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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2025

Neubau Projekthaus Zukunft und Exzellenzcluster CeTI für die TU Dresden

Das Projekthaus Zukunft der TU Dresden soll ein neuer Magnet im Herzen des Campus werden.

Das Projekthaus Zukunft der TU Dresden soll ein neuer Magnet im Herzen des Campus werden.

Anerkennung

Preisgeld: 12.000 EUR

agn Niederberghaus & Partner GmbH

Architektur, Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Das Projekthaus Zukunft nimmt eine prominente städtebauliche Position auf dem Campus der TU Dresden ein: an der Schnittstelle zwischen der historischen Pappelallee und der neu zu definierenden „Academic Mile“. Durch seine zentrale Lage und prägnante architektonische Setzung hat das Gebäude das Potenzial, zu einem neuen Anziehungspunkt des Campus zu werden.

Um dieser Rolle gerecht zu werden, öffnet sich das Gebäude mit seiner gesamten Breite nach Osten Richtung Hörsaalzentrum und fasst die HSZ-Wiese neu – sie wird zum räumlich definierten Herzstück und zur sozialen Mitte des Campus. Dafür werden die umlaufenden Balkonbänder im Eingangsbereich angehoben und schaffen eine visuelle Zweigeschossigkeit, die dem Gebäude Präsenz und Strahlkraft verleiht. Gleichzeitig wird eine enge Verbindung zwischen Innen- und Außenraum geschaffen, indem sich die Campus-Landschaft in das Gebäude hinein fortsetzt.

Im Westen erfährt das Gebäude eine gegenteilige Geste: Hier wird die Balkonschicht abgesenkt, sodass sich der Baukörper zur angrenzenden Bebauung zurücknimmt. Gemeinsam mit der eingehausten Technikebene entsteht ein zweigeschossiges Staffelgeschoss, das sich harmonisch in die umliegende Dachlandschaft der TU Dresden einfügt.

Die umlaufenden Balkonbänder übernehmen vielfältige Funktionen: Sie dienen nicht nur als feststehender Sonnenschutz und Wartungsfläche zur einfachen Fassaden- und Fensterreinigung, sondern auch als erweiterte Büroflächen – Orte der Entspannung und der informellen Kommunikation. Zusätzliche Aufenthaltsqualitäten bieten die Terrassenflächen im Innenhof, die Dachterrasse mit Ausblick über den TU-Campus im Bereich der zurückspringenden Attika im Westen sowie ein nach Süden orientierter Dachgarten, der Möglichkeiten für Urban Gardening eröffnet.

Mit seinem klaren städtebaulichen Konzept, seiner prägnanten architektonischen Gestalt und seinen vielseitig nutzbaren Außenräumen setzt das Projekthaus Zukunft einen neuen Impuls für die Weiterentwicklung des TU-Campus.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die städtebauliche Setzung des klaren, rechteckigen Baukörpers mit Innenhof und 6 Nutzgeschossen wird grundsätzlich als stimmig und angemessen gewürdigt. Das Bestandsgebäude wird ausreichend freigestellt, die Anordnung eines neuen Gebäudes für die Feuerwehrfahrzeuge zwischen Verwaltergebäude und Geräteschuppen wirkt dagegen eher kleinteilig. Eine umlaufende, den Baukörper räumlich prägende, begrünte Balkonschicht wird Richtung HSZ angehoben, dadurch entsteht ein zweigeschossiger verglaster Sockel, dessen Proportion in der Hauptansicht jedoch nicht vollständig überzeugt. Mit Ausbildung einer begrünten Dachkrone als Dachgarten, Urban-Gardening und Technikfläche wird ein differenzierter Gebäudeabschluss ermöglicht. Die klare Orientierung des Haupteinganges, welcher durch die zweigeschossige Fassade eindeutig in Richtung des HSZ adressiert ist, sorgt für eine begrüßenswert einfache Anordnung im fallenden Gelände sowie eine gute Verzahnung mit dem angemessen bespielten Vorplatz.

Im Gegensatz dazu wirkt das Foyer wenig innovativ, räumlich gedrungen und ist hinsichtlich der Personenführung nicht zufriedenstellend gelöst. Durch die Anordnung von zwei gegenüberliegenden Erschliessungskernen und einer offenen? Treppe über alle Geschosse wird ein äußert robustes und strukturell auch gut umnutzungsfähiges Layout geschaffen. Die umlaufende Erschließung in den Regelgeschossen, welche begleitend zum gestaffelten Innenhof (Aussenklima) natürlich belichtete Aufenthalts- und Kommunikationszonen und im 1.0G und 3.0G jeweils einen Austritt zu einer Terrasse ermöglicht wird im Preisgericht als tragfähige Lösung gewürdigt. Nahezu alle Büroräume sind an die umlaufende Balkonzone angebunden. Mit den dort geplanten partiellen Begrünungen wird diese Filterschicht ein wertvoller und individueller Außenraum für viele Gebäudenutzer innen. Die konzentrierte Anordnung der öffentlichen Flächen der Labore und Experimentierbereiche, des Hörsaales sowie des Cafés im Erdgeschoss überzeugt. Die klare Schichtung des Gebäudes, welches den Grad an Öffentlichkeit von unten nach oben reduziert wird von der Jury als robuste Struktur begrüßt.
Das Raumprogramm ist erfüllt, jedoch liegen, gerade durch den hohen Anteil an Verkehrs- und Technikflächen, die Kennwerte für BGF und BRI deutlich über dem Mittelwert aller Beiträge. Mit bereits etablierten Baukonstruktionen sowie einem einheitlichen und angemessenem Konstruktionsraster von 7,50m x 7,50m kann eine wirtschaftliche und zeitsparende Bauweise in Verbindung mit einer effizienten Vorfertigung gleicher Bauteile (z.B. Fassade) erreicht werden.

Der Sonnenschutz wird im Wesentlichen durch eine feste, begrünte Balkonschicht gewährleistet. Die Nutzung eines Erdluftregisters als Wärme- und Kältespeicher wird als innovative und zukunftsfähige Option befürwortet. Photovoltaikanlagen auf dem Flachdach und an den Fassaden stellen einen wirksamen Beitrag zur Energieversorgung dar. Der Einsatz von Holz im Außenbereich für die Balkone wird hinsichtlich des Wartungs- und Pflegeaufwandes eher kritisch beurteilt.
Funktionsflächen der Feuerwehr außerhalb des Hauptgebäudes anzuordnen ist ebenso richtig wie die gewählte Funktionszuordnung im Bestandsgebäude. Die Adressierung und Auffindbarkeit der STURA-Funktionsbereiche im 5. Obergeschoss des Neubaus ist dagegen noch nicht befriedigend gelöst.

Das Gebäude wird geschickt in die Topografie gesetzt, so dass der Haupteingang an der Ostfassade niveaugleich erreichbar ist und sich nach Norden eine attraktive Café-Terrasse als Podest herausbildet, die über verschleifende Stufen mit dem angrenzenden Freiraum verbunden ist. Das Gebäude und die Stufenanlage rücken dabei der Platanenallee deutlich zu nah.
Der HSZ-Wiese wird weitgehend in ihrer bisherigen Struktur belassen. Sinnvoll ist die Platzaufweitung vor dem Haupteingang des Neubaus, die den Weg vom HSZ auffängt und Raum für Veranstaltungen bietet.
Hier mündet auch eine neue Rampenerschließung zur Academic Mile. Sie ist diagonal in eine ca. 80 m lange Sitzstufenanlage eingeschnitten, die die bisher bepflanzte Böschung ersetzt und als Tribüne zur Wiese dienen soll. Punktuell eingelagerte, schmale Pflanzstreifen werden als nicht ausreichend angesehen, hier einen attraktiven, Kleinklimatisch angenehmen Ort zu erzeugen.
Durch die Ergänzung einer Fahrzeughalle für die Feuerwehr westlich des Verwaltungsbaus muss wertvoller, raumprägender Baumbestand gefällt werden.
Die nicht bodengebundene Fassadenbegrünung an der Außenkante der Balkone wird - bei Sicherstellung einer entsprechenden Pflege und Bewässerung - zu einem dynamischen Fassadenbild und wird zu angenehmeren Mikroklimata beitragen.

Gesamthaft würdigt die Jury das klare städtebauliche und architektonische Konzept den angemessenen Umgang mit dem baulichen Kontext und die vielschichtige Integration von nachhaltigen Aspekten in den Entwurf. Dennoch fehlt es dem Projekt an der, für Ort und Aufgabe spezifischen Prägnanz, das Projekt wirkt bis zu einem gewissen Grad beliebig und austauschbar.