľnung durch geh√∂lzartige Pflanzen wertet diese Bereiche zus√§tzlich auf und erzeugt eine Art gr√ľne Insel innerhalb der Geschosse. Durch die Integration der st√§dtebaulichen Motive und die Pr√§zisierung dieser, in Kombination mit den Nutzungsanspr√ľchen entsteht ein selbstbewusster Stadtbaustein, welcher einerseits die Br√ľcke zur Umgebung schl√§gt und andererseits ein attraktives √Ąu√üeres erzeugt, welche die Leitgedanken der Bank und einer modernen zukunftsorientierten Architektur Rechnung tr√§gt.

Freiraumplanung und Außenanlagen

Der gro√üe Vorplatz n√∂rdlich des Haupteingangs folgt der Formsprache der Haroldbucht aus dem st√§dtebaulichen Wettbewerb. Er wird durch zwei gro√üe Gr√ľninseln und einem attraktiven Wasserspiegel gegliedert. Die Gr√ľninseln werden mit einer Einfassung umrandet und geben dem Vorplatz zusammen mit den Geh√∂lzen die r√§umliche Struktur. Innerhalb der Einfassung werden zwei lange B√§nke integriert, die sich zum Wasserspiegel ausrichten. Der Wasserspiegel wird in direktem Bezug zum Eingang platziert. Die Ebenerdigkeit er√∂ffnet die M√∂glichkeit, den Vorplatz an dieser Stelle tempor√§r durch andere Nutzungen zu bespielen.

Die Dachterrassen des dritten Obergeschosses werden mit gro√üz√ľgigen als Hochbeete ausformulierte Gr√ľninseln gegliedert, um den m√∂glichst gr√∂√üten Wurzelraum f√ľr die Geh√∂lze herzustellen. Die sich daraus ergebenen differenzierten R√§ume laden zum Verweilen ein. Platz daf√ľr bieten zahlreiche Sitzm√∂glichkeiten aus Holz. Insgesamt werden auf drei Bereiche aufgeteilt 80 Fahrradstellpl√§tze angeboten. Diese werden unter der auskragenden Terrasse des ersten Obergeschosses platziert und sind somit alle √ľberdacht.

Erschließung und Funktionalität
√Ąu√üere Erschlie√üung | Innere Erschlie√üung | Barrierefreiheit | Ver- und Entsorgung

Der Entwurf verfolgt das Ziel eines kompakten, technisch, gestalterisch und funktional innovativen Gebäudeensembles. Die Gebäudeform ist besonders durch die funktionsorientierte innere Anordnung und die speziellen Anforderungen bestimmt. Somit ergibt sich ein kompakte Gebäudekonfiguration, die in Form und Erschließung klar ablesbar ist und die symbiotischen Beziehungen zwischen Nutzer, Kunden und Besucher stärkt und fördert.

Die NWR Bank erh√§lt seinen eindeutigen, repr√§sentativen und adressbildenden Zugang von Norden. Neben dem Haupteingang ist der externe Zugang f√ľr den Veranstaltungsbereich zentral untergebracht und kann bei Bedarf dem Foyer zugeschaltet werden. Der Empfangstresen ist gut wahrnehmbar zwischen den beiden Foyers situiert. Er ist das Bindeglied und zentraler Anlaufpunkt im Geb√§ude und hat eine dementsprechend hohe Pr√§senz und Strahlkraft. Ebenfalls an das Foyer angliedert ist das Caf√©, welches den gro√üen Vorplatz an der Haroldbucht bespielt. Durch die Situierung in einer Endlage l√§sst sich der Funktionsbereich optimal autark betreiben. Die Anlieferung des Caf√©s erfolgt √ľber die Kavalierstra√üe. Gestaltpr√§gendes Element im Erdgeschoss ist der gro√üe Hof, im Zentrum des Geb√§udes. Er bildet das Bindeglied zwischen den beiden aufgehenden Bauteilen und h√§lt diese sinnbildlich zusammen. Um ihn gliedern sich im Erdgeschoss alle Funktionen. Leitzentrale f√ľr das Geb√§udemanagement und Poststelle f√§deln sich an der Westseite auf. Gegen√ľberliegend platzieren sich die Kundenr√§ume. Wartebereiche und M√∂glichkeiten f√ľr informelle Meetings werten die Verkehrsfl√§chen um den Hof merklich auf und schaffen attraktive Aufenthaltsbereiche f√ľr Mitarbeiter und Kunden. Die S√ľdseite erh√§lt einen separaten Mitarbeitereingang mit einer vorgeschalteten kleinen Lounge, welche in Richtung Zentrum und Haupterschlie√üungen leitet. Eine pr√§gnante Achse schiebt sich von hier in Richtung Haupteingang. An dieser sind die beiden Hauptzugangspunkte zu den Mitarbeiterbereichen angelegt. Kleine subtile Aufweitungen schaffen hier angemessene Vorzonen, bilden Treffpunkte aus und st√§rken den gemeinsamen Charakter. Entlang der Kavalierstra√üe reihen sich alle infrastrukturellen Nutzungen, die f√ľr den Betrieb des Geb√§udes n√∂tig sind. Zufahrten zur Tiefgarage und zur Anlieferung sind hier untergebracht. Diese sind ausreichend dimensioniert und funktional strukturiert. Die beiden Zwischenlager k√∂nnen von der Anlieferung direkt best√ľckt werden. Via einer Doppelaufzugsgruppe gelangen Waren und G√ľter in die Lager- und K√ľchenbereiche. Die erdgeschossige Konferenzk√ľche wird ebenerdig √ľber das Zwischenlager angedient.

Vom Foyer aus werden die beiden Sockelgeschosse √ľber eine gro√üz√ľgige Treppenskulptur erschlossen, die in einem dreigeschossigen Luftraum untergebracht ist. Die gro√üe Sitztreppe leitet den Besucher in Richtung des Konferenzbereich zentral und gibt den Blick durch die gro√üen Konferenzbereiche (650qm und 300qm) auf die Stadt frei. Im ersten Obergeschoss ist der Konferenzbereich zentral in seiner Gesamtheit organisiert. Die Sitztreppe ist keinesfalls eine reine vertikale Erschlie√üung. Durch die Sitzm√∂glichkeiten wird das Foyer funktional erweitert und ein zus√§tzliches Veranstaltungsformat kann hier etabliert werden. Um die Treppenskulptur arrondiert sich ein gro√üz√ľgiger Vorbereich vor den S√§len. Hier finden sich auch die Garderobe und Zug√§nge zur Konferenzterrasse, welche sich konsequent in Richtung Haroldbucht orientiert und eine ansprechende freir√§umliche Erweiterung des Obergeschosses darstellt. Die weiteren kleineren Konferenzr√§ume wickeln sich stringent an den Fassadenbereichen ab und weisen an vielen Stellen subtile Aufweitungen auf (informelle Treffpunkte), um den Konferenzteilnehmern und Besuchern synergetische Treffpunkte anzubieten.

Durch eine zugangsgesicherte gro√üz√ľgige einl√§ufige Treppe gelangt der Mitarbeiter vom Konferenzbereich zentral in das Betriebsrestaurant. Durch die Drehung um die eigene Achse erh√§lt der Nutzer beim Betreten des Restaurants einen gro√üz√ľgigen Ausblick √ľber die Bucht und die Stadt. Der gesamte Speisesaal entwickelt sich √ľber die West- und Nordfassade und zelebriert den st√§dtischen Ausblick wortw√∂rtlich. Eine vorgeschaltete Terrasse verst√§rkt diese Inszenierung. Der FreeFlow-Bereich ist am gro√üen gr√ľnen Hof angeordnet und transformiert sich dadurch vom Bereich der reiner ‚ÄěEssensausgabe‚Äú, zu einem lichtdurchfluteten Erlebnisraum. An der Westseite (Kavalierstra√üe) sind alle infrastrukturellen R√§ume untergebracht, welche f√ľr einer reibungslosen Ablauf der K√ľche sorgen. Die K√ľche wird direkt √ľber die Lastenaufz√ľge angedient. Die Mitarbeiter erhalten einen separaten Zugang vom s√ľdlichen Vorplatz.

Die Obergeschosse der NRW Bank sind gem√§√ü dem aktivit√§tsbasierten Modell orientiert. In Atrium- und Turmbauk√∂rper wurden die gleichen Entwurfspr√§missen umgesetzt um gleichwertige Arbeitswelten f√ľr alle Mitarbeiter herzustellen. Der Grundgedanke der strukturellen Organisation ist das Spiel mit den Beziehungen zwischen Innenraum und Au√üenraum; offenen und geschlossenen Arbeitsbereichen. Diese treten in Wechselwirkung zueinander und erzeugen flie√üende Arbeitslandschaften, welche sich zur Haroldbucht √∂ffnen. Gestaltpr√§gendes Element in jedem Grundriss ist das Dorf.

- Doch was braucht ein Dorf? -

Ein Dorf braucht einen Marktplatz, eine Mitte, ein Zentrum, welches der neue soziokulturelle Mittelpunkt einer jeden Ebene wird. Diese Bereiche werden jeweils √ľber drei Geschosse zusammengefasst und √ľber eine Wendeltreppe miteinander verbunden. Die Bereiche der Luftr√§ume werden als reversible Deckenelemente ausgef√ľhrt. Dadurch sind im Laufe der weiteren Nutzung auch zweigeschossige oder mehrgeschossige Ausf√ľhrungen m√∂glich. Das Hochhaus ist als Zweikernsystem aufgebaut. Neben dem Treppen- und Erschlie√üungskern fasst ein zweiter Kern die sanit√§ren und nutzungsspezifischen Nebenr√§ume. Zwischen diesen beiden festen Elemente spannt sich eine Binnenraum, welcher den Marktplatz ausbildet. Hier sind Sozialr√§ume und Teek√ľche untergebracht und bilden sozusagen das Herz des Hochhauses. Im aktivit√§tsbasierten Modell sind die Bereiche so aufgebaut, dass sich die festen R√§ume an den Ost- und Westseiten auff√§deln. Die offenen Bereiche (laut und leise) formulieren eine Art konischen Raum, der sich in Richtung Haroldbucht √∂ffnet. Dadurch wird das Hochhaus optisch geteilt und in der Mitte flie√üt der offene Raum durch das Geb√§ude, mit seinem Marktplatz als Zentrum. Im Hochhaus sind weiterhin die Kapitalm√§rkte (Ebene 9 und 10) untergebracht. Dieser besondere Bereich wird durch seine zweigeschossige Ausbildung zu einem ganz besonderen Ort und unterstreicht dessen Wichtigkeit im t√§glichen Arbeitsprozess. Die separat gesicherte Vorstandsebene ist im 23. Obergeschoss verortet und ist durch eine Wendeltreppe mit dem Konferenzbereich dezentral verbunden. Diese beiden Einheiten k√∂nnen dadurch optimal zusammen genutzt werden. Es besteht aber auch die M√∂glichkeit das diese separat gesichert, erschlossen und genutzt werden. Die beiden Bereiche bespielen die oberen Ebenen bilden den vertikalen Abschluss der NRW Bank.

Das Atriumgeb√§ude ist analog zum Turm organisiert. Der Marktplatz und die dreigeschossigen D√∂rfer sind auch hier gestaltgebenden Elemente der r√§umlichen Strukturierung. Auch hier wird mit dem Spiel von offenen und geschlossenen Raumbereichen gearbeitet, welche sich zu Haroldbucht √∂ffnen. Die Teek√ľchen und Besprecher sind direkt an den D√∂rfern platziert und erzeugen einen gro√üen zusammenh√§ngenden Bereich mit einer hohen Aufenthaltsqualit√§t. Der Marktplatz situiert sich an der Haupterschlie√üung und bildet den neuen Ankommenspunkt f√ľr alle Mitarbeiter.

Die Untergeschosse der NRW Bank sind stringent und funktional angeordnet. Sie umfassen alle Lagerfl√§chen, Technikzentralen, 672 Stellpl√§tze und Fahrradstellpl√§tze. Die Wegef√ľhrung f√ľr den motorisierten Individualverkehr und den Radverkehr werden konsequent getrennt gef√ľhrt, um Unfallschwerpunkte zu vermeiden. Zentral unter den beiden aufgehenden Geb√§udeteilen stapeln sich in vier Geschossen die Technikzentralen sinnhaft √ľbereinander. Diese sind durch vertikale Steigsch√§chte an die Obergeschosse angebunden. Zwischen den Technikzentralen sind die Lager angeordnet und k√∂nnen somit vom Hochhaus und vom Atriumgeb√§ude auf kurzem Weg genutzt werden. Die Technikzentralen und Lagerfl√§chen sind mit einer entsprechenden Raumh√∂he (4,5m) ausgef√ľhrt. Die Parkgeschosse schichten sich in Zwischenebenen zwischen diese Bereiche, da hier geringere Geschossh√∂hen (2,6m) ausreichend sind. So lassen sich insgesamt 672 Stellpl√§tze realisieren, die durch ein vertikales Rampensystem miteinander verbunden sind. Die Parkebenen sind √ľber ein separates Treppenhaus mit eigener Aufzugsgruppe erschlossen, welches im Erdgeschoss unmittelbar im Foyer m√ľndet.

Konstruktion | Technik | Material

Der Neubau ist mit ausreichend Fluchttreppenh√§usern ausgestattet. Jeder der aufgehenden Bauk√∂rper besitzt zwei geschleuste Fluchttreppenh√§user, welche ebenerdig und erdgeschossig ins Freie f√ľhren. Weiterhin verf√ľgen Hochhaus und Atriumgeb√§ude √ľber jeweils einen Feuerwehraufzug. Die Angriffspunkte der Feuerwehr erfolgt √ľber die Kavalierstra√üe. Ausreichende Aufstellm√∂glichkeiten sind an dieser Seite vorhanden. In den Sockelgeschossen wird ein zus√§tzliches Treppenhaus eingebracht, um die gro√üen Personenstr√∂me aufzunehmen. Au√üerdem wird eine Sprinklerung des Geb√§udes vorgeschlagen, um einerseits die gro√üen zusammenh√§ngenden offenen Bereiche zu realisieren. Andererseits wird dadurch die geschossweise Zusammenfassung von Teilbereichen m√∂glich. Des Weiteren wird eine Brandmeldeanlage integriert um den Brand schon in seiner Entstehungsphase zu erkennen und zu bek√§mpfen.

Die Geb√§udekonstruktion wird im Hinblick auf die Herstellungs-, Betriebs- und Unterhaltungskosten √∂kologisch und √∂konomisch gew√§hlt. Die Auswahl der Materialien erfolgt unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Im Wesentlichen wird die Verwendung von recyceltem Beton und Holz als Prim√§rkonstruktion vorgeschlagen. F√ľr die konstruktive Realisierung des Ensembles wird auf eine Anwendung von verschiedenen Bauweisen zur√ľckgegriffen. Untergeschoss, durchlaufende Kernbauteile und die Sockelgeschosse werden auf Grund der hohen Lasten und gro√üen Spannweiten in Ortbetonbauweise errichtet. Die vertikale Aussteifung der Geb√§ude erfolgt durch Wandscheiben sowie durch Stahlbetonkerne in Treppenhaus- und Aufzugsbereichen. Das Tragwerk des Atriumhauses und des Hochhauses wird als Skelettbau in Holz-Beton-Hybridbauweise geplant Die Hybridbauweise weist eine hohe Energieeffizienz und eine lange Lebensdauer auf, sodass nur geringe zus√§tzliche Lebenszykluskosten zu erwarten sind. Raumakustisch wirksame Ma√ünahmen werden in ohnehin erforderliche Innenausbauten und den Decken integriert. Die Holzkonstruktion ist mit Brettsperrholzw√§nden, vorgefertigten Holzbauteilen an der Fassade, Holzverbunddecken und aussteifenden Stahlbetonw√§nden konzipiert. Durch kreuzweise Verklebung einzelner Brettlagen entsteht aus dem gerichteten Werkstoff Holz ein Material mit Platten- und Scheibenwirkung, das sich als Wandbauteil einsetzen l√§sst. Aufgrund der schlanken Wandkonstruktionen, hoher Tragf√§higkeit und der sehr guten Brand- und Schalleigenschaften ist der Massivholzbau in verschiedenen Vergleichsobjekten bereits realisiert und bew√§hrt. Die W√§nde sind im vorhandenen Raster von 1,30 m frei w√§hlbar und im Kontext wechselnder Nutzeranforderungen kosteneffizient ver√§nderbar.

Entlang der Fassade erfolgt die Anordnung von St√ľtzen in Abh√§ngigkeit der Nutzung der angrenzenden Fl√§chen. Um aufwendige Konstruktionen zu vermeiden, wurde ein Tragwerk mit einem geschossweisen Abtrag der Lasten von oben nach unten entwickelt. Die Ausbildung der Fassade ist als eigenst√§ndige vorgehangene Konstruktion, welche an den Geschossdecken befestigt wird, vorgesehen. Eine modulare Anordnung von St√ľtzen, sowie eine regelm√§√üige vertikale und horizontale Medienf√ľhrung erh√∂hen die Flexibilit√§t der Grundrisse in allen Geschossen. Strukturell sind alle Bereiche nat√ľrlich zu belichten, wodurch eine optimale Tageslichtausnutzung gew√§hrleistet wird. Zur Reduzierung des sommerlichen W√§rmeeintrages wird an den Fenstern der Ost-, West- und S√ľdseiten des Geb√§udes ein steuerbarer Sonnenschutz in verschiedenen Ausf√ľhrungen angebracht. In den Obergeschossen (Ebene 3 bis 24)wird eine hinterl√ľftete Prallscheibe vor der Fassade vorgesehen, die sowohl den Sonnenschutz vor Windeintrag sch√ľtzt als auch das √Ėffnen der Fenster bei verl√§rmter Stra√üe erm√∂glicht. Alle R√§ume verf√ľgen √ľber einen innenliegenden Blendschutz. Weiterhin k√∂nnen alle R√§ume maschinell be- und entl√ľftet werden. Die n√∂tigen Installationsquerschnitte werden in der Flurzone gef√ľhrt. Au√üerdem werden regelm√§√üig angeordnete Kipp-/ Drehfl√ľgel vorgeschlagen welche eine individuelle nat√ľrliche L√ľftung und Nachtausk√ľhlung erlauben.

Die Fassade ist gekennzeichnet durch zwei √§hnliche aber dennoch verschiedene Gestaltungsmotive. Die Sockelgeschosse charakterisieren sich durch ihre pr√§gnante Tiefenwirkung der herausgezogenen extrovertierten Terrassen, welche durch feine St√ľtzen getragen werden. Die strukturelle Gliederung erfolgt in einem unregelm√§√üigen Raster und verleiht den Sockelgeschossen einen spielerischen Charakter. Die intensive Begr√ľnung dieser Bereiche schl√§gt einerseits die konzeptionelle Br√ľcke zur Haroldbucht. Andererseits bietet sie einen enormen Mehrwert f√ľr Mitarbeiter, Besucher und den Stadtraum. Die Obergeschosse orientieren sich am Motiv der Sockelgeschosse, interpretieren diese jedoch subtil anders. Deutlich ist die Zusammenfassung von jeweils drei Geschossen zu Einheiten. Dadurch erhalten die aufgehenden Bauteile eine Unterordnung und die einschneidenden D√∂rfer werden noch deutlicher und klarer ablesbar. Die √§u√üerliche Zusammenfassung tr√§gt die innerliche Konzeption des Geb√§udes konsequent nach au√üen. Das leichte unregelm√§√üige Spiel von Fassadenelementen verleiht den Obergeschossen eine Leichtigkeit und Eleganz. Das Wechselspiel zwischen vorn liegenden Lisenen und zur√ľckliegenden Paneelen erzeugt eine ausdruckstarke Fassade. Zwischen den Lisenen spannen sich Prallscheiben, die den L√§rmschutz im Inneren sicherstellen aber auch eine nat√ľrliche L√ľftung m√∂glich machen. Das Dach als f√ľnfte Fassade erh√§lt eine Komplettausnutzung mit Fotovoltaikelementen, welche fl√§chig integriert werden. Die leicht reflektierenden Oberfl√§chen dieser Elemente unterst√ľtzen den kristallinen Abschluss der Kubatur.

Der Neubau ist kompakt mit einem g√ľnstigen A/V-Verh√§ltnis angelegt. Zugunsten optimierter Betriebskosten wird sowohl im Winter als auch im Sommer eine hohe Energieeffizienz angestrebt, welche au√üerdem eine hohe Behaglichkeit im Geb√§ude sicherstellt. Insbesondere Architektur und Baukonstruktion sollen zu einer energetisch g√ľnstigen Gesamtbilanzierung beitragen. Die verh√§ltnism√§√üig einfache Geb√§udekonfiguration mit einer bew√§hrten Ausf√ľhrungskonstruktion gew√§hrleistet eine wirtschaftlich optimierte Bauwerkserstellung. Mit den einheitlichen und optimierten Fassadenoberfl√§chen sind alle Wartungs- und Reinigungsaufwendungen im g√ľnstigen Bereich anzunehmen. Ziel des vorliegenden Technikkonzeptes ist es, das Geb√§ude wirtschaftlich und energetisch optimal zu betreiben. Die prim√§re thermische H√ľlle zieht sich in einer Ebene durch alle Geschosse. Bei den konstruktiven Bauteilanschl√ľssen werden w√§rmebr√ľckenfreie Detaill√∂sungen gew√§hlt. Eine Dreifachverglasung sorgt f√ľr einen optimalen winterlichen W√§rmeschutz. Es besteht zus√§tzlich die M√∂glichkeit den Sonnenschutz raumweise zu steuern um den gr√∂√ütm√∂glichen Komfort f√ľr die zuk√ľnftigen Nutzer zu gew√§hrleisten. Mit dem Einsatz von nachwachsenden und rezyklierbaren Rohstoffen im Bereich der Konstruktion, der Fassade und des Innenausbaus wird dem √∂kologischen Grundgedanken und einer zukunftsf√§higen Architektur Rechnung getragen.

Insbondere Architektur und Baukonstruktion tragen zu einer energetisch g√ľnstigen Gesamtbilanzierung bei. Der Geb√§udekomplex wird an das lokale Fernw√§rmenetz angeschlossen, dessen CO2-Emissionsfaktor lag gem√§√ü Zertifikat von 2020 bei 0,0 gCO2/kWh. Zur Entlastung dieses Systems wird eine geothermische Unterst√ľtzung in Form von Energiepf√§hlen vorgeschlagen, die ggf. mit entsprechenden Pfahlgr√ľndungen kombiniert werden kann. Die Energiepf√§hle k√∂nnen weiterhin w√§hrend der warmen Jahreszeit zur Geb√§udek√ľhlung herangezogen werden. Au√üerdem wird die Integration von Speichermedien in Form von Wasserspeichern vorgeschlagen, welche die thermalen Gewinne f√ľr einen Zeitraum von 1 ‚Äď 3 Tagen speichern und st√ľckweise abgeben k√∂nnen. Die Heizfl√§chen werden ausreichend gro√ü bemessen, sodass mit geringen Systemtemperaturen (50¬įC/40¬įC) gearbeitet wird und Verteilungsverluste minimiert werden. Die Heizung erfolgt in den B√ľros √ľber Heiz- und K√ľhldecken. Beleuchtungsanlagen sind vollst√§ndig als LED-Technik ausgef√ľhrt und werden zentral und tageslichtabh√§ngig gesteuert. Das Geb√§ude wird trink- und schmutzwasserseitig an die √∂ffentliche Versorgung angeschlossen.

Zur Deckung des Stromverbrauchs erfolgt der Anschluss an das √∂rtliche Niederspannungsnetz, welcher zu 100% aus √Ėkostrom sichergestellt werden kann. Zur Unterst√ľtzung der Stromversorgung und zur Minimierung der laufenden Kosten wird die Integration von Fotovoltaikelementen in den Dachfl√§chen geplant. Auf einer Fl√§che von insgesamt 3.600 qm kann hier Strom erzeugt werden. Ein Batteriespeicher f√§ngt die solaren Gewinne auf und kann sie St√ľck f√ľr St√ľck dem internen Netz zuf√ľhren.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Geb√§udeensemble stellt mit seiner st√§dtebaulichen Anordnung und Gesamterscheinung einen wertvollen Beitrag f√ľr das zukunftsorientierte Leitbild der NRW.BANK dar. Der dreigeschossige Sockelbau verbindet sich, im Ausdruck der fein strukturierten Fassaden, mit den beiden Hochbauten und ergibt so, den st√§dtebaulichen Vorgaben folgend, ein schl√ľssiges Gesamtensemble. √úber die mehrgeschossigen Einschnitte in die eng strukturierten Fassaden, den sogenannten D√∂rfern, √∂ffnen sich die beiden H√§user, sowohl nach au√üen zur Stadt, aber auch nach innen zu den B√ľrobereichen. Die Voids erm√∂glichen gut nutzbare Freibereiche f√ľr die Mitarbeiter, mit angemessener Begr√ľnung bis in die Obergeschosse des Hochhauses. Diese Qualit√§t ist f√ľr Hochh√§user in dieser Gr√∂√üe kein Standard und setzt somit ein bewusstes Zeichen f√ľr die Qualit√§t der Arbeitsbereiche. Jedoch ist die geschlossene Fassade in den D√∂rfern nach innen hin nicht akzeptabel.

Das Ensemble mit dem Haupteingang √∂ffnet sich gro√üz√ľgig nach Nordwesten in den Gr√ľnzug sowie mit einem weiteren Eingang im S√ľden. Die Zug√§nge ins Sockelgeschoss sind so gut platziert und spannen eine Nordwest-/S√ľdachse auf, die differenziert mit dem Zuschnitt des Sockelgeschosses umgeht. Das Eingangsfoyer √∂ffnet sich nach Norden in das Caf√© und er√∂ffnet eine gro√üe und gut nutzbare Freitreppe zum Konferenzgeschoss.

Die Freitreppe kann ein neues Element in der ver√§nderten Arbeitswelt der Bank werden. Sie ist gleicherma√üen Erschlie√üung-, Aufenthalts- und Aktionsraum im Geb√§ude. Die Verbindung zum S√ľdeingang f√ľhrt entlang eines gr√ľnen Hofes, der in das breite Sockelgeschoss freundliches Licht und Atmosph√§re bringt und Kundenr√§ume anlagert. Die Lage widersprich jedoch dem Anspruch an Vertraulichkeit.

Die Zufahrt zu Tiefgarage und Anlieferung liegen an der Kavalleriestra√üe, die Funktionalit√§t der Anlieferung ist nicht gegeben, die Tiefgaragenausfahrt fehlt. Die Fahrradstellpl√§tze im Untergeschoss werden sinnvollerweise √ľber eine eigene Rampe im S√ľden gef√ľhrt.

Das Konferenzgeschoss entsteht souver√§n im Umgang mit der komplizierten Geometrie des Sockelgeschosses und bietet Raum f√ľr alle gro√üen und kleinen Konferenz- und Besprechungsr√§ume und ist durch seine Konzentration auf ein ganzes Geschoss gerade f√ľr die Sicherheitsanforderungen der Bank ideal angeordnet. Der Foyerbereich zwischen Konferenzsaal und Treppenanlage wird als zu gering beurteilt.

Die Lastabtragung des Atriumgeb√§udes √ľber dem Konferenzbereich ist nicht nachvollziehbar

Im dritten Geschoss des Sockels werden alle Nutzungen um das Mitarbeiterrestaurant konzentriert mit dem Vorteil, dass die Abwicklung der Tische entlang der Westfassade allen einen Ausblick ermöglicht und auch den vorspringenden Außenbereich nutzen kann.

Auch die Funktionalit√§t der Obergeschosse in beiden H√§usern ist schl√ľssig erarbeitet und funktioniert im Atriumbau auch bei gr√∂√üeren Tiefen, da die ‚ÄöD√∂rfer‚Äė immer wieder die G√§nge entspannen und lebhafte Freibereiche und Aufweitungen der G√§nge erm√∂glichen. Der Innenhof im Atriumgeb√§ude ist zu klein konzipiert.

Treppenhäuser und Aufzugsanlagen sind konzentriert angeordnet und ermöglichen den reibungslosen Betrieb.

Die Konstruktion und die Fassaden werden innovativ und zukunftsf√§hig in Holz angeboten. Hier wird die technische Machbarkeit und die dauerhafte Qualit√§t in Frage gestellt wird. Die Lichtverh√§ltnisse f√ľr die B√ľror√§ume sind durch die zahlreichen Streben m√∂glicherweise reduziert. Die Gestaltung der Fassaden ist mit differenzierten Breiten als Doppelfassade, zum Teil √ľber mehrere Geschosse gegliedert und bietet dadurch f√ľr die Geb√§ude von Proportion und Gestaltung eine sehr gute L√∂sung an.

Die terrassenartigen Dachg√§rten im Sockelbereich und "D√∂rfer" in der Fassade sind kompositorisch aufeinander abgestimmt und wirken im Gesamtkonzept √ľberzeugend. Die notwendigen Aufbauh√∂hen und vertiefende Aussagen zu klimaresilienten Ma√ünahmen im Au√üenraum werden vermisst.

Die Ausbildung von Fassade und Tragwerk mit nachwachsenden Rohstoffen gewährleisten einen optimierten ökologischen Fußabdruck.

Der recht geringe Fensterfl√§chenanteil und der enge Rhythmus der √Ėffnungen lassen jedoch Einschr√§nkungen in Bezug auf die Tageslichtverf√ľgbarkeit im Geb√§ude erwarten. Dies trifft insbesondere die Nutzungen am Lichthof bis zum 6. Obergeschoss. Der daraus resultierende gesteigerte Kunstlichtbedarf schl√§gt sich in der Gesamtbilanz des Beitrages nieder. Die Fassade sieht keine Strom-Eigenversorgung vor, um den erh√∂hten Energiebedarf zu kompensieren. Der Sonnenschutz als Screen hinter der Prallscheibe erscheint m√§√üig wirksam. Alle weiteren Energie- und Nachhaltigkeitskennwerte befinden sich im Wettbewerbsdurchschnitt.