Offener Wettbewerb | 05/2025
Neubau Peter Joseph Lenné Grundschule in Hoppegarten
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Blick aus dem Hain auf Schule, Hof und Sportplatz
©Nora Walter Images
2. Preis
Preisgeld: 45.000 EUR
Architektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
BEM : Burkhardt | Engelmayer | Mendel Landschaftsarchitekten Stadtplaner Partnerschaft mbB
Landschaftsarchitektur
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Müller-BBM Building Solutions GmbH
Brandschutzplanung
PETER GÖTZ | sehen + verstehen
Modellbau
Visualisierung
Erläuterungstext
Joseph Peter Lenné Grundschule
Die Setzung
Der Pausenhof bildet die Mitte der neuen Schule, gleich einer Lichtung im Wald. Turnhalle und Schule rahmen den dreieckigen Hof. Die Turnhalle schirmt den Lärm vom stark befahrenen Neuen Hönower Weg ab und blendet zugleich das unwirtliche Gewerbegebiet aus.
Freiflächenkonzept
Der überwiegend mit Abbruchklinker befestigte Pausenhof liegt lärmgeschützt zwischen Schulgebäude und Sporthalle und öffnet sich nach Osten zur Sportfläche. Der Schulhof bietet Spiel-, Sport- und geschützte Ruhezonen. Locker verteilte Bauminseln und ein Wetterdach sorgen für eine gute Nutzbarkeit bei Hitze oder schlechtem Wetter. Die Sportfläche ist deutlich eingesenkt, um Klassenzimmer und umliegende Wohnhäuser vor Lärm zu schützen. Im Falle von Starkregen dient sie als Regenrückhalteraum. Der Höhenunterschied zum Pausenhof wird durch eine offene Zuschauertribüne mit breiten Sitzstufen überwunden. Der verbleibende, sehr großzügige Grünraum ist öffentlich. Er bindet über den Schlossplatz und eine großzügige Freitreppe an den Dorfanger und den Schlosspark von Peter Joseph Lenné an. Der neue Park dient sowohl der schulischen Nutzung als auch dem gesamten Ort. Der Park wird extensiv mit Waldflächen und Wiesenlichtungen gestaltet. In den Park eingebettet sind Spielplätze, die BMX-Bahn, der Schulgarten und der Garten der Volkshochschule. Wichtige Sichtachsen auf das Schloss oder die Kirche werden freigehalten. Von einem Monopteros aus eröffnet sich ein Blick von der Hangkante auf das historische Dorf.
Erschließung und ruhender Verkehr
Das Schulgelände ist über den Park aus allen Richtungen für Fußgänger und Radfahrer erreichbar. Die Erschließung für Fahrräder erfolgt zusätzlich über den Neuen Hönower Weg. Ein breiter Radweg verläuft parallel zur Straße und ist durch einen Waldstreifen geschützt. Zwei Verkehrsinseln sorgen für sicheres Queren. Abseits der Hauptfußgängerwege, westlich des Schulgebäudes, befindet sich ein Parkplatz für Lehrer und Vereinsmitglieder. Dieser wird über eine separate Zufahrt erreicht, um Konflikte mit dem Radverkehr zu vermeiden. Nahe der Pausenhofzugänge befinden sich drei überdachte Fahrradstellplätze. Bring- und Abholverkehr erfolgt über den Kiss & Ride Bereich an der Von-Canstein-Straße. Dort befinden sich weitere Parkplätze. Nördlich der Turnhalle verläuft eine Busspur mit einer Haltstelle für zwei Gelenkbusse.
Gelände, Regenwassermanagement, Klimaanpassung
Der Freiraum ist zu einem erheblichen Teil unversiegelt, wasserdurchlässig befestigt, um die Abflussmenge bei Starkregen zu reduzieren und die naturnahe Versickerung von Regenwasser zu fördern. Große Mulden, die über das ganze Gelände verteilt sind und die natürliche Topografie aufgreifen, unterstützen die Rückhaltung und das gezielte Versickern von überschüssigem Wasser. Zudem erzeugt die Verdunstung des gespeicherten Wassers einen Abkühlungseffekt. Der Baumbestand wird erhalten. Zusätzlich werden zahlreiche klimaresiliente Bäume an Standorten mit langfristig günstigen Wuchsbedingungen ergänzt. Es kommen auch Forstware und Ansaaten zum Einsatz. Die Verschattung durch die Vielzahl an Großbäumen sorgt für kühle Aufenthaltsbereiche und wirkt sommerlicher Überhitzung entgegen. Zusätzlich fördert die Kombination aus sonnigen und schattigen Bereichen die Artenvielfalt. Stark genutzte Rasenflächen werden einmal pro Monat gemäht, während der Großteil der Wiesenflächen extensiv gehalten wird. Die Dachflächen von Turnhalle und Schulgebäude sind neben den Photovoltaikanlagen extensiv begrünt.
Schulgebäude
Die Schule ist in Ihrer Zweigeschossigkeit auf große Übersichtlichkeit hin angelegt. Ihr Obergeschoss nimmt alle, zu Clustern zusammengefassten Klassenzimmer auf, allseitig belichtet, von der Ost-West-Magistrale erschlossen und über vier großzügige Treppen mit dem Erdgeschoss verbunden. Das Erdgeschoss nimmt die Fachklassen, die Räume des Horts, die zentrale Aula, die Schulkantine und das Hortcafé, sowie den Trakt der Lehrer auf. Belichtet, belüftet und gegliedert wird dieses Geschoss über vier großzügige Innenhöfe, welche mittels geschosshoher Falttüren die Aula erweitern. Ebenso findet der Hort mit dem Elterncafé seinen Platz im Erdgeschoss, direkt unter den Clustern 1 und 2. Er wird vom Hortgarten im Osten aus erschlossen und kann bei Bedarf von allen übrigen Nutzungen abgetrennt werden.
Turnhalle
Die Turnhalle wird als eigener Baukörper, wie die Schule, auf Punktfundamenten errichtet. Eine enge Reihung hoher Holzbinder überspannt die Vierfeldhalle, ihre Binderhöhe bildet an beiden Längsseiten die Befensterung der Halle. Holzständerwände und BSH-Decken bilden das übrige Tragwerk.
Klima- und Energiekonzept
Ziel des Klima- und Energiekonzeptes ist es durch eine Kombination von passiven und aktiven Maßnahmen den Aufwand für die Errichtung und den Betrieb des Gebäudes zu minimieren und gleichzeitig den Komfort und die Nutzungsqualität zu optimieren. So wird ein hohes Maß an Energieeinsparung, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit erreicht. Neben der thermischen, lufthygienischen und akustischen Qualität spielt auch gute Tageslichtverfügbarkeit eine besondere Rolle. Die Konstruktion besteht zu großen Teilen aus dem Baustoff Holz und minimiert dadurch den ökologischen Fußabdruck der Erstellung des Gebäudes. Die fehlende thermischen Masse im Holzbau wird durch die Integration von Lehmsteinen in den Flurwänden ausgeglichen. Der Lehm sorgt zudem durch seine hygrothermische Speicherfähigkeit für ein sehr angenehmes Raumklima. Um zusätzlich ein ausgewogenes Mikroklima zu fördern und die Kühllasten zu reduzieren, verfügt das Gebäude über mehrere bepflanzte Innenhöfe sowie eine Dachbegrünung. Der ausgewogene Fensterflächenanteil erlaubt in den Klassenbereichen eine optimierte Versorgung mit Tageslicht. Mit dem außenliegenden beweglichen Sonnenschutz werden die solaren Lasten geregelt und eine gleichmäßige Lichtverteilung im Gebäude gewährleistet.
Lüftung, Beheizung, Kühlung
Der hybride Lüftungsansatz sorgt bei reduziertem Technik- und Energieaufwand für eine hohe Luftqualität. In die Fassade integrierte, dezentrale und hocheffiziente Zu- und Abluftgeräte mit Wärmerückgewinnung werden zur Grundlüftung herangezogen und mit Stoßlüftung in den Pausen ergänzt. Für die innenliegenden Bereiche im Erdgeschoss und die Küchen sorgt eine zentrale Lüftungsanlage für Zu- und Abluft. Die Temperaturregulierung des Schulgebäudes erfolgt über eine flächige Fußbodenheizung, die von einer Wärmepumpe in Kombination mit Erdkollektoren versorgt wird. Dieses System eignet sich auch für passive Kühlung im Sommer.
Das Holztragwerk
Stützen, Deckenbalken und Unterzüge aus BSH, mit einheitlichen Abmessungen im ganzen Gebäude, gewährleisten maximale Vorfertigung und garantieren schnelle Montage. Dies reduziert die Bauzeit und damit die Baukosten. Es ermöglicht unmittelbar nach Errichtung des hölzernen Tragwerks den trockenen, witterungsgeschützten Ausbau.
Beurteilung durch das Preisgericht
Erfreulicherweise wurde das unkonventionelle, unerwartete allerdings auch etwas vage Konzept aus der ersten Phase in der Überarbeitung beibehalten und so in der Durcharbeitung konkretisiert und verfeinert, dass der besondere und anspruchsvolle Entwurfsansatz einer kritischen Betrachtung standhält.
Aufgrund der durch das Gewerbegebiet als wenig attraktiv empfundenen Umgebung schlagen die Verfasser eine konsequent introvertierte Lösung vor. Bau- und Raumkörper bilden ein Ensemble in einer markanten, dichten Pflanzung von zukünftig komplett den Standort umgebenden Baumhainen. Die Baukörper sind die zweigeschossige, sehr kompakte - dennoch feingegliederte - Schule und die funktional konzipierte Turnhalle, die Raumkörper sind - erstaunlicherweise - das deutlich abgesenkte Sportfeld so wie der räumlich gefasste, zentrale - etwas zu kleine - Schul- und Pausenhof. Die Bestandteile des so arrangierten Ensembles sind ebenso prägnant wie im positiven Sinne einfach, das Entwurfsthema ´Lichtung im Wald´ besticht.
Bevor die disziplinierte Durcharbeitung der nur zwei Geschosse hohen Schule gewürdigt werden soll, bevor die Vorteile der abgesenkten Sportfläche für die angrenzenden Wohngebiete betont werden und das großzügige Angebot des öffentlichen Grüns zwischen der Landstraße und Schloss Dahlwitz wahrgenommen werden kann, sollen vorab geäußerte Bedenken angezeigt werden: Für die Umsetzung des beinahe poetischen Konzeptes bis zum Endzustand braucht die Schule Zeit. Unbestritten. Aber dann …!
Dann steht nicht nur die neue Peter Joseph Lenné Schule für Schüler, Sportler und Lehrer zur Verfügung, dann erhält ganz Hoppegarten einen neuen attraktiven Grünraum zwischen Neu Hönower Weg, von Canstein-Straße und Rudolf-Breitscheid-Straße zur uneingeschränkten Nutzung.
Die Setzung der Schulgebäude und eine harmlose und beinahe unauffällige Fassung der Sportfläche ermöglichen eine praktische räumliche Sicherung durch Tore, so dass das Schulgelände und der Schulhof jeder Zeit unauffällig geschützt und gesichert werden können.
Der Bus- und PKW-Verkehr wird entzerrt und nördlich vor der Turnhalle am Neuen Hönower Weg organisiert, die PKW-Stellplätze sind erfreulicherweise getrennt, ein Bereich vor der Schule, ein weiterer Stellplatz an der von-Canstein-Straße, hier befindet sich auch die Kiss&Ride-Zone. Fahrradabstellmöglichkeiten sind nachvollziehbar an jedem der drei Hauptzugänge vor dem Schulhof angeordnet.
Vom Schulhof werden die Sporthalle wie die Schule erschlossen, der Haupteingang in die Schule führt in eine zentrale Fläche die sowohl als Aula, Mensa oder Veranstaltungsfläche genutzt werden kann, drei gut dimensionierte, zuschaltbare Atrien bringen Tageslicht, vier an die zurückhaltend dimensionierte Magistrale angeordnete Treppen erschließen das Obergeschoss, die Orientierung im Gebäude ist ebenso gut wie einfach. Im 1. OG liegen konsequent alle Cluster und die Klassen, alle anderen Flächen befinden sich im Erdgeschoss. Alle Cluster sind überzeugend konzipiert, haben direkten Bezug zu angrenzenden Dachgärten und angenehme Außenbezüge.
Die Gebäudeanmutung ist einer Grundschule überaus angemessen, die vorgeschlagene Ziegelfassade ist ebenso zurückhaltend wie überzeugend gegliedert, sie ist robust, sinnvoll und lässt geringe Unterhaltungskosten erwarten. Das Tragwerk aus Holz, in Kombination mit Lehmsteinen ist optisch, haptisch und klimatisch angenehm, der ökologische Fußabdruck scheint erfreulich klein.
Hinsichtlich der Kenndaten liegt die Arbeit im durchschnittlichen und sogar im unterdurchschnittlichen Bereich. Die Realisierung in zwei Bauabschnitten scheint plausibel.
Der Entwurf liefert einen wertvollen, angemessenen Beitrag. Sofern das ambitionierte und ehrgeizige Konzept umgesetzt wird, kann Schüler- und Lehrergenerationen ein ganz besonderer Ort der Grundschulzeit in wertvoller Erinnerung bleiben.
Und schon vor dem Baugesuch könnte man bereits mit den erforderlichen Hainpflanzungen beginnen.
Die Freianlagen überzeugen durch das Konzept, die Neubauten in einen waldartigen Campus mit einer innenliegenden Freifläche als Lichtung zu stellen. Hierdurch entsteht ein introvertierter Raum mit hohen Freiraumqualitäten und hohem Identifikationscharakter. Durch die Absenkung des Sportbereichs integriert sich dieser selbstverständlich als weiteres landschaftliches Element in die Freiflächen und bietet hierdurch auch einen Schallschutz zur angrenzenden Nachbarbebauung. Die verkehrlichen Funktionen und die Erschließung sind gut gelöst. Das überzeugende Konzept einer Schule in einem waldartigen Umfeld ist jedoch von der frühzeitigen und langfristigen Entwicklung der Baumstrukturen abhängig. Die sehr konzeptionell dargestellten Schulhofflächen und Fahrradabstellflächen bedürfen zudem einer weiteren Durcharbeitung.
Blick in die Aula zwischen den Innenhöfen
©Nora Walter Images
Lageplan
©Und Mang Architektur
Grundriss Erdgeschoss
©Und Mang Architektur
Grundriss Obergeschoss
©Und Mang Architektur
Schnitte und Ansichten
©Und Mang Architektur
Klima- und Energiekonzept
©Transsolar