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Einladungswettbewerb | 01/2025

Neubau Pfarrzentrum Christkönig in Erkelenz

Johannismarkt

Johannismarkt

ein 3. Preis

Preisgeld: 15.000 EUR

Hausmann Architektur

Architektur

RABE LANDSCHAFTEN | ARGE STUDIO URBANE LANDSCHAFTEN

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Weiterbauen zwischen Johannismarkt und Westpromenade

Wir spinnen die vorgefundenen städtebaulichen Strukturen der Stadt Erkelenz und das Bestandsgebäude des Pfarrzentrums im vorliegenden Entwurf weiter.
Charakteristisch für die stadträumliche Vielfalt von Erkelenz sind Abfolgen kleinerer und größerer Plätze, schmaler Gassen, gedeckter Durchgänge und durchgrünter Blockinnenbereiche.
Das Wettbewerbs-Grundstück befindet sich an einem Kreuzungspunkt aller genannten städtebaulichen Figuren zwischen der Westpromenade als Grünsaum und dem Johannismarkt als städtischen Platz. Es grenzt südwestlich an einen Schulhof und nordöstlich an Gärten, die im Blockinnenbereich liegen.
Die großzügige Öffnung des Grundstücks zum Johannismarkt mit dem Ausbilden einer markanten und gut wahrnehmbaren Adresse geht mit einem Bestandserhalt am Johannismarkt 15 leider nur schwer überein. Die Eingriffe in den Bestand wären hier so radikal, dass es sinnvoller erscheint, das Gebäude zurückzubauen, die wertvollen Baustoffe jedoch zu sammeln und wiederzuverwenden. Man erreich das Herz des neuen „Pfarrdorfes“ so über ein angemessen proportioniertes Gässchen.
Das Bestandsgebäude mit seinem vielfältig nutzbaren Saal bleibt der Kern des Ensembles. Wir setzen an das eingeschossige Foyer, eng anbindend, das Jugendzentrum als Erweiterung. Kurze Wege zwischen den Gruppenräumen und dem Saal, der auch innerhalb der Jugendarbeit genutzt wird, sind so sichergestellt. Trotz der hohen Kompaktheit des Tandems aus Pfarr- und Jugendzentrum können beide Nutzungen weiterhin für sich stehen und eigene Identitäten ausbilden. Wir sehen in der Kombination und dem Weiterbauen des Bestands eine Stärkung des Auftakts Richtung Johannismarkt als Gemeindeplatz.
Weiter ist so eine hohe Zahl an Wohnungen an der Westpromenade möglich. Abgebildet in zwei Baukörper öffnet sich das Ensemble großzügig zur Westpromenade und vollendet so die Durchströmbarkeit des Areals.
Im Erdgeschoss wollen wir zusätzlich zu den Büros einen, in der Auslobung nicht vorgesehenen, zusätzlichen Raum für die Gemeinschaft anbieten, der als „Wohnzimmer des Quartiers“ vielfältig nutzbar ist. So kann die dort untergebrachte Gemeinschaftsküche einer Nutzung als Café dienen oder in den Mittagspausen die Flächen des Büros als Pausenraum ergänzen. Mehr ist denkbar!
Die Fassaden der Neubauten sollen sich visuell zurücknehmen. Daher schlagen wir hier für die Erweiterung des Pfarrzentrums und die Wohnungsbauten vorvergraute Fichte vor. Am Johannismarkt 15 ist die Nachnutzung der Ziegel des rückzubauenden Gebäudes denkbar. Durch wiederkehrende Fenstermaße und dem übergeordneten Prinzip der Lochfassaden werden die Gebäude dennoch im Zusammenhang wahrnehmbar.

Freiraum

Von der lebendigen Atmosphäre des Johannismarktes führt eine Fußgängerquerung direkt zum Neubau des Pfarrbüros und -archivs. Ein einladendes Gässchen mit barrierefreier Rampe führt auf das neue Pfarr- und Jugendzentrum zu. Das schützende Vordach des Hauptgebäudes und eine Sitzinsel mit einer Eiche empfängt die Ankommenden und lädt ein, den Ort näher zu erkunden. Auf der rechten Seite führt ein Stufengarten hinunter zur Außenterrasse des Schützenvereins, wodurch eine harmonische Verbindung zwischen den unterschiedlichen Ebenen geschaffen wird. Das Jugendzentrum öffnet sich durch bewegliche Fassadenelemente und bietet einen fließenden Übergang zwischen Innen- und Außenräumen. Die alten Steinstelen fassen die Raumkanten ein und verleihen dem sonnendurchfluteten Innenhof mit seiner einladenden langen Tafel eine historische und geborgene Atmosphäre. Ein Weg, der von Pollerleuchten gesäumt wird, verbindet die verschiedenen Bereiche des Grundstücks. Entlang dieses Weges, der durch den grünen Saum mit beeindruckenden Bestandsgehölzen führt, sorgt eine gezielte Pflege für eine biologische Aufwertung. Insektenhotels und Nistkästen machen die Grünfläche zu einem lebendigen Ort für Mensch und Natur. Hinter dem Gebäude öffnet sich eine kleine Platzfläche, die von einem Regenwasserbrunnen dominiert wird. Dieser ist nicht nur ästhetisches Element, sondern auch ein zentraler Bestandteil des nachhaltigen Entwässerungskonzepts. Dieser Platz fungiert als Verteiler und verbindet das Pfarr- & Jugendzentrum, das Quartierszimmer, die obenliegende Terrasse des Jugendzentrums und den Schulhof. Die bestehende Klinkermauer am Schulhof wird an ausgewählten Stellen geöffnet, um neue Verbindungen und Räume des Austauschs zu schaffen. Auch die großzügige Grünfläche, der Spielanger, der Platz für Bewegung, Feste und gemeinsames Gärtnern bietet liegt an diesem Platz. Hochbeete laden Jugendliche dazu ein, Gemüse anzupflanzen und weiterzuverarbeiten. Weiter durchs Quartier flaniert betritt man den trichterförmigen Vorplatz mit Sitzinsel an der Westpromenade. Das Grundstück kann nach Wunsch mit zwei Zäunen abgeschlossen werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit verdichtet den Hofbereich durch einen zweigeschossigen polygonalen Anbau an das bestehende Pfarrzentrum. Durch einen präzisen gesetzten und geformten Baukörper am Johannismarkt gelingt eine überzeugende Hinführung zum Haupteingang des Pfarr- und Jugendzentrums. Diese Hinführung wird durch die Blickbeziehung vom Platz zu den pfarrlichen Nutzungen hin unterstützt. Allerdings kann die Gegenüberstellung mit der Brandwand des Pfarrhauses in der Gasse nicht überzeugen.

Die bis zu fünfgeschossige Bebauung an der Westpromenade wird sowohl aufgrund ihrer Solitärwirkung als auch der Höhenentwicklung kritisch gesehen. Darüber hinaus nehmen die Baukörper zu wenig Bezug zum städtebaulichen Kontext. Auch wird hinterfragt, ob die polygonale Formensprache als thematische Setzung die richtige Antwort auf die unterschiedlichen städtebaulichen Rahmenbedingungen des Grundstückes gibt, auch wenn diese die angestrebte räumliche Durchlässigkeit zum Blockinnenhof unterstützt.

Die Durchwegung des Grundstücks entlang von kleinteilig gestalteten Außenbereichen sowie die beidseitig den Eingängen des Pfarrzentrums vorgelagerten qualitätvollen Vorbereiche, werden positiv bewertet; allerdings fehlt aufgrund der großen mittigen Baumasse eine größer zusammenhängende Außenfläche, zumal bereits Außenbereiche auf der benachbarten Grundstücksfläche nachgewiesen werden.

Die Erweiterung, mit der der Bestand des Pfarrzentrums ergänzt wird, kann räumlich und architektonisch überzeugen. Die Doppelung der Foyers wirkt sich jedoch negativ auf die baulichen Kennziffern und damit die Wirtschaftlichkeit aus. Die innere Organisation erscheint insgesamt funktional und sinnvoll. Der zurückhaltende Umgang mit dem Bestand wird positiv bewertet, auch wenn der Anbau des Schießstandes im Untergeschoss sehr aufwändig ist.

Insgesamt wird die Arbeit als wichtiger Diskussionsbeitrag bewertet, kann aber letztlich vor allem aufgrund der vorgeschlagenen Bebauung zur Westpromenade nicht gänzlich überzeugen.
Lageplan

Lageplan

Isometrie

Isometrie

Westpromenade

Westpromenade

Grundriss EG

Grundriss EG