Nichtoffener Wettbewerb | 02/2025
Neubau Rathaus in Greven
9
Modell
©löhle neubauer
1. Preis
Preisgeld: 110.400 EUR
Erläuterungstext
AUSSENANLAGEN – Vor dem Rathaus, das den neuen Stadteingang markiert, öffnet sich ein einladender Auftaktplatz, von dem aus auch der Mobility Hub fußläufig erschlossen ist. Daran schließt sich der stärker gefasste Rathausplatz an. Ein Bistro und ein Fontänenfeld beleben den Platz im Alltag, ermöglichen aber auch die Nutzung bei größeren Veranstaltungen. Nördlich der Bibliothek öffnet sich der Raum erneut und bildet einen weiteren Platz als Bindeglied zur Altstadt.
Nach Norden und Westen werden die Räume mit polygonalen grünen Feldern, die locker mit Bäumen überstellt sind, zu den angrenzenden Straßenräumen begrenzt und dadurch stärker gefasst. Dadurch wird auch der räumliche Bezug zum angrenzenden Emspark gestärkt. Die Grünflächen sind topografisch leicht modelliert und bilden an den Platzrändern Sitzkanten aus, die zum Verweilen einladen. Das anfallende Oberflächenwasser der Platzflächen kann hier über Fugen direkt in unterirdische Baumrigolen eingeleitet werden und steht so den Bäumen zur Verfügung. An den Auftaktplätzen spenden lockere Baumgruppen in Feldern aus wassergebundener Decke Schatten, ohne den Blick auf die Eingänge zu verstellen. Der südöstliche Vorplatz mit den Haupteingängen zum Rathaus und zur Bibliothek wird offengehalten und ebenfalls mit einzelnen Baumpflanzungen begrünt.
Die Fahrradstellplätze werden im Erdgeschoss des Mobility Hubs direkt von außen zugänglich, überdacht und dezentral in kleineren Gruppen im Bereich der Eingänge angeordnet.
Für die Beleuchtung der Hauptwegeverbindung werden Mastleuchten mit einem Mehrfachstrahlersystem vorgesehen. Auf den Platzflächen wird zusätzlich jeweils eine höhere Mastleuchte dieses Typs eingesetzt, die auch als skulpturale Elemente den Raum prägen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Städtebaulich fügt sich die Arbeit gelungen in den Stadtraum ein und setzt eine sehr selbstbewusste Geste. Das Hochhaus mit neun Geschossen schafft eine starke Verankerung an dem Stadteingang Münsterdamm/Rathausstraße. Es entsteht insgesamt ein spannungsvolles Verhältnis der Baukörper zueinander und eine gute Raumbildung. Der Hochpunkt schafft dabei die Verbindung der Pole Innenstadt und Emsaue.
Gleichzeitig ermöglicht der kleine Fußabdruck des Gebäudes einen erfreulich großen Anteil für den Freiraum auf dem Grundstück. Dieser Freiraum ist gut gegliedert – ein deutlicher Eingangsplatz an der Rathausstraße wird durch den versetzten Baukörper des viergeschossigen Bibliotheksbaus gebildet. Zum Münsterdamm wird ein gut proportionierter Auftaktplatz angeboten, der auch Bestandsbäume berücksichtigt. Im Übergang zur Innenstadt Grevens bildet sich ein grünes Rückgrat aus, sodass der entstehende Freiraum einladend für die Bürger:innen der Stadt wirkt und eine angenehme Durchwegung möglich ist. Die unterschiedlichen Charaktere der Plätze werden gut lesbar, die Aussagen zu Nutzungen und die Durcharbeitung der Freiraumangebote scheinen dabei allerdings noch schematisch und lassen nicht in Gänze eine qualifizierte Beurteilung zu.
Die innenliegenden Freibereiche im Bibliotheksbau mit dem Traugarten schaffen angemessene Angebote, die Nutzbarkeit des Innenhofes im Hochhaus muss jedoch überprüft werden. Der Versiegelungsgrad der Freiräume erscheint dem Preisgericht zu hoch, dies bedarf im Sinne einer Klimaanpassung einer stärkeren Öffnung.
Die Quartiersgarage passt sich durch die Grünfassade in den Platzraum ein. Die Maßstäblichkeit erscheint angemessen, auch wenn die geforderte Stellplatzanzahl nicht vollständig nachgewiesen wird.
Die Gestaltung der Fassaden ist sehr nüchtern ausgebildet, die Materialität und Anmutung überzeugen das Preisgericht nicht vollständig. Der Ratssaal mit den Fraktionsräumen orientiert sich sehr gut in Richtung Emsaue. Die Bibliothek ist sinnvoll in Richtung Innenstadt positioniert, sodass die Besucherströme sinnvoll und funktional organisiert werden.
Die Organisation der Büroeinheiten ist klar strukturiert, die Funktionszusammenhänge sind schlüssig. Das Rastermaß der Gebäude führt dazu, dass die gewünschten Büroflächen gut in dem geforderten Bürokonzept des Multispace organisiert werden können. Deutlich kritisch wird beurteilt, dass die Erweiterungsfläche bautechnisch hoch komplex zu errichten ist und zusätzlich den Innenhof des Hochhauses weiter beeinträchtigt.
Die Organisation der Quartiersgarage bedarf einer Optimierung. Insgesamt erscheint der Baukörper jedoch gut rückbaubar, sodass perspektivisch die Fläche für eine Nachnutzung zur Verfügung stehen kann.
Durch das gewählte Bebauungskonzept entsteht ein Entwurf, dessen Kennzahlen, insbesondere die Hüll- und Verkehrsfläche, im oberen Bereich im Vergleich der Arbeiten liegen.
Perspektive Bibliothek
©löhle neubauer
Lageplan
©löhle neubauer achitekten + wbp landschaftsarchitekten
Ansicht Süd . Parkdeck + Rathaus + Bibliothek
©löhle neubauer
Ansicht Süd . Parkdeck + Schnitt Rathaus + Bibliothek
©löhle neubauer
Ansicht Ost
©löhle neubauer
Schemaschnitt (verkürzt)
©löhle neubauer
Modell
©löhle neubauer
Modell
©löhle neubauer