modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 08/2025

Neubau Oberschule mit Sporthalle, Sportplatz und sonstigen Freiflächen in Heidesee

Perspektive

Perspektive

2. Preis

Preisgeld: 22.000 EUR

Lehmann Architekten GmbH

Architektur

w+p Landschaften GmbH

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Leitidee, Städtebauliche Einbindung
Der Ortseingang nach Friedersdorf an der Berliner Straße wird durch die Oberschule mit Sporthalle neu definiert. Schule und Halle bilden eine räumliche, orthogonal zueinander entwickelte Einheit und definieren die Außenräume des Areals. Das zweigeschossige Gebäudeensemble wird als städtischer Baustein mit klarer Adressbildung zur Berliner Straße gesetzt und öffnet sich nach Süden zu den Pausen- und Außensportflächen. Die Disposition der Freianlagen nach Süden zu den landwirtschaftlichen Flächen wird dabei als besondere Chance verstanden, einen zukunftsorientierten Schulcampus mit Naturraumqualitäten entstehen zu lassen.

Innere und äußere Erschließung, räumliche Organisation
Die Gebäudefigur bildet nach Nordosten einen klaren und großzügigen Vorplatz, über den die Eingangsbereiche der Schule und der Sporthalle selbstverständlich und einladend angebunden sind. Das Foyer der Schule vermittelt zwischen Vorplatz, Aula, Sporthalle und Pausenhof.
Herz- und Mittelpunkt der Schule bildet die zweigeschossige Aula, die mit den angegliederten AG-Räumen und den Küchen eine flexible Nutzungseinheit bildet. Über eine zentrale Treppe am Luftraum an der Aula ist das zweigeschossige Schulhaus übersichtlich und klar erschlossen. Das Gebäude wird im nördlichen Teil um die, über Oberlichter belichtete, Aula entwickelt, im südlichen Bereich um einen Innenhof. Es entstehen unterschiedliche Raumeinheiten, die differenzierte Unterrichts- und Lernorte mit hoher Aufenthaltsqualität und räumlicher Transparenz ausbilden.

Die drei Fachcluster sind jeweils in eigenen Nutzungszonen übersichtlich organisiert und von den Klassenräumen gut erreichbar. Die Verwaltung liegt über dem Eingangsbereich, ist direkt erreichbar und dennoch räumlich separiert. Im südlichen Bereich, um den Innenhof, befinden sich die allgemeinen Unterrichtsräume, die jeweils in eigenen Nutzungseinheiten entwickelt sind. Kopf der Cluster ist der Teilungsraum, der im Zusammenspiel mit der Fluraufweitung am Innenhof, eine flexible Nutzung zulässt und das Cluster zu einem integrativen Lernort macht. Die allgemeinen Unterrichtsräume sind gut und direkt an die Pausenflächen angeschlossen.

Die Sporthalle ist zum einen über den externen Eingang am Vorplatz zur Berliner Straße und intern direkt über das Foyer der Schule erreichbar. Die Sporthalle ist somit optimal angebunden und kann auch extern genutzt werden. Die Zuschauertribüne ist als „Schaufenster“ in die Halle entlang der Berliner Straße angeordnet, ein direkter Einblick in die Halle ist möglich. Das Sportfeld liegt 80cm zum Eingangsniveau abgesenkt, so dass eine optimale Sicht auf das Sportgeschehen gewährleistet ist. Die Umkleiden können gut für den Hallen- sowie den Außensport genutzt werden.

Der Fahrverkehr mit den Parkplätzen wird entlang der östlichen Grundstückseite organisiert. Versorgungs- und Rettungsfahrzeuge erhalten hier ebenfalls eine regulierte Zufahrt. Küche, Mensa und Aula können gut von dem Parkplatz angedient und erschlossen werden. Ausreichend Fahrradstellplätze werden am Haupteingang und dem südlichen Zugang angeboten.

Das Konzept für die Freianlagen formt einen lebenswerten und sozial ausgewogenen Baustein, der sich außenräumlich als erweitertes Raumangebot zum Schulgebäude einfügt, sich aber auch gleichermaßen durch sein umfassendes Bewegungs-, Aufenthalts-, und Lernangebot als vielfältiger Aufenthaltsort mit Parkqualitäten abbildet. Zur Berliner Straße öffnet sich ein großzügig angelegtes Entrée mit einem Klimawäldchen als Treffpunkt mit prägnanter Baumintarsie. Das Foyer verknüpft als Gelenk zusammen mit der Aula das Herz der Schule von Innen nach Außen mit dem Schulhof. Der individuell ausgestaltete Schulhof wird durch seine differenziert ausgestalteten Bereiche zum vitalen Lebensraum und Lernort zur aktiven Betätigung.

Architektursprache, Fassadengestaltung und konstruktive Umsetzung
Das Ensemble bildet einen ruhigen, zurückhaltenden Rahmen für ein nachhaltiges und facettenreiches Schulleben. Es ist im Wesentlichen in einer Holz-Hybrid-Konstruktion geplant. Mit dem Einsatz von Holz in Konstruktion, Ausbau und Fassade werden zum einen die ökologischen Vorteile des CO²-neutralen Baustoffes zur Geltung gebracht, gleichzeitig wird durch das Holz eine gute und helle Raumatmosphäre erzeugt.
Zur Berliner Straße und in den „öffentlichen“ Bereichen, ist das Erdgeschoss mit einem ortstypischen Ziegelmauerwerk auf den Gebäudesockel aufgemauert. Ein im rötlichen Farbton des Mauerwerks eingefärbter Sichtbetonsturz bildet den Abschluss des „städtischen Sockels“. Das Mauerwerk soll aus möglichst ortsnah recycelten Mauersteinen aufgemauert werden. Dem Anspruch eines nachhaltigen und zukunftsfähigen Gebäudekonzepts wird hierdurch entsprochen.

Es handelt sich um eine wirtschaftliche und ressourcenschonende Konstruktionsart, die einen hohen Vorfertigungsgrad zulässt. Neben der Haupt- ist auch die Fassadenkonstruktion als Holzkonstruktion mit vorgefertigten Modulen konzipiert. Die Module können als hochwärmegedämmte Holzrahmenbauteile einschließlich der Verglasung, den Öffnungselementen und dem Sonnenschutz im Werk vorgefertigt werden. Vertikale und horizontale Abdeckungen, die direkt der Witterung ausgesetzt sind, werden aus Recyclingaluminium gefertigt.

Ökologisch-energetisches Konzept - Nachhaltigkeit
Die Gebäudekonzeption folgt dem Lowtech-Prinzip, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz werden durch die Nutzung einfacher Systeme und natürlicher Wirkprinzipien erreicht.
Durch die Grundriss- und Fassadengestaltung mit einem ausgewogenen Verhältnis von geschlossenen Wandelementen und hochwertigen Fensteranlagen mit Lüftungs- und Verschattungselementen wird dieses Prinzip konsequent umgesetzt. Jeder Raum, mit Ausnahme weniger untergeordneter Bereiche, verfügt über einen großen Anteil an Fensterflächen, der eine optimale Tageslichtversorgung sichert und eine freie Lüftung ermöglicht.
Ergänzend verfügen die Räume über eine kontrollierte Be- und Entlüftung, die in den Schrank-wänden integriert ist. Ein Steuerungsprogramm erlaubt, in Abhängigkeit von der Luftqualität, eine gezielte freie Be- und Entlüftung. In den Sommermonaten dient das System in den Nacht-stunden der Kühlung über die Außenluft. Dieses Konzept ermöglicht einen hohen thermischen Komfort, beste Luftqualität und einen hohen Tageslichtanteil.

Der Neubau ist selbstverständlich barrierefrei geplant. Die Sporthalle ist ebenerdig barrierefrei organisiert, in der zweigeschossigen Schule ist ein gut situierter Aufzug vorhanden. Die über-sichtliche Anordnung der Gebäudeteile, die Bildung von klaren Raumeinheiten, sowie das Material- und Farbkonzept in Verbindung mit einem integrierten Leitkonzept bilden die Grundlage für eine möglichst gleichberechtigte Nutzung aller Menschen.

Die naturnah angelegten Freiflächen entfachen eine Perspektive mit überaus hoher ökologischer Vielfalt und schaffen mit den offenporigen Oberflächenbelägen einen wertvollen klimatischen Beitrag. Schattenspendende Bäume wandern mit ihren Standorten als „sog. Klimahain“ locker über die Pausenhofflächen. Das anfallende Oberflächenwasser wird in offenen Rinnen anschaulich wieder zur Versickerung dem Grundwasser zugeführt.


Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser dieser Arbeit überzeugen insbesondere mit der städtebaulichen Setzung und Erschließung der Schulanlage, d.h. der entschiedenen Positionierung der zweigeschossigen Schule und der Sporthalle.

Über die Verbindung und den Versatz der Baukörper entsteht ein einladender und maßstäblicher Vorplatz an der Berliner Straße, über den die Schule als öffentliches Gebäude das Ortsbild entspannt und selbstverständlich prägt. Der Platz ist gut dimensioniert und bildet mit dem darauffolgenden Zugang zur Schule eine insgesamt schlüssige Eingangssituation. Lediglich der Übergang zu den gut und effizient am östlichen Rand des Grundstückes angeordneten Parkplätzen erfolgt etwas unvermittelt.

Im Eingangsfoyer treffen alle wesentlichen Wege und Erschließungen zusammen: die Erschließung der Aula und der Pausenhalle, der Klassenräume im Erdgeschoss, über die Freitreppe der Klassen- und Fachklassenräume im Obergeschoss, der Sporthalle und der Ausgang auf den Schulhof. Über die Galerie der zentralen zweigeschossigen Halle werden die weiteren Klassen und Fachräume im Obergeschoss, die geschickt um einen gut proportionierten Hof platziert sind, erreicht.

In der Zusammenschau wird die Arbeit in ihrer architektonisch-räumlichen Ausbildung und Materialität sehr positiv bewertet.

Die Arbeit ist konstruktiv und sicherheitstechnisch ebenfalls gut durchdacht. Ihre Realisierbarkeit wird unproblematisch gesehen. Aufgrund des hohen Wasserstandes ist die geplante Absenkung des Hallenbodens der Sporthalle allerdings zu überprüfen.

Das pädagogische Konzept ist umsetzbar. Lediglich die Teilungsräume sind bei Unterricht in Klassen nur bedingt nutzbar. Eine räumliche Anpassung scheint jedoch möglich. Dies gilt auch für die Anordnung und Verteilung der Fachklassen.

Der südlich an das Gebäude anschließende grüne Pausenhof ist kleinteilig gegliedert. Hofseitig, dem Foyer vorgelagert, ist richtigerweise eine multifunktional nutzbare Fläche vorgesehen. Nach außen schließen grünere Teilräume an, deren Maßstäblichkeit und Verortung großes Potential besitzen und deren Gestaltung gute Ansätze erkennen lässt.

Ein freiräumliches Gesamtbild für den Schulcampus inkl. der Sportflächen wird allerdings aufgrund der noch nicht überzeugenden Erschließung nicht vermittelt. Im Bereich der Sportanlage wird die Funktionalität kritisch hinterfragt. Der Flächennachweis zeigt jedoch, dass die geforderten Funktionen nachgewiesen werden können. Die Anbindung an den Wettenweg ist gut gewährleistet. Die Einfriedung des Schulgeländes ist ebenso gut möglich wie die separate Erreichbarkeit der Sporthalle für die Vereinssportnutzung.

Die Jury sieht in der Arbeit eine strukturell und räumlich sehr gut durchdachte und gut funktionierende Architektur. Diese Qualität wird durch eine hochwertige Materialwahl und die gewählte Konstruktion gestützt. Die Arbeit ist daher eine sehr gute Antwort zur Lösung der gestellten Aufgabe.
Innenperspektive

Innenperspektive

Lageplan_EG

Lageplan_EG

Lageplan

Lageplan

Präsentationsplan 1

Präsentationsplan 1

Präsentationsplan 2

Präsentationsplan 2

Präsentationsplan 3

Präsentationsplan 3

Präsentationsplan 4

Präsentationsplan 4