Nichtoffener Wettbewerb | 06/2025
Neubau Polizeirevier Dresden-Süd
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Außenperspektive - Blick auf den Haupteingang
©CODE UNIQUE Architekten GmbH
3. Preis
Architektur
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Verfasser:
-
Mitarbeitende:
Dominic Geppert, Amelie Langkutsch, Yuliia Strelnikova, jinyu liu, Yelim Han
TGA-Fachplanung
iproplan® Planungsgesellschaft mbH
Tragwerksplanung
Erläuterungstext
Städtebauliche Intention
Das Wettbewerbsgrundstück liegt in einem stadträumlich und funktional vielschichtigen Umfeld, das durch eine Vielzahl gegensätzlicher Maßstäbe und Strukturen geprägt ist. Großmaßstäbliche, teilweise leerstehende Industrieanlagen treffen hier auf Zeilenbauten der DDR-Moderne mit bis zu dreizehn Geschossen, während sich vereinzelt kleinere Wohn- und Bildungsbauten sowie gewerbliche Nutzungen in das Bild einfügen. Dieses heterogene Gefüge erzeugt eine urbane Spannung, die durch die städtebauliche Setzung des neuen Polizeireviers bewusst aufgenommen und neu interpretiert wird. Die Niedersedlitzer Straße fungiert dabei als zentrale stadträumliche Achse. Trotz ihrer verkehrlichen Bedeutung ist sie heute von funktional geprägten, wenig identitätsstiftenden Bauten gesäumt. Der Entwurf reagiert auf diese Situation mit einem klaren, selbstbewussten städtebaulichen Impuls: Ein kompakter, viergeschossiger Solitär in kubischer Form wird freistehend auf dem Grundstück positioniert und nimmt dabei bewusst Abstand von den bestehenden Baufluchten und Strukturen der Umgebung. Durch diese eigenständige Setzung entsteht eine neue Ordnung im Stadtraum, die sowohl Orientierung schafft als auch eine starke Adresse formuliert. Der freigestellte Baukörper entwickelt durch seine prägnante Form und ruhige Materialität eine hohe Präsenz, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Positionierung erlaubt die Ausbildung eines großzügigen, durchgrünten Vorplatzes entlang der Niedersedlitzer Straße, der als vermittelndes Element zwischen Stadtraum und dem öffentlichen Eingangsbereich des Gebäudes fungiert. Dieser Vorplatz übernimmt dabei mehrere Funktionen: Er ermöglicht eine klare Adressbildung, bietet Raum für Ankommen, kurze Aufenthalte und informelle Begegnungen und unterstützt die soziale Lesbarkeit der Institution Polizei im urbanen Gefüge. Die Flächenversiegelung wird durch dieses Konzept minimiert.
Der rückwärtige Grundstücksbereich ist als funktionale Zone ausgebildet, die dem internen Betrieb vorbehalten bleibt und den Sicherheitsbereich bildet. Hier befindet sich der eingefasste Polizeihof mit Stellplätzen für Einsatzfahrzeuge, gesicherten Abstellflächen und funktionalen Nebenräumen. Eine modellierte, extensiv begrünte Freifläche ergänzt diese Zone und übernimmt ökologische Funktionen wie Regenwasserversickerung, Klimapufferung und Biodiversitätsförderung. Gleichzeitig stärkt sie die Aufenthaltsqualität für die Mitarbeitenden und integriert das Gebäude subtil in das vorhandene Landschaftsbild. Die verbleibenden Flächen befinden sich im Überwachungsbereich und werden pragmatisch genutzt. Hier finden sich der Mitarbeiterstellplatz mit 44 Stellplätzen, Retentionsflächen und eine mögliche Fläche für die gewünschte Erweiterung wieder.
Die übergeordnete städtebauliche Strategie beruht auf der konsequenten Gliederung des Grundstücks in öffentliche, überwachte und gesicherte Bereiche. Trotz des hohen Sicherheitsbedarfs gelingt es dem Entwurf, eine offene, bürgernahe Haltung zu vermitteln, die den Polizeibau als transparentes, modernes Dienstleistungsgebäude mit starker städtebaulicher und gesellschaftlicher Präsenz positioniert.
Freiraumplanerische Konzeption
Die Freianlagen des neuen Polizeirevier Süd in Dresden gliedern sich in drei Bereiche, welche sich aus den Sicherheitsanforderungen ableiten. So entsteht ein einladender Vorplatz als Öffentlichkeitsbereich. Dieser bildet die neue Adresse zur Niedersedlitzer Straße. Die Gärten, welche durch das Ensemble des Polizeineubaus gefasst sind und im Sicherheitsbereich der internen Nutzung der Beamt*innen unterliegen, stellen den zweiten Bereich dar. Gerahmt wird das Grundstück durch den dritten Bereich, dem ökologischen Saum. Dieser bietet mit seinen begrünten und versickerungsfähigen PKW-Abstellanlagen, den Blühwiesen und lockeren Obstbäumen eine gute Übersichtlichkeit für den Überwachungsbereich. Die intensiv genutzten Freiräume von Vorplatz und internen Gärten steht dabei im starken Kontrast zum extensiven natürlichen Saum.
In Rastern angeordnete Baumhaine markieren den öffentlichen Vorplatz des Gebäudes und laden mit Bänken im Baumschatten zum Verweilen ein. Fahrradbügel, Fahnenmasten und Besucherstellplätze sind gut auffindbar und nah zum Haupteingang angeordnet. Der Vorplatz orientiert sich in seiner Gestaltung an den ortstypischen Vorgärten und bindet sich damit in die Strukturen der Vorgärten an der Niedersedlitzer Straße ein. Dies drückt sich besonders durch Bepflanzung mit niedrigen Hecken- und Staudenbändern aus. Um eine gute Einsehbarkeit zu gewährleisten und den Charakter eines einladenden Eingangsbereiches zu sichern, werden alle Gehölze als Hochstämme gepflanzt. Das Baumthema wird auch im internen Raingarden fortgeführt. In den ausschließlich für die Mitarbeiter*innen zugänglichen Gartenterrassen wird das Regenwasser in offenen Retentionsmulden gesammelt und temporär gespeichert. Sitzplätze im Schatten der Bäume, Tischtennis und Fitnessgeräte bieten den Beamt*innen (blick-)geschützte Erholungs- und Pausenangebote. Die Gestaltung mit Wasser und Gehölzen schafft zudem klimatische Verbesserungen an heißen Tagen. Auf einer Dachterrasse werden weitere Tische für die Pausen vorgesehen. Mit Insektenwiese, einer zusätzlichen Retentionsmulde für Extremwetterereignisse und vereinzelten Obstbaumgehölzen kann der Saum trotz umfangreicher Abstellanlagen und Erschließungen, als ökologische Ausgleichsfläche betrachtet werden, welche die Biodiversität und Stadtnatur fördern.
Das Freiraumkonzept legt großen Wert auf Versickerungsfähigkeit der Oberflächen zur Klimafolgenanpassung und eine Konzentration der intensiv bewirtschafteten Flächen zur Reduzierung der langfristigen Unterhaltungskosten. So werden alle PKW-Stellplätze durch Rasenliner versickerungsfähig hergestellt. Auch wird für die Zufahrten ein versickerungsfähiges Drainpflaster mit Natursteinvorsatz vorgeschlagen. Diese beinhaltet einen hohen Anteil an Recyclingbeton und reduziert den ökologischen Fußbadruck der Baumaßnahme. Auch auf dem Vorplatz werden die versiegelten Flächen auf ein notwendiges Minimum begrenzt. Der Landschaftsrasen des ökologischen Saums soll nur einmal pro Vegetationsperiode gemäht werden, was auch hier Pflegekosten spart.
Bauabschnitte und Umsetzung
Die Umsetzung des Bauvorhabens erfolgt in mehreren sorgfältig aufeinander abgestimmten Phasen. Ziel ist es, den laufenden Polizeibetrieb während der gesamten Bauzeit ohne Einschränkungen aufrechtzuerhalten. Zunächst wird der neue Hauptbaukörper auf dem derzeit unbebauten Grundstücksteil errichtet. So kann der bestehende Dienstbetrieb während der Baumaßnahme vollständig im Altbau verbleiben. Nach Fertigstellung und Bezug des Neubaus wird die alte Garagenanlage im Hof und der Bestandsbau zurückgebaut, und der rückwärtige Polizeihof erhält seine endgültige Gestaltung. Zum Abschluss werden die Freianlagen umfassend neugestaltet und ergänzt, was dem gesamten Grundstück den letzten funktionalen und gestalterischen Feinschliff verleiht. Diese abgestufte Vorgehensweise gewährleistet eine wirtschaftliche und möglichst störungsfreie Realisierung. Sie trägt zudem zur Akzeptanz der Maßnahme im laufenden Betrieb bei. Während aller Bauphasen als auch im Endzustand bleiben stets zwei voneinander unabhängige Zufahrten zur Erschließungsstraße vorhanden.
Innere Struktur und Funktionsorganisation
Der Neubau des Polizeireviers ist so konzipiert, dass er eine klare innere Struktur, kurze Wege, gute Orientierung und hohe Flexibilität im Arbeitsalltag bietet. Ein zentrales Erschließungskonzept mit großzügigem, offenem Treppenhaus und Aufzug bildet das Rückgrat des Gebäudes. Es sorgt für barrierefreie Zugänglichkeit und verbindet alle Geschosse mit kurzen Wegen und einer logischen Raumfolge. Im Erdgeschoss liegt der öffentlich zugängliche Bereich. Der Eingang erfolgt über einen überdachten Vorbereich, der witterungsgeschützt zum Vorplatz hin ausgerichtet ist. Direkt anschließend befinden sich der Empfang mit Wache und Dienstgruppenleitung. Diese Bereiche haben Sicht auf die Hauptzufahrt. Die Besucherführung ist intuitiv gestaltet und führt über einen zentralen Wartebereich in den gesicherten Bereich für Anzeigenaufnahme und Vernehmungen. Diese Räume sind so angeordnet, dass keine Einblicke von außen möglich sind, gleichzeitig aber durch Fenster zum begrünten Innenhof eine helle und freundliche Atmosphäre entsteht. Im rückwärtigen Teil des Erdgeschosses befinden sich technische und lagerspezifische Räume, Asservatenkammern sowie die Arbeitsplätze der Bürgerpolizei. Der interne Zugang erfolgt über den Polizeihof, der als gesicherter Bereich für Bedienstete dient. Der Hof ist funktional gegliedert und bietet Platz für Einsatzfahrzeuge, gesicherte Stellflächen, Nebengebäude und geschützte Fahrradabstellplätze. Fuß- und Fahrzeugverkehr sind dabei konsequent getrennt, um Sicherheit und Übersichtlichkeit zu gewährleisten. Im westlichen eingeschossigen Gebäudeteil befinden sich die Verwahrräume mit zugehörigem Untersuchungsraum, Vernehmungsräumen und Sanitäranlagen. Dieser Bereich ist baulich abgetrennt und besitzt einen eigenen Zugang vom Polizeihof.
Die drei Obergeschosse beherbergen die verschiedenen Dienstgruppen. Sie sind ähnlich aufgebaut und zeichnen sich durch eine modulare Raumstruktur aus. Treppenhaus, Sanitär- und Technikzonen sowie ein lichtdurchflutetes Atrium strukturieren die Geschosse, fördern Kommunikation und ermöglichen kurze Wege. Im ersten Obergeschoss sind der Streifendienst, der Führungsdienst, die Leitung sowie ein interner Aufenthaltsbereich mit angeschlossener Dachterrasse untergebracht.
Das zweite Obergeschoss ist dem Kriminaldienst mit verschiedenen Ermittlungsgruppen vorbehalten.
Im dritten Obergeschoss befinden sich weitere kriminaltechnische Räume sowie ein Mehrzweckraum für Besprechungen, Schulungen und Sonderlagen. Alle Geschosse folgen einer durchgängigen Rasterstruktur von 1,27 m, die eine flexible Raumaufteilung und Anpassung an zukünftige Anforderungen erlaubt. Alle Arbeitsplätze sind natürlich belichtet und belüftet. Teeküchen und informelle Treffpunkte unterstützen die interne Kommunikation. Im Untergeschoss liegen die zentralen Umkleiden für Damen und Herren, Technikräume sowie ein natürlich belichteter Sportraum. Die Trennung von Umkleide- und Duschbereichen ist flexibel anpassbar. Die 14 Meter hohe Antennenkonstruktion wird auf der Nordseite des Neubaus, an einem geschlossenen Wandbereich, angeordnet.
Der Neubau verfügt über zwei Fluchttreppenhäuser. Das Haupttreppenhaus fungiert dabei als eine der Fluchttreppen. Alle Rettungswege führen ebenerdig ins Freie und bleiben innerhalb der maximal zulässigen Lauflänge von 35 Metern. Zur frühzeitigen Branderkennung ist der Einbau einer automatischen Brandmeldeanlage vorgesehen. Aufgrund der kompakten und effizienten Gebäudegeometrie mit einer Ausdehnung von unter 30 Metern kann der Neubau je Geschoss als ein Brandabschnitt ausgeführt werden.
Architektonisches Erscheinungsbild
Das äußere Erscheinungsbild des Neubaus wird durch eine ruhige, selbstbewusste Architektursprache geprägt. Die Fassade aus Sichtziegelmauerwerk verleiht dem Gebäude eine robuste und zugleich handwerklich anmutende Ausstrahlung. Das vorgeschlagene Material ist ein regional gewonnenes Naturprodukt mit hohem Nachhaltigkeitsanspruch. Ziegel sind vollständig recyclebar, wiederverwendbar und erfüllen damit die Anforderungen an eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Gebäudehülle. Ein gleichmäßiges Raster aus Fenstern und Fugen strukturiert die Fassade, erzeugt ein harmonisches Gesamtbild und verleiht dem Baukörper skulpturale Tiefe. Im Wechselspiel angeordnete horizontale und vertikal verlaufende Lagerfugen betonen die Geschossigkeit. Tiefe Fensterleibungen unterstreichen den massiven Wandaufbau und verbessern den sommerlichen Wärmeschutz. Die Fassadengestaltung spiegelt die innere Ordnung und konstruktive Logik des Gebäudes wider. Sie vermittelt Solidität, Dauerhaftigkeit und Seriosität – Werte, die ein Polizeirevier als öffentliche Institution ausstrahlen soll. Zugleich wirkt die Fassade durch ihre Haptik und Maßstäblichkeit bürgernah und offen.
Konstruktives System
Das Tragwerk des Gebäudes basiert auf einem hybriden Konstruktionsprinzip aus Stahlbeton, Holz und Holz-Beton-Verbunddecken. Stützen und Deckenbereiche aus Holz tragen zur CO₂-Reduktion und einer angenehmen Innenraumqualität bei, während die Stahlbetonelemente für Aussteifung, Speichermasse und Brandschutz sorgen. Diese Kombination vereint ökologische, funktionale und wirtschaftliche Vorteile. Das regelmäßige Stützenraster ermöglicht eine flexible Grundrissgestaltung, die sich an veränderte Anforderungen im Polizeidienst anpassen lässt. Die thermische Hülle ist wärmebrückenfrei konstruiert und hochgedämmt. Dreifach verglaste Fenster reduzieren den Energiebedarf für Heizung und Kühlung. Die Dachflächen sind vollständig mit Photovoltaikmodulen belegt, die einen wesentlichen Beitrag zur Eigenstromversorgung leisten. Der technische Ausbau folgt einem Low-Tech-Prinzip, das natürliche Belüftung, robuste Systeme und eine einfache Steuerbarkeit kombiniert. Ziel ist es, ein Gebäude mit dauerhaft niedrigem Energieverbrauch, hoher Wirtschaftlichkeit und minimalem Wartungsaufwand zu schaffen. Zur Reduzierung des sommerlichen Wärmeeintrages wird an den Fenstern der Nord-, Ost-, West- und Südseiten des Gebäudes ein steuerbarer Sonnenschutz in verschiedenen Ausführungen angebracht. Alle Räume verfügen über einen innenliegenden Blendschutz. Die verhältnismäßig einfache Gebäudekonfiguration mit einer bewährten Ausführungskonstruktion gewährleistet eine wirtschaftlich optimierte Bauwerkserstellung. Mit den einheitlichen und optimierten Fassadenoberflächen sind alle Wartungs- und Reinigungsaufwendungen im günstigen Bereich anzunehmen. Ziel des vorliegenden Technikkonzeptes ist es, das Gebäude wirtschaftlich und energetisch optimal zu betreiben. Soweit möglich ist ein hoher Grad an natürlichen belüfteten Bereichen erstrebenswert (Büros, Besprecher und Sozialräume).
Energie- und Technikkonzept
Heizen / Kühlen
Für die Heizlast wurde überschlägig eine Heizlast von ca. 60 kW ermittelt. Der Kühlbedarf wurde mit ca. 13 kW errechnet. Dieser setzt sich aus circa 7 kW Raumkühlung, welche über die Wärmepumpe abgedeckt wird und 6 kW aktive Kühlung für die Technikräume Server, Medientechnik, BOS, BMA, GMS/EMA/ZK. Die Deckung der erforderlichen Heiz- und Kühllast erfolgt über eine Wärmepumpe, welche als Wärmequelle Geothermie (Tiefenbohrungen) nutzt. Die erforderlichen Tiefenbohrungen werden im Außenbereich angeordnet. Die Aufstellung der Wärmepumpe selbst erfolgt im Gebäude in einer Technikzentrale. Die Wärme- bzw. Kälteverteilung erfolgt über Flächenheizung bzw. -kühlung in Form einer Fußbodenheizung. Der massive Aufbau der Fassade des Gebäudes sowie der inneren Strukturen wirken als großer Wärmespeicher und geben die Wärme oder Kälte langsam und gleichmäßig an den Raum ab. Die Vorteile liegen dabei bei der hohen Energieeffizienz, den komfortablen Raumtemperaturen ohne Zugluft und den geringen Betriebskosten. Die Gebäudeerschließung erfolgt über einen zentralen Mediensteiger, in welchem die Rohrsteiger sowie die Etagenverteiler angeordnet werden.
Raumlufttechnik
Die regulären Büroräume werden über Fensterlüftung (händische Bedienung) belüftet. Durch die permanente Besetzung der Polizeiwache kann so auch eine unkomplizierte Nachtauskühlung der Büroräume realisiert werden. Die beiden Lufträume (Treppe und Atrium) ermöglichen, in Kombination mit den geöffneten Einzelfenstern, eine Querlüftung. Die warme Luft wird über öffenbare Klappen in den Oberlichtern nach Außen geleitet. Gemäß Aufgabenstellung erfolgt eine maschinelle Lüftung für die Duschräume, die innenliegenden Räume, die Verwahrräume, Räume für Waffen und Munition und die Räume GMS/EMA/ZK. Für die Deckung des Frischluftbedarfes wurde eine Volumenstrom von ca. 4.000 m³/h ermittelt. Für die mechanische Be- und Entlüftung ist ein kombiniertes Zu- und Abluftgerät mit integrierter Wärmerückgewinnung vorgesehen. Im Winter wird die Außenluft zunächst über die integrierte Wärmerückgewinnung vorgewärmt. Über ein Nachheizregister wird die Zulufttemperatur auf die erforderliche Zulufttemperatur angehoben. Durch die Nutzung der integrierten Wärmerückgewinnung kann ein sehr hoher Anteil der Abluftwärme zurückgewonnen werden, wodurch die Betriebskosten und die CO2-Emissionen dauerhaft gesenkt werden. Die Gebäudeerschließung erfolgt über einen zentralen Mediensteiger, in welchem die Außen- und Fortluftkanäle sowie die Zu- und Abluftkanäle geführt werden. Die Außenluftansaugung und der Fortluftauslass erfolgt über Dach über Lüftungshauben.
Stromversorgung / Datentechnik
Die Stromversorgung der Liegenschaft erfolgt aus dem Niederspannungsnetz, wobei hierfür der bestehende Mittelspannungsanschluss genutzt werden kann. Es wurde ein Anschlusswert von ca. 150 kVA ermittelt. Der Energieverbrauch wird bei 1/4h-Messung im Maximum mit 40-45 kW, und einem Jahresenergiebedarf von 100.000 kWh abgeschätzt. Zur Realisierung einer weitgehenden autarken Versorgung sind zwei PV-Anlagen vorgesehen. Anlage 1 soll auf dem Dach der Polizeiwache angeordnet werden. Hier ist eine installierte Leistung von ca. 40 kWp durch Aufstellung von 90 PV-Modulen mit 30° Neigung und Ost-Westausrichtung möglich. Die zweite Anlage wird auf dem Garagenkomplex mit einer installierten Leistung von ca. 30 kWp (60 Module) bei Südausrichtung und ebenfalls 30° Neigungswinkel vorgesehen. Durch beide Anlagen kann eine Energieautarkiequote von ca. 50 % erzielt werden, wobei die Eigenverbrauchsquote bei ca. 80 % liegt.
Zu Sicherstellung des 24/7 Betriebes der Polizeiwache wird ein Netzersatzaggregat 300 kVA (unter Berücksichtigung Anlaufverhalten Dieselaggregat) im Bereich der Garagen vorgesehen. Zur Überbrückung der vorgegeben 72 h wird eine Dieselbevorratung von ca. 4.000 l erforderlich. Der Vorratstank kann zur Reduzierung der notwendigen überbauten Fläche zur Unterbringung der NEA als Erdtank realisiert werden. Die Anlage wird zur Ersatz- und Sicherheitsstromversorgung (EV/SV) genutzt. Die Erschließung aller Bereich mit Strom erfolgt ausgehend von der NSHV über in jeder Etage angeordnete Etagenverteiler. Es werden Allgemeinsteckdosen und Steckdosen für EDV vorgesehen.
Die Beleuchtung wird mittels LED-Leuchten realisiert. Diese werden über Präsenzmelder in Fluren und Sanitärbereichen geschaltet. In den Bürobereichen wird eine klassische Schaltung mittels Taster in Kombination mit einem DALI-Präsenz- und Tageslichtregler zur Konstantlichtregelung und automatischen Abschaltung der Beleuchtung bei Abwesenheit geschaltet. Alle weiteren Beleuchtungsanlagen werden über konventionelle AN/AUS-Schaltung geschaltet. Eine separate Sicherheitsbeleuchtungsanlage mittels Zentralbatterieanlage (auf Grundlage ASR) wird nicht vorgesehen, da der gesamte Gebäudekomplex über die Netzersatzanlage versorgt wird und so überwachte Sicherheitsleuchten eingesetzt werden können. Für die IT-Versorgung werden je Etage Server-/Datenräume vorgesehen. Es wird eine dienstneutrale Versorgung geplant. Zur Zwischenpufferung der Datentechnik zwischen Allgemeinnetzausfall und Anlauf der NEA, werden dezentrale USV-Anlagen geplant. Für die Gefahrenmeldeanlagen (GMS, EMA, Video, ZK), die Brandmeldeanlage als Hausalarmanlage, die Medientechnik und die BOS- und Antennentechnik werden eigene Zentralen vorgesehen. Die Anlagentechnik der Gefahrenmeldeanlagen und der Medientechnik wird über ein physikalisch von der dienstneutralen Datenversorgung getrenntes Netz betrieben. Der Antennenmast zur Übertragung wird auf dem Dach der Polizeiwache so platziert, dass keine Verschattungen der PV-Anlagen möglich sind.
Gebäudeautomation
Zu Steuerung der Raumlufttechnischen Anlagen sowie der Geothermie in Kombination mit der Betonkernaktivierung wird eine Gebäudeleittechnik (BACnetIP) bestehend aus Feld- und Automationsebene vorgesehen. Die Anlage wird im Raum der Wärmepumpe installiert. Die Daten aus der Feldebene werden über dezentrale Raumregler erfasst und vor Ort verarbeitet.
Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Bauen
Das konstruktive und nachhaltige Entwurfskonzept geht Hand in Hand und setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, welche von Anfang an bedacht werden müssen, um eine ideale Schnittmenge zwischen Gestaltung, Konstruktion und dem minimalen Einsatz von Ressourcen zu finden. Ein Leitgedanke dieser Strategie ist das zirkuläre Bauen, welches den gesamten Bauprozess und den Lebenszyklus des Bauwerks betrifft. Neben einem kompakten Volumen und geringer Flächenversiegelung spielt hier insbesondere eine flexible Grundstruktur eine große Rolle, da nur anpassungsfähige Konzepte zukunftsfähig und nachhaltig nutzbar sind. Neben dem Einsatz von nachwachsenden Materialien, recycelbaren Materialien, Sekundärmaterialien und Recycling- und Ökobeton wird vorgeschlagen, einen Rohstoffpass anzulegen, um alle verwendeten Materialien zu kartieren und sie nach Beendigung der Nutzungsphase wieder in den Rohstoffkreislauf zu überführen. Die Wiederverwendung von Baumaterialien ist ein zentraler Aspekt nachhaltiger Bauweisen, der auf die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs und die Minimierung der Umweltbelastung abzielt. Oft werden bei Abriss- oder Sanierungsarbeiten große Mengen an Bauabfällen produziert, die auf Deponien entsorgt werden müssen. Durch sorgfältige Demontage und Wiederverwendung von Bauteilen können viele dieser Abfälle vermieden werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Baumaterialien wiederverwendet werden können, um eine ressourcenschonende und umweltbewusste Gestaltung von Gebäuden zu ermöglichen. Eine Option ist die Verwendung von recycelten Baustoffen wie Recycling-Beton, Ziegeln, Glas oder Metall. Durch Recyclingprozesse werden diese Materialien zu hochwertigen Rohstoffen in der Bauindustrie umgewandelt, wodurch der Bedarf an primären Ressourcen reduziert und der Energieverbrauch gesenkt wird. Das Recycling von Baumaterialien bietet nicht nur ökologische Vorteile, sondern kann auch wirtschaftliche Chancen bieten. Es fördert die Kreislaufwirtschaft und schafft ein Bewusstsein für die begrenzten Ressourcen. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, gewinnt die Wiederverwendung von Baumaterialien zunehmend an Bedeutung und wird zu einem integralen Bestandteil moderner und zukunftsfähiger Architektur. Ökologische Nachhaltigkeit in der Architektur bezieht sich darauf, wie Gebäude und Bauprojekte gestaltet, gebaut und betrieben werden, um minimale negative Auswirkungen auf die Umwelt zu haben und Ressourcen effizient zu nutzen. Die Gestaltung des Neubaus zielt darauf ab, den Energieverbrauch zu minimieren. Dies wird durch die Verwendung energieeffizienter Materialien, guter Wärmedämmung, optimaler Platzierung von Fenstern für natürliche Belichtung und Belüftung sowie den Einsatz erneuerbarer Energiequellen erreicht werden. Die Auswahl von Baumaterialien hat einen erheblichen Einfluss auf die Umweltbilanz eines Gebäudes. Der Neubau bevorzugt Materialien mit geringem ökologischem Fußabdruck, wie recycelte oder recycelbare Materialien, Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und andere umweltfreundliche Baustoffe. Die Integration von grünen Dächern und Fassadenbereichen trägt nicht nur zur Energieeffizienz bei, sondern fördert auch die Biodiversität, verbessert die Luftqualität und trägt zur Ästhetik des Gebäudes bei. Durch die Anwendung der Prinzipien des ökologisch nachhaltigen Bauens und der Kreislaufwirtschaft strebt der Neubau an, einen positiven Beitrag zur Umwelt zu leisten und eine langfristig nutzbare und qualitätvolle Architektur zu schaffen, die der Aufgabe und den Wünschen der Nutzer*innen gerecht wird.
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Lageplan
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